Buchvorstellung

“Solidarisiert Euch!”, ruft Andreas Ehrholdt den Menschen zu

Ein mutiges Buch mit viel Herz geschrieben. Zum Nachdenken anregend. Zum Mitmachen animierend.

Andreas Ehrholdt wurde als engagierter Initiator der im Jahre 2004 wiederbelebten Montagsdemonstrationen deutschlandweit und sogar darüber hinaus bekannt. Die Notwendigkeit für diese Montagsdemo-Neuauflage hatte Andreas Ehrholdt in den unsozialen Hartz-Gesetzen der damaligen rot-grünen Bundesregierung gesehen. Die Montagsdemonstrationen hatten damals rasch an Zuspruch und Zulauf gewonnen. Doch, was sie erreichen sollten, erreichten sie nicht. (Lesen Sie hier mehr.) Im Juli 2011 unternahm Andreas Ehrholdt den Versuch einer Neubeatmung der Montagsdemonstrationen. Doch auch dieser Versuch scheiterte.

Es mag danach wieder stiller um Ehrholdt geworden sein. Doch wer seine Gedanken und Äußerungen auf Facebook aufmerksam verfolgte, wird wissen: Der Mann ist rege und am Ball geblieben. Abermals hat sich Andreas Ehrholdt tiefer lotende Gedanken über grundlegende Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft gemacht. Diesmal hat er darin sogar die ganze Welt mit einbezogen. Der Titel seiner kürzlich erschienen Schrift:

Solidarisiert Euch!“

Surft der etwa nun auch auf der Stéphane-Hessel-Welle mit, wird manch nun womöglich denken. Gewiss, da sind die inzwischen von Millionen gelesenen Aufrufe Hessels „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“. Mag sein, dass von diesen Schriften eine Art Sogwirkung ausgeht. Da gibt es ein Manifest mit Namen „Empörte Ökonomen“. Oder Rainer Kahnis Aufmunterung „Wehrt Euch!“. Nun ja: Der weise und gütige Hessel dürfte gegen diesen Sog m.E. das Allerwenigste haben. War es ihm ja gerade darum gegangen, möglichst viele Menschen zum Nachdenken anzuregen und zum Handel zu bewegen! Nebenbei bemerkt: Hessel hat übrigens einen weiteren Titel nachgelegt: „An die Empörten dieser Erde!“ (Aufbau Verlag). Ehrholdt ist kein Mitsurfer. Und die Nähe seines Titels zu Hessels Büchlein? Geschenkt. Andreas Erholdt erhob bereits sein engagiertes Wort (auf der Straße), da hierzulande kaum jemand Hessel gekannt haben dürfte. Doch ist der Erfolg von Hessels Brevier ohne den Schock der Finanzkrise zu denken? Wenn schon Welle: Denken wir sie uns in und als Bewegung – dann ist schon etwas dran. Eine Bewegung, die die Ungerechtigkeiten weltweit wegspülte! Ich könnte mir Hessel und Ehrholdt gut im Dialog vorstellen …

Wie es ist, kann es nicht bleiben

Richtet sich Hessel „An die Empörten dieser Erde!“, so ist Andreas Ehrholdt mit seinem „Solidarisiert Euch!“ einer dieser Empörten, der sich an die Erde wendet. Beide entstammen unterschiedlichen Schichten. Beide haben ihre ganz spezielle Sicht und blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt. Einen tut sie gewiss die Erkenntnis: Wie es ist, kann es nicht bleiben. Eben mal schnell die Welt retten? Von diesem Schlage sind beide nicht. Sie haben ihre Erfahrungen gemacht. Hessel die schmerzhafteren von Beiden. Und doch: Mit viel Empathie für alle Menschen arbeiten beide Männer auf eine Welt hin, die lebenswert ist.

Auf Seite 22 seines Buches schreibt Ehrholdt: „Nur eine Welt in solidarischer Gemeinschaft ist eine friedliche Welt.“ Wie und auf welche Weise wir dahin kommen könnten, darüber hat sich Ehrholdt auf eine Art schreibend vorangebracht, die mich an den Titel des Kleist-Aufsatzes „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ denken ließ. Man muss halt nur „Reden“ durch „Schreiben“ ersetzen.

