KOMMENTAR

DasTaliban-Syndrom: USA unterstützen in Syrien Islamisten

Lapidar und kühl spult der Radio-Sprecher seinen Text ab: “Die USA unterstützen die Rebellen in Syrien mit 25 Millionen Dollar”. Schon vor Monaten hat der Präsident der USA seine Geheimdienste von der Leine gelassen: So berichtet es der Sender CNN.

Gute Freunde der USA – Saudi Arabien, Katar und die Türkei – beliefern die syrischen Rebellen seit Monaten mit Waffen aller Art. Und fest an der Seite der USA: Ein Deutschland, das ausgerechnet an die finstere Katar-Diktatur 200 Leopard-Panzer liefern will. Zeitgleich mit den Panzern, die man den Saudis versprochen hat, oder schön nacheinander?

Derweil erzählt Außenminister Westerwelle der BILD-Zeitung, der syrische Präsident kämpfe gegen das eigene Volk, das schreibt der SPIEGEL ab und das Echo dieser Falschmeldung wird sich im Rest der Mainstream-Medien finden.

Das syrische Volk? Wer mag das sein?

Seit Tagen erfahren wir von Kämpfen in der syrischen Handelsmetropole Aleppo. Was wir nur selten erfahren: Dort wohnen rund 20 Prozent Christen, Kurden leben in der Stadt, es gibt dort Armenier und Araber. Sie sind Minderheiten, die im bisher laizistischen Syrien ihren Platz haben. Trotz der Diktatur des Assad-Clans gab es Nischen, in denen sich Andersgläubige und unterschiedliche Nationalitäten eingerichtet hatten. Dort wächst die Furcht vor den islamistischen Milizen der Aufständischen. Wer die islamistischen Ergebnisse der beklatschten Arabellion in Tunesien und Ägypten beobachtet, der weiß, dass neben der sunnitischen Mehrheit für Minderheiten kaum Platz ist. Verfolgte koptische Christen in Ägypten können davon berichten. In Tunesien wollen die Wahlsieger “Gotteslästerung” wieder unter Strafe stellen, und in Libyen ist es die Minderheit der dunkelhäutigen Tubu, die von den Siegern aus ihren Häusern vertrieben werden. Das vom Westen so oft beschworene “Volk” hat nur wenig mit den Staatsvölkern Europas zu tun, es dient als Vorwand für die Durchsetzung eigener, westlicher Interessen.

Ausgerechnet bei einem Israel-Besuch läutet Außenminister Westerwelle das Totenglöckchen

“Präsident Assad hat keine Zukunft”, sagte er nach einem Treffen mit Israels Verteidigungsminister Ehud Barak, einem der Befürworter eines “Präventiv-Krieges” gegen den Iran. Und genau hier trifft sich die unheimliche Koalition der Assad-Gegner: Das laizistische Syrien ist eine der wenigen Partner-Staaten des Iran. Und den unbotmäßigen Iran wollen sie alle eliminieren: Die mittelalterlichen, sunnitischen Regimes in Saudi-Arabien und Katar, der verrückte israelische Ministerpräsident, der alle drei Tage mit einem Militärschlag droht, die sunnitisch gefärbte Regierung der Türkei, deren osmanische Großmachtfantasien sie zum Waffenschieber für die syrischen Rebellen werden lässt und die unheilbar imperiale USA, die jeden Krieg unterstützt, der ihre Gier nach Rohstoffen befriedigen könnte.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund: Diese primitive Maxime amerikanischer Außenpolitik hat die USA vor Jahren an die Seite der fanatischen Taliban getrieben. Die waren ein hartnäckiger Gegner der Sowjetunion und wurden deshalb vom CIA freundlich unterstützt. Dass dieselbe Gruppe später lästig wurde, sich präzis als jenes Monster herausstellte dessen Unterdrücker-Qualitäten früh erkennbar waren, wen störte das in den oberen Rängen amerikanischer Aussen- und Kriegspolitik. Weder die Massaker der Taliban, noch ihre brutale Frauenunterdrückung konnten die USA damals abschrecken. So sind es auch in Syrien wieder extreme Islamisten, mit denen der Westen paktiert. Selbst wenn in deutschen Medien beschworen wird, dass es sich bei den sunnitischen Milizen um “Freiheitskämpfer” handelt: Das Taliban-Syndrom grassiert. Mit der westlichen Unterstützung der bewaffneten Aufständischen in Syrien werden jene Kräfte bevorzugt, die dem westlichen Menschenbild ferner sind als es Assad je war.

Kommentare

Dieser Artikel hat 9 Kommentare.

  1. Es ist schön, wie sie versuche, jegliche arabische Revolution zunichte zu machen. Waren Sie selbst vor Ort in Ägypten oder Tunesien? Ich würde mal sagen: NEIN! Das Volk hat sich erhoben, natürlich sind auch Islamisten darunter, aber primär waren es die Menschen des Landes, die, getrieben durch die staatliche Bevormundung, demokratische Strukturen fordern.
    Sagt Ihnen der Name Khaled Said etwas? War ein bekannter Blogger, der in Ägypten von Polizisten ermordet wurde. Daraufhin flammten die Unruhen auf. Und Sie wollen allen Ernstes behaupten, das alles ist nur westlicher Einfluss?

