KOMMENTAR

Günther Jauch ersetzt Sabine Christiansen

„Linke im Steuerrausch“ und recht(s)denkende „Meinungsmacher im Geldrausch“.

  • In der Tat "drohte" auch dem Einkommensmillionär Jauch je Einkommensmillion eine Steuererhöhung um mehr als 100.000 Euro. (Foto: Bastih01/wikipedia)
  • In der Tat “drohte” auch dem Einkommensmillionär Jauch je Einkommensmillion eine Steuererhöhung um mehr als 100.000 Euro. (Foto: Bastih01/wikipedia)

 

Wer wird Millionär?

Bei etwa 4500 Euro pro Sendeminute würde nur ein Ausnahme-Charakter die täglichen Sorgen der meisten Rundfunkgebühren-Zahler noch nachempfinden (siehe: „ARD-Engagement – Jauch kassiert 4500 Euro pro Minute“, stern.de, 14.7.2010), statt die Linke zu diffamieren (siehe „Her mit euren Millionen – drücken sich die Reichen?“, mediathek.daserste.de, 19.8.2012). Auch nach Abzug aller Kosten bleibt Jauch damit wohl der bestbezahlte Meinungsmacher in Deutschland. Obwohl wesentlich kompetentere Polit-Moderatoren beim Sender Phoenix nur einen minimalen Bruchteil von solchem Sold erhalten und der Recherche-Aufwand für Jauch persönlich wesentlich höher sein müsste, findet er noch die Zeit für seine populäre laufende RTL-Werbe-TV-Sendung „Wer wird Millionär?“ Diese Frage hat er zumindest für sich selbst vielfach beantwortet. Maßgebend für solche kommerziellen und manipulativen Erfolge ist jedenfalls im Allgemeinen nicht das Niveau einer Sendungen, sondern eher das Gegenteil.

Wer sorgt für die Einkommens-Millionäre?

Aber die ARD-Rundfunkräte unter der Vorherrschaft von Parteien und Kirchen (sh. Wikipedia: Rundfunkrat) meinten anscheinend, dass der Einkommensmillionär Jauch mit seiner scheinbaren Volkstümlichkeit am ehesten die Wählerstimmung zugunsten ihres Establishments beeinflussen könnte – gegen die Normalverdiener und Einkommensschwachen – ebenso wie ihre Sabine Christiansen das über Jahre mit nachhaltiger Wirkung getan hat (sh. rossaepfel-theorie.de, u.a. ~/Demokratie-Kauf.htm). Die unmittelbare Jauch-Vorgängerin Anne Will auf diesem besten ARD-Sendeplatz am Sonntagabend mochte es wohl nicht tun oder war sich zu schade dafür. (Siehe Daniel Bax: „Innovation sieht anders aus – Rechristiansenisierung“, taz.de, 11.6.2010.)

Es geht nicht nur um das „christliche“ und „liberale“ Establishment. Auch Rot-Grün mit ihrem Kanzler der Bosse und ihrem bestens etablierten Turnschuhminister Joschka Fischer haben sich und ihre Bestverdiener auf das Großzügigste bedacht mit der Senkung ihres Spitzensteuersatzes in mehrfacher Hartz-IV-Höhe zu Lasten der Umverteilungsopfer. Wegen der Konsumdrosselung durch die Umverteilung nach oben ließen sich scheinbare Arbeitsmarkterfolge nur noch durch „Deregulierung“ und dramatische Zunahme der prekären Beschäftigung vortäuschen.

Wer kümmert sich um die Geschröpften?

Als Reaktion auf den Verrat der Sozialdemokratie blieb nur noch ein Alleingang der Linken. Und genau die sind deshalb jetzt das Ziel der Propaganda von Jauch und seinen Mitprofiteuren. Gegen deren Mehrheit hatte Katja Kipping in seiner Sendung vom 19.8.12 ohnehin den üblichen einsamen Stand, wobei sich aber NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans positiv abhob. Auch der ehemalige Steuerfahnder und jetzige Steuerberater Frank Wehrheim, der nach 28  Dienstjahren als Abteilungsleiter nach seinen spektakulären Erfolgen gegen Steuer-Großbetrüger von Roland Kochs Hessen-CDU mit falschem Gutachten für psychisch krank erklärt wurde,  ist offenbar nicht ins Lager der Recht(s)denkenden gewechselt (siehe Geierschreck: “Umverteilung nach oben durch Kaltstellung von Kochs Steuerfahndern”, freitag.de, 7.12.2009).

Als Kipping dann aber eine höhere Besteuerung der Reichen forderte, war dies das Stichwort für Jauchs vorbereiteten Einspieler zur Diffamierung der Linken mit dem Titel „Die Linke präsentiert: Wie angelt man sich einen Millionär – in den Hauptrollen Katja Kipping und Bernd Riexinger“ (ab Minute 46). Damit erinnert Jauch schon im Grundgedanken an einen Rat von Berlusconi: Wer als Frau Erfolg haben wolle, solle sich einen reichen Mann angeln (Demonstrationen gegen Machogesellschaft – „Italien ist kein Bordell“, tagesschau.de, 13.2.2011).

Geldrausch gegen „Steuerrausch“

Man tituliert in dem Film mit großem Pathos die Linke als „eine Partei im Steuerrausch“, nicht jedoch ihre Diffamierer als Raffzähne im Geldrausch auf Kosten der normal arbeitenden Bevölkerung – oft durch Zockerei oder Wählertäuschung.

Der „Steuerrausch“ besteht laut Einspieler darin, dass die Linke zurückkehren will zum Spitzensteuersatz von 53 Prozent (wie in den Wirtschaftswunderjahren), dass sie eine spürbare Finanztransaktionssteuer gegen die ruinöse Zockerei fordert und endlich die Vermögensteuer wieder einführen will für Vermögensteile über einer Million Euro, nachdem durch die Umverteilung nach oben schon jetzt 10% der Haushalte etwa zwei Drittel des deutschen Volksvermögens besitzen.  Damit gehören am Ende auch die Söldner des Medienkapitals zu den Reichsten – ebenso wie z.B. im Plutokratie-Vorbild USA mit ihrer maßlosen Hetze gegen jede auch nur halblinke Regung.  Günther Jauch, Sammler von steuersparenden denkmalgeschützten Immobilien (sh. „Denkmalschützer wollen immer nur das Teuerste“, berliner-zeitung.de, 15.6.2007), hatte den Freibetrag von einer Millionen für die Zuschauer und Wähler eher als Freigrenze  denn als Freibetrag erscheinen lassen, so dass die Besitzer teurer Immobilien von der Linken nun die Besteuerung des vollen Wertes statt des überschießenden Betrages befürchten mochten.

Jedenfalls sorgt sich Jauch offenbar um seinen umfangreichen Immobilienbesitz, denn er mobilisierte  für sich und seinesgleichen schon einmal die übrigen Immobilienbesitzer mit der Irreführung: “Frau Kipping, wenn wir uns einmal die fünf Prozent Vermögensteuer allein herausnehmen, das hat ja den Vorteil, wir erleben das noch, dass zum Beispiel der Münchener Reihenhausbesitzer nahezu komplett enteignet ist”.

Die Linke fordert außerdem  eine zumindest teilweise Rücknahme der rotgrünen Unternehmenssteuersenkungen, durch die die Schere zwischen Unternehmens- und Arbeitnehmereinkommen seit der Jahrtausendwende dramatisch auseinandergeht, und eine Erbschaftsteuer, mit der wenigstens ein Teil dieser Entwicklung zur Plutokratie begrenzt werden kann. Nebenbei kritisiert man in dem Film auch noch die Forderung der Linken nach einer angemessenen Flugbenzin-Besteuerung, obwohl schon ein Großteil der innerdeutschen Brief- und Pakettransporte von den angehängten Postwaggons auf die Umwelt- und Gesundheits-schädlichen Nachtflüge verlagert wurde und man schon die Tank-statt-Teller-Option braucht, um die absurde Rohstoff-Verschwendung zu kompensieren.