Gleich eingangs des Buches merkt Ehrholdt an, er habe sich darin einer didaktischen Methode seines Lieblingslehrers bedient: [...]„der hat auch immer wiederholt, bis ich es kapiert hatte.“ Auch wir kapieren – ohne das als oberlehrerhaft zu empfinden (keine Bange, Andreas Ehrholdt) – was er zum Wohler aller vordenkt.. Zu umschreiben wäre das mit dem Attac-Motto: Eine andere Welt ist möglich. Doch wie dahin kommen? Das Einfache, das schwer zu machen ist! Wohl wahr. Doch warum nicht darüber nachdenken? Und Ehrholdt lädt uns ausdrücklich dazu ein, es ihm gleich zu tun.

Der Mangel

Ehrholdt ist ein gewesener DDR-Mensch. Da ist es so verständlich wie legitim, dass er seine Skizzen zu einer sozial gerechteren Zukunft weltweit auch Nektar aus den damals gemachten Erfahrungen saugt. Die DDR litt am Mangel und unter vielen Mängeln. Auch heute, meint Ehrholdt, herrsche Mangel. Etwa an Geld. Am rechten Fleck, sei hinzugefügt. Denn Geld gibt es soviel wie Dreck auf der Welt, wie Heiner Geißler einmal sagte. Ehrholdt meint, es müsse insgesamt mehr geteilt werden, damit alle ausreichend hätten, um menschenwürdig leben zu können. Und er meint damit nicht nur das Geld. Auch Verzicht gehöre zum Wandel. Es gälte regionale Märkte zu stärken, statt weiter „der Mär von der Globalisierung“ nachzulaufen.

Ein Elefant vergisst nun mal nicht so einfach

Als Mensch mit Hartz-IV-Erfahrung möchte sich Ehrholdt gern mit Menschen solidarisieren, die Alternativen zu den „Schandtaten der Agendamacher“ (Überschrift Kapitel 2) anzubieten hätten. Parteien die „die Agenda 2010 erfanden“ (S. 14) schließt Ehrholdt von seiner Solidarität indessen (vorläufig) aus: „Sie sind nicht aus meinem Gedächtnis gestrichen, ein Elefant vergisst nun mal nicht so einfach, weder das Gute noch diese Schlechtigkeiten, aber aus meinem Herzen sind sie gestrichen.“ Nur eine Chance hätten die: Eine klare „Absage an Hartz-IV und an andere Verwerfungen neoliberaler unsozialer Politik …“ [...]

Hoffnung und Enttäuschung haben schon vielen Menschen den Stift in der Wahlkabine geschwungen“

Wenngleich Ehrholdt an den Parteien nicht viel Gutes lässt, weil sie „uns doch nur noch als Stimmvieh“ benötigen, „um dann für sich selbst die Tröge der Macht zu sichern: ihr Dasein im Sinne eines funktionierenden Demokratie stellt er nicht infrage. Doch wer von den Parteien spricht, muss auch von deren Wählern oder Nicht-Wählern sprechen. Müssten die nicht auch mehr Verantwortung übernehmen, und: sich bewegen? Andreas Ehrholdt drückt es auf seine Weise aus. Dennoch: Seine Parteienkritik ist nicht weit entfernt von der des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Parteien müssen sich in den Dienst des Souveräns stellen. Nicht den Staat gewissermaßen als Eigentum betrachten und zu Erhaltung der eignen Macht (und ihrer Klientel) missbrauchen. Und die Piraten? Ehrholdt: Ob die politische Bewegung durch sie bereichert wurde: „Das muss die Zeit erweisen.“ Mahnend: „Hoffnung und Enttäuschung haben schon vielen Menschen den Stift in der Wahlkabine geschwungen.“

Bewegungen und zu Bewegende

Der Autor macht sich über das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) Gedanken. Es scheint ihm sympathisch zu sein. Obgleich dessen Einführung vorläufig nicht realistisch erscheint. Vielleicht weil unsere „Denke“ noch nicht soweit ist? Ehrholdt selbst ist der Meinung: „dass dieses Grundeinkommen an Bedingungen geknüpft sein muss.“ Und vor dem Grundeinkommen müsse der Mindestlohn kommen. Occupy attestiert Ehrholdt als Bewegung Menschen zu bewegen. Aber er fürchtet, dass Occupy-Bewegten zu wenig Menschen – vielleicht weil sie kein Ziel formulieren? – bzw. letztlich nichts erreichen.

