KOMMENTAR

Der Zynismus der Markenlabel

In seiner letzten Ausgabe berichtete der Spiegel euphorisch darüber, dass die großen börsengelisteten Textilunternehmen, wie Addidas, H&M, die Otto Gruppe sowie die amerikanischen Nike, Walmart u.a. sich in die “Sustainible Apparel Coalition” einbringen wollen. Dieser lose Zusammenschluss weltweiter Schuh- und Textilhersteller, im Zusammenschluss mit Umweltbehörden und Kinderaktionsgruppen, gegen die Kinderarbeit, hat im Laufe des letzten Jahrzehnts allerdings eine Reihe schwarzer Schafe hervorgebracht.

Dadurch, dass man über ortsansässige Großhändler einkauft, wird die Herkunft der Waren erneut verschleiert. Medienrecherche hat gezeigt, dass sich einiges wohl verbessert hat; verschlimmert dagegen hat sich die Zahl der Kindersklaven, hauptsächlich Mädchen von 8 – 14 Jahren, die von ihren Eltern als defacto Leibeigene für einen festgelegte Zeitraum von Jahren, an die Textilindustriefirmen, gegen Zahlung, verliehen wurden. Die ARD berichtete darüber.

Nun wollen diese börsengelisteten Unternehmen einen Index herausgeben, ähnlich dem Effizienzindex von Elektrogeräten. Der Index soll den Wasser- und Energieverbrauch durch Einsparungen verdeutlichen – Der Zynismus ist unverkennbar.

Vielleicht lässt man den teilweisen Entzug von Wasser und Nahrung von den Mädchensklaven mit in die Berechnungen einfließen; und weil auch die Einsparung von Chemikalien eine Rolle spielt, lässt man die Mädchen lieber von Mücken zerstechen, weil in manchen Sumpfgebieten ohne den Einsatz von Chemikalien einer solchen Plage nicht beizukommen wäre. Auch diese Maßnahme käme sicher dem Index zugute.

So bleibt eigentlich alles beim Alten, nur dass die Sandkörner, die man dem Verbraucher in die Augen streut, nur noch Nanogröße haben und nicht mehr so stark reiben! -

Aber da sich dieses alles in mehr als 5000 km Entfernung von uns abspielt, interessieren wir uns mit unseren satten Bäuchen überhaupt nicht dafür. Im Gegenteil, wir unterstützen diesen Hype des Labelwahns auch noch, obwohl wir inzwischen wissen, welche psychologischen Schäden wir uns und unseren Kindern damit zumuten.

http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/menschenrechte/kinderarbeit/index.jsp

http://www.younicef.de/304.html

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar.

  1. Mir ist leider ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen.
    Die in der Einleitung angesprochene Gesellschaft heisst:
    ” SUSTAINABLE APPAREL COALITION “