KOMMENTAR

“Rettet das Kulturradio jetzt!” – Morgen in der “Streitbar” in Köln

Die WDR3-Reform der Intendantin Monika Piel erregt nach wie vor die Gemüter. Welche Legitimation hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wenn er sich immer mehr der privaten Konkurrenz annährt?

"Wissen nur die Götter, wie es mit der Kultur im WDR-Radio weitergeht?;Photo/Quelle: Dietmar Meinel via Pixelio.de"

"Wissen nur die Götter, wie es mit der Kultur im WDR-Radio weitergeht?;Photo/Quelle: Dietmar Meinel via Pixelio.de"

Die Befürchtungen der WDR-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezüglich der geplanten WDR 3-Reform zwecks einer besseren “Durchhörbarkeit” (!) scheinen nicht unbegründet zu sein. Die von der WDR-Intendantin Monika Piel ins Auge gefasste Reform stösst auf Kritik innerhalb des WDR. Und das Vorhaben erregt Besorgnis bei vielen Hörerinnen und Hörern. Die hohe Zahl der Menschen aus allen Teilen Deutschlands, sowie auch aus dem Ausland, die bislang den “Offenen Brief” auf den Seiten der “Radioretter” untschrieben haben, zeigt dass das öffentliche Interesse an der Geschichte hoch ist. Morgen heisst es in der “Streitbar 14″ im Kölner Schauspielhaus: “Rettet das Kulturradio jetzt! Der Eintritt ist frei.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten (und davor seit Installation des Privatfernsehens) viele Menschen, dass sich die öffentlich-rechtlichen elektronischen Medien mehr und mehr der Seichtigkeit und Beliebigkeit in Sachen Programm dem “Niveau” der Privaten anpassten, statt auf ihre bewiesene Kernkompetenz zu setzen und dem Informations- und Bildungsauftrag vollumfänglich und in bestmöglicher Programmqualität zu entsprechen.

Angesichts dieser Realitäten sind nun gewiss diejenigen zu verstehen, bei denen, wenn sie ein Wort wie (bessere) “Durchhörbarkeit” lesen, die Alarmglocken schrillen. Und es betreffs des Radioprogramms aus der Geschäftsleitung des WDR tönt: “Wir wollen nicht zuviel voraussetzen und Fremdwörter vermeiden.” [sic!] Da kann man sich schwer helfen: Das klingt ziemlich genau nach mehr Dudelfunk oder gar nach “Tittytainment”. Dies stösst bei denjenigen auf harte Kritik, welche sich der Auswirkungen einer solchen Kulturradio-Reform bewusst sind. Ebenso bringt es diejenigen auf die Palme, die ein solches abgespecktes, mehr und mehr  von Wort und Sinn entkleidetes Programm in den Redaktionsstuben konzipieren bzw. vor den Mikrofonen präsentieren sollen. Deshalb laden “Die Radioretter”ihre Unterstützer und andere Interessierte zur Veranstaltung

STREITBAR 14: RETTET DAS KULTURRADIO JETZT!

am Mittwoch, den 09. Mai für 20.00 Uhr ins Kölner Schauspielhaus am Offenbachplatz ein

Mit: Hans-Joachim Lenger, Prof. für Philosophie, „Initiative für Kultur im Radio“ / Richard David Precht, Autor und Philosoph / Manos Tsangaris, Komponist und Performance-Künstler / Wolfgang Schmitz, Hörfunkdirektor des WDR /  Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste Berlin / Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Kulturpolitiker, bis 2010 Kulturstaatssekretär in NRW (angefragt) / Gabriele Gillen, Redakteurin bei WDR3
Moderation: Hermann Theißen, Journalist, Köln

Der Eintritt ist frei.

Bei dieser Veranstaltung werden die Geschäftsleitung des Westdeutschen Rundfunks und die „Initiative für Kultur im Rundfunk“ erstmals öffentlich miteinander diskutieren. Themen sind die geplante neuste Programmreform für das Kulturprogramm WDR 3, seine „allmähliche Zurichtung in ein leicht konsumierbares Häppchenangebot“ und die Idee eines Moratoriums.

Über den konkreten Fall hinaus geht es aber – gemeinsam mit den Kulturschaffenden auf dem Podium – vor allem um grundsätzliche Fragen: Was heißt Kulturradio heute? Wie schaffen wir im Radio wieder Raum für Reflexion und Aufklärung? Wie kann und muss der Widerstand gegen Marktlogik und die „Diktatur der Mehrheit“ aussehen? Welche Legitimation hat der öffentliche-rechtliche Rundfunk, wenn er sich immer mehr seiner privaten Konkurrenz annähert? Welche Ideen gibt es für ein künftiges öffentlich-rechtliches und gebührenfinanziertes Kulturradio?

Übrigens: Im Foyer des Kölner Schauspielhauses soll es an diesem Abend die erste „Kulturaktie“ der Radioretter geben.

Photo/Quelle: Dietmar Meinert via Pixelio.de

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