REZENSION

“Über Gott und die Welt: Eine Autobiographie in Gesprächen”, von Robert Spaemann, Klett- Cotta

Die Mutter Tänzerin und Schülerin bei Mary Wigman, der Vater Kunsthistoriker und nach dem Tod der
Frau zum katholischen Priester geweiht, und das alles nach einem atheistischen Leben in den zwanziger Jahren in Berlin (!). Das spricht für sich und beinhaltet schon anfänglich die Hinwendung zu einem Halt, der gesucht und auch den wird.

Vom Vater liebevoll aufgezogen und in die Spuren der Philosophie hineingeführt, das Dritte Reich als Kind und Jugendlicher erlebt, aber schon als Gegenpol, als das, was es war, nämlich der Philosophie abhold (!), das alles war Gegenstand der innerlichen Reifung bis hin zu einer akademischen Ausbildung, bis hin zur Professur mit stark konservativer Ausrichtung.

Den verstorbenen polnischen und den heutigen Papst als Gesprächspartner, wie auch deren Kritiker Küng, Zeitgenosse von Grass, Walser, Enzensberger, Habermas, das alles spricht dafür, dass Spaemann
sich engagiert sowohl als akademischer Lehrer und Forscher als auch als Privatmann, wie es ja auch in seinen einzelnen Werken immer wieder nachzulesen ist.

Hier, in seiner Autobiographie, die er zusammen mit Stephan Sattler, dem Editor der “Hubert Burda Media” in ausgesuchten Fragen und ausführlichen Antworten veröffentlicht, wird ganz klar, dass dieser Philosoph und gläubige Mensch das, was wir gerne trennen, nämlich Wissen und Glauben, durchaus nebeneinander ertragen kann. Meistens sind wir nämlich der einen oder der anderen Seite zugetan. Kein Zusammenmischen, kein Versuch der Anbiederung an das eine oder andere. Beides wäre zu ertragen und zu leben, meint Spaemann.

Wie recht er hat und wie beispielhaft seine Haltung, nicht nur auf den Gebieten der Philosophie oder der Religion, in bedeutsamen Beispielen gibt dieser im Alter frisch und seltsam (!) spitzfindig-geistvolle Freund eines Lebens in möglicher Welt-Solidarität stehende Mensch uns ein Beispiel des Heils, einer Möglichkeit des Heils für alle. Und trotzdem ist sogar er einmal recht pessimistisch, was unsere Zukunft betrifft, aber ist das ein Wunder bei allem, was er erlebt hat, was wir erleben? Wer richtig viele Zeit hat und wirklich einmal etwas Bedeutsames erklärt bekommen möchte, hier ist es zu finden: Über Gott und die Welt nämlich.

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