Irreführendes Spektakel

Im Widerspruch zu diesen Forderungen der Linken präsentierte man allerdings als spektakuläre Einleitung einige persönliche Forderungen von Katja Kipping und Bernd Riexinger, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Beide Kandidaten sind erst kurz im Amt und überschauen vielleicht noch nicht die Steuerwirkungen sowie die verfassungsmäßigen Grenzen des Steuerrechts. Diese werden jedoch gerade von den neoliberalen Meinungsmachern zur Wählertäuschung schon lange völlig falsch dargestellt (mit umgekehrtem Vorzeichen) bezüglich Spitzensteuersatz, Vermögensteuer und Umverteilung nach oben. Die neuen Vorsitzenden haben natürlich auch ein Recht auf ihre persönliche Meinung und müssen nicht alles so klar sehen wie die linken Spitzenkandidaten Lafontaine, Gysi, Bartsch, Wagenknecht etc. Im Gegensatz zu den bestbezahlten Söldnern des Medienkapitals haben sie jedenfalls ein soziales Gewissen und sind wesentlich ehrlicher, auch zu sich selbst.

In der Tat “drohte” auch dem Einkommensmillionär Jauch je Einkommensmillion eine Steuererhöhung um mehr als 100.000 Euro, wenn man zu der Steuersätzen der Wirtschaftswunderjahre zurückkehrte.

——–

Mit Bezug auf die Anne-Will-Sendung vom 19.9.2012 als Kontrast zur obigen Günther-Jauch-Sendung wird dieser Artikel hier fortgesetzt durch den Artikel “Günther Jauch folgt auf Anne Will”, readers-edition.de, 21.9.2012.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 44 Kommentare.

  1. wer hartz 4 empfänger mit hartz betitelt, denunziert sie mit dem namen peter hartz, einem vorbestraften, korrupten manager. mit einer einstweiligen verfügung sollte man das den medien verbieten.

  2. Treffend! Eigentlich müsste man Jauch boykottieren. Man hatte ja vor vornherein geahnt, dass der nicht der richtige Mann auf dem Stuhl ist. Aber vielleicht ist er das ja doch: für eine bestimmte Klientel.

    Ich tue mir Jauch nur noch bei interessanten Themen und wenn Gäste in der Sendung sind, die nicht dem Mainstream nachquaken.

    Die ARD bräuchte (und wir Gebührenzahler hätten eingentlich ein Abonnement und nach den GG-Anforderungen an die Öffentlich-Rechlichen auch das Recht darauf!) eine knallharte, journalistisch akkurate politische Talkshow mit einem Moderator, der die Zähne zeigen kann und zubeißen darf. Was leider nicht zu erwarten ist! Zumindest nicht, wenn wir Zuschauer es nicht vehement einfordern.

    Sabine Christiansen hat m.E. großen Schaden angerichtet. Sie hat all die neoliberalen “Reformen” medial “betreut” und so den Leuten eingehämmert, warum das alles so sein muss. Wem es nützt, das kam in ihren Sendungen nicht aufs Tapet. Die wenigenzu Wort gekommenen Kritiker mal ausgenommen. Jauch ist ein Dampfplauderer mit wenig journalistischem Format. Wo wäre aber auch ein besserer Moderator zu finden? Plassberg ist ja auch schon abgelutscht wie ein Drops. Und allmählich angepasst. Ja, auch seine Firma muss ja laufen.

    Ein Jammer!

  3. @doccumenta

    Thomas Harribo wurde zwar auch Multimillionär durch anspruchslose, sympathische Massen-Unterhaltung und hat pro Sendung „Wetten dass?“ angeblich 100.000 Euro an Gebührengeldern nach Hause geschleppt (sh. http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Gottschalk). Die Schuld für diese Gebührenverschwendung trifft aber nicht ihn, sondern die Vertreter der maßgebenden politischen Kräfte in der ARD, vor allem jene, die die ARD im kritischen politischen Teil besonders kurz halten wollen. Zumindest hat Gottschalk keinen großen politischen Schaden angerichtet. Das einzige wäre vielleicht die Belegung von wichtigen Sendeplätzen mit Klimbim zur dauernden Ablenkung von wichtigen Fragen. Das kann man jedoch eigentlich nicht ihm anrechnen. Daher wäre er hier auch kein Thema.

    Günther Jauch ist kein „adeliger Opportunist“, jedenfalls kein „adeliger“, sondern stammt aus dem hanseatischen Großbürgertum. Auch seine Vorfahren waren also schon sehr geschäftstüchtig. Die Wikipedia schreibt sogar: „Der Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater von Günther Jauch hat als Bürgermeister von Trier die Geburtsurkunde von Karl Marx unterschrieben.“
    Aber von dieser Geistesgröße ist anscheinend nicht allzu viel abgefärbt.
    Zu „Othegraven“ heißt es dort: „Als Kind verbrachte er [Günther Jauch] seine Ferien auf dem Weingut von Othegraven. Den Genuss der erlesenen Weine musste er damals wohl noch seinen Eltern überlassen.

    Zu seinem „gemeinnützigen Wirken“ durch Sammlung steuersparender denkmalgeschützter Immobilien wurde hier schon einiges gesagt. Bei Öffentlichkeitsarbeit („Public Relations“) von Einkommensmillionären durch „Charity“-Veranstaltungen und „Sponsoring“ muss man jedenfalls ganz genau hinschauen, insbesondere wenn sie die Steuerfinanzierung von Gemeinschaftsaufgaben möglichst wenig mittragen wollen. Andere versteigern in dem Rahmen bei Sekt und Kaviar sogar ihre einmal getragenen Kleider, für die sie zigtausend Euro bezahlt haben, um die Umverteilungs-Opfer für sich einzunehmen. So etwas kann man Jauch nicht vorhalten. Es ist eben eine Frage der Ideologie nach dem Charakter-abhängigen Prinzip: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

    @Claus-Dieter Stille

    Die Nachwirkungen von Sabine Christiansen sind in der Tat verheerend. Neun Jahre Gehirnwäsche zur besten Sendezeit von 1998 bis 2007: Das war das Beste, was die Profiteure der Umverteilung nach oben mit ihren politischen Interessenvertretern sich wünschen konnten und was sie damals in ihrem „christlich-sozialdemokratischen“ ARD-Proporz mit der einen Stimme Mehrheit ihres damaligen Programmdirektors Günter Struve durchgesetzt haben (sh. rossaepfel-theorie/~/Manipulations-Proporz.htm). Von dieser jahrelang eingetrichterten Ideologie können sie bei den Wahlen heute noch zehren.

    @ugellermann

    Günther Jauch ist jedenfalls keine eindeutiger Wiedergänger von Sabine Christiansen, denn sie lebt noch.

  4. Günther Jauch wird Winzer: Er übernimmt das renommierte Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar

    Bisher brodelten nur die Gerüchte, dass der 53-jährige Starmoderator im Top-Betrieb mit den angeblich «besten Riesling-Lagen der Welt» einsteigt. Jetzt ist es raus: Auf einer Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter VDP/Grosser Ring Mosel-Saar-Ruwer am Mittwochabend in Trier kündigte Noch-Eigentümerin Heidi Kegel (71) den Besitzerwechsel für das 12,5 Hektar große Gut noch für dieses Jahr an. Und stellte einen Antrag auf Mitgliedschaft Jauchs im Reigen der Spitzenwinzer.
    Jauch macht nichs anderes, als den Familienbesitz seiner Mutter der von Othegraven wieder aufzukaufen.

  5. Bei weiteren Recherchen findet man, dass auch der ARD-Beirat den Missbrauch des besten ARD-Sendeplatzes und der Einspieler bei Jauch kritisiert, denn Jauch „vertrete in seinem sonntäglichen Talk zu oft ‚eine klar erkennbare eigene Meinung, folge ‚strikt seinem vorgefertigten Konzept‘“ (siehe "ARD Talkshow intern in der Kritik – Offensive in der Defensive", taz.de, 15.6.2012).

