KOMMENTAR

Mediation ist doch Mist! – Oder?

Mediation macht es sich einfach. Sie ist oberflächlich. Sie will auch gar nicht tief dringen, weil sie die Fragen nach Recht oder Unrecht, nach Täter und Opfer, Mehrheit und Minderheit, Mächtigen und Ohnmächtigen nicht (mehr) stellt. Sie ist auf konkrete Lösung, auf Ergebnisse und Ausgleich aus. Sie ist also kurz und schnell. Damit passt sie ideal in das gegenwärtige Stadium der neoliberalen Marktwirtschaft. Sie behandelt gleich, wo evtl. Ungleichheit vorliegt. Sie macht uns also was vor. Mediation ist modern.

Gerichte entdecken sie gerade für sich (Mediationsgesetz), denn sie eignet sich wegen der genannten Beschaffenheit vorzüglich dafür, die Justiz zu entlasten, denn deren tiefere (kostspieligeren) Fragen nach dem Recht, nach Legitimität oder gar Gerechtigkeit quält sie nicht sehr.

Gütliche Einigung ist ein gutes Ziel. Doch sie ist es nicht immer. Wie wäre es dagegen mit „Mehr Auseinandersetzungs-Kompetenz“ und „Mut zum Konflikt“; mit breiter Schulung in offener Konfliktaustragung? Das könnte manche Schlichtung ersparen. Schlichtung ist Ultima Ratio, sie darf nicht schon früh vorausgesetztes Ziel sein.

Warum sollten unvereinbare Interessen vereint werden? Warum sollten die „Partner“ nicht weiterhin – im demokratischen Kampf – davon überzeugt sein, dass ihre jeweilige Forderung berechtigter sei?

Meine Teilanwort: Weil nicht mehr verloren werden darf. Weil die realen und moralischen Kosten des Verlierens (ins Hintertreffen geraten) heute zu hoch sind. Der (momentane) Verlierer hat es in der Erfolgs-Konkurrrenz-Gesellschaft verlernt, seine Niederlage anzunehmen und zu integrieren. Ihm fällt nur Revanche oder Scham und Demütigung ein. Das leider auch zu Recht, denn ihm drohen gesellschaftliche Marginalisierung und Ausgrenzung. Scheitern „ist“ ein gefährliches Übel.

Dies ist eine bedenkliche Entwicklung, meine ich. Also bleibt uns in dem Rennen scheinbar nur der feste Vorsatz „Bloß nicht verlieren!“ (Wie Müntefering: „Opposition ist Mist“)

In dieser Sackgasse ruft uns die Mediation– mit ihrem Win-Win-Dogma – tröstlich immer wieder zu: „Du bist auch Sieger“, „Und du auch“, „Bleibt ruhig, an alle wird gedacht.“ Sie stellt still, sie befriedet, indem sie verwischt. Deshalb käme einem Mediator letztlich auch nie in den Sinn, uns zuzurufen „Empört Euch!“

Mediation nimmt dort Luft raus, wo noch Sinn und Engagement hätte wachsen können.

Was hat die „Mediaton“ bei Stuttgart21 politisch bewirkt? Der Konflikt ist anscheinend verflogen, es herrscht wieder Frieden im Ländle. Dennoch bleiben Sieger und Verlierer zurück. (eben alte Verhältnisse). Nur, dass der weitere Protest der Verlierer jetzt nur noch wenig legitimiert erscheint (Nörgler) und sogar nervt.

Oder ein anderes Beispiel: Was haben wir von permanenter Flughafenerweiterung und „unten“ Wohnsiedlungen mit x-fachen Schallschutzfenstern, aber weiterhin lärmbelasteten Bürgern? Der Win-Win-Ansatz ebnet hier weiteren Startbahnausbau, sorgt eben für ein reibungsloseres „Weiter so!“. Auch die geplanten „Windparks“ werden kommen – Mediation wird ihren pazifizierenden Beitrag dazu leisten.

Ist das ein guter, demokratischer Friede?

Kommentare

Dieser Artikel hat 19 Kommentare.

    • Meditation ist zuerst die Wahrnehmung, dann die Wahrnehmung der Wahrnehmung und dann die Verarbeitung des Wahrgenommenen – auch im Hinblick auf den Wahrnehmenden.