Was wir zuerst teilen müssen, das ist unsere Aufmerksamkeit.“

Ehrholdt gibt zu, niemanden zu sehen, der uns aus der Misere herausführt. Der einzig gangbare Weg führe (S. 21) „über wahre soziale Gerechtigkeit.“ Wir sollten arbeiten, um zu leben – nicht umgekehrt: „Wir sollten wieder bereit sein, gerechter zu teilen. Wir sollten unsere Gier nach Unnützem über Bord werfen.“ Und, merkt Andreas Ehrholdt an: „Was wir zuerst teilen müssen, das ist unsere Aufmerksamkeit.“ Nicht verkehrt. Auch dieser Satz: „Unser Reichtum ist die Armut anderer.“ Obgleich verkürzt formuliert, steckt doch mehr als ein Funken Wahrheit darin!

So wie Andreas Ehrholdt die Welt sehen möchte, käme das Dahin der Quadratur eines Kreises gleich. Bestimmte Ökonomen und vor allem natürlich die Profiteure des jetzigen Systems werden sofort zeter und mordio schreien: Nicht durchführbar. Doch denkbar ist Erholdts Ansatz allemal. Und so denkt Ehrholdt für uns und andere so. So kann nur einer denken, der schon öfters im Leben gegen Wände angelaufen ist und in Abgründe geschaut hat. Warum soll es denn hinter diesen von wem auch immer errichteten Wänden nicht anders weitergehen? Und: das derzeitige System nicht alternativlos.

Der Welt einen Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe?

Jedes Land dieser Erde soll nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl und des Bruttoinlandsprodukt (BIP) betreffs Finanzierung, Produktion usw. gewissermaßen Teil eines atmenden, ständig überprüf- und änderbaren, weltumspannenden – sozusagen atmenden solidarischen Systems werden. Ohne dabei den weltweiten Handel einzuschränken. Selbstverständlich sollen soziokulturelle Unterschiede be- und geachtet werden. Es wäre ein System, dass darauf ausgelegt ist, die Einen nicht durch die Anderen auszuspielen. Was auf Menschen und Ländern gleichermaßen bezogen ist. Die Welt, in der ohnehin quasi alle in einem Boot sitzen – kaum ein Land die drängendsten Probleme noch ohne die anderen angehen kann – soll u.a. durch Verzicht, Ausgleich und Teilen eine gerechtere werden. Zum besseren Verständnis des derzeitigen Zustandes hat Andreas Ehrholdt Tabellen in sein Buch aufgenommen. Auf Seite 26/27 die mit den Mitgliedsländern der EU samt Einwohnerzahlen. Auf den Seiten 60, 61 u. 62 afrikanischen Länder mit Bevölkerungszahlen und BIP pro Dollar. Auf den Seiten 72,73 u. 74 die Länder Asiens. Sowie auf Seite 83 ein Tabelle betreffs deutscher Entwicklungshilfe. Hinweis: Diese Tabelle sollte jedoch bei einer eventuellen Neuauflage vergrößert dargestellt werden. Selbst mit Lupe ist da kaum etwas zu entziffern.

Andreas Ehrholdt erörtert auch den Millenniumsplan, dessen Mängel bzw. warum er scheitern wird. Der Autor plädiert daher „für ein System, wie es der RGW, der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, darstellte: Handel wieder über Warenaustausch, das ist gerechter, als die Mächtigen über den Preis ihrer Güter und den Wert ihrer Währung bestimmen zu lassen.“ Wie man es letztlich nenne, ist Ehrholdt egal: vielleicht auch Millenniumsplan II? Ihm geht es um soziale Gerechtigkeit. „Und nicht nur im sozial ungerechten vereinten Europa, sondern weltweit.“

