Kommentar

Glacéhandschuhe oder Vorschlaghammer

Sommerinterviews von ARD und ZDF – Zwei ärgerliche Negativbeispiele für das journalistische Versagen der Öffentlich-Rechtlichen.

Es ist schon viel zu lange ein Ärgernis für TV-Zuschauerinnen und Zuschauer: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehmedien – ob im Bereich Nachrichtensendungen oder in diversen politischen Formaten – kommen einfach ihren Grundaufgaben nur mehr recht und schlecht nach. Was noch freundlich ausgedrückt ist. Immer öfters vermitteln ARD und ZDF den  Eindruck, dass sie zum Staatsfernsehen mutiert sind. Zum Staatsfernsehen, dass der Regierung anscheinend nachgeschaltet ist. Zumindest mangelt es öfters Moderatoren und Interviewern an Fingerspitzengefühl und dem nötigen Biss. Von journalistischer Gleichbehandlung politischen Personals kann nicht die Rede sein. Vertreter aus dem Regierungsapparat werden zu oft gleich mit doppelten Glacéhandschuhen angefasst. Dazu machen die Interviewer verbale Bücklinge. Hartes Nachfragen, wenn ihnen etwa Bundeskanzlerin oder Bundespräsident thematisch ausbüxen, kommt da gar nicht in die Tüte. Die so genannte Opposition (SPD, Grüne) greift man mit der Flachzange an. Vorwiegend Personal der Partei DIE LINKE jedoch bearbeiten öffentlich-rechtliche Kanalarbeiter wie Rainald Beckers, Ullrich Deppendorf oder Thomas Walde nur allzu gerne und mit unüberhörbarer Inbrunst mit dem Vorschlaghammer. Gleich zwei Negativbeispielen dafür, konnte wer wollte, am vergangenen Sonntag beiwohnen. In den Sommerinterviews von ARD und ZDF.

Nun kann man zwar den Nährwert dieser Sommerinterviews ohnehin für sehr gering halten. Doch wenn dann zu Plattheit noch offene Feindseligkeit kommt, ist der Zuschauer, der die Erfüllung des Programmauftrags erwartet, verstimmt. Vierte Gewalt? Na, schönen Dank ARD und ZDF!

Negativbeispiel Nr. 1: ARD-Interview von Wirtschaftsminister (!) Philipp Rösler (FDP)

Rösler hatte einst versprochen zu liefern. Am Sonntag lieferte er. Und zwar Griechenland sozusagen der Pleite aus. Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone habe inzwischen seinen Schrecken verloren, behauptete da der FDP-Mann. Die ARD-Herren Becker und Deppendorf hätten doch nach dieser unglaublichen Behauptung sofort die Glacéhandschuhe ausziehen und härter nachfragen müssen. Immerhin ist für den Fall einer Pleite Griechenlands mit enormen Auswirkungen für Spanien, Portugal oder Italien und nicht zuletzt auch für die deutsche Wirtschaft zu rechnen. Deppendorf und Becker ließen es Rösler durchgehen. Dafür durfte Philipp Rösler, dabei jeglichen nationalökonomischen Sachverstand vermissen lassend, loswerden: „Röslers haben Schulden, die haben sich ein Haus gekauft, wenn ich jetzt Herrn Trittin fragen würde, ob er sich an unseren Hausschulden beteiligen würde, privat ganz persönlich, vermute ich mal, er würde es nicht tun.“ Erinnert stark an das für Volkswirtschaften untaugliche Vergleichsbeispiel von der „Schwäbischen Hausfau“. Wieder ließen die Interviewer Rösler ausflutschen. An ihnen wäre es nun gewesen, Röslers mit dessen eigenen Beispiel vom Frosch im brodelnden Kessel Feuer unterm Hintern zu machen. Schließlich wird jetzt schon – und erst recht mit dem Fiskalpakt – auf europäischer Ebene genauso verfahren wie im Rösler-Trittin-Szenario. Doch es handelt sich kaum um das Geld der Röslers noch um das der Trittins. Es ist das Geld der deutschen Steuerzahler. Röslers unverantwortliches Geplapper hat gestern für Unruhe an den Börsen gesorgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte ihn dafür eigentlich entlassen müssen. Apropos Griechenland: Man weiß ja längst, dass das Land pleite ist. Wahrscheinlich soll nur erst mal das Gros der Gläubiger befriedigt werden, bevor man das Land – das ist EU-Solidarität! – fallen lässt. Heute ist laut Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker wieder alles in Butter und keine Rede vom Rösler-Szenario.