      Ein Blinder kann zum Beispiel das Licht nicht wahrnehmen. Also weiß er nicht nur fast nichts über das Licht, weil es nur das wissen kann, was ihm über das Licht erzählt wurde. Und er weiß auch nicht ob ihm das Licht gefällt oder nicht, er weiß nicht, wie er auf das Licht reagiert. Erst bei einem Sonnenbrand kann er ein Wenig Erfahrung mit dem Licht machen, mit der Strahlung…

      Ohne die Wahrnehmung ist das Nachdenken praktisch leer…

      Und die Meditation beschäftigt sich sogar mit der LEERE. Mit dem NICHTS. Ich befürchte, dass das Nachdenken über die Leere oder das Nichts kein Spaß machen würde und daher schnell zu Ende sein könnte…
      Das wäre dann praktisch das „schnelle“ Nachdenken…

      • “Ohne die Wahrnehmung ist das Nachdenken praktisch leer…”

        Zunächst muss man unterscheiden lernen zwischen
        sinnlicher Wahrnehmung (sehen)
        und Denken (Logik, Ethik)

        Nur die Logik erlaubt ein Urteil zwischen wahr und unwahr.
        Nur die Ethik erlaubt ein Urteil zwischen richtig und falsch,
        gut und böse.

        na ja, klingt vielleicht nicht modern genug :-)

        • Bereits über die Begriffe lohnt es sich nachzudenken, zu meditieren:

          Wie kann in der Mathematik die Ethik darüber entscheiden, was richtig und was falsch sei???

          Und auch der Begriff “modern” birgt Verblüffendes in sich:
          Ein Mensch will sich von der altmodischen Tracht befreien, will sich endlich etwas individuelles anziehen, er tut es auch, und das, was er sich angezogen hat, wird zur Mode, weil auch viele andere Menschen Individualisten sein wollen. So wird diese moderne Kleidung wieder irgendwie zur Tracht, ja praktisch zu einer Uniform für alle Menschen, die sich als Individuen präsentieren wollen. Bis wieder jemand die Nase voll hat von dem modernen Zeug und sich etwas anzieht, was ihn von den anderen deutlich unterscheidet. Und alle finden es toll und wollen es auch gleich ausprobieren…

          Muss sich z.B. der Papst dringend etwas anderes und möglichst prunkvolles anziehen als was andere Menschen so tragen, damit ihn endlich seine Gläubigen verstehen, dass vor Gott alle Menschen gleich sind? Und welche Tracht wird der Papst im Himmel tragen?

          Das “Zeitgemäße”, also das “Moderne” ist doch meistens das, was wir endlich für wahr und richtig halten. Deswegen sollten Sie nicht an sich zweifeln, @ W.Paul, dass sie nicht genug modern seien.
          Sie sind es wahrscheinlich schon lange…

          • Nun, mein Freund
            in der Sprache der Logik spricht man nicht von richtig, sondern von wahrer oder unwahrer Aussage. Die Logik hat mit der Ethik wieder nichts zu tun.
            Mathematik ist ein besonders exponierter Teil von Logik.

            “Modern” bin ich eher nicht, da ich immer noch Aristoteles für den Größten halte. Er war übrigens auch ein echter Pragmatiker
            und obwohl er (neben der Logik) der Begründer der systematischen Ethik genannt wird, nicht so streng wie unser typisch deutscher Immanuel Kant, na ja, das führt wohl zu weit.
            “Selbstverwirklichung” war schon sein Programm, das zur Glückseeligkeit führen sollte :-) . Dazu durfte man natürlich kein Schweinehund sein, das ist wichtig.
            Und aus dieser sehr fundamentalen Sichtweise hab ich eher Sorgen über das “moderne”,
            modern ist … sagen wir mal ganz vorsichtig,
            die Emanzipation der Doofen
            und schon etwas mutiger, aber es scheint mir zutreffend

            die Emanzipation der Bösen.

            Wer sich nicht benehmen kann,
            findet schon irgend einen Psychoonkel,
            der ihm bestätigt, dass eigentlich ein anderer dran Schuld ist,
            und er daher ob seiner Verfehlung auch noch bedauert und unterstützt werden muss von den “Normalen”.

