REZENSION

„Deutschland: Ein Wintermärchen“, Heinrich Heine, Reclam

Heinrich Heine lebte ab 1831 in Paris und hat im Jahr 1944 dieses Epos drucken lassen, nachdem er 1843 eine Deutschlandreise gemacht hatte. Die Reise führte ihn von Paris über Aachen, Köln, den Teutoburger Wald, Minden und Hannover nach Hamburg, wo er seine Mutter besuchte und auch seinen Verleger.

Die Strophen sind in einer Art Vagantendichtung ausgeführt, federn und sprechen beim Lesen sofort an. Schon der Beginn hat etwas eigenartig Schönes und ist ganz deutsch, oder besser gesagt, so gestaltet und getroffen, dass man es für typisch deutsch halten möchte (dabei muss man aber immer seinen Witz, seine Ironie, seine innere Einstellung zu den Zuständen in Deutschland damals mit einbringen!).

Das Werk ist auch heute noch leicht zu verstehen und vor allem zu genießen, besonders, wenn man diese unglaublich leichten und federnden Verse laut vorträgt oder hört.

Man muss die Hintergründe erarbeiten, um zu verstehen, dass Heine mit diesem Werk den Zorn der Machthaber in Deutschland seinerzeit reizte. Die Zensur war an der Tagesordnung, was auch seinen Verleger Campe oft bekümmerte. So musste der Dichter einige harte Stellen herausnehmen oder umschreiben.

Das Epos wurde aber, darin war Heine ein Meister, auch als Fortsetzung in einigen Journalen veröffentlicht und war somit schon vor Erscheinen des Buches teilweise bekannt. Heine hat dieses Werkchen, wie er es gerne nannte, auch in einer französischen Fassung veröffentlicht, allerdings nicht in Versen, was dem Werk die gewollte witzige Form nimmt.

Worum geht es?

Heinrich Heine, der in einem Vorwort von 1844 selbst sein Werk beschreibt, leidet. Er leidet, und das kann man in der Fülle all seiner anderen Werke immer wieder finden, an der Dummheit der Menschen. Heine reibt sich quasi in seinen Werken innerlich auf und das ist zu spüren; daher kommt der mitreißende Ton, auch wenn der ab und zu etwas bissig erscheint.

Die Zustände in Deutschland nach der französischen Revolution, nach Napoleon, nach den Befreiungskriegen (in deren Zeit man hier in Deutschland den Menschen Freiheit und mehr versprach!), war eine Zeitspanne, in der ein Stillstand (siehe Preußen!) herrschte. Wenn man die Sendung aus Aachen „Wider den tierischen Ernst“ sich genau anschaut, die jedes Jahr einmal gesendet wird, dann tritt dort jedes Mal ein älterer Mann auf, der ein ganz bestimmtes Lied singt. Das ist eine Figur aus dieser Zeit, ein Mensch, dem man die gegebenen Versprechungen nicht einhielt, obwohl er dafür gekämpft hatte.

Heine sagt in dem erwähnten Vorwort sinngemäß, dass er von Deutschland träume, von dessen „Sendung“ und „Universalherrschaft“, wenn er „unter Eichen wandle“ und er sagt etwas zuvor noch, dass, „wenn wir den Gott, der im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung retten“, könne etwas entstehen, das dem „armen, glückenterbten Volk“ wieder die Würde gäbe.

So lese ich das aus meiner Sicht.

Und wenn man das richtig deutet und die Zeit etwa um 100 Jahre später betrachtet, erkennt man die Bedeutung. 1942 war Deutschland auf dem Nullpunkt, Heine hatte richtig prophezeit.

 

Caput 1

 

Im traurigen Monat November war`s,

Die Tage wurden trüber,

Der Wind riß von den Bäumen das Laub,

Da reist` ich nach Deutschland herüber. (Und das ist erst der Anfang!)

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