ESSAY

Einzeln geh`n wir durch die Welt, bis es uns nicht mehr gefällt.

Es ist meist richtig, wie es scheint in unserem Leben, nicht wie im Märchen, da erscheinen die Heinzelmännchen und sie helfen den armen Menschen. Hier im Leben aber, da existieren die Einzelmännchen.

Gut, da fehlt ein H in der Bezeichnung des Gegenstandes, der Person, vielmehr deren Mehrzahl, der Personen eben, aber das ist nicht alles. Heinzelmännchen treten in der Mehrzahl auf. Einzelmännchen gibt es zwar auch die Menge, doch sie erscheinen sichtbar meist in einzelnen Personen, wie es der Name, vielmehr die Bezeichnung dieser Personen verspricht.

 

Einzelmännchen, wie`s gefällt, leben einzeln in der Welt.

Oftmals hat man sie geseh`n, einsam durch die Wälder zieh`n.

 

Während es außerdem Mainzelmännchen gibt, wie wir alle wissen, sind Einzelfrauen nicht so oft anzutreffen, was auch nicht verwunderlich ist, denn Mädchen und Frauen sind meist gesellige Wesen.

 

Einzelfrauen sieht man selten, dass sie einzeln sich gesellten,

Stehen beieinander gern, loben sich und Gott, den Herrn.

 

So, wie das Leben sich abspielt, also in weiblicher und in männlicher Art, so gestalten beide Arten auch ihr Trachten und Wissen und sie geben sich gemäß Ihresgleichen, wobei heute, also im Moment zumindest das Gleichgeschlechtliche auch seine Berechtigung erwirkt, nur nicht überall auf der Erde gleichmäßig und anerkannt oder auch beliebt.

 

Man kann Einzelmännchen seh`n, wie sie bei sich selber steh`n

Und sie liebten schon als Kind, Sonne, Sand, das Meer, den Wind.

 

Dabei geht es den Einzelnen der männlichen Gattung oftmals um das Schöne, das Gute und das Hehre, den Sieg und die Ehre und das posaunen sie in die Welt. Manchmal auch singen sie; dann allerdings gerne im Verein mit anderen Einsamen.

 

Oft hört man vom Einzelmann, dass er sehr schön singen kann.

Einen löblichen Choral? Bitte, ruft man, noch einmal!

 

Immer aber sieht man es und ahnt es und man hört es an den Stimmen, erkennt es an der Mode, der Haartracht, dem Schuhwerk, den Taschen und Täschchen, man riecht es am Geruch der Einzelnen, ob es Mann ist oder Frau. Und in Gesprächen, wobei man nicht ungern diejenigen der verschiedenen Fernsehanstalten ansprechen möchte, palavern diese und jene, also alle (auch die Gleichgeschlechtlichen!) oft puren Mist.

 

Einzelmann und Einzelfrau, beide kennt man sehr genau,

Er ist er und sie ist sie, ob am Abend oder früh.

 

Nicht nur Hunger, auch der Durst plagt manchen Einzelmann, obwohl heutzutage auch die Frau einen guten Zug hat. Das kann man erleben, wenn zum Beispiel auf das Oktoberfest geschaltet wird. Heißa, da schwingen die Dirndl-Röcke leicht dahin und mit gar kräftiger Hand wird die Maß gepackt, dass es eine Lust ist, allein schon zuzuschauen.

Doch abhängig wird wohl eher ein Einzelmann.

 

So ein Einzelmännchen hat, selten wird er davon satt,

Vier, fünf Blaschen Bier bei sich, meistens mehr auch sicherlich.

 

Aber, wenn er es alleine nicht mehr mit sich aushält, wird der Einzelmann besonders einsam und rettet sich ins Poetische, in die Poesie, was ihn erfreut, aber oft nicht die Leserinnen oder Leser, geschweige denn die Zuhörer seine Gebilde.

 

Einzelmann ist gerne Dichter, edle Texte schreibt er nicht mehr,

Sagt er, die schrieb Hölderlin, er streift lieber durch Berlin.

 

Berlin steht hier für Heimat, für Haus und Hof (?), also für die Geborgenheit, obwohl nachts in Berlin alleine auf einem der zugigen Bahnhöfe, ich weiß nicht! Doch Einzelmann gibt nicht gerne auf, schließlich hat auch er seine gute Seite und ist gar nicht so egozentrisch, wie wir denken würden. Für einen kleinen und guten Spruch ist er immer zu haben und das lieben selbst die Einzelfrauen mitunter.

 

Denn in dieser großen Stadt trifft er, was im Sinn er hat,

Findet seine Einzelfrau und sie lieben sich, genau!

 

Klaus Grunenberg

Photo: birgitH, via pixelio.de

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