            Und mit “Bösen” ist so eine Mediation wohl auch vergebene Liebesmüh,
            um zum Ausgangspunkt zurückzufinden.

            mfG

          • Viele haben sich hier zur Mediation aufgeregt geäußert, es entstand dadurch bei mir der Eindruck, dass es sich dabei um eine Art sanfte Diktatur handelt…

            Wenn mein Wagen kaputt ist, gehe ich damit nicht zum Arzt und wenn ich manchmal großen Hunger habe, dann trinke ich wenigstens etwas…

            Habe auch eine Supervision mit einem echten Supervisor erlebt, bei der tiefgehende Streitigkeiten im Betrieb gelöst werden sollten. Der Supervisor wolle die “Lösung”, die Beteiligten wollten die “Entscheidung”, von der auch einiges abhing.

            Ich finde, es ist modern, eine klare Meinung zu haben zu einem Problem das nicht richtig erkannt worden ist. Und genau das war schon immer modern, das könnte auch Aristoteles bestätigen – ohne zu zögern…

            Die “Selbstverwirklichung” oder wie Sie auch schreiben: “die Emanzipation der Bösen” ist wieder nur eine Falle der Sprache…

  1. Mit Verlaub: dieser Artikel (Kommentar) ist oberflächlicher Unsinn! Richtig, Mediation ist nicht immer die ultima ratio. Macher Konflikt muss streitig geregelt werden und nicht immer kann es zwei (der mehr) Gewinner geben. Die Frage ist, wann Mediation wirklich angezeigt ist.
    Darüber hinaus wird im Artikel nicht klar zwischen den Verschiedenen Instrumenten der Konfliktbearbeitung unterschieden.
    Mediation ist KEINE Schlichtung!
    Auch wenn die Aktivitäten von Heiner Geißler im Falle Stuttgart 21 anfänglich als “Mediation” bezeichnet wurde, war es keine. Es war ein Schlichtung und damit eine Delegation des Streitfalles an einen “Dritten”. Mediation zielt darauf ab, auszuloten, ob es möglich ist, dass die Streitparteien selbständig eine Lösung finden können, die die Interessen beider Seiten maximal berücksichtigt. Diese Formulierung enthält, dass im Rahmen einer Mediation auch festgestellt werden kann, dass dies nicht möglich ist und andere Wege der Konfliktbeilegung gesucht werden müssen. Sie beschreibt auch, dass nicht immer ALLE Interessen berücksichtigt werden müssen/können. Ganz wesentlich zielt die Mediation darauf auf, dass die Parteien Einsicht in die Ursache, den Verlauf und mögliche Lösungen des Konfliktes erhalten und sie damit in ihrer Konflikt-(Strei-)kompetenz zu stärken. Es geht nicht um “Pazifizierung” “Verschwischung” und “keiner darf verlieren”, sondern um die Möglichkeit seine Interessen zu vertreten. Was kann demokratischer sein.
    Im Falle von Großbauprojekten (Windkrfatanlagen, Straßenbau, Einkaufszentren etc.) werden auch im Vorfeld KEINE Mediationen (schon allein wg. der ungleichen Machtverhältnisse ist das nur schwer zu realisieren) durchgeführt, sondern des werden Gespräche und Anhörungen moderiert, ohne dass wirklich gemeinsam Lösungen gesucht werden.

  2. ja Herr Albers, Sie kennen sich aus in Mediation sonst würden Sie ja den Artikel nicht schreiben? Bitte erklären Sie mir doch das Konzept der Mediation aus Ihren Erfahrungen. Ich würde es gerne kennenlernen, weil ich unter Mediation etwas anderes verstehe. Sie versuchen eine deutliche Sprache zu sprechen, wobei ich sie nicht verstehe…was wollen Sie uns “eigentlich” sagen. Es geht doch gar nicht um Mediation, oder? Sie stellen die Frage “Warum sollten unvereinbare Interessen vereint werden?” dann bitte ich Sie doch eindringlich sich mit den 9 Konflikteskalationsstufen von F. Glasl zu befassen! Und in diesem Zusammenhang, war die Gesellschaft früher besser vorbereitet auf das “Verlieren” als heute? Was hat man früher mit den Verlierern gemacht? und ich weiss nicht wie es in Ihren Gerichten ist, vor Gericht erhält man Recht aber nicht zwingend Gerechtigkeit…und…Mediation (wie ich sie kenne) ist freiwillig. Und zum Schluss…bei Konflikten gibt es zwei Grundhaltungen; die einen haben einen Konflikt und suchen eine Lösung, die anderen haben einen Konflikt und wollen streiten, bei der zweite Gruppe breche ich eine Mediation ab. Also Her Albers, sagen Sie uns nochmals was Sie uns sagen wollten, welche Interessen stehen hinter Ihren Positionen…und welche auch noch…? Ich bin gespannt!

