Occupy-Aktivisten in Aktion

Dortmund: Plötzlich brechen Leute auf der Einkaufsmeile zusammen

Immer öfter bilden sich Occupy-Gruppen. In Frankfurt/Main und Düsseldorf wurden bzw. mussten die Camps der Aktivisten geräumt werden. In Dortmund blüht zunächst ein kleines Occupy-Pflänzchen.

Gestern Nachmittag. Die Dortmunder Einkaufsmeile brummt. Auf dem Westenhellweg schieben sich in beiden Richtungen die Menschenmassen dicht bei dicht aneinander vorbei. Wie immer am Sonnabend. Einkaufszeit. Bummelzeit. Von Krise keine Spur. Es ist alles wie immer. Wie immer? Plötzlich brechen drei junge Menschen unter ihrer Last auf dem Rücken zusammen. Sinken zu Boden. Ächzend und stöhnend versuchen sie sich wieder aufzurichten. Vergebens. Zunächst waren die drei jungen Leute überhaupt nicht aufgefallen. Gebückt unter der anscheinend in ihren blauen Müllsäcken befindlichen Last hatten sie, nur mühsam vorwärts kommend, immer wieder die ihnen entgegenkommende Menschenmasse, geteilt.

Junge Menschen fallen wie vom Schlag getroffen zu Boden

Die Leute hatten ihnen so gut wie keine Aufmerksamkeit gewidmet. Gewiss hatten sie Anderes im Kopf, als sich über die jungen Leute mit ihren Mülltüten auf dem Buckel auch nur die geringsten Gedanken zu machen. Auch den hinter den Sackträgern herlaufenden Menschen ging es augenscheinlich so. Nicht einmal die den blauen Müllsäcke in schwarzer Schrift aufgemalten Dollar- und Eurozeichen schienen bei ihnen irgendwelche Assoziationen auszulösen. Doch, als die jungen Menschen wie vom Schlag getroffen mit ihren Säcken zu Boden fielen, sahen wenigstens einige der Passanten erschrocken hin. Aber schon bald verflog dieser Schrecken bei Einigen schon wieder. Was mochten sie gedacht haben? Sicher wieder so eine Performance. Reklame? Aber für was? Wieder andere tippten sich auf die Stirn. Dann schoben sie sich kopfschüttelnd, dabei mit ihren jeweiligen Partnerinnen oder Partnern tuschelnd.

Einzelstimme: „Die sollen mal arbeiten gehen!“

Manche Passanten, die doch kurz stehenblieben waren, wenigstens kurz verharrten, fiel immerhin die die Mülltütenschlepper begleitenden Menschen mit bunten Schirmen auf. Darauf etwas von Rettungschirmen für Menschen gepinselt stand, die dringend nötig seien, statt den ewigen von einem auf das andere Mal vergrößerten Bankenrettungsschirmen. Einer von denen skandiert: „Die Menschen brechen unter den Schulden zusammen. Bald bricht auch das System zusammen. Die Menschen können die Last nicht mehr tragen. Bald trifft es vielleicht auch Sie/Dich!“ Ein paar Einkaufsbummler schauen sich fragend an. Einen hörte ich im Vorbeigehen zu seiner Frau sagen: „Die sollen mal arbeiten gehen!“ Leute gibt’s! Wo denn? Und zu welchen Bedingungen?

Unbehagen beim Juwelier

Inzwischen haben sich die Geldsackträger mithilfe der Träger der Menschenrettungsschirme mit Ach und Krach wieder hochgerappelt. Doch schon – nur ein einige Meter weiter – brechen sie wieder zusammen, klatschen mit ihrer Last wieder auf den Boden. Nur zwei Meter weg von einem vor dem noblen Geschäft eines Dortmunder Juweliers geschieht das. Der vor dem Juweliergeschäft postierte Sicherheitsmann im dunklen Anzug bleibt tapfer mit vor seinem Bauch zusammengefassten Händen stehen. Doch man bemerkt eine leichte Unruhe in seinem Gesicht. Die Augen blicken hin und her. Was mögen das für welche sein? Würde er – und dann wie – reagieren müssen?

Ausgerechnet zu dieser Zeit schiebt sich auch noch eine bunte freie afroamerikanische Kirchengemeinde mit schwarz-rot-goldenen Perrücken auf den Köpfen – eine gewisse „Christ Embassy“ – mittenmang durch die Samstags-Käufermasse. Doch die Sorgen des Sicherheitsmannes erweisen sich als unbegründet. Einer der Geldsackschlepper rappelt sich hoch und robbt zu dem Sicherheitsposten. Er überreicht ihm einen Flyer. Der Wächter in Zivil überfliegt das Flugblatt und steckt es dann zusammengefaltet in die Sakkotasche. Sein Gesicht überfliegt eine leichte Röte.