    Die eigene Meinung wäre weniger problematisch, wenn Jauch sie in den Einspielern und auch sonst als solche erkennen ließe, nämlich als Propaganda zur Umverteilung nach oben in die eigenen Taschen von Einkommensmillionären und anderen Profiteuren, und das alles bei 4500 Euro Gebührengeldern pro Sendeminute!

    Weiter kritisiert der ARD-Beirat: „Jauch polarisiere ‘unnötig, schürt mit seinen Suggestivfragen teilweise Politikverdrossenheit und kommt damit der Verpflichtung zur journalistischen Sorgfalt nicht nach‘. Das Fazit: ‚Günther Jauch‘ sei ‘eher eine Show als ein politischer Talk – eine beunruhigende Entwicklung für ein öffentlich-rechtliches Format!‘“ In die gleiche Richtung zielt die Kritik des Beirats an Frank Plasberg, wenn auch nicht in dieser Schärfe.

    Das sind alles Zumutungen, die die Kontinuität zu Sabine Christiansen sichern. Aber bei Jauch könnte die mangelnde „Sorgfalt“ auch noch mit seiner zusätzlichen Belastung beim RTL-Reklamesender zusammenhängen.

    Dagegen bezieht die Friede-Springer-Truppe die Kritik an der Wählertäuschung anscheinend auch auf sich, denn DIE WELT titelt dazu:„ARD nörgelt heftig an Jauch und Plasberg herum“, welt.de, 16.6.2012. Und auch die ARD-Verantwortlichen verteidigen ihre wohlbedachte Entscheidung für Jauch ( „ARD-Programmchef Volker Herres lobt Günther Jauch“, dapd/derwesten.de, 22.8.2012).

    • Wenn der ARD-Beirat den Günter Jauch genauso scharf kritisiert wie @ Geierschreck, dann kommt man zu dem verblüffenden Schluss, dass der ARD-Beirat und @ Geierschreck endlich gleicher Meinung sind. Auf diese Weise entstehen dann die “Geheimbünde”, welche die Meinungen der Bürger gleichschalten wollen.

      Wenn sich der ARD-Beirat (wer sitzt da eigentlich drin?) und @ Geierschreck heimlich verbünden, ungefähr so, wie die Affen mit den Computern, dann hat die Menschheit ihren ewigen Kamp um den Fortschritt ganz klar verloren und muss sich dem ARD-Sender und der Readers Edition demütig beugen…

    • Übrigens:
      “DIE WELT” beschreibt in einem anderen Artikel die HINTERGRÜNDE all der Schiebereien bei ARD noch etwas detaillierter:
      http://www.welt.de/fernsehen/article106199505/Die-grossen-ARD-Talker-einer-muss-gehen.html
      Man kann darin eine große Koalition aus CDU und SPD erkennen und sogar Bayern macht dabei mit.

      Es ist irgendwie typisch – alle Menschen schimpfen über das Fernsehen, weil sie sich jede einzelner Sendung viel besser vorstellen können. Somit kämpft die REALITÄT jeden Tag mit unseren VORSTELLUNGEN…

      Es ist doch klar, dass niemand den Kaffee besser kochen kann als wir selbst.

    • Wenn man sich die Sendung von Jauch in Ruhe anschaut:
      http://daserste.ndr.de/guentherjauch/guentherjauch213.html
      und mit der Sendung von Maischberger zum gleichen Thema vergleicht:
      http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/311210_menschen-bei-maischberger/11475076_der-millionaer-hat-s-schwer-reiche-zur-kasse
      dann könnte man noch kritischer werden…

      Keiner von den Moderatoren und keine von den Moderatorinnen kann die Politiker oder andere wichtige Vielsager mit einer Polizeieskorte in die Sendung “locken”. Es lassen sich nur noch ältere, ausgediente Politiker zu einem Plausch verführen und einige streitbare Charaktere aus dem Volk.

      Dass viele Politiker seit längerem nicht so gerne im Fernsehen gesehen werden wollen, jedenfalls nicht bei den unberechenbaren “Talks”, lässt mich seeeeeeehr nachdenken…

      Auch den Politikern kann man nicht alles angenehm genug machen.

      • @Albert Albern

        Mit dem ARD-Beirat wollte ich mich keineswegs verbünden. Vielmehr habe ich ihn oben nach dem Artikel der taz zitiert, die ihn dort – ebenso wie ich – wegen seines allzu positiven Urteils zu Reinhold Beckmann einigermaßen kritisch betrachtet. Die sieben Beirats-Mitgliedern, die die ARD auf ihrer Webseite „Der ARD-Programmbeirat“ präsentiert, kannte ich bisher nicht einmal dem Namen nach. Ich habe auch leider noch nicht die Zeit gehabt, auf dieser Seite etwas über die Mitglieder und ihre Arbeit nachzulesen. Von deren Kritik an Jauch habe ich erst heute zufällig bei einer anderen Recherche gelesen, nachdem mein Artikel bereits vorgestern veröffentlicht war. Man sollte sich in der Tat auch mit einem solchen Beirat keinesfalls „wie die Affen mit dem Computer“ verbünden, sondern die nötige kritische Distanz wahren. Das gilt ganz besonders für „Hintergrund“-Berichte der Friede-Springer-Truppe, mit denen ich sehr vorsichtig wäre.

        Einer pauschalen Kritik an den Talkshow-Teilnehmern würde ich ebenfalls nicht zustimmen, denn bei Günther Jauch saßen immerhin die hochverdienten Gäste Norbert Walter-Borjans und Frank Wehrheim. Auch Katja Kipping von der Linken ist auf einem guten Weg. Bei Sandra Maischberger war sogar die brillante Sahra Wagenknecht und der respektable Ulrich Schneider, alle deutlich über dem fachlichen und moralischen Niveau der vermissten schwarz-gelben Regierungspolitiker.

        Wenn man also Niveau erwartet, sollte man bei Gelegenheit auch etwas dazu beitragen.

        • Ich bin zu faul, um zu irgendetwas besonders beitragen zu wollen. Und was ein “Niveau” ist, weiß ich noch nicht so richtig, auf diesem Niveau bin ich noch lange nicht angelangt. Aus dem Märchen “Des Kaisers neue Kleider” habe ich erfahren, dass man nicht nur das Niveau, sondern auch die Kleider einfach nur vorspielen kann, damit andere Menschen das Niveau oder die Kleider bewundern. Daher habe ich den Verdacht, dass das “Niveau” einfach nur ein Spiel ist. Natürlich nur ein Spiel für Erwachsene, nichts für Kinder!

          Ich persönlich achte nicht darauf, mit WEM meine Meinung mehr oder weniger übereinstimmt, sondern ob und in welchen Punkten meine Meinung mit einem beliebigen “Meinungsmacher” übereinstimmt. Ich meine dabei nicht nur die professionellen Meinungsmacher, sondern einfach jeden beliebigen…

          Was die “Springer-Truppe” betrifft, auch die muss ich gleichberechtigt behandeln, dazu bin ich durch das Grundgesetz verpflichtet, meine Kommentare dort wurden vor Jahren regelmäßig gelöscht, was ich nicht als grundgesetz-konform empfand und deswegen die Zensoren mit einer Lawine von Kommentaren ins Bedrängnis brachte. Aber wie gesagt, auch die Berichte und andere Einlassungen der “Springer-Truppe” lese ich sehr aufmerksam, was auch heißen könnte: sehr kritisch. Natürlich erst dann, wenn sie mir irgendwie in die Hände fallen, ich laufe ja niemandem nach. Und genauso lese ich auch Ihre Artikel und Kommentare, sehr aufmerksam bis kritisch, auch wenn ich dabei das notwendige “Niveau” immer noch nicht erreicht habe.