  3. Lieber Herr Albers,

    es erschließt sich mir nicht, ob Sie wirklich Mediation meinen und was Ziel Ihres Artikels ist. Bei mir ruft das Neugierde auf den Plan und den Wunsch, mit Ihnen darüber zu sprechen/telefonieren.

    Als Vorstandsvorsitzender der obigen Stiftung habe ich quasi ein berufsmäßiges Interesse daran, daß in der Öffentlichkeit begriffliche Klarheit herrscht. Wer Stuttgart 21 ernsthaft in Verbindung mit Mediation bringt,kann Mediation nicht kennen oder……was ist die Absicht?
    Beste Grüße
    Viktor Müller
    http://www.deutsche-stiftung-mediation.de/

    • Die Mediation versucht wohl die Konflikte zu lösen aber nicht die Probleme.

      Auch so kann man gut Geld verdienen…

  4. Sie haben Recht, Herr Albers, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob Sie nur den Teufelsadvokaten spielen wollten. Aber Mediation wirkt wirlich nicht, wenn jemand das Gewinn-Verlier-Spiel spielen will. Oder wenn jemandem der andere sozusagen “am Arsch vorbei geht”. Wer eine richtige Auseinandersetzung will, muss weiterhin “vor die Kneipe gehen” oder vor Gericht.

    Ist jemand jedoch reflektiert oder merkt, dass seine bisherige Strategie ihn auch nicht voll überzeugt, weil er am Schluss zwar immer gewonnen, aber trotzdem “das Arschloch” war, könnte Mediation vielleicht mal ein Möglichkeit zum Ausprobieren sein.

    Ich halte das überall so im Leben – wie bei Kochen gefällt auch nicht jedem die Curry-Sauce. Dann muss er vielleicht mal Süss-Sauer oder was anderes ausprobieren.

    In diesem Sinn: gut provoziert haben Sie meines Erachtens! Gratuliere!

  5. “Mein gutes Recht”

    Einmal am Tag ein gutes Gespräch.
    Verstehenwollendes Zuhören.
    Gewaltfreie Kommunikation.
    Über Interessen verhandeln.
    Bedürfnisse wahrnehmen.
    Anerkennung.
    Wertschätzung.
    Gefühle leben.
    Das Gesicht wahren.
    Zeit für Freundschaft.
    Menschlich sein.
    Ein redliches Leben führen.

    Sich “ein bisschen Frieden” zu wünschen – ein klein wenig an einem nicht “rund” laufenden System zum Positiven hin zu verändern – das Bedürfnis ist groß. Und manchmal auch “Think big” oder “Yes, we can”.

    Alles was dazu beiträgt, dass unsere Kinder lachen, wir uns miteinander freuen oder auch mal weinen können, sich zu streiten, einfach miteinander klar zu kommen und zu reden, ohne verletzt zu werden, soll beachtet werden.

    Wie immer man das auch nennen mag – und ich mag es hier Mediation nennen – macht mein Leben im Beruf und im Privaten lebenswerter. Mediation: weil wir es uns wert sind!

    Das ist “mein gutes Recht”.

    Herzliche Grüße
    von Ihrer Heike Pähler und dem MuMeNetz.eu

  6. Ich freue mich über die lebhafte Reaktion auf meinen Artikel, der auch etwas herausfordern sollte, klar. Auch wenn dadurch vielleicht etwas viel Missverständnis und Emotion oder Verteidigung der Berufsehre wachgerufen wurde. Zu Einigem möchte ich hier etwas sagen.

    - Die ersten Antworter haben wohl in der emotionalen Eile etwas zu schnell gelesen und Mediation mit Meditation verwechselt. Auch so kann etwas in Gang kommen. Kann ja passieren, amüsant oder ist es peinlich und netztypisch?