Hier das ARD-Sommerinterview mit Philipp Rösler via ARD-Mediathek.

Negativbeispiel Nr. 2: ZDF-Sommerinterview mit der Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Katja Kipping

Katja Kipping konnte keine Glacéhandschuhe erwarten. Für Linke und DIE LINKE gelten hierzulande andere, härtere, Maßstäbe. ZDF-Interviewer Thomas Walde hatten von Anfang an den Vorschlaghammer gezückt. Und er schlug erbarmungslos damit zu. Katja Kipping bewunderte ich. An ihrer Stelle hätte ich das Studio stante pede verlassen. Man muss DIE LINKE nun nicht lieben, noch deren Wähler dieser jedoch zweifellos in Deutschland notwendigen Partei sein. Aber es war schon mehr als ärgerlich am Sonntagabend mitzuerleben, wie Thomals Walde grimmig-verbissen mit den üblichen Klischees betreffs der Partei DIE LINKE hantierte. Meinungsmache übelster Sorte. Kipping wurde unterbrochen, was das Zeug hielt. Und die Politikerin wurde „gestellt“, dass es nur so krachte. Klar: es musste (sollte?) ja wieder einmal herauskommen, dass DIE LINKE ein einziges Übel für das Land uns seine Menschen ist. Dass sie zerstritten ist, etwas gegen Reiche hat und nicht als Regierungspartei taugt. Meinungsmache. Katja Kipping bewahrte die Ruhe.  Sie blieb freundlich und setzte – so Walde sie nicht im Ansatz unterbrach – abermals zur Antwort an. Dann schließlich freute sich Walde offensichtlich das Thema gefunden zu haben. Der Vorschlaghammer sauste endlich auf Kipping nieder. Die LINKEN-Chefin wurde nämlich gefragt, ob sie denn für humanitäre Hilfseinsätze betreffs Syriens sei. Ehrlich erklärte Katja Kipping, sie sei Pazifistin. Das blieb hängen. Obgleich Kipping auch daraufhin wies, dass es in ihrer Partei natürlich auch andere Meinungen zu solchen Hilfs- oder gar robusteren Einsätzen gibt und bei einem Regierungseinsatz ja über so etwas verhandelt werden müsse. Walde war’s zufrieden. Die Redaktion verpasste dem Interview die Überschrift „Ich bin Pazifistin.“. So würde DIE LINKE wieder einmal desavouiert sein, dachte sich das ZDF da wohl. Mit so einer Partei ist kein Staat zu machen. Hätte allerdings Katja Kipping am Sonntag doch nur den Fischer, Joschka gemacht und ein deutschen Kriegseinsatz in Syrien gefordert! Dann hätte das Staatsfernsehen ZDF und Kanalarbeiter Walde rasch den dicken Vorschlaghammer aus der Hand gelegt. Und die Linke wäre mit Glacéhandschuhen fein gestreichelt worden. Eines wurde im ZDF-Sommerinterview wieder einmal klar: Die politische Linke insgesamt wird nie eine Chance erhalten in Deutschland. Journalistische Meinungsmache über elektronischen Medien und Presse wird dafür sorgen.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild. Hier in der ZDF-Mediathek ist das Sommerinterview mit Katja Kipping abrufbar.