        • Weiter:
          Was “Maischberger” und Sarah Wagenknecht betrifft, ich hatte nicht den Eindruck, dass die brillante Sarah Wagenknecht das Niveau der Sendung irgendwie anheben konnte. Sie hielt sich vernünftiger Weise sehr zurück, weil dort vor allem ein Mobbing gegen arme Eigenbrötler seitens einer hoch emanzipierten und ziemlich reichen Frau ablief…
          Frau Maischberger unterstelle ich nicht, dass sie so etwas beabsichtigte, sie wollte einfach eine spannende Sendung haben und dann war sie eher ratlos…

          Wie Sie mir zur Kenntnis geben, die Moderatoren bemühen sich nach allen Kräften, “bedeutende” Teilnehmer für ihre Talkrunden zu gewinnen. Also Menschen, welche mit ihrem gespielten Niveau die Zuschauer anlocken. Auch der Kaiser, der sich nackt durch die Straßen tragen ließ, hat viele Zuschauer angezogen. Obwohl die von seinem Exhibitionismus noch gar nichts wussten, standen sie schon lange vor seinem Erscheinen auf der Straße, um sein Niveau zu bewundern…

          • Mit dem Niveau wollen wir es nicht übertreiben, denn man kann die Wählertäuschung nur entlarven, wenn man den Wähler auch erreicht. Ich meine mit Niveau hier vor allem, dass man die Täuschung nicht selbst betreibt und auf die Täuschung durch andere nicht hereinfällt.
            Das hat also wenig mit gespieltem Niveau zu tun, sondern eher mit dem riesigen Kapitaleinsatz zur Wähler-Manipulation gegen die Aufklärung.

            Im Gegensatz zur Jauch-Moderation im obigen Beispiel ist die Maischberger-Moderation jedenfalls nicht auf Täuschung zur Umverteilung nach oben ausgerichtet. Anscheinend wurde ihre Sendung von den Profiteuren genau deshalb auf den späten Abend ab 22:45 verbannt. Um die Zeit beginnt für mich – wie für die meisten Wähler – allmählich die Nachtruhe. Ich habe diese Sendung daher bisher noch nicht gesehen, werde das aber vielleicht noch im Internet nachholen.

            Sahra Wagenknecht und Ulrich Schneider kenne ich aus etlichen anderen Sendungen, den scheinbar unentbehrlichen ehemaligen WELT-Chefredakteur Roger Köppel leider ebenfalls. Dirk Rossmann erscheint auch allzu oft in solchen Runden. Er erfüllt lediglich das gleiche unschöne Klischee eines Unternehmers wie der unvermeidliche Thomas Selter bei Jauch – in krassem Gegensatz zu den erfolgreichen Unternehmern Ernst Prost, Peter Krämer, die man jetzt lieber fern hält, aber auch zu Warren Buffett, Bill Gates und anderen.

        • Etwas anders und etwas ehrlicher ausgedrückt:

          Ursprünglich waren die Menschen mehr oder weniger gleich. Das ist schon sehr lange her, diese gleichen Menschen waren dazu auch noch ziemlich primitiv. Bis sie irgendwann angefangen haben, das Niveau zu entwickeln. Dadurch wurden einige von ihnen “hochverdient”, andere wurden “brillant” und noch andere wurden “respektabel”. Und genau auf diesem Niveau entwickelten sich die verschiedenen Häuptlinge und Oberhäupter, die sich dann nach und nach dank ihrer hochverdienten und respektablen Brillanz zum Adel entwickelten.

          Weil uns das Anbeten von Götzen verboten wurde, haben wir uns der strengen Regelung Gottes gebeugt und statt dessen damit angefangen, ganz einfache Menschen als hochverdient, brillant oder respektabel anzubeten. Wir haben Hochkulturen mit streng voneinander abgetrennten KLASSEN entwickelt, die indische Hochkultur müssen wir dank ihrer präzisen Trennung der unterschiedlichen Klassen, Rassen und Kasten am meisten bewundern. An dieser Stelle ist unsere Bewunderung gegenüber den Indern wirklich hochverdient…

          Irgendwann kam aber der KLASSENKAMPF auf, um endlich wieder die uralte, und damit wohl auch irgendwie “rückständige” GLEICHHEIT unter den Menschen herzustellen. Das ist aber natürlich sehr schwer bis unmöglich, so lange wir manche Menschen aus PRINZIP bewundern und hochschätzen und die anderen Menschen prinzipiell verachten. So lange wir die einen Menschen prinzipiell loben und andere Menschen aus PRINZIP ablehnen.

          Ja, es ist unsere prinzipielle EINSEITIGKEIT, die uns daran hindert, in den längst überwundenen Zustand der sozialen Urgesellschaften zurück zu fallen, um die Gleichheit zwischen den ach so verschiedenen Menschen wieder herzustellen. Soll ich mich darüber freuen???

  6. Danke für die Fairness, @ Geierschreck

    Ich versuche es ähnlich:

    Sie schreiben:
    “Im Gegensatz zur Jauch-Moderation im obigen Beispiel ist die Maischberger-Moderation jedenfalls nicht auf Täuschung zur Umverteilung nach oben ausgerichtet.”

    Wenn man nicht dringend nach GEGENSÄTZEN sucht, könnte man auch schreiben:
    “Im VERGLEICH zur Jauch-Moderation im obigen Beispiel ist die Maischberger-Moderation jedenfalls nicht auf Täuschung zur Umverteilung nach oben ausgerichtet.”

    Das war ihnen aber nicht möglich, so zu schreiben, weil Sie die Sendung von Maischberger noch nicht gesehen haben und daher die beiden Sendungen gar nicht VERGLEICHEN können. Also schreiben Sie lieber von Gegensätzlichkeit, auch wenn sie die Sendung von Maischberger noch nicht gesehen haben.

    Hier noch mal der Link zur Sendung:
    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/311210_menschen-bei-maischberger/11475076_der-millionaer-hat-s-schwer-reiche-zur-kasse

    • @ Albert Albern

      In der Tat finde ich Leute wie Norbert Walter-Borjans und Frank Wehrheim „hochverdient“ wegen ihrer Erfolge gegen den Steuer-Großbetrug, also gegen die steuerliche Umverteilung nach oben. Aber gerade deshalb wurde Frank Wehrheim von Roland Koch mit seiner hessischen CDU als psychisch gestört aus dem Amt entfernt, und Norbert Walter-Borjans wird wegen seiner CD-Ankäufe mit Daten der Steuer-Großbetrüger von den „Christlichen“ und „Liberalen“ immer wieder auf das Schärfste angegriffen.

      Für solche hervorragenden Leistungen hat Ulrich Schneider keine Gelegenheit, aber im Vergleich zu den üblichen Talkshow-Wählertäuschern ist er jedenfalls hoch „respektabel“. Genau deshalb wird er von den tonangebenden Meinungsmachern sehr viel weniger geschätzt.

      Am wenigsten werden von ihnen linke Politiker wie Lafontaine und Wagenknecht geschätzt, weil sie von diesen entlarvt werden. Sahra Wagenknecht kann zwar auch nicht den Steuer-Großbetrug im Einzelnen aufdecken, aber dafür gelingen ihr solche Entlarvungen auf andere „brillante“ Weise.

      Zur Entlarvung der extremen Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben im indischen Kastenwesen braucht es allerdings keine Brillanz, denn hier muss man ja nicht erst den Umweg der Ausbeutung über das Kapital aufzeigen. Vielmehr lief es ja geradezu mustergültig nach dem traditionellen Schema über das Schmarotzertum und die Komplizenschaft zwischen den dort eingewanderten indoeuropäischen Gewaltherrschern und ihrer mitprofitierenden Priesterschaft, also den tonangebenden Meinungsmachern jener Zeit.