Ein mutiges Buch mit viel Herz geschrieben

Ein ehrliches Buch. Eine Schrift, die sich mit nahezu allen Problemen der Gegenwart auseinandersetzt. Das mag ein bisschen viel auf einmal sein. Aber ist es denn nicht auch tatsächlich so: ein bisschen viel für uns alle? Andreas Ehrholdt hat aufgeschrieben, was faul ist auf der Welt wie im eignen Land. Er ist ein Mensch, der sich nun einmal damit beschäftigen muss. Nicht allein nur weil ihn die Probleme zum Teil bis auf die eignen Knochen angehen.Weil es in seinem Kopf hämmert: So kann’s nicht bleiben, mach was! Macht was!, ruft er uns nun wieder einmal zu: „Solidarisiert Euch!“ Gelebte Solidarität (Zärtlichkeit ist die Solidarität der Völker; soll Che Guevara einst gesagt haben.) ist vielleicht das Einzige, was die Menschheit wird überleben lassen können. Diese Schrift ist nachdenkend und mit viel Herz geschrieben, um andere nachdenklich werden zu lassen. Wenige Passagen könnten manchem zu naiv (im besten Sinne) oder unscharf ausgedrückt sein. Anderes ließe sich als Klischees missverstehen: „Die Geschicke und menschlichen Ressourcen sind unterschiedlich. Der Afrikaner ist eher ein Händler, eher ein Kleintierzüchter.“ Das Kapitel 5 „Afrika, so reich… doch so arm“ kündet jedoch davon, dass Ehrholdt diesen Kontinent durchaus realistisch und wohlwollend betrachtet.

Was einzig im Wege steht: Der Kapitalismus

Dieses Buch handelt auch von Träumen. Doch erfüllen werden sich die im Kapitalismus kaum. Ehrholdt weiß das selbst. Auf Seite 89 schreibt er nämlich: „dass der Kapitalismus etwas Schreckliches ist, auch wenn auf der Mogelpackung soziale Markwirtschaft steht.“ Seiten vorher (S.79) liest man: „Große Worte eines kleinen Wichtes, natürlich. Aber wenn ihr in diesen Ruf einsteigt, dann würde er zu einem Schrei, der dann nicht mehr von Wichten kommt, einem Schrei, der gehört werden würde“ […] „Und wenn die Politik sich nicht kümmert, dann müssen wir die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.“ Ehrholdts Schlusswort ist rührend. Aber auch das kommt von Herzen: „Und ich entschuldige mich bei allen Menschen Europas, die unter uns zu leiden haben nur weil wir zu schwach, zu dumm, zu gierig oder zu sozial ungerecht sind. Ich entschuldige mich dafür, dass ich leider zu schwach bin, trotz meiner Erkenntnis diesem System ein Ende zu bereiten.“ Ach, wären doch die meisten Menschen nur zur Hälfte so wie dieser Ehrholdt! Solidarisiert Euch! Andreas Ehrholdt, der Initiator der neuen Montagsdemonstrationen,  ist sich einmal mehr treu geblieben.

Andreas Ehrholdt

Solidarisiert Euch!

BoD – Books on Demand, broschiert; 92 Seiten

ISBN: 978-3-8448-4111-4

zu beziehen über Amazon.de zum Preis von 6,90 Euro

Kommentare

Dieser Artikel hat 14 Kommentare.

  1. Krawallmachen ohne Ziel kann nicht empfohlen werden.
    Was “verteilt” werden soll, muss erst einmal “geschaffen” werden, es fällt nicht vom Himmel.
    Wer unbedingt verteilen will, sollte also mit der Verteilung sinnvoller Arbeit beginnen.
    Dazu gehört z.B. nicht die (gewaltsame) Verhinderung der notwendigen Entsorgung von Kernbrennstoffen, oder die systematische Belastung unseres lebenswichtigen Stromnetzes mit unbezahlbarem Wind- oder Sonnenstrom, so das Strom zu einem Luxusgut erklärt werden muss.