Diese beiden Negativbeispiele belegen: Es ist etwas faul bei den Öffentlich-Rechtlichen. Politiker sind vor ARD und ZDF nicht gleich. Ob sie mit Bücklingen bedacht oder mit dem Vorschlaghammer niedergemacht werden, entscheiden die offenbar bis  in die Senderzentralen hineinregierenden Mächtigen dieser Republik.  ARD und ZDF  kommen ihren auf das Grundgesetz  zurückgehenden Programmaufträgen längst nur mehr recht und schlecht nach. Da müsste einmal frischer journalistischer Wind herein! Aber da – wie in der hohen Politik – stinkt der Fisch vom Kopfe her. Demokratischer Aufbruch ist angebracht. Er müsste die gesamte Gesellschaft umfassen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 14 Kommentare.

  1. “Glacéhandschuhe, Vorschlaghammer”, das sind wohl nur sehr subjektive Assoziationen zu den beiden Interviews.

    Der Einfluss der politischen Parteien in “Öffentlich-Rechtlichen” ist deutlich größer als der Einfluss der Kirchen und anderen Organisationen. Diese Tatsache schafft natürlich BEDINGUNGEN, unter denen sich der Journalismus bei den “Öffentlich-Rechtlichen” entwickeln kann. Der EINFLUSS ist sozusagen der NÄHRBODEN…

    Wer aber den politischen Einfluss auf die Medien viel detaillierter erlebt hat, der kann sich auch vorstellen, wie die Medien aussähen, wenn Katja Kipping, Philipp Rösler oder Claus-Dieter Stille den alleinigen Einfluss auf die Medien hätten. Die Medien wären genauso öde, als wenn sie unter der Kontrolle eines Albert Albern stünden…

    Katja Kipping weicht den Fragen genauso aus wie Philipp Rösler, Herr Rösler macht es zwar etwas erfahrener, dafür aber um so peinlicher. Es war sehr guter Trick, dass ihn die Journalisten einfach reden ließen, so kam die peinliche Ausstrahlung von Philipp Rösler voll zur Geltung. Ihn etwas härter anzugehen wäre genauso schlimm wie ein Kind oder eine Frau zu schlagen…

    Frau Kipping redete viel und deswegen auch durcheinander: Sie machte es sich vor allem mit der sogenannten “Griechenhilfe” viel zu schwer. Und bei Ihrem bewundernswerten Pazifismus landete sie unerwartet bei der Abschaffung der “Harz-IV-Sanktionen” als Schwerpunkt für eine Koalition…

    Die Unterstellung, die tänzerischen Gedanken von Frau Kipping wurden durch die Wirkung eines Vorschlaghammers in der Gegend verstreut, bleibt nur eine Behauptung.

    Frau Kipping und Herr Rösler bekamen in den Sommerinterviews eine gute Gelegenheit zur SELBSTDARSTELLUNG. Und beide haben diese Gelegenheit ausgiebig genutzt. Und genau das ist der von Ihnen erwähnte Nährwert dieser Sendungen, Herr Stille – die Selbstdarstellung…

  2. Nun ich habe mir das Spektakel angeschaut in der Tat ist es so das der Herr Walde die Achillesferse, der Linken genutzt hat und zwar sind das humanitäre Einsätze in Form von Ambulanten Krankenhäusern usw. usf. da gibt es in der Partei der Linken soweit ich auf den Laufenden bin noch keine Haltung hierzu und da hat er nachgehakt und nachgehakt…

    Allerdings stellt sich in diesem Kontext die Frage wo sollen wir anfangen und wo sollen wir aufhören und was ist die Priorität es gibt ja nicht nur Kriegerische Zustände in Syrien sondern es gibt schlicht sehr viele anhaltende Konflikte/Kriege auf dem Globus!

    Also wo da die Prioritäten setzen und wo fangen wir dann an, egal wie man sich hiebei entscheidet man benachteiligt, insofern ist mit da die Haltung eines großen Mannes der SPD wesentlich sympathischer der sich schlicht und ergreifend für strikte Neutralität ausspricht. Helmut Schmidt ein viel geachteter Mann hier in diesem Lande.

