LITERATUR

“Dummer August: Gedichte, Lithographien, Zeichnungen”, von Günter Grass, Steidl

Ja, es heißt wirklich “Dummer August”, dieses Buch, und auf Seite 14 findet sich dieser Titel wieder, als Gedicht und als Bild. Und das Bild spricht Bände. Listige Augen, der Schnurrbart diesmal längs, volle Lippen und ein Hut, der mitnichten der eines Clowns ist, sondern eher der eines mächtigen Zauberers zu sein scheint.

Und dann der Text:

“…Faxen machen,
Grimassen schneiden,
wie einst mit vierzehn.

Schon komme ich mir komisch vor,
gestellt vors Schnellgericht
der Gerechten.

Und auch der spitze Hut, gedreht
aus der Zeitung von gestern,
kleidet, weil allzeit gültig.”

Und dann folgen oder gehen vorweg die seltsamen und schönen  Gebilde, wie immer schon von
Günter Grass Verfasstes entweder sofort verständlich oder etwas erklärungswillig. Immerhin kleine, wunderbare Sätzchen beim Wandern (“Im Gehen/ auf schattigen Waldwegen/ entlang dem Wellensaum der See/ oder quer durch die Heide/ begegne ich mir.”), und es müsste doch
vielleicht heißen “entlang des Wellensaums der See”. Oder: “Schlaflos/ zähle ich meine Feinde/ und schlief ein überm Zählen.”

Kleine Texte, größere Texte, alles mehr Lyrik denn epischer Arbeit, wie sie oftmals früher vernommen wurde (auch in Gedichtform!), als er ein “Wutbürger” war und es sich von der Seele schrieb. Günter Grass schreibt hier mit leichter Feder, doch wer meint, es sei kein Wert darin zu finden, wie in dilettantischen  Bewertungen zu lesen ist, der täuscht sich und uns Leser dazu.
Schon in diesem 2007 erschienenen Lyrikband war zu sehen, dass ab und an noch etwas kommen soll. Und es kam und kommt wirklich etwas.

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