    Es ist sicher vieles in dieser Republik FALSCH verteilt worden und es wird z.Zt. massiv FALSCH verteilt. Vernünftige allgemeinnützige PRODUKTIVE Arbeit hat an Anerkennung und Attraktivität verloren.
    Falsche Ideologie und ideologisch geprägte Planwirtschaft ist nicht viel besser als der marode reale Kommunismus und führt in die Unfreiheit und ins Elend. Was bleibt dann noch zu “verteilen”. Der Mangel

    Dieses Buch ist überflüssig.

    “Wohlstand für alle” von Ludwig Erhard ist WESENTLICH besser,
    und was offenbar die wenigsten wissen,
    auch ein Appell gegen kapitalistische Fehlentwicklung.
    Freiheit ist immer mit Selbstverantwortlichkeit verknüpft.
    Siehe z.B. Kapitel XII “Versorgungsstaat, der moderne Wahn”,
    die Hand in der Tasche des Nachbarn etc.

    • “Dieses Buch ist überflüssig.” – Woher wollen sie das wissen? Da gibt es derzeit ganz andere Dinge, die überflüssig sind. Nicht nur das: sondern gefährlich.

      ‘”Wohlstand für alle” von Ludwig Erhard ist WESENTLICH besser,
      und was offenbar die wenigsten wissen,
      auch ein Appell gegen kapitalistische Fehlentwicklung.” Das könnte stimmen. Doch von Ehrhard sind wir heute weit entfernt. In erster Linie doch die “C”DU!
      Andreas Ehrholdt hat nicht übers Krawallmachen geschrieben. Doch wenn wir alle zusammen nicht ein wenig besser nachdenken in Zukunft bzw. solidarisch handeln, werden wir einen Krawall kriegen, der sich gewaschen hat! Wie befürchtete doch Eric Hobsbawm in einem Stern-Interview: “Es wird Blut fließen, viel Blut.”

      Wir können nur hoffen der alte Herr hat nicht Recht!

    • Ich möchte hier noch ein Hörstück – ein Interview der NDR-Autorin Natascha Freundel mit dem Schriftsteller Ingo Schulze – anfügen und den geneigten Kommentatoren zum anhören empfehlen.

      http://www.ndr.de/ndrkultur/audio122589.html

      Eigentlich bestätigt Ingo Schulze von intellekueller Warte her (man wünschte, man bekäme von dieser Seite mehr zu hören oder zu lesen!) das, was Andreas Ehrholdt mit dem Herzen denkend und aus dem Bauch heraus schreibend erkannt hat: Es muss sich dringend etwas ändern in unserer Gesellschaft. Auch global gesehen.

      Dazu gehört letztlich auch der Protest von der Straße.

  2. Herzblut, kann ich zustimmen. Mut, kann ich nicht beurteilen ohne den Verfasser persönlich zu kennen.
    Ohne Herrn Ehrholdt zu Nahe zutreten wollen, ist vieles doch sehr blauäugig gedacht.

    Wer einmal Mitglied einer der deutschen Parteien war und das Hauen und Stechen um die Listenplätze mitgemacht hat, wer das Postengeschiebe und die Ämterpatronage miterlebt hat, oder wer nicht eine eigene Lobby aufgebaut, um im Getümmel mitzumischen, wird überhaupt nicht wahrgenommen und dient lediglich als Stimmvieh. Ich weiß, wovon ich spreche.
    Abgesehen von den Bauernkriegen, haben die Deutschen ihre letzte Revolution 1848 erlebt, die den Kanzler BIsmarck zwangen, über seinen eigene Schatten zu springen. (1918 war keine echte Revolution, weil kein funktionsfähiges Parlament).

    Ich zitiere einmal einen Historiker: ” Deutschland, so sagte man, ist ein Land ohne Revolution und deshalb unfähig zur Demokratie. ”

    Unsere Politprotagonisten bekommen vor UNS erst Respekt, wenn die Wahlbeteiligung über 75% liegt! – Wäre der Wahltag ein bezahlter Arbeitstag, könnten wir solche Zahlen sicher erreichen. Aber da ist die Politik aller Couleur davor!!

      • @hma.tornow: Das schreibe ich ja an einer Stelle. “Wenige Passagen könnten manchem zu naiv (im besten Sinne) oder unscharf ausgedrückt sein. Blauäuig mag sein. Besser als bösartig, finde ich, allemal. Aber nachdenklich macht der Text dennoch. Wenngleich: Im real existierenden Kapitalismus- wie erwähnbt – kaum umsetzbar.