    - Herr Meder, das mit dem Unsinn hat mich ja kurz getroffen. Aber so was Deftiges könnte ja auch von mir kommen, also verstehe ich es. /Stimmt, formal, d.h. institutionalisiert ist Mediation keine Schlichtung, dennoch hat sie stark eine streitschlichtende Funktion. Darauf kommt es mir an./ Ich weiß dass Geißlers Aktivität keine Mediation war(was man ihm auch vorwerfen sollte, so wie er sich manchmal benommen hat), deshalb hatte ich es auch bewusst in Anführungszeichen geschrieben./
    Ein Verfahren, welches die Interessen beider Seiten maximal berücksichtigt, schlichtet. /Wenn ich lernen soll, meine Interessen besser zu vertreten, dann brauche ich keine Mediation sondern eine Schulung im Streiten(das fordert einen Lern-Prozess, keine Lösung) /
    Großbauprojekte, ja sie haben Recht, es werden wohl Moderationen von Anhörungen stattfinden. Aber wie war es bspw. bei der Startbahn-West, als man sich nicht einigen konnte, war das kein offizielles Mediationsverfahren? Ich denke, das Verfahren und die jeweiligen Experten, warten wahrscheinlich schon im Hintergrund. Aber das wissen Sie wohl besser als ich.

    Herr Baumgartner. Ja, ich kenne mich da gut aus, weil ich zwei Mal als betroffene Streitpartei erfahren konnte, wie inkompetent ausgebildete Mediatoren sich viel Formmühe gaben, aber nichts mitbekamen./
    Zum Verlieren, ja der Einwand erreicht mich, ich wollte damit nicht sagen, dass das Verlieren früher easy war. Wollte nur darauf hinweisen, dass eine unsoziale und gnadenloser werdende Wettbewerbsgesellschaft das Verlieren erschwert. /
    Dass Sie Mediation abbrechen, wenn zwei sich streiten „wollen“(ich denke, sie „müssen“), dann ist das wohl eine richtige Entscheidung, Allerdings sagt das m.E. nicht unbedingt etwas über die Grundhaltung der Streitenden aus, sondern , dass noch gestritten werden muss. Doch auf jeden Fall anders als bisher. Der Deckel der mediativen „Lösung“ ist dann wirklich nicht angebracht.

    Herr Müller. Der Zweck meiner Polemik sollte ein kritischer Blick auf die angeblich „gute Mediation“ sein, die ja nur Gutes will und immer mehr Menschen beglückt (und daran immer mehr verdient). Ich spreche ihr nicht ab, dass sie auch Gutes kann. Ich kenne allerdings Mediaton/Mediatoren, die eigentlich kaum konfliktfreudig und –freundlich ist und Konflikt eher als etwas Negatives bekämpfen(Wolfssprache) will – ich möchte ihn zum Elixier unseres Lebens reanimieren. Mehr nicht.

    Herr Buchautor. Ja, Mediation, externe Hilfe holen sollte man, wenn oder genauer nachdem, man seinen Beitrag zur Konfliktklärung geleistet hat. Und da haben wir meisten noch viel zu lernen, da herrscht m.E. Analphabetismus und ein riesiges Vermeidungsverhalten. „Vor die Kneipentür gehen“ bedeutet für mich nicht „sich auseinandersetzen“, sondern ist ebenso macho-hilflos wie der sofortige kindliche Ruf nach einem Konfliktexperten(gibt es auch immer häufiger).

  7. Sie besitzen mein Mitgefühl Herr Albers.
    Es muss schreclich sein, in Ihrer Welt zu leben.
    Ich lebe auch in Deutschland und finde es nicht schrecklich.
    Es kommt eben auf die Sicht der Dinge an.
    Ist das Glas halb leer, oder ist es halb voll?
    Sie stehen wohl immer vor halb leeren Gläsern?
    Schrecklich wäre es für mich, in der Vergangenheit zu leben.

    • Auch Sie besitzen mein Mitgefühl, @ Steffen, wenn Sie einen Konflikt mit jemanden suchen, der die Gläser halb leer sieht…

      Stellen Sie sich vor, wie viel Geld die Mediatoren dank der Frage nach halbvollen Gläsern wohl verdienen.