    Dann im Vorfeld die Ausspielung der Griechen gegen die Deutschen da hat der Herr Walde auf Neid spekuliert, denn wenn nun eine Nation erhebliche finanzielle Nachteile hat dann sind es die Arbeitnehmer dort in Griechenland, so und ich denke mal der Herr Walde wäre da auch auf den Barrikaden wenn es an sein Gehalt geht und er erhebliche Einbussen hätte und nicht oder kaum überleben könnte!

    Die Deutschen hatten die letzten 15 Jahre faktisch Real-Lohnverluste mit der Folge das wir nun Millionen Prekaristen haben und das kann es ja wohl nicht sein, Europa zum Prekarierstaat zu erheben da fand ich Frau Kipping in der Antwort etwas zu schwach.

    So meines bescheidenen Wissens werden auch die Fragen vorher abgesprochen, allerdings liegt der Verdacht nahe das Herr Walde sich hier nicht daran gehalten hat, das zeigt die Reaktion von Frau Kipping und Ihre Mimik, Sie war schlicht überrascht als dieser diese Anpassungskeule auspackte…

    Sie hätte Herr Walde zweimal kriegen können und zwar wenn dieser argumentiert mit dem Deutschen Zahlemeister und den Militäreinsätzen selbst wenn diese humanitär sind denn beides verschlingt Unmengen von Geld.

    Was von den Medien zu halten ist wenig, denn sie sind alles nur nicht mehr die 4.Gewalt im Staat, die haben sich die Politiker mit dem Besetzen der Verwaltungsräte und Aufsichtsgremien unter den Nagel gerissen und die da drin sind, ein auskömmliches Zweit gar Dritteinkommem, was aber vollkommen konträr zu Ihren Auftrag als Abgeordneter im Parlament steht!

    In die Gremien gehört der Souverän und nichts anderes und zwar welche die keiner Partei angehören, oder gar einer Firma, weil das eine Verquickung darstellt, ja eine Interessenkollision und Vereine und de jure sind das Parteien ham dort nichts verloren und Firmen noch viel weniger!

  3. @Claus-Dieter Stille

    In der Hetze gegen Links wetteifert das ZDF anscheinend mit der Friede-Springer-Truppe und anderen Söldnern des Medienkapitals. Typisch für diese Linie war z.B.  das Sommerinterview des jetzigen ZDF-Chefredakteurs Peter Frey mit Oskar Lafontaine vom Juli 2009, bei dem Frey Pluspunkte sammelte für seine Nachfolge auf dem Stuhl des abgesägten ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender. (Siehe „CDU/CSU und FDP gegen Rundfunkfreiheit und Grundgesetz“, freitag.de, 4.12.2009.)

    Brender war zwar selbst eher ein wenig rechtslastig, aber bei weitem nicht genug für die „Christlichen“ unter den damaligen ZDF-Verwaltungsräten Roland Koch, Edmund Stoiber und Peter Müller von der Saar, die ihren „Schwarzen Kanal“ auf Linie bringen wollten. Zur Verbrämung leistet sich das ZDF die kritischen Kabarettisten Urban Priol und Frank-Markus Barwasser mit ihren Gästen sowie gewissermaßen auch die heute-show mit Oliver Welke, aber alle möglichst in der klassischen Rolle von Hofnarren, die man nicht so ernst nehmen soll.

    Im „seriösen“ ZDF-heute-journal lässt man dagegen den hochbezahlten Claus Kleber die Senkung des Spitzensteuersatzes durch Thomas Straubhaar empfehlen, finanziert durch Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Lasten der Einkommensschwachen, indem Kleber diesen Umverteilungs-Propagandisten als großen Ökonomen vorstellt. (Sh. „Mehr Netto vom Brutto?“, freitag.de, 26.9.2009, und  „Umverteilung nach oben durch Gleichschaltung der Massenmedien“, freitag.de, 28.11.2009, mit weiteren Nachweisen.)