      Was den Kontrast zwischen Maischberger und Jauch betrifft, so habe ich in der Tat nicht die beiden Sendungen verglichen, sondern spreche ausdrücklich von der „Jauch-Moderation“ und der „Maischberger-Moderation“. Natürlich habe ich schon etliche Sendungen von beiden gesehen und musste immer wieder die gleichen Gegensätze feststellen. Ich würde mir wirklich nicht die Mühe einer solchen Kritik machen, wenn ich mich nur auf je eine Sendung beziehen könnte.

      • Gut.
        Aber gerade in Hinsicht auf diese Tatsache:
        “deshalb wurde Frank Wehrheim von Roland Koch mit seiner hessischen CDU als psychisch gestört aus dem Amt entfernt”

        finde ich es naiv, auf Günter Jauch loszugehen.

        Schließlich hat Günter Jauch gerade diesen Mann in seine Sendung eingeladen und ihn damit auch irgendwie rehabilitiert…

        Entschuldigen Sie, @ Geierschreck, es ist schwer sich in die Sichtweise eines Menschen wie ich hineinzudenken, beziehungsweise hinein zu fühlen, der Unterdrückung und Verfolgung von Meinungen deutlich härter erfahren hat. In dem ehemaligen Ostblock wäre es eine HELDENTAT, einen von dem Regime abservierten Menschen in eine Sendung einzuladen. Und es wäre auch gar nicht gelungen, weil vorher verhindert.

        Für Sie ist es viel leichter als für mich den Günter Jauch zu kritisieren, obwohl er den hochverdienten (das meine ich diesmal nicht ironisch) Frank Wehrheim in seine Sendung eingeladen hat. Das hat er bestimmt nicht auf Anweisung der hessischen CDU oder auf Empfehlung der Friede-Springer-Truppe gemacht.

        Ich hoffe, dass Sie zu einem verschärften Nachdenken nicht erst durch eine Finanzdiktatur gezwungen werden, sondern dass Sie es weiterhin freiwillig machen können…

  7. Noch eine kleine Bemerkung zum “hochverdient”.
    Herr Frank Wehrheim machte korrekt seine Arbeit. Deswegen käme ich nicht darauf, ihn als “hochverdient” zu bezeichnen. Viele Fahrkartenkontrolleure machen auch ihre Arbeit und sind dabei sehr ähnlichem Stress ausgesetzt, wie es Herr Frank Wehrheim auch war. (Abgesehen von der Verfolgung seitens seines Arbeitgebers.)

    Der Unterschied besteht natürlich darin, dass ein Fahrkartenkontrolleur meist arme Menschen verfolgt, der Steuerfahnder verfolgt eher die Reichen. Ich lasse mich jedoch von dem Reichtum nicht so blenden, um die Steuerfahnder über die Fahrkartenkontrolleure zu stellen.

    Übrigens: Die von uns diskutierte Sendung von Günther Jauch ist auf einmal nicht mehr abrufbar. Es soll aber bald ein Plausch über die Kanzlerin stattfinden…

    • Leider sind im Internet auch alle Artikel verschwunden, in denen aus dem Geheimpapier der ARD-Beirats die wichtigen Punkte zitiert wurden. Einer von den drei wichtigen Punkten war die “TEILNEHMERAUSWAHL”! Das stand sogar auch in der “Welt” und im “Bild” Und nun kann ich diese Artikel nicht mehr finden.

      Trotzdem möchte ich darauf hinweise und das noch unterstreichen, dass es bei der KRITIK des ARD-Beirats auch um die Teilnehmerauswahl ging!!! So, wie ich mir sicher bin, dass der ARD-Beirat bei der Auswahl der Teilnehmer ganz anderen Geschmack hat, als Sie, @ Geierschreck, so erscheint es mir auch nachvollziehbar. dass der ARD-Beirat bei der Auswahl der Teilnehmer auch ganz anderen Geschmack hat, als Günther Jauch.

      Es mag sein, dass meine Nase überempfindlich ist, aber es stinkt mir schon ganz stark…

  8. Aber eine Interessante Aussage aus dem Spiegel muss ich hier noch zum Besten geben:
    “Wie die “taz” weiter berichtet, kritisiert der ARD-Beirat auch das Publikum von “Anne Will”, “Günther Jauch” und “Hart aber fair”. Die Zuschauer störten, “da zu oft und zu häufig auch an unpassenden Stellen geklatscht wird” – was wiederum “den Showcharakter” verstärke.”
    http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-programmbeirat-kritisiert-guenther-jauch-und-frank-plasberg-a-839196.html

    Also auch das Publikum steht bereits in der Kritik!!!

    • @ Albert Albern

      Frank Wehrheim braucht keine Rehabilitation, insbesondere nicht von Günther Jauch.
      Die Rehabilitation brauchten Roland Koch und seine schwarz-gelben Unterstützer, wenn sie sich bei Wehrheim und allen ehrlichen Steuerzahlern entschuldigt hätten.

      Auch Jauch brauchte sie, wenn er mit seiner irreführenden und halb versteckte Propaganda zur Umverteilung nach oben aufhörte. Er dient damit nicht nur sich selbst, sondern auch jenen, die über diese Besetzung entschieden haben und den hinter ihnen stehenden „christlich-liberalen“ Politikern. Grund für die Einladung von Jauch an Wehrheim ist gewiss nicht eine Rehabilitations-Absicht, sondern lediglich der übliche und vorgeschriebene Proporz, der zugleich dem Alibi dient.

      Mir geht es weniger um die Person von Günther Jauch. Ich finde ihn ansonsten nicht unsympathisch, wenn ich mal durch seine Ratesendungen zappe. Es wäre in der Tat naiv, vorrangig auf ihn „loszugehen“. Vielmehr geht es mir um die Besetzung dieses wahlwirksamsten ARD-Sendeplatzes bei dieser Vorgeschichte und um die Verantwortlichen dafür.

      Ihre Bezugnahme auf erfahrene staatliche Repression im Stalinismus als Maßstab finde ich bedenkenswert und interessant. Genau das beobachte ich auch an Bundespräsident Joachim Gauck und bei der FDP, die sich zuletzt so für ihn eingesetzt hat, wie auch bei den „Christlichen“ nach dem Motto: „Freiheit statt Sozialismus“. Die Linke fordert stattdessen gegen Stalinismus und „Finanzdiktatur“: „Freiheit durch Sozialismus“. Weiter oben habe ich schon auf die Vorbild-Plutokratie in den USA hingewiesen. Das Gefühl der Befreiung vom stalinistischen Zwang ist zwar durchaus nachvollziehbar, aber der Ost-Maßstab ist für eine echte Freiheit von der Manipulation durch das Kapital viel zu bescheiden angesetzt.

      Der Literat Fritz J. Raddatz aus Ost-Berlin hat das mal für unliebsame Meinungsäußerungen so formuliert: „Im Osten wird man eingesperrt, im Westen fliegt man raus“. Bei Raddatz mag das anders gewesen sein. Aber man müsste stattdessen eigentlich sagen, dass man beim westlichen Medienkapital gar nicht erst zugelassen würde. Mir kommt es so vor, als ob Präsident Gauck bis zu dieser Problematik noch gar nicht vorgedrungen ist oder auch im Westen von Anfang an den ewigen Pakt zwischen Kirche und Umverteilung nach oben durch die Obrigkeit mitgetragen hätte.

      „Hochverdient“ ist die Arbeit von Frank Wehrheim, weil er durch seine Gewissenhaftigkeit sogar die „christliche“ Absicht seiner Regierung zu dieser Selbstbedienung unterlaufen hat und dafür fast zum „christlichen“ Märtyrer wurde.

      Dass der Mitschnitt der Sendung verschwunden ist, hat wohl eher damit zu tun, dass sie am 27.8. (und am 28.8.12 nachts) wiederholt wird (sh. http://daserste.ndr.de/guentherjauch/aktuelle_sendung/index.html).