      In einer Kneipe wäre so etwas nicht machbar – sich einfach nur darüber zu streiten, ob das Glas halb voll ist oder halb leer…

  8. Also ich weiß immer noch nicht genau, ob die Mediatoren nur deswegen den Streit suchen, weil sie Konflikte beseitigen wollen.

    Stellen wir uns vor, die Mediatoren sind irgendwann so erfolgreich, dass es keine Konflikte mehr gibt. Nirgendwo…

    Dann müssten die Mediatoren nach anderer Arbeit suchen. Sie müssten zum Arbeitsamt gehen, um sich umschulen zu lassen.

    Jeder Mediator, der schlau ist, wird die Konflikte, von denen er lebt, eher pflegen…

    • So was ähnliches habe ich auch mal über Rechtsanwälte gesagt.
      Konflikte müssten im Wesentlichen von den Konfliktpartnern selbst gelöst werden (oder nicht).
      Mit Anwalt oder Mediator wird es nur teurer.
      Unreif (aber extrem verbreitet) halte ich die übliche Freund/Feind – Einstellung, sie ist ein echtes Hindernis für Problemlösungen aller Art.

      Nun ja,
      dann haben wir noch die berühmte “Hackordnung”,
      nicht selten notwendig
      und nicht selten auch ein Hindernis zur Problemlösung.
      Wer fällt denn gerne Entscheidungen,
      für die er anschließend auch “gerade stehen” muss.
      Hier braucht es keinen Mediator.

      mfG

    • ich weiss nicht wie es in Deutschland ist, in der Schweiz gibt es 1’000 ausgebildete Mediatoren und rund 4’000 Fälle pro Jahr. Davon ist der grösste Teil…Familienmediaton. Man rechne 4’000:1’000=4. Davon leben können vermutlich die wenigsten. Wenn als nicht das Geld die Motivation ist was ist es dann? Noch eine andere Denkaufgabe Herr Albert…ich lebe in einem kleinen Schweizer Kanton, hier gibt es 4 Mediatoren (allesamt nebenamtlich, mit höchstens einem Auftrag pro Jahr) und …Achtung …30 Rechtsanwälte (vollamtliche…). Eine schweizweiten Untersuchung (2009? vom SDM Schweizer Dachverband Mediation) hat gezeigt, dass Mediation durchschnittlich 3-6 Sitzungen über 3-6 Monate dauert. Wie lange dauert ein Rechtsfall? Der “Konfliktmarkt” findet also an einem anderen Ort statt und vermutlich haben Sie auch schon vernommen, dass nicht alle Rechtsanwälte gut auf die Mediation zu sprechen ist…Herr Albert, sind Sie Rechtsanwalt?

      • Nein, ich bin kein Rechtsanwalt, @ E. Baumgartner. Bin eher ein Einzelgänger, der Aufgaben ungern annimmt, einschließlich der “Denkaufgaben”.

        Dass es deutlich mehr Rechtsanwälte gibt als Mediatoren, liegt wohl daran, dass dieser “Beruf” etwas älter ist und seit A. Hitler gewisse Privilegien besitzt, von dem selbigen erteilt…

        In dem obigen Artikel geht es um Kritik, um offen geäußerte Unzufriedenheit. Manche Reaktionen wecken bei mir den Eindruck, dass manche Mediatoren keine besondere Ausbildung im Umgang mit Kritik und Unzufriedenheit genossen haben.

        Und das ist natürlich ein fatales Manko bei diesem ehrenamtlichen Beruf. Die Ausbildung zum Mediator ist gewiss nicht kostenlos, also streichen meiner Meinung nach den ersten Gewinn die “Ausbilder”. Daher sollte die Ausbildung etwas besser sein, sie sollte die Mediatoren besser „stählern“…

        Der Kommentar von @ Gregor Meder kam mir am sachlichsten vor, mit gutem Aufklärungspotential. Leider identifiziert er gleich am Anfang die Kritik und Unzufriedenheit als “oberflächlicher Unsinn!”. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht mit der Ausbildung zusammenhängt, egal wie teuer sie sein sollte. Es handelt sich wohl eher um eine rein persönliche, individuelle „Einschätzung“:
        http://www.readers-edition.de/2012/07/11/mediation-ist-doch-mist-oder/#comment-17294