  4. @Claus-Dieter Stille
    Fast hätte ich den Link zu dem sehr aufschlussreichen Sommerinterview von Peter Frey mit Oskar Lafontaine vergessen.
    Wegen des fatalen "Depublizierungs"-Handels der Öffentlich-rechtlichen mit dem privaten Medienkapital sucht man es am besten nicht beim ZDF, sondern unter Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=pLhEUhyUhPQ

  5. Mit der staatlichen Zensur in dem sogenannten “Ostblock” musste man halt lernen, umzugehen. Man musste lernen, spitzfindiger zu formulieren, damit die Zensoren gar nicht merken, worum es geht. Schließlich waren die Zensoren auch nur Menschen…
    Darüber hinaus gab es nie ein Interview mit einem Oppositionellen, mit einem Kritiker im Staatsfernsehen. Nicht einmal im Sommer…

    Wie in der Partei DIE LINKE mit Gegnern, Kritikern und Oppositionellen umgegangen wird, haben wir zuletzt bei dem Parteitag gesehen. Was dort auffiel – die LINKEN wollen von ihren Gegnern grundsätzlich viel besser behandelt werden als sie selbst ihre Gegner behandeln. Das ist ausgesprochen unchristlich, dazu kann sich DIE LINKE ruhig bekennen, schließlich sind die Religionen nur ein Opium fürs Volk…

    Frau Kipping ist eine Pazifistin und keine Kämpferin. Anders als die Oppositionellen im ehemaligen Ostblock konnte Sie als Anführerin einer oppositionellen Partei im Fernsehen auftreten. Warum sie manche Fragen nicht beantworten wollte oder konnte, ist eigentlich unerheblich. Dass Grundproblem besteht darin, dass die PIRATEN von den LINKEN ausgelacht werden, wenn sie offen sagen, dass sie zu irgendwelchem Thema noch keine klare Haltung haben. Und wegen diesem verächtlichen Gelächter kann die Anführerin der Linken nicht das gleiche sagen, wie die PIRATEN, sonder sie muss DRINGEND einfach etwas sagen, auch wenn es mit der Frage nicht viel zu tun hat.

    Das Vorgehen der Linken in ihrem Kampf um eine bessere Zukunft besteht darin, sich selbst schönzureden und alle anderen hart anzupacken. Eigentlich machen sie damit das GLEICHE, wie ihre Gegner. Deswegen wird die Zukunft morgen genauso sein wie sie es gestern schon war…

    Ein ständiges GEMETZEL, jeder bekommt was auf die Backe, und trifft es mal DIE LINKE, dann wird laut über die UNGERECHTIGKEIT und FEINDSCHAFT gesprochen und geschrieben. Doch die EMPFINDLICHKEIT der Linken ist nur Täuschung und Trug, weil die Linken das alles aus der Erfahrung in der eigenen Partei längst gewöhnt sind. Sie packen selbst in der eigenen Partei ihre Gegner hart an, sie sprechen sehr schlecht über ihre Gegner in der eigenen Partei und stellen ihnen gerne bei jeder Gelegenheit das Bein…

    Wenn Frau Katja Kipping besser sein will als z.B. Dietmar Bartsch, dann kann sie es nicht nur bei einem Parteitag zeigen, sondern sie muss es auch sein…

    • @Albert Albern

      Alles gut und schön, aber es lenkt in unverantwortlicher Weise von der Hauptsache ab, nämlich von den politischen Verteilungszielen, der Prekarisierung mit ihrer Vernichtung ordentlicher Arbeitsplätze durch Umverteilung nach oben, wo die ruinösen Zocker-Milliarden angehäuft werden. Auch in der Linken sind nicht alle Engel, müssen es auch nicht sein. Entscheidend ist die Gesetzgebung, die die Gier in Grenzen hält.

