"Hallo Deutschland!" (Photo: Dieter Schütz_pixelio.de)
Viel wurde im Jahre 2011 über den nämlichen Jahrestag in den diversen Zeitungen geschrieben und von den elektronischen Medien reportiert. Türkische und deutsche Politiker nahmen an Festveranstaltungen teil. Einstige, nun im Ruhestand befindliche, ehemalige sogenannte Gastarbeiter waren dazu eingeladen. Was fühlten sie damals, als sie in das ihnen fremde Deutschland kamen, um hart zu schuften? Wie fühlen sich ihre Nachfahren heute in Deutschland?
Die Türken gibt es genausowenig wie die Deutschen
Viel wissen wir “Eingeborenen” bis heute nicht darüber. Wohl auch deshalb, weil sich die Wenigsten von uns dafür interessiert hatten. Vielmehr beherrschen viele unserer Hirne Klischees über die Türken. Egal, ob es die Türken genausowenig gibt wie die Deutschen. Zu den Klischees kommen Vorurteile und Ressentiments. Viel ist von nötiger Integration die Rede. Und von Kopftuch tragenden türkischen Frauen sowieso. Sei es drum: Es gibt in Sachen Integration Erfolgsgeschichten und bittere Rückschläge. Beides hängt immer auch dem Agieren der Aufnahmegesellschaft ab. Integration ist halt keine Einbahnstraße. Aber was heißt hier “Aufnahmegesellschaft”. Viele der heute hier in Deutschland lebenden “Türken” sind längst hier in Deutschland zuhause. Sie arbeiten längst auch in akademischen Berufen oder als Polizisten und in städtischen Verwaltungen und nicht mehr nur als Gemüsehändler wie ein gewisser Herr Sarrazin wohl meint. Diese Mitbürgerinnen und Mitbürger zahlen Steuern, sie engagieren sich Vereinen und Parteien.
Aber haben sie inzwischen auch die selben Chancen in Sachen Bildung und bei der Besetzung von Arbeitsstellen wie “Bio-Deutsche”? Kaum. Oft steht ihnen (bzw. den Entscheidern darüber) schon ihr türkische Name im Wege. Oder in biodeutschen Köpfen nicht tot zu kriegende Vorurteile und Ressentiments betreffs den Türken. Nicht selten verbaut sogar beides den Weg zum sozialen Aufstieg. Die Reaktion: Gut ausgebildete türkischstämmige Deutsche zieht es beruflich in das Heimatland ihrer Eltern. Viele wollen dort für immer bleiben. Andere gehen in die USA oder anderswohin. Es sind die Besten ihrer Generation. Wollen – ja: können – wir auf sie verzichten?
Alles in allem: Was die Befindlichkeit von Türken und Türkischstämmigen hierzulande betrifft erfahren wir in der Tat immer nur wenig. Zu wenig: meist flackern vor unseren Augen nur Facetten des Wirklichen auf.
Im verflossenen Jahr 2011 wurde über den Jahrestag “50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen” viel berichtet und festliche Reden sind vor handverlesenen Gästen gehalten worden.
Das vielsagende Musikvideo “65 yare rente” von Müslüm Can: Lachen und Weinen Sie mit!
Wie aber ging oder geht es türkischen Menschen in und mit Deutschland? Murat85 versucht es in einem knapp siebenminütigen Musikvideo von Müslüm Can “65 yare rente”, das auf You Tube gestellt wurde, auszudrücken. Schauen Sie es sich an. Und vorallem: Hören sie zu! Der Text ist deutsch-türkisch gemischt und satirisch bebildert. Wenn Sie dennoch Hilfe benötigen, fragen sie des Türkischen mächtige Mit-Menschen! Lachen und Weinen Sie einfach zusammen! Denn, so versichere ich Ihnen, das werden sie mit Sicherheit tun. Der Text ist tragikomisch. Eben so wie das Leben oft ist. Auch das türkische Menschenleben in Deutschland fern der Heimat. Der Text sagt viel. Alles? Naja: fast alles. Einfach mal reinhören! Cok komik, wie die Türkin, der Türke zu sagen pflegt, wenn etwas sehr lustig ist! Wirklich komisch. Aber eben auch a weng zum Heulen …
Artikelphoto: Dieter Schütz via Pixelio.de
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