Ein Amoklauf bei Jauch: Finaler Selbstmord der Demokratie

Amok, sagt die Weltgesundheitsorganisation, ist eine “plötzliche, willkürliche, nicht provozierte Gewaltattacke mit erheblich fremdzerstörerischem Verhalten, mit darauffolgender Erinnerungslosigkeit und Erschöpfung und teilweisen Umschlag in selbstzerstörerische Reaktionen.” Es sind diese Symptome, die beim CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zu diagnostizieren sind.

In einer dieser Jauch-Talkshows setzte die schwere Dobrindtsche Krankheit zuerst mit Schaum vor dem Mund ein: “Es wäre richtig, die Beobachtung (der Linken) zu intensivieren, dass alle beobachtet werden und dass man dies auch in allen Bundesländern tut”. Danach intensivierte sich die schwere Störung weiter: Der Mann wollte auch noch einen Verbotsantrag gegen die Linkspartei gestellt sehen.

Dobrindt wies schon vorher eine Reihe merkwürdiger Anzeichen auf. So hatte er schon Anfang Januar gefordert, der Linken jene staatlichen Gelder zu streichen, die allen Parteien zustehen. Andere wirre Sprüche gingen dem voraus: “Diejenigen, die gestern gegen Kernenergie, heute gegen Stuttgart 21 demonstriert, agitiert haben, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen irgendwann ein Minarett im Garten stehen haben.” Gäbe es bei Dobrindt einen Verdacht auf Logik, dann müsste man folgern, dass Muslime nicht Eisenbahn fahren wollen. Auch zur Europa-Politk fiel dem CSU-Mann primär unzusammenhängendes Zeug ein: “Wenn EZB-Präsident Jean-Claude Trichet `mehr Europa´ sagt, meint er natürlich weniger Deutschland und weniger Bayern.” Ob er wohl glaubt, Bayern müsse Land an Europa abgeben?

Wer Mediziner fragt, woher denn der Dobrindtsche Wahn kommen mag, bekommt eine schlüssige Antwort: Der Politiker sei bereits dreimal Schützenkönig in seinem Heimatort, dem oberbayerischen Peißenberg, geworden. Da könne sich, bei dem auf Schützenfesten normalen Alkoholmissbrauch, schnell das Majestäts-Syndrom herausbilden. Eine schwer heilbare Krankheit, die, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, schnell zum Amoklauf führen kann. Politische Analytiker können sich allerdings mit dieser Diagnose nicht zufrieden geben. Denn schon bei Dobrindts Europa-Schwadronieren hatten ihm weder Seehofer noch Merkel widersprochen. Und auch seine jüngsten, rechtswidrigen Verbotsanstrengungen trafen in der CDU-CSU-Spitze auf zustimmendes Schweigen. Hier droht der Einzelfall zur Epidemie zu werden.

In der erwähnten Talkshow jonglierten neben Dobrindt das ehemalige SED-Mitglied Vera Lengsfeld und Peter Frisch, 
ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, mit dem Begriff “verfassungsfeindlich”. Diesen Kampfbegriff kennt die Gesetzgebung nicht. Aber zur Diffamierung von Linken wurde er bereits in den 70ern gern eingesetzt und in der Jauch-Runde fand sich denn auch keiner, der diese schwammige Diskriminierung der Linkspartei zurückwies. Bei Peter Frisch, der offenkundig fahruntüchtig war, fehlte es eindeutig an funktionierenden Synapsen. Frau Lengsfeld, die in der DDR in den 80ern ein Berufsverbot bekommen hatte, weil sie gegen die Stationierung sowjetischer Atomraketen protestierte, konnte schon damals keinen Zusammenhang mit Berufsverboten in der Bundesrepublik erkennen. Obwohl Bürger, die gegen amerikanische Atomraketen protestierten, in Westdeutschland gern als “Verfassungsfeinde” bezeichnet wurden und zu Hunderten Berufsverbot bekamen. Aber wer, wie Lengsfeld, den eigenen Busen für ein politisches Argument hält und ihn deshalb auf einem Wahlkampfplakat mit dem Slogan “Wir haben mehr zu bieten – CDU“ ausstellt, dem wird es schlicht an demokratischem Verständnis mangeln.