      Mit Ihrem Stichwort „Teilnehmerauswahl“ habe ich bei Google allerdings bisher nichts Passendes gefunden. Ich glaube nicht, dass Ihre Nase nach den Erfahrungen im östlichen Manipulations-System überempfindlich ist. Vielmehr lässt sich das auf die Manipulation durch ausreichenden Kapitaleinsatz sehr gut übertragen, wenn „es stinkt“. Vielleicht komme ich auf dieses „Verschwinden“ noch zurück. Dass das Publikum bereits „in der Kritik steht“, überrascht mich wenig. Möglicherweise wird bei der Platzvergabe eine Vorauswahl nach bestimmten Kriterien getroffen. Sicherlich drängen auch bestimmte Interessengruppen in solche Sendungen. Auch das wäre noch zu klären.

      • Meiner Meinung nach beziehen sich die Wiederhollungen auf den aktuellen Plausch über Angela Merkel.

        Was das “Publikum” bei den verschiedenen Polit-Sendungen betrifft, ich habe auch über die Eintrittspreise nachgedacht, die es den Einen leichter machen, rein zu kommen, als den Anderen. Aber es stimmt auch, dass der jeweilige Applaus viel zu oft aus leicht definierbaren Ecken kommt, was bedeutet, dass die verschieden “Grüppchen” schön beisammen sitzen. Das ist mir bislang unerklärlich, die Leute werden doch beim Eintritt nicht nach ihrer Gesinnung gefragt, um ihnen dann die entsprechenden Fan-Plätze zuzuweisen, wie es beim Fußball üblich ist…

  9. Unter dem Stichwort:
    “ARD-Beirat Auswahl der Diskussionsteilnehmer”
    habe ich gerade einen einzigen Artikel bei google gefunden:
    http://www.handelsblatt.com/panorama/kultur-literatur/jauch-will-und-co-ard-gremien-kritisieren-ermuedenden-dauertalk/6761984.html

    Ansonsten sieht die Suche so aus:
    https://www.google.de/search?q=Ard-Beirat%20auswahl%20der%20diskussionsteilnehmer&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&source=hp&channel=np

    Dabei habe ich noch vor einem Tag viel mehr davon lesen können…

  10. Inzwischen ist auch der kritischen Text des ARD-Programmbeirats zu finden, aus dem die obigen taz-Zitate stammen und der unter anderem auch im Spiegel mit Hintergrundinformationen zitiert wird ( „TALKSHOWS – Fünf ist einer zu viel“ , spiegel.de, 18.6.2012). Ein Auffinden dieses Original-Textes ist schwierig, weil er zurzeit nur als nicht editierbares Bild im Web gespeichert ist unter „Herr Jauch sollte dringend an seiner Gesprächsführung arbeiten…“, carta.info, Stand 27.8.12.

    Darin heißt es unter anderem: „Die Einbindung von Studiopublikum in drei der fünf Talkformate empfindet der Beirat als störend, da zu oft und zu häufig auch an unpassenden Stellen geklatscht wird. Hierdurch wird der Showcharakter verstärkt.“

    Man mag denken was man will, wenn etliche Hartz-IV-Empfänger die FDP wählen oder wenn die „allerdümmsten Kälber ihre Metzger selber … wählen“. Die merkwürdigen Reaktionen des Publikums in solchen Talkshows haben aber anscheinend doch nichts mit einer „Vorauswahl“ bei der Karten-Vergabe zu tun, denn eine Rückfrage beim Kartenvorverkauf ergab, dass jeder Interessent nur maximal vier Karten bestellen kann. Und auch eine konzertierte Partei-Aktion zur Gruppen-Bestellung nützt nicht allzu viel, denn anscheinend erfährt man das Thema der Sendung meistens erst, wenn schon alle Karten verkauft sind.

    Danach hätte man zwar aufs Geratewohl z.B. Karten bestellen können für die Jauch-Sendung vom 26.8.2012. Aber mit dem Thema „Machtfrau Merkel – wie tickt die Kanzlerin?“ konnten sich die Recht(s)denkenden nur selbst bloßstellen, denen die Neoliberalismus-Moderatorin Angela Merkel angeblich zu sehr nach links driftet. Wenn man die Tiraden jener Propagandisten hört, könnte man schon fast zum Merkel-Fan werden.

    • Ist das nicht bedenklich – man kritisiert die Merkel, und sie wird dadurch sympathischer. Man kritisiert das Publikum und das Publikum wird dadurch sympathischer. Man kritisiert das Geld, und das Geld wird dadurch immer sympathischer.
      Und nun stellen wir uns vor, wir wären alle dazu abkommandiert, die Merker, das Publikum oder das Geld zu loben…

      • @ Albert Albern

        Der einzelne Hartz-IV-Empfänger mag ja sympathisch oder weniger sympathisch sein.
        Aber wird er oder wird das Publikum sympathischer dadurch, dass sie gegen ihre eigenen Interessen für die Umverteilung nach oben stimmen oder applaudieren? Was soll das?
        Wieso kann das Geld überhaupt sympathisch sein? Das Eingehen darauf macht nur Sinn, wenn man nachdenkt über die „sympathische“ oder „unsympathische“
        V e r w e n d u n g des Geldes – also des Gemeinschaftsproduktes – zum Wohle der Menschheit und der Natur oder dagegen.

        • Gut, dann stellen wir uns vor, wir wären alle dazu abkommandiert, die Frau Merkel, das Publikum oder das Geld zu kritisieren…

          Wenn kümmert es eigentlich, welcher Hartz-IV-Empfänger sympathisch oder weniger sympathisch ist, wenn es neben der Sympathie auch noch das Mitgefühl gibt, das sich zwar oft nach der Sympathie richtet, manchmal aber über der Sympathie steht.

          Die wechselhafte Dominanz unserer Gefühle und Haltungen ist viel zu wechselhaft. Und dadurch irgendwie auch manipulierbar. Der Verdacht, dass wir alle manipuliert werden, lässt sich nicht so einfach zurückweisen.

          Doch warum sind wir so leicht zu manipulieren? Die weit verbreiteten Verdächtigungen richten sich immer öfter gegenüber der eigenen Dummheit. Unsere Dummheit mache uns manipulierbar, schreit es aus den empörten Anklagen.

          Die Antipathie gegenüber der eigenen Dummheit wird dadurch immer größer. Doch wahrscheinlich müssen wir auch zu der eigenen Dummheit ein gutes, freundschaftliches Verhältnis aufbauen, um die eigene Dummheit verstehen zu lernen.

          Oder ist es Klug, die Dummheit nicht zu verstehen, ihr jegliches Verständnis zu verweigern?

          So viel zur Sympathie…

          • @ Albert Albern

            Es gibt ja sogar das literarisch-satirische „Lob der Dummheit“ von Erasmus (http://de.wikipedia.org/wiki/Lob_der_Torheit). Aber in bezug auf das plutokratische Manipulations-Kapital ist die Sache zu ernst. Das Ausmaß ist unfassbar, nicht nur in Italien und den USA, sondern auch in Deutschland und weltweit, auch außerhalb der Medien im engeren Sinne. Ähnlich ist es mit dem Einsatz von Staatskapital in den Diktaturen.
            Grund für die Manipulierbarkeit ist nicht nur die „Dummheit“, sondern auch die Bereitschaft, die solche Zusammenhänge nicht hinterfragt, teils aus Vertrauensseligkeit, Naivität, Bequemlichkeit, Selbstbetrug oder egoistischem Einverständnis mit der Täuschung durch Gleichgesinnte (sh. auch rossaepfel-theorie.de/Meinungskauf/Wir-Papst-Du- Deutschland.htm, ~Demokratie-Kauf.htm). Das ist auch nicht gerade sympathisch und gibt auch keinen Anlass zum Mitgefühl – mal abgesehen von den allzu vertrauensseligen und naiven Betrugs-Opfern, die noch keine Gelegenheit zur Erkenntnis dieses Machtmissbrauchs hatten.