Da erscheint eine Dame, augenscheinlich die Chefin des Ladens, in der Tür. Ihr musste der Auflauf vor dem Klunkerladen aufgefallen sein. Sie überblickt die Szene. Dann sagt sie in, in auf gewisse Weise zum noblen Juweliergeschäft passenden, leicht abgehobenem Tone: „Man muss ja mal schauen, ob man nicht einen Arzt rufen muss. Denen scheint es ja nicht gut zu gehen.“ Dann verschwindet die distinguierte Dame wieder in ihrem Laden voll mit allerlei Gold, Uhren und Brillanten.

Auf die Misere aufmerksam machen

Dass es unseren Gesellschaften nicht gut, meinen auch die jungen Leute. Genauer ausgedrückt: Die Aktivistinnen und Aktivisten von „Occupy Dortmund“ und Attac, die sich gestern zunächst oberhalb der Katharinentreppe gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof getroffen hatten und sich dann auf den Weg in die Einkaufsmeile gemacht hatten. Um auf die Misere, in die uns die Diktatur der Finanzmärkte und die verfehlte Politik de Regierenden gebracht haben und immer weiter bringen, aufmerksam zu machen.

Dortmund ist nicht New York

Schon am Freitagnachmittag hatten sie symbolisch den Friedensplatz vor dem Dortmunder Rathaus besetzt. Die Auflage der Polizei: Zelte mussten ab 22 Uhr wieder abgebaut, die Veranstaltung beendet sein. So geschah es denn auch. Polizei und Staatsschutz, die die Aktion der Occupy-Aktivisten beobachteten, hatten keinen Grund zur Kritik, noch bot sich ihnen ein Vorwand zum Eingreifen. Der einzige Wermutstropfen: Zur symbolischen Besetzung des Friedensplatzes waren kaum mehr als 50 Menschen gekommen. Ein bisschen peinlich ist das schon, sagt jemand von Attac. Aber aller Anfang ist nun einmal schwer. Es ist zwar eine Binse, aber wahr: Dortmund ist nicht New York. Und Madrid oder Frankfurt am Main sind auch von anderem Kaliber. Und die Deutschen sind nun mal bekanntlich nicht vom Schlage der protesterprobten Franzosen. In Frankfurt am Main wurde das Occupy-Camp unterdessen aufgelöst. Auch dasjenige in Düsseldorf wurde abgeräumt.

Occupy Dortmund ist noch ein zartes Pflänzchen. Und die Krise hier im Lande noch nicht richtig angekommen. Was vermutlich nur einer der Gründe ist, warum es in Deutschland noch keine massenhaft blühenden Occupy-Landschaften gibt.

99% versus 1%

Wichtig sind Gespräche mit interessierten Passanten. Und die gibt es! In ihnen wird schon ein wenig das Unbehagen von mit- und nachdenkenden Bürgerinnen und Bürgern betreffs der gefährlichen Entwicklung seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 – und weiter verschärft bis heute – deutlich. Einige Menschen befürchten wir befänden uns schon in einer Fünf-nach zwölf-Situation. Weshalb es höchste Zeit seit etwas zu tun. Und tun könne man immer etwas. Selbst wenn das Gesellschaftsschiff schon sinke.

Von unten müsse etwas zu unternommen werden, das denen da oben Beine macht. Die berühmten 99 Prozent gegen das bestimmende eine Prozent in der Gesellschaft. Das Occupy-Motto von New York. Deshalb fordern sie – und auch Occupy Dortmund greift das auf: Rettungschirme für Menschen statt immer nur wieder für Banken. Schluss mit Sozialkahlschlag und anderen Grausamkeiten. Sie fordern, alle sollen sich beteiligen, „weil Demokratie heißt, das alle gemeinsam Entscheidungen treffen und keiner ausgeschlossen wird.“ Ebenso, dass Entscheidungen im Konsens getroffen werden sollten, „weil Mehrheitsentscheidungen Menschen ausschließen und deren Bedürfnisse unberücksichtigt lassen können.“