Während der Amoklauf eines einzelnen Kranken nicht selten mit dem Selbstmord des Täters endet, wird der gesellschaftliche Amoklauf, wenn den Tätern nicht in den Arm gefallen wird, letztlich zum Suizid der Demokratie führen. Parteien konkurrieren um Wählerstimmen. Wer seine Konkurrenz erst mit der Verfassungsschutz-Schnüffelei und dann mit einem Parteiverbot bedroht, der will sie abschaffen. Da ist der Weg vom Verfassungsfeind zum Volksfeind nicht mehr weit.

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare.

  1. @ Uli Gellermann

    Guter Beitrag,obwohl ich kein Mitgliede der Linken binn,komme ich zu keinem anderen Ergebnis.
    Wenn der CSU Mann könnte würde er auch noch Gedanken verbieten,die nicht seinen Vorstellungen entsprechen.
    Woher weiss der Mann überhaupt was in der ehemaligen DDR los war?
    Es gab keine Obdachlosen,keine Hartz IV Betroffenen, usw.usw.
    Es wahr nicht alles in Ordnung,aber man hätte so einiege soziale Erungenschaften übernehmen können über die man heute über Jahre streitet.
    Wenn die Linke für soziale Gerchtigkeit ist,gegen Kriege,gegen die überdimensionale Ausbeutung der Menschen,für eine Demokratie die Ihren Namen auch verdient usw.dann kann man das nur befürworten und nicht verbieten.
    Eine einzelne Frau ist kein Maßstab für ein System das lange vorbei ist, sie ist auch kein Maßstab wie man es besser machen könnte.

  2. Die “Dobrindts” sind überall und versuchen nun mit Vehemenz die totale Aufdeckung immer noch existenter rechter Seilschaften zu verhindern, indem sie solche Diffamierungskampagnen gegen die Linkspartei führen.
    Dazu kommt noch, dass man mit aller Macht versucht, die Affaire Wulff aus der Schußlinie zu bringen und durch Widerspruchslosigkeit gegen die verbalen Ausbrüche solcher Dobrindts, die Öffentlichkeit in andere Richtungen zu lenken.
    Das Gleiche hatte man schon mit Günther Oettinger gemacht, nach dessen verbalen Fehltritten.
    Nun wird man einen Dobrindt nicht nach Brüssel senden, das stände auch sicher in dem Brief vom lieben Gott an den Aloisius Hingel; stattdessen böte sich die ständige Verwaltung der im bayerischen Staasbesitz befindlichen Schlösser an. Dort könnte er, unter den Portraits der bayerischen Monarchen weiter schwadronieren.

  3. chapeau dem Autor!

    Gestern musste ich feststellen, dass die “Dobrinsche Krankheit” sehr, sehr ansteckend sein muss.

    In der etwas “anderen Talkshow” der guten Maybritt hatte der Amok-Bazillus den SPD-Präsidenten aus Brüssel einen gewissen Herrn Schulz voll erwischt.

    Wenn eine Partei, bzw. Ihre “Spitzen Maker” wie der ehemalige Basta Kanzler, der Verteidiger des Hindukusch, der Mathematik Oberstudienrat Hans hat kein Glück, Stinkefinger Clement und all die anderen Spitzenkräfte soviel Scheisse in der Europolitik eingerührt hat, dann sollte der Spitzenonkel aus Brüssel besser die Fresse halten und nicht versuchen dem Vertreter eines kleinen Landes in den Arsch zu treten.

    Nochmals “MERCI” für Ihren Artikel!!!

  4. Ich frage mich warum dann die Mauer niedergerissen wurde. Dann wär’s doch besser wenn wir sie noch hätten, für beide Seiten.