KOMMENTAR

Für Gerechtigkeit und für Opfer sexueller Gewalt

Nun schon seit 13 Tagen hungert Norbert Denef. Er nimmt nur noch Wasser und Tee zu sich und liegt inzwischen geschwächt auf seinem Sofa. Mit ihm hungern fünf weitere Sympathisanten oder selbst Opfer sexualisierter Gewalt.

Als Junge wurde Denef von 1958 bis 1964 von einem katholischen Priester mehrmals vergewaltigt. Mit 16 glaubte er, das Martyrium sei zuende, doch dann missbrauchte ihn ein Chorleiter bis zu seinem 18. Lebensjahr. Im „Spiegel 49/2005“ ist sein Leiden zu lesen: „Er war neun Jahre alt und stolz darauf, endlich Messdiener in der Kirche ‚Unbefleckte Empfängnis Mariens’ in Delitzsch nahe Leipzig zu sein. Nach dem Gottesdienst nahm ihn Pfarrer Alfons Kamphusmann mit ins Pfarrhaus. Im Erdgeschoss war die Bücherei untergebracht. Doch der Pfarrer zog den Jungen nach oben in seine Privaträume. Er verschloss die Tür zum Treppenhaus, setzte sich und zog den Jungen auf seinen Schoß.“

Der Spiegel weiter: „Wenn der Junge mit dem Rücken auf dem Sofa lag und der Pfarrer sich an seinem Geschlechtsteil zu schaffen machte, drehte das Kind den Kopf weg, steckte den Finger in das Loch im Schreibtisch, bohrte darin herum, „bis die Scheiße vorbei war“. Über die Sexualverbrechen des Chorleiters: „An so einem Abend, es war spät geworden, bot ein Kirchenangestellter Norbert Denef an, bei ihm zu übernachten, auf der Couch. Kaum war das Licht aus, kroch der Mann unter Norberts Decke und begann, seinen Bauch zu streicheln. Rasch kam er zur Sache. Es blieb nicht bei einem Mal. Bis zum 18. Lebensjahr des Jungen ging das so, manchmal mehrmals wöchentlich.“

Letztendlich bot ihm das Bistum Magdeburg von 25.000 Euro, verlangte jedoch „Er solle ‚alles unterlassen’, hieß es da, ‚irgendwelche Informationen über die angeblich schädigenden Handlungen oder über die Zahlung eines Geldbetrages … Dritten gegenüber zu äußern …’ Mit anderen Worten: Er sollte sich verpflichten, über den Missbrauch weiter zu schweigen, so wie er jahrzehntelang geschwiegen hatte, aus Angst, Scham und Schuldgefühl“. Denef lehnte ab. Erst nach zwei weiteren Jahren verzichtete die Kirche auf diese Schweigeverpflichtung.

Inzwischen ist Denef Vorsitzender des „Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt“. Er fordert die Aufhebung der Verjährungsfrist und sprach darum am 6. Dezember des letzten Jahres auf dem Bundesparteitag der SPD. Ulli Nissen, Vorstandsvorsitzende der SPD-Frauen Hessen Süd, stellte den Antrag zur Aufhebung der Verjährungsfristen sexualisierter Gewalt; der Antrag wurde einstimmig angenommen. Hannelore Kraft, ehemalige und wiedergewählte Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, umarmte Norbert Denef. Andere zogen demonstrativ nach; aber dann passierte nichts. Bis heute hat die SPD den entsprechenden Gesetzentwurf vor dem Bundestag nicht eingebracht. Denef fühlt sich verschaukelt. Sein Hungerstreik, und der seiner Mitstreikenden, ist im Blog des „NetzwerkB“ dokumentiert.

Kommentar:

Er hungert nicht zum Spaß. Geltungssucht ist ihm fremd. Er hungert auch nicht zur Verarbeitung seines Leides, das ihm Kindheit und Jugend zerstört hat. Norbert Denef hungert für alle Opfer sexualisierter Gewalt und zur Unterstützung seiner Forderung nach Abschaffung der Verjährungsfrist, nach der keine Strafverfolgung mehr stattfindet. Die Aufhebung dieses Gesetzes ist längst überfällig. Inzwischen ist wissenschaftlich bewiesen, dass es oft Jahrzehnte der Verdrängung des Erlebten braucht, um nicht verrückt zu werden. Viele Opfer sexueller Verbrechen können bis zum Lebensende ihr Schweigen nicht brechen, bleiben traumatisiert. Einige leiden immer wieder unter Retraumatisierungen. Norbert Denef traut sich, schildert seine Erlebnisse der Öffentlichkeit und leidet erneut. Diesmal für die Gerechtigkeit, dafür, dass endlich Schluss damit ist, dass Sexualtäter nach viel zu wenigen Jahren ungestraft davon kommen. Damit zeigt Denef Zivilcourage. Damit hält er den Politikern aber auch den Spiegel vor, in dem sie ihr Versagen sehen. Die Aufhebung der Verjährung ist Verpflichtung aller Politiker und es ist peinlich, dass sie sich vor einem solchen Gesetz drücken und ein Opfer massivster sexueller Gewalt hungern lassen.

http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2007/02/verirrte-hirten.pdf

http://helmutjacob.over-blog.de/article-der-mann-auf-der-seite-der-opfer-sexueller-gewalt-norbert-dennef-91624044.html

http://netzwerkb.org/

http://netzwerkb.org/2011/12/06/antrag-zur-aufhebung-der-verjahrungsfristen-einstimmig-angenommen/

 

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare.

  1. Vorsicht vor Norbert Denef!!! Ein Selbstdarsteller par exellence. Vor allem aber ein selbsternanntes Opfer: Angeblich vom 9. bis zum 18. Lebensjahr missbraucht – ohne aufzufallen. Dann über 40 Jahre ohne Probleme! In der ARD-Sendung “Hart aber fair” gab er öffentlich zu, seine Frau geschlagen zu haben. Als Grund nannte der den Missbrauch. Welch eine perverse Ausrede!!! Er gab auch zu, dass er sich seine Störungen selbst angelesen hat. Es gibt kein fachärztliches Gutachten, dass seine Behauptungen stützt. Deshalb ist größte Vorsicht vor diesem Volksverhetzer geboten!! Wer Kinder wirklich schützen will, sollte sich von falschen Prohpeten ferhalten.

    Der Kritiker