    • Ich war ein ziemlich begeisterter Anhänger der Arabellion (natürlich nicht des Libyschen Wandels: Der ist von außen herbei gebombt worden). Allerdings sind ihre Ergebnisse leider so wie oben geschildert: Islamistisch reaktionär.

      Was das Vor-Ort-Sein anbetrifft: Man muss nicht bei der Explosion einer Atom-Bombe anwesend sein, um sie abzulehnen. Eher im Gegenteil: War man dabei hat man manchmal keine Möglichkeit mehr sie schlecht zu finden.

  2. Erneut recht guter Artikel.

    @ Savas Savidis und wer ist jetzt in Ägypten und Libyen an der Macht?

    Woher weist Du wie groß die CIA – Wühlarbeit vor und während dieser “Revolutionen” war ?

    Wem nützten diese “Revolutionen” letztlich ?

  3. Sie sagen, der Terrorismus muss bekämpft werden und produzieren ihn selber! Sie sagen, Atomwaffen müssen bekämpft werden und haben sie selber! Sie sagen, Diktaturen müssen bekämpft werden und sind selber eine! Sie sagen, Demokratie muss verbreitet werden und bauen sie bei sich ab! Sie sagen, sie wollen Frieden und verbreiten aber Krieg! Sie sagen, sie kämpfen für Menschenrechte und foltern ohne Reue! An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!!!

  4. Mit jedem Preis das syrische Regime zu stützen, ist de falsche Lösung.

    In dieser Situation von einem überholten islamistischen Diskurs zu sprechen ist eine Fehleinschätzung. Islamistische Denker widmen sich, der Gründung eines Gottesstaates (Kalifat), der sich als legales politisches System auf der ganzen Erde verbreiten soll. Einige davon sprechen bereits darüber. Wenn nicht alle Islamisten in Syrien so offen darüber sprechen, stellt dies nur eine Verschleierungstaktik dar. Kurios ist es, dass die Muslimbruderschaft demokratische Veränderungen verlangt und über Demokratie spricht. Denn, wenn diese in dieser Überbrückungsphase parallel zu ihren Bemühungen stufenweise und zielgerichtet die Kontrolle über die lokalen Machtzentren durch ihr strategisches Vorgehen übertrieben von Freiheit, Demokratie und Menschenrechte spricht, so spüren und stellen Viele eine Heuchlerei fest. Die Muslimbrüder nutzen demokratische Veränderungen mit allen Mitteln aus, um diese dann später abzuschaffen. Sei es über die Lehre des Höchstgelehrten und andere Lehren, denn sie stehen in einem prinzipiellen Widerspruch zu den Grundlagen demokratischer und rechtstaatlicher Ordnung und lehnen das Parteiensystem ab, durch das sie in die Parlamente kommen wollen.
    Die Verfassung, sowie Gedankengut und Bildung werden auch von dem noch herrschenden Regime in Bahnen gelenkt, dass eine islamistische Regierung an die Macht kommen kann. Eine solche Entwicklung hätte eine Änderung der Zustände zur Folge, in denen jedoch heute noch eine Konfrontation mit anderen vermieden werden kann.
    Der Mensch wird dann im Rahmen ihrer Da´wa danach beurteilt, wie er den islamischen Vorschriften folgt. In dieser Vision des Staates sollen Nicht-Muslime wie das indigene Volk der assyrischen Christen konfessionsunabhängig zu Schutzbefohlenen degradiert werden. Der Muslim selbst wird nur zu einem Teil eines islamistischen Kollektivs. In dieser Form wird auch die Staatssouveränität in Gefahr sein.
    Schon heute leiden Christen unter dem Regime sowie unter Oppositionellen, und vor allem auch unter Repressalien fundamentalistischer Islamisten. Die Stadt Rebla mit 10.000 christlichen Bewohnern wird seit einiger Zeit von Bewaffneten belagert. Auch Lebensmitteln gelangen nicht darein. Das Regime versagt den Schutz.
    Es ist noch der Anfang, und die EU beobachtet mit und macht Außenpolitik.
    Die Unterstützung oppositioneller Kräfte darf sich nur auf liberale und laizistische Kräfte beschränken. Doch es wundert mich sehr, dass einige Regierungen im Westen aus einigen Lektionen davor nicht viel gelernt hat.

    Raif Toma

    • Lieber Raif Toma,

      diesen Satz aus Ihren Anmerkungen “Die Unterstützung oppositioneller Kräfte darf sich nur auf liberale und laizistische Kräfte beschränken” kann ich uneingeschränkt unterschreiben. Und ich will auch keineswegs, um “jeden Preis das syrische Regime stützen”. Aber ich lese keine Distanzierung der laizistischen syrischen Opposition von den islamistischen Kräften und auch nichts zur Finanzierung der Milizen durch Katar oder Saudi Arabien.

      • Tatsächlich! Die Distanzierung von islamistischen Kräften ist begrenzt. Diese Distanzierung hätte den syrischen Oppositionen mehr Sympathisanten gebracht, und könnte sie vor der Erpressung durch solche extremistische Kräfte schützen.
        Noch ist es nicht zu spät. Auch dafür, dass der Westen klarer sieht, und nicht nur den Fall des Regime vor Augen hat, wie im Falle Libyens
        Zur Finanzierung durch Katar und Saudi Arabien kann ich leider nichts dazu sagen.