          • Gut, jetzt kann ich Sie ein wenig besser verstehen. Besser gesagt: Ich verstehe endlich, was ich nicht verstehe.
            Wie sind Sie zu ihrer kritischer Haltung und zu der Genauigkeit, mit der Sie die Probleme erfassen, eigentlich gekommen?

            Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob ich damit überhaupt einverstanden war, geboren zu werden. Einfach so heraus gedrängt zu werden in die kalte, chaotische Welt aus einem gut organisiertem System, in dem alles bis ins Detail sorgfältig überlegt wurde, so das es dort nicht die geringsten Probleme gab. Erst durch die Geburt kam ich in eine höchst problematische Welt und war damit wohl nicht ganz einverstanden…

            Natürlich hatte ich noch dazu einen großen Nachteil: Je bewusster mir die Welt wurde, desto klarer war mir auch, dass ich nichts davon verstehe, was mir da bewusst wurde. Ich musste lernen, wie die Welt funktioniert. Dabei waren für mich andere Menschen das größte Problem. Ich konnte nicht begreifen, wie sie funktionieren.

            Erst mit achtzehn habe ich von der Psychologie erfahren, und fing an, mich da einzulesen, um zu verstehen, wie die Menschen funktionieren. Aber auch die Psychologie versteht es nicht ausreichend, wie die Menschen funktionieren, es gibt zu wenig Sachlichkeit und viel zu viel Interpretation und voreilige Wertung drin.

            Also bin ich immer noch dabei, zu lernen, wie die Menschen funktionieren. Und das tun sie meist ganz vernünftig, wie ich mit Überraschung feststellen musste. Sie stehen morgens auf, putzen sich die Zähne, frühstücken und dann brechen sie genau dorthin auf, wo sie ihre Aufgaben sehen – in die Schule, zu der Uni oder zum Arbeitsplatz. Nur solche Menschen, die keine Aufgaben haben, müssen noch lange warten, bis die Kneipe aufmacht.

            Das Streben der meisten Menschen wird durch die Erziehung und durch das eigene Verständnis des Guten und Sinnvollen bestimmt. Ja, die meisten Menschen streben das Gute und Sinnvolle an, oft eindeutig aus egoistischen Gründen. Auch Sie scheinen das Gute und Sinnvolle anzustreben, @ Geierschreck, nur die Gründe, warum Sie ausgerechnet das machen, was Sie machen und wie Sie es machen, müsste man noch überprüfen. Ich persönlich habe den Eindruck, dass ich immer wieder auch der selbstgerechten Eitelkeit begegne, die Sie antreibt.

            Es ist schon irgendwie eitel, die Gerechtigkeit für die gesamte Menschheit anzustreben, um dann von jedem Menschen enttäuscht zu sein, der ganz andere Hobbys hat und deswegen die Gerechtigkeit bei weitem nicht so gut verstehen kann, wie Sie es schaffen. Enttäuscht zu sein von Menschen, die ihren Arbeitgeber hochachtungsvoll fürchten, das nennt man auch Respekt, und die sich daher den ganzen Tag darum bemühen, ihrem Arbeitgeber zu gefallen. Genauso, wie sich diese Menschen schon als Kinder darum bemüht haben, ihren Eltern zu gefallen. Gut, als Kinder haben sie es meistens nur dann getan, wenn die Eltern anwesend waren, sonst haben sie lieber einfach herum gespielt. Doch am Arbeitsplatz spielt man nicht, das wissen auch die Kinder, und deswegen finden sie die Arbeit meistens langweilig…

            Dazu muss man erst erwachsen werden, um mit Stolz alle auferlegten Aufgaben erledigen zu wollen.

            Ich nehme an, dass Sie sich die wichtigsten Aufgaben selbst auferlegt haben und immer wieder auferlegen, @ Geierschreck. Das müssen auch die freischaffenden Künstler machen, sich die wichtigsten Aufgaben selbst auferlegen, weil sie nun mal keine Arbeitgeber haben. Sie müssen also auch die Aufgaben des Arbeitgebers sich gegenüber erfüllen. Aber die meisten leistungsfähigen Menschen mussten sich am irgendeinen Arbeitsplatz INTEGRIEREN, die mussten die jeweilige Situation und vor allem auch die REGELN an ihrem Arbeitsplatz akzeptieren und sich der Situation und den Regeln ANPASSEN.

            Das alles klappt nur deswegen, weil manche Menschen integrations- und anpassungsfähig sind. Und an diesem Punkt kann ich diesen anpassungsfähigen Menschen keine Vorwürfe machen. Wären sie statt dessen trotzig, wie ich es seit meiner Kindheit bin, dann würde aber auch gar nichts in unseren Gesellschaften funktionieren. Stellen Sie sich vor, ich will die Geldbuße fürs Schwarzfahren bezahlen und die Mitarbeiter des Verkehrsbetriebes stellen sich einfach stur und wollen von mir kein Geld annehmen. Das wäre doch das Ende der Welt!

            Nein, unsere Welt funktioniert nur dann richtig, wenn die Menschen möglichst das machen, was von ihnen erwartet wird, wofür sie angestellt wurden. Die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe sollten auch nicht mit mir witzeln: “Na, du Blödian, hast dir die Fahrkarte sparen wollen und jetzt musst du noch drauf zahlen…” Nein! Die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe sollten nur das machen, wofür sie angestellt wurden – das Geld nehmen und guten Tag sagen.

            Und was die Wahlen betrifft:
            Unsere Demokratie ist so gestaltet, das die Wähler eigentlich nur die besseren Eltern, die besseren Fürsorger wählen können. Und das müssen sie sich genau überlegen, weil sie nach der Wahl nicht mehr hineinreden können. Wären die Wähler REAL ausreichend emanzipiert, das heißt – sie könnten den Politiker jeden Tag und jederzeit sagen, wo es langgeht, dann könnten sie aus Spaß auch die PIRATEN in die Regierung wählen, um sie dann schön auf Trab zu halten…

            Warum schreibe ich nicht: “Sie könnten aus Spaß auch DIE LINKE wählen, um sie dann schön auf Trab zu halten?” Uns beiden ist doch klar, dass DIE LINKE gerne den Ton angeben will, dass sich die Linken für die besten Dirigenten halten, und dass die Bürger dann nach ihrer Pfeife singen und tanzen müssten. Das bedeutet, dass es zwischen den Bürgern und DER LINKEN von Anfang an nur Streit geben würde, wenn die Bürger nach der Wahl den linken Politikern sagen wollten, wo es lang geht. Und auch auch die anderen Parteien sind auf solchen Rollentausch gar nicht vorbereitet.

            Also müssen wir in einer Welt der tonangebenden Besserwisser leben, ob am Arbeitsplatz, in der Politik oder in der Kneipe. Und auch unter den Besserwissern herrscht scharfe Konkurrenz, das kenne ich sehr gut aus der Kneipe und aus den verschiedenen Workshops.

            Ich bin mit den Menschen, so wie ich sie inzwischen verstehe, ziemlich unzufrieden. Auch Sie sind mit den Menschen unzufrieden, @ Geierschreck. Das kann uns aber nicht zu Verbündeten machen, weil auch jeder andere Mensch mit den meisten anderen Menschen unzufrieden ist – und zwar jeder auf seine eigene Weise.

            Und wenn ich mir bewusst mache, dass genau solche Menschen in den verschiedenen Medien arbeiten, um dem Medienkapital zu frönen, dann finde ich die Welt eigentlich genau so, wie ich sie längst kenne: Jeder soll das Lied von demjenigen singen, dessen Brötchen er ist. Und die meisten Menschen haben bei den Liedern keine besondere Auswahl. Sie müssen halt das nehmen, was sich ihnen gerade bietet, sonst macht es jemand andere.