      Alle anderen haben die Umverteilung nach oben betrieben oder betreiben sie noch heute, auch Rot-Grün unter Schröder, Steinmeier und Fischer, unterstützt von Steinbrück, mit der drastischen Senkung ihres Spitzensteuersatzes, mit der Senkung der Unternehmenssteuern, weiterem Verzicht auf die Vermögensteuer, Entfesselung der Zocker-Märkte, hohen Energiesteuern ohne Kompensation, Rentenklau, asozialer Verarmung der Kommunen -zum eigenen Profit usw.

      Den „Christlichen“ und „Liberalen“ ging das alles noch nicht weit genug. Zusammen mit den Rotkarierten haben sie z.B. noch die Zinsbesteuerung für Einkommensmillionäre halbiert (Abgeltungssteuer), alle Selbstbedienungs-Gesetze beibehalten und zur Finanzierung ihrer Selbstbedienung die Mehrwertsteuer noch weiter erhöht – auf Kosten der Einkommensschwachen. Zu den „Liberalen“ in der schwarz-gelben Koalition erübrigt sich hier jeder Kommentar.

      • Das ist natürlich nicht gut und schön, worauf Sie alles hinweisen, @ Geierschreck. Deswegen Staune ich darüber, dass sich Claus-Dieter Stille und auch Sie, @ Geierschreck, hier bei diesem Thema durch ein Sommerinterview von all den schrecklichen Dingen ablenken lassen.

        Das, was DIE LINKE nicht schafft, wird wie immer die KRISE in Gang setzen müssen. Die Krise ist zuverlässiger als alle politische Parteien…

        • @Albert Albern: Persönlich (und wohl auch Geierschreck nicht) lasse ich mich keineswegs “durch ein Sommerinterview von all den schrecklichen Dingen ablenken.” Augen und Ohren sind auch dafür offen.Was dazu führt, dass einem Vieles sauer aufstösst. Vielmehr gehören diese Interview zum gesamten Puzzel der Schrecklichkeiten. Sie addieren sich. Und sind allesamt Ausdrücke für gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Da, finde ich, muss man auch auf scheinbar kleine (aber im Gesamtkontext keineswegs unbedeutende) gesellschaftliche Negativ-Erscheinungen aufmerksam machen.

          • Politische Antipathie gehört zum Alltag, Claus-Dieter Stille. Deswegen wird die Zukunft morgen genauso sein, wie sie es gestern schon war, wie ich schon geschrieben habe.

            Die Menschen werden nicht nur durch die Medien beeinflusst, sondern auch durch das persönlich Erlebte. Wir können wahrnehmen, dass die Unzufriedenheit mit den traditionellen Parteien wie auch das Misstrauen ihnen gegenüber immer größer wird. Nicht um sonst bekommen die PIRATEN großen Zulauf, an DER LINKEN vorbei, worauf Ihr Kollege Uli Gellermann scheinbar nicht anders reagieren kann, als die PIRATEN in einem Artikel nieder zu machen. Ohne zu wissen, ob die PIRATEN überhaupt GEGNER für DIE LINKE darstellen. Sie sind halt Konkurrenten, und das hat im Kapitalismus nun mal große Bedeutung. Also – politische Antipathie…

            Bei DER LINKEN fällt auf, dass die Westverbände große Probleme haben mit der geringen Mitgliedschaft. Meiner ERFAHRUNG nach verekeln die kampferprobten Altmitglieder die meisten Neuankömmlinge. Ich war zufällig bei der Gründung der WASG dabei, aus Neugier, habe beobachten können, dass die WASG durch die Mitglieder der DKP schnell unterwandert wurde und diese haben dank ihrer “Erfahrung” auch schnell die Führungsposten besetzt. Und auch später konnte ich von Leuten erfahren, welcher ideologischer Druck auf sie einprasselte, wenn sie bei DER LINKEN aus Neugier vorbei kamen.

            Warum schreibe ich darüber?
            In der Gesellschaft gibt es viele unzufriedene Menschen, ein großer Potential an Nichtwählern, und diese Situation wir sich noch steigern. Doch DIE LINKE ist UNFÄHIG, diesen Potential an Nichtwählern und Unzufriedenen ANZUSPRECHEN. Und kommen die PIRATEN aus dem Schatten heraus, laufen ihnen die Unzufriedenen entgegen.