Achtung Mic check!“

Dies und anderes diskutieren die Occupy-Aktivisten jeweils auf einer Asamblea (Bürgerversammlung). Wie wohl zuerst bei den Occupy-Aktivitäten in New York praktiziert, bedient man sich auch in Dortmund des mic check. Und schon wird gerufen: „Achtung Mic Check!“ Ein junger Mann aus der Runde spricht etwas an, die anderen wiederholen das Gesagte für die Umstehenden oder Sitzenden. In Dortmund ist das eigentlich (noch) nicht nötig, denn die Gruppe ist noch klein, als dass per mic check verstärkt werden müsste. Einer der gestern dabei war, findet es dennoch gut: „Durch die Wiederholungen bleiben wichtige Theman besser hängen. Und man bekommt ein Geschmeinschaftsgefühl vermittelt.“

Gestern in der Dortmunder Einkaufsmeile blühte ein kleines Occupy-Pflänzchen. Mit Engagement und frischer Kraft sprengte es seine zarten Zweige durch die Masse der Einkaufsbummler. Hat es etwas bewirkt? Wird es etwas bewirken? Es wird sich erweisen. Einige haben hingeschaut. Andere wendeten sich pikiert ab. Wieder andere schüttelten den Kopf. Haben Hinsehende etwas gesehen, gar etwas begriffen? Ist der Pfennig, pardon: der Cent, bei dem Einen oder der Anderen gefallen?

Schon heute wieder – wie immer sonntags 16 Uhr – treffen sich die Dortmunder Occupy-Aktivisten zur Assamblea auf dem Friedensplatz vorm Rathaus der Stadt.

Asamblea – Das Konzept

Asamblea ist:

  • Eine basisdemokratische Bürgerversammlung
  • Ein Ort wo jede seine Meinung äußern kann und soll
  • Eine Entscheidungsform bei der keiner überstimmt wird, denn Entscheidungen werden im Konsens getroffen

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare.

  1. Pingback: : Plötzlich brechen Leute auf der Einkaufsmeile zusammen | DORTMUND Nachrichten Dortmund

  2. Auch wenn sich die Proteste dieser beiden Organisationen sich (noch) auf die großen deutschen Metropolen beschränken, sind sie ein äußerst schmerzhafter Dorn im Fleische von Politik und Wirtschaft.
    Aus diesem Grunde führen die Koalitionäre der Regierungsparteien diese verbalen Machtkämpfe über Forderungen der Öffentlichkeit gegeneinander; besonders lautstark vor Wahljahren und den sogenannten Sommerlöchern (obwohl dieses Sommerloch schon mehr als 4 Jahre dauert).
    Diese internen Auseinandersetzungen enpuppen sich später als reine Worthülsen, von denen nach der Wahl niemend etwas mehr wissen will. Immerhin bewirken sie bei vielen Menschen, die Aufmerksamkeit von den angeführten revolutionären Ideen etwas abzulenken.

    Das trifft ebenso auf die Abziehbilder ehemaliger sozial-demokratischer Kanzler zu, die sich heute als Eleven dieses Amtes, mehr als dürftig, zu profilieren versuchen.

  3. Betreffs der Eurokrise interessant: “Die politische Kultur ist ins Unterirdische abgeglitten” – Interview von “Wirtschaft und Gesellschaft” mit Heiner Flassbeck, Chefökonomom der UNCTAD)

  4. Occupy – Bedrohlich ist nur die Unwissenheit der breiten Masse :

    Occupy ist von der UNO organisiert worden
    http://derhonigmannsagt.wordpress.com:80/2011/10/17/der-15-oktober-2011-ist-von-der-uno-organisiert-worden/

    15.10.2011 Occupy : Die künstliche Opposition der Neuen Weltordnung – Die globale Elite geht immer nach dem selben Schema vor: Sie kreiert ein Problem, kennt die Reaktion der Masse, und bietet dann die Lösung an, die ihr vom Anfang an vorschwebte. Ziele der Globalisten sind: Weltregierung, Ausschaltung der Freiheits- und Eigentumsrechte, Zentrale Wirtschaftsplanung, globale (CO2-) Steuer. Als Vorbild und Zwischenschritt gilt die EU. Auch auf der deutschen Occupy- Webseite (Alexander Benesch) findet sich praktisch nur der Wunschkatalog der sozialistischen Globalisten. Kein Wunder also, dass diese Bewegung nicht am Hauptproblem rüttelt: Dem vom Staat garantierten Geldmonopol der FED oder der EZB, die unablässig Geld aus dem Nichts erzeugen, was die wahre Ursache der Krise ist. Sie hoffen, dass es möglichst viele, außerparlamentarische Proteste gibt, um den Staat weiter auszubauen, eine europäische Superregierung zu installieren und die letzten Freiheitsrechte abzuschaffen. Die globale »Elite« bedient sich immer das Tavistock Instituts, um Menschen zu beeinflussen und zu dem werden zu lassen, was sie sich wünschen: eine Herde Schafe.
    http://stevenblack.wordpress.com/2008/06/27/das-tavistock-institut-globale-gehirnmanipulierer/
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/oliver-janich/occupy-wall-street-die-kuenstliche-opposition-der-neuen-weltordnung.html
    http://www.occupyfrankfurt.de/doku.php?id=unsere-ziele
    http://www.7stern.info/Forderungen_Massnahmen.htm

