Das Schöne findet sich meist direkt vor unserer Haustür.
Auch kleine Hunde zum Beispiel, nicht diese Kampfhunde, von denen unlängst wieder einer zugebissen hat und ein wunderschönes Kind verunstaltete. Nein, ich würde diese Sorte Hunde bei uns verbieten, basta! Aber zurück zum Kleinen bei uns, zu dem, was wir mit „small is beautiful“ bezeichnen.
Kleine Städte, große Städte! „Komm in die Stadt, hier ist das Leben!“, sang eine schöne Stimme vor Zeiten, ach, das war (wann war das noch?), ist auch egal, gemeint war hier jedenfalls ein große Stadt. Was ist schön an kleinen Städten? Ich laufe gestern bei Sonnenschein und neuerdings eisiger Kälte in einer kleinen fränkischen Stadt an deren alter Stadtmauer entlang. Links neben mir ein Flüsschen, sagen wir, die Volkach. Sie (die Volkach) ist noch nicht gefroren, nur am Wehr neben der alten Bäckerei, wo sich das Wasser etwas staut, da scheint sich eine milchige Oberschicht zu bilden, da wird es demnächst Eis geben. -
Nachdem ich meine kleinen geschäftlichen Angelegenheiten in der Bank erledigt habe, gehe ich den gleichen Weg wieder zurück. Rechts fließt jetzt das Flüsschen und links begleitet mich die alte Stadtmauer, die ich nun etwas genauer betrachte, weil ich Zeit habe. Breite Fugen, ungleiche Steine, Sandstein natürlich, rostrot, hier etwas heller, dort zerbröckelt (ihr merkt, ich habe wirklich Zeit). Ich sage alte Stadtmauer, denn sie sieht auch so aus mit ihren zwei Türmen, von denen der eine etwas schief in der Gegend steht, was ein helles historisches Bild abgibt (von der Sonne beschienen). Und, als ich nun diesen etwas sich neigenden Turm umgehe, wird die Stadtmauer plötzlich zu einem (aber hallo!) herausgeputzten stolzen Teil mit fast neuwertigen Schießscharten verschiedenster Form und oben, ganz oben (was soll das?) ist alles flach, sauber abgeschirmt mit einem dünnen Etwas, das man nur schemenhaft sieht, es soll bestimmt die renovierte Mauer gegen Regen schützen. Handwerklich alles sauber und schön und doch irgendwie fehl an diesem Platz. -
Ein Specht hämmert, ich sehe ihn nicht und jetzt, am Schwimmbad mich vorbei schleichend, mit gelegentlich leicht schwankenden Bögen (Kreislauf!), sieht mich eine junge Frau direkt an, lange, wie ich meine, zu lange und schon entdecke ich auch meine bescheuerte Pudelmütze, die sich nach oben bewegt hat im Glasspiegel des Sparkassenhäuschens, wo man sich Geld holen kann. -
Noch gehe ich sparsamen Schrittes, das heißt ziemlich normal, aber bald beginne ich zu laufen, etwas gebremst zwar und es sieht ganz bestimmt komisch aus, sagen wir tölpelhaft. Es ist bewusst getan, herbeigeführt aus purer Freude am Dasein. Bewegung ist Alles. -
Ihr seht also, liebe Leser, geneigte Leserinnen, selbst in einer kleinen Stadt gibt es interessante Momente und man kann sich einigermaßen (innerlich!) frei bewegen (und froh), oftmals in fast greifbarer Natur, man kann sich aber auch wie geplättet fühlen. Und es ist einfach egal, wo man lebt, auch in Berlin zum Beispiel würde ich wohl fast nur in einem kleinen Umfeld mich bewegen, etwa um die Reiterstatue des alten Fritz, auf der Museumsinsel, bei den Hackeschen Höfen oder in der Nähe des Bahnhof Zoo, wo nicht weit weg nämlich eine der angeblich besten Currybuden steht mit Tischen draußen und kühlem Bier, wenn man es möchte. -
„Small is beautiful!“, irgend jemand hat das vor Zeiten in Bezug auf die Größe der Nationen gesagt und ich meine, dass ebenfalls Eibel- Eibesfeldt ähnliches zu Papier (zu Buch) gebracht hat, als er meinte, der Mensch richte sein Handeln in allen Kulturen danach aus, dass es (oder ob es) ihm selbst und/oder seiner Familie wohl ergehe. Zu allem anderen, z.B. zum Krieg, also der Bevorzugung des Ganzgroßen, einem Größeren als der Familie müsse man ihn zwingen. Da haben wir es! Das Kleine im Großen, das ist es.
Photo: Katharina Scherer, via pixelio.de
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