            Sie machen einen groben Fehler, Herr Claus-Dieter Stille, falls Sie glauben, dass es der Einfluss der Medien schuld sei, warum die Menschen zu den PIRATEN laufen. Es wäre ein purer Aberglaube, zu glauben, dass die Medien die Menschen zu den Piraten treiben. So doof sind die Menschen nun wirklich nicht, um sich von den Medien irgendwohin treiben zu lassen, es sei denn, es handelt sich um irgendwelche Musikveranstaltungen…

            Ich persönlich komme allein durch diese Beobachtungen zu dem Schluss, dass DIE LINKE unfähig ist, Menschen anzusprechen, weil sie zum Beispiel in ihren Formulierungen noch verschwommener ist als Angela Merkel und chaotischer als die PIRATEN. Aber vor allem: DIE LINKE verbreitet vorzüglich eine tiefgreifende Stimmung des HASSES, egal ob in der eigenen Partei oder gegenüber den anderen Parteien, einschließlich der neugeborenen PIRATEN.
            Und DAS IST NICHT ANSPRECHEND!

            DIE LINKE hat nichts POSITIVES zu bieten, weil in dieser Partei hoch frustrierte Persönlichkeiten vor-HERRSCHEN, die nur auf ihren EIGENEN Frust bedacht sind und sich nie mit dem Frust der Oppositionellen in dem ehemaligen Ostblock ernsthaft beschäftigten. Ich habe in einem meiner obigen Kommentare versucht, WAHRNEHMBAR zu machen, dass der Frust der Oppositionellen im ehemaligen Ostblock deutlich BEGRÜNDETER war, als der Frust bei den LINKEN.

            Es ist mir bewusst, dass solche Hinweise auf Sie und Ihre Genossen einfach nur UNANGENEHM wirken, und dass Sie nicht im Stande sind, die LEHRHAFTIGKEIT aus diesem Hinweis zu schöpfen. Die Oppositionellen im ehemaligen Ostblock mussten viel STANDFESTER sein, sie konnten es sich nicht leiten, über JEDES Wehwehchen zu klagen, sie mussten sich auf das Substantielle konzentrieren. Und auch wenn durch diesen Hinweis ERKENNBAR sein müsste, dass sich DIE LINKE durch manche ihrer Klagen lächerlich macht, es ist Ihnen einfach nur unangenehm, wenn es erwähnt wird, anstatt daraus zu lernen…

            WEINENDE KÄMPFER FÜR EINE BESSERE ZUKUNFT – das ist das Bild, das die stolze LINKE abgibt…

            Und wie schon gesagt – bei allen guten Hinweisen auf die Missstände hat DIE LINKE nichts POSITIVES zu bieten. Deswegen sehen viele Unzufriedenen ihre HOFFNUNG eher bei den PIRATEN, obwohl diese auch nicht viel zu bieten haben, wie uns Herr Uli Gellermann bereits klar gemacht hat.

  6. Betreffs Philipp Röslers unverantwortlicher (und naiver) Äußerung, ein Austritt Griechenlands habe für ihn u.a. den Schrecken verloren, empfehle ich ein SWR-Interview mit dem UNCTAD-Chefvolkswirt Heiner Flassbeck. Er beschreibt darin die Folgen. Die auch um Deutschland keinen Bogen machen würden.

    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tagesgespraech/-/id=660264/nid=660264/did=9901838/qj6y9i/

    Das Interview kann dort heruntergeladen und angehört werden.