  5. 04.10.2011 – Occupy: Das alte Schema: Problem -Reaktion – Lösung. Schaffe eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise – Initiiere eine Protest- und Demo-Bewegung gegen die Bankiers & Politiker, die irgendwann zum Selbstläufer für die Masse wird – organisiere die Protest-Bewegung mit den Geheimdienst-Schnittstellen Facebook, Google, Twitter. Dann kann der Geheimdienst gleich die für sie gefährlichen Rädelsführer ausselektieren und die Bewegung unterwanderen, damit noch mehr Chaos ausbricht. Auf diesem Chaos kann dann wunderbar die technisierterte “Gute-Eine-Welt”-Diktatur, die uns verkauft werden soll, aufgesetzt und installiert werden – mit der “Zustimmung der Menschen” – weil sie ja in der Protest-Bewegung nach einer “gerechteren Welt geschrien haben”.
    http://www.nexus-magazin.de/index/occupy-es-geht-los

    Es geht ja gar nicht um Geld:

    (Luft-) Geld dient der Hochfinanz nur der Machtausübung, und wird über Wohlstandsextrahierung aus den Massen wieder eingesammelt. Dazu dienen das Spielkasino der Börsen und das Steuersystem des Gesetzgebers.

    Es ist nie genug Geld da, um ausstehende Schulden zu begleichen, weil alles Geld in Form von Krediten (aus NICHT !!!) durch die Geschäftsbanken geschöpft wird, und diese nur die Kreditsumme schöpfen, aber nie die bis zur Rückzahlung des Kredits fälligen Zinsen.

    Der Staat kommt deshalb – wie alle – immer mit mehr Geld aus, aber nie mit weniger. Jeder Schuldner benötigt immer mehr Geld, das er jemand anderem abjagen muss, um die nicht mitkreierten Zinsen aufzubringen. Zinsen erfordern deshalb immer neue und weitere Kredite.
    (MaxNews)

    06.09.2011 – Nicht die Politik, nicht die Menschen bestimmen das Geschehen, sondern die (PRIVATE) Geldordnung – http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8489-schweiz-bedingungslose-kapitulation

    • 07.10.2011 – Bericht des russischen Inlandgeheimdienstes FSB: Zusammenbruch sowohl der US-Wirtschaft als auch der Volks-wirtschaften der EU ist geplant, um die Weltfinanzordnung zu zerstören und eine neue Weltordnung zu fordern.
      http://www.whatdoesitmean.com/index1525.htm
      http://www.7stern.info/X_Botschaftenseiten/201110_Oktober/20111014_U$-Invasionsplan.htm

      Es geht ja gar nicht um Geld:

      (Luft-) Geld dient der Hochfinanz nur der Machtausübung, und wird über Wohlstandsextrahierung aus den Massen wieder eingesammelt. Dazu dienen das Spielkasino der Börsen und das Steuersystem des Gesetzgebers.

      Es ist nie genug Geld da, um ausstehende Schulden zu begleichen, weil alles Geld in Form von Krediten (aus NICHT !!!) durch die Geschäftsbanken geschöpft wird, und diese nur die Kreditsumme schöpfen, aber nie die bis zur Rückzahlung des Kredits fälligen Zinsen.

      Der Staat kommt deshalb – wie alle – immer mit mehr Geld aus, aber nie mit weniger. Jeder Schuldner benötigt immer mehr Geld, das er jemand anderem abjagen muss, um die nicht mitkreierten Zinsen aufzubringen. Zinsen erfordern deshalb immer neue und weitere Kredite.
      (MaxNews)

      06.09.2011 – Nicht die Politik, nicht die Menschen bestimmen das Geschehen, sondern die (PRIVATE) Geldordnung – http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8489-schweiz-bedingungslose-kapitulation