    • Das mit der fehlenden Revolution ist wohl das blödeste politische Schlagwort das ich kenne, vielleicht bis auf die Kritik an der “Harmoniesucht”.

      “Revolution” ist genau das Gegenteil von Demokratie oder Demokratiefähigkeit.

      Ein Blick in die Geschichte reicht:
      Wer hat die ersten Sozialgesetzt der Welt,
      Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung,
      auf der Welt???
      Vielleicht die demokratischen Engländer? – NEIN -
      die grand nation mit dem Sturm auf die Batille? – NEIN -
      die freiheitliche USA, das heutige kulturelle Maß aller Dinge,
      vom softdrink bis zum T-shirt mit mutiger (englischer) Aufschrift? – NEIN -
      Vielleicht die vielen untergegangenen Hochburgen des Kommunismus? – NEIN!

      (Antwort: ausgerechnet das Kulturland mit den sanftesten “Revolutionen”, Deutschland)

      Also geh mir weg mit der Glorifizierung von Revolutionen!
      Französische Revolution – Ergebnis?
      Massenblutbat mit Unfreiheit und Diktatur (Napoleon)

      Russische Revolution – Ergebnis?
      Massenblutbat mit Unfreiheit und Diktatur (Stalin)

      China?
      Massenblutbat mit Unfreiheit und Diktatur (MaoTse-tung)

      Wer kämpfen will benötigt als erstes ein moralisch unangreifbares Ziel. Die Geschichte der Revolutionen zeigte bisher nur ein Ziel:
      Arme bringen Reiche um, danach herrscht Chaos und Gesetzlosigkeit.

      mfG

    • Das mit der fehlenden Revolution ist wohl das blödeste politische Schlagwort das ich kenne, vielleicht bis auf die Kritik an der “Harmoniesucht”.

      “Revolution” ist genau das Gegenteil von Demokratie oder Demokratiefähigkeit.

      Ein Blick in die Geschichte reicht:
      Wer hat die ersten Sozialgesetzt der Welt,
      Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung,
      auf der Welt???
      Vielleicht die demokratischen Engländer? – NEIN -
      die grand nation mit dem Sturm auf die Batille? – NEIN -
      die freiheitliche USA, das heutige kulturelle Maß aller Dinge,
      vom softdrink bis zum T-shirt mit mutiger (englischer) Aufschrift? – NEIN -
      Vielleicht die vielen untergegangenen Hochburgen des Kommunismus? – NEIN!

      (Antwort: ausgerechnet das Kulturland mit den sanftesten “Revolutionen”, Deutschland)

      Also geh mir weg mit der Glorifizierung von Revolutionen!
      Französische Revolution – Ergebnis?
      Massenblutbat mit Unfreiheit und Diktatur (Napoleon)

      Russische Revolution – Ergebnis?
      Massenblutbat mit Unfreiheit und Diktatur (Stalin)

      China?
      Massenblutbat mit Unfreiheit und Diktatur (MaoTse-tung)

      Wer kämpfen will benötigt als erstes ein moralisch unangreifbares Ziel. Die Geschichte der Revolutionen zeigte bisher nur ein Ziel:
      Arme bringen Reiche um, danach herrscht Chaos und Gesetzlosigkeit.

      mfG

      • Ein Blutbad kann sich freilich wirklich niemand ernsthaft wünschen. Es ist ja nur ein mögliches Szenario, das der bald hunderjährige Eric Hobsbawm, befürchtet, entwickelt sich alles so weiter wie bisher.

        Hobsbawm, der ja schon einiges an Geschichte hinter sich brachte, vermag eben eins und eins zusammenzählen.

        Allerdings gibt es zur gesellschaftlichen Entwicklung wie im Leben jeden einzelnen Menschen immer Alternativen. Nur sie müssen gesehen und ergriffen werden.

        Wir müssen nur aufpassen, dass nicht die Falschen etwas ergreifen: beispielsweise die Macht! Das hatten wir ja schon einmal. Wir sollten uns in Erinnerung rufen, wo das hinführte …