    • Das ist auch ein guter Hinweis, Herr Claus-Dieter Stille.
      Doch stellen Sie sich vor, die Aussage von Herrn Rösler wäre zensiert, einfach aus der Sendung herausgeschnitten, weil sie nun mal schlimme Folgen hat. Das wäre doch ausreichend begründet…

      Ich wette, sollte das auf die Öffentlichkeit kommen, würden Sie oder Herr Gellermann oder beide gleichzeitig einen Artikel mit dem Titel:
      “ZENSUR…!” schreiben…

      Das wäre doch was zum Anprangern…

      • @ Albert Albern

        Hauptproblem sind nicht Rösler und seine Umverteilungs-Koalitionäre, sondern das Medienkapital und die übrigen bestbezahlten Meinungsmacher, die solche Leute an die Macht bringen und die Wähler zum eigenen Profit täuschen. Damit wären wir wieder beim Titel dieses Artikels.

        In meinen drei letzten RE-Beiträgen „Samaras & Co. wollen ‚Haushaltssanierung‘ durch ‚Steuersenkungen‘“, „Rettungsschirm zur Umverteilung nach oben“ und „Steuererhöhungen zur Steuersenkungen“ habe ich darauf hingewiesen, dass die Probleme von Griechenland, Spanien usw. sofort gelöst wären, wenn die dortigen und hiesigen Umverteilung-Profiteure nicht ständig das Kaputtsparen propagierten, sondern sich für die angemessene Besteuerung ihrer eigenen Umverteilungs-Profite engagierten.

         Eine Zensur wäre völlig abwegig. Aber eine Entlarvung dieser Zusammenhänge ist eine Grundvoraussetzung. Man erreicht sie nicht, wenn man – wie jene – ständig von der Hauptsache ablenkt (sh. oben). 

        • Ich habe gelernt, mit den Problemen zu leben, auch wenn ich mit ihnen nicht einverstanden bin, @ Geierschreck. Da ich ein Einzelgänger bin, ist es für mich etwas einfacher, mich von den Problemen gelegentlich abzuschotten…
          Wie ich schon geschrieben habe:
          “Das, was DIE LINKE nicht schafft, wird wie immer die KRISE in Gang setzen müssen. Die Krise ist zuverlässiger als alle politische Parteien…”

          Die aufopfernden Bemühungen, “den Euro zu retten” sind nur versuche, die Krise abzuwenden. Wenn die Politik aber den GELDUMLAUF nicht begreift und das Geld in riesigen Behältern verstauen lässt, womöglich auch noch zu Spekulationen frei lässt, wird sie auf den GELDUMLAUF weiterhin keinen Einfluss haben. Und wenn das Geld stockt, nicht mehr zu der MEHRHEIT der Konsumenten strömt, lähmt die Wirtschaft. Damit die Wirtschaft funktionieren kann, MUSS das Geld FLIESSEN. Haben die Menschen kein Geld mehr, weil es nur noch bei den Reichen liegt, kann die Werbung der Wirtschaft nicht mehr helfen, egal, welche Summen die “Wirtschaft” für die Werbung zahlt…

          Nicht umsonst wird darauf hingewiesen, dass der einheimische Konsum die Verluste im deutschen Außenhandel erträglich macht, und der Außenhandel kollabiert schließlich gerade deswegen, weil das Geld international FEHLT. Irgendwo gebunkert wird, meistens im “Ausland”, immer davon abhängig, wo der Inhaber wohnt…

          Ich sehe das, @ Geierschreck, Sie sehen es auch, und Abermillionen Menschen auf der ganzen Welt sehen es auch immer deutlicher. Und trotzdem wird die Krise kommen, um Leid und manchen Chaos zu verursachen, weil uns weder der liebe Gott noch DIE LINKE zur Zeit des Ostblocks vernünftige Regierungen geschenkt haben.

          Recht zu haben, reicht nun mal nicht, ich mache mir höchstens die Hoffnung, dass ich beim Jüngsten Gericht mein Recht weder behaupten können. Die Kommunisten hatten nun mal recht, dass die Menschen von der Reichen ausgebeutet werden, das war aber kein Befugnis, kein Freischein dazu, die Menschen zu unterdrücken. Recht zu haben, das reicht nun mal nicht, Recht zu geben macht manchmal viel mehr aus.

          Also: Sie haben Recht, @ Geierschreck…