            Nur die freischaffenden Künstler wissen nicht so genau, wessen Lied sie eigentlich singen sollen. Also müssen sie in tiefer Unwissenheit leben im Vergleich zu all den anderen, aufgeklärten Menschen…

  11. @ Albert Albern

    Man muss auch von den Neoliberalen (also von den Betreibern der Umverteilung nach oben) nicht enttäuscht sein, wenn man die Erwartungen nicht zu hoch schraubt. Entwicklungsgeschichtlich saßen wir vor kurzem noch auf den Bäumen. Aber es gibt doch etliche, die darüber hinaus gelangt sind, so z.B. schon Tiberius Sempronius Gracchus im alten Rom (http://de.wikipedia.org/wiki/Tiberius_Sempronius_Gracchus), in einem damals schon völlig verrotteten System. Damit allein ist schon der Glaube an die Menschlichkeit gesichert (was noch nicht die „Menschheit“ einschließt). Es gibt auch etliche, die so wie er empfinden, aber schon zur Erhaltung ihrer nackten familiären Existenz kaum etwas riskieren können.

    Wesentlich verbreiteter ist aber wohl die bequeme Gleichgültigkeit – wie früher auch gegenüber dem industriellen Massenmord. Dass die Söldner des Medienkapitals ihren Sold auch „verdienen“ und verbessern wollen und dass man dafür auch die passenden Charaktere findet, ist nicht das Hauptproblem. Vielmehr geht es darum, dass die Wählertäuschung überhaupt in diesem Maße vom Kapital abhängt, also um die Plutokratie anstelle der Demokratie.

    Auslöser für mein Engagement gegen die Wählertäuschung waren mein ökonomischer Studienschwerpunkt Steuerwesen und -wirkungslehre, meine früheres kindliches Vertrauen in die scheinbare „Christlichkeit“ der Kirchen, später dann die Verlogenheit, mit der die „christlichen“ und sonstigen Neoliberalen ihre steuerliche Umverteilung nach oben in die eigenen Taschen begründet haben (sh. hier auch mein Profil).

    Es geht also nicht um eine irgendwie definierte Wahrheit, sondern um die Lüge und um den profitablen Selbstbetrug der Lügner. Die Fortsetzung der früheren Aufklärung gegen den Pakt von Kirche und Staat in den heutigen „Demokratien“ gegen Wähler-Manipulation und Plutokratie empfinde ich als Aufgabe so vordringlich, dass meine früheren philosophischen Interessen oder die eigene Nabelschau dahinter zurücktreten. Man mag das auch als „Eitelkeit“ sehen. Aber jedenfalls erhalte ich dafür praktisch keinen Beifall, weder öffentlich noch privat, höchstens von mir selbst, aber auch nur unter großem Vorbehalt, da es sich wirtschaftlich gesehen um reine Zeitverschwendung handelt.

    • Aufklärung ist ein gutes Stichwort. Ich habe es auch schon erwähnt:
      “Nur die freischaffenden Künstler wissen nicht so genau, wessen Lied sie eigentlich singen sollen. Also müssen sie in tiefer Unwissenheit leben im Vergleich zu all den anderen, aufgeklärten Menschen…”

      Gerade hier bei Reader Edition gibt es viele Aufklärer:
      @ Tommy Rasmussen, @ scheinwerfer, @ Godo, Bert Steffens, Uli Gellermann und natürlich auch mich, Sie und andere…

      Doch manche Aufklärer scheinen mir gegenüber der Aufklärung bereits immun zu sein. Ich bin nicht bereit zu glauben, dass die Bilderberger oder die Vertreter der NWO heimlich eine Impfung entwickelt haben, welche die Menschen gegen jede Aufklärung immun macht.

      Ich gehe einfach von der Erkenntnis aus, dass jedes Kind viel lernfähiger ist, als sein Lehrer. Die Lernfähigkeit der Kinder übertrifft die Lernfähigkeit der Gelehrten bei Weitem. Also sind die Lehrer und die Gelehrten viel schwieriger zu belehren, als die Kinder.

      Dass die Kinder von den Lehrern und Gelehrten oft für dumm gehalten werden, weil sie nicht das gelernt haben, was ihnen vorgelegt wurde, liegt einfach daran, weil die Lehrer und Gelehrten gar nicht mitkriegen, was die Kinder alles gelernt haben anstatt dessen, was ihnen vorgelegt wurde. Weil die Kinder ihre Zeit oft anders nutzen, als wir es ihnen vorschreiben, werden sie oft für dumm gehalten.

      “Die bequeme Gleichgültigkeit” der Erwachsenen ist eher die Folge dessen, dass jeder Mensch das garantierte Menschenrecht hat, eigene Interessen, Vorlieben und Hobbys zu pflegen. Also versuchen viele Menschen so zu leben, als ob es keine Kriege, keine Unterdrückung und Ausbeutung geben würde. Sie machen es also ähnlich wie die Kinder…

      Wenn man sich die Neoliberalen anschaut, dann merkt man gleich, dass sie ihren Egoismus nicht selbst entwickelt haben, sondern vorbildlich GELERNT haben. Sie sind halt Zöglinge, die praktisch keinen Grund haben, daran zu zweifeln, wie sie aufgeklärt wurden. Die keinen Grund haben, die Art und Weise ihrer Aufklärung zu hinterfragen. Schließlich würde auch jeder Zweifel ihrem Selbstbewusstsein schaden. Also zweifeln sie lieber nicht…

      Was ist eigentlich AUFKLÄRUNG???

      • @ Albert Albern

        „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.…
        Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“ (Immanuel Kant. „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“, 1784, sh. http://gutenberg.spiegel.de/buch/3505/1.)

        Besser kann man es kaum formulieren. Es fragt sich nur, wie weit die Unmündigkeit vom Betrugs-Opfer „selbst verschuldet“ ist, wenn sie womöglich von Kindesbeinen an auf Indoktrination durch das Manipulations-Kapital und auf anderen Betrügereien beruht und wenn die Manipulations-Opfer daraufhin selektiv nur bei den scheinbar vertrauenswürdigen Tätern ihre Bestätigung suchen. Aber es bleibt beim „Ausgang des Menschen“, denn die Täter fallen auch unter diesen Begriff und betrügen sich meistens auch noch selbst, um vor sich selbst besser dazustehen und andere besser von den Täuschungen überzeugen zu können.

        Verschwörungstheorien sind allerdings keine Aufklärung, sondern bestenfalls Theorien, wenn sie denn überhaupt zur Aufklärung beitragen sollen und nicht selbst zur Irreführung dienen (z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Protokolle_der_Weisen_von_Zion).

        Dennoch kann man unter anderem bei den US-Republikanern m.E. tatsächlich von Verschwörungen reden. (Siehe z.B. „Die Macht der Steuerfundis“, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-32428350.html, 11.10.2004, und „Lobbyist Grover Norquist – Obamas gefährlichster Gegner“, http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lobbyist-grover-norquist-obamas-gefaehrlichster-gegner-a-777111.html, 29.7.2011.) Ähnlich ist es bei der Finanzierung ihrer Tea-Party-Bewegung durch die Brüder Charles und David Koch (sh. „Tea-Party-Finanziers – Zwei mächtige Brüder“, http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tea-party-finanziers-zwei-maechtige-brueder-1.1067692 , 3.3.2011).

        Es handelt sich hier nicht um bloße Unterstellungen, gerade weil die Fakten mehr oder weniger offen zu Tage liegen. Nicht jedes Mitglied der „Bewegung“ kennt den genauen Fluss, den Umfang und die Adressaten des Manipulations-Millionen. Solange kein Mitglied der obersten Spitze „auspackt“, bleibt es zum annähernden Verständnis bei „Theorien“ über die genauen Inhalte der „Verschwörung“ gegen Obama und die Demokraten. Aber mit etwas Gespür für solche kollusiven Gruppen in den üblichen Konstellationen weiß man ohnehin genug.

        Bei den „Bilderberger“ handelt es sich zumindest oft um eine gleichgerichtete Aktionen von mehr oder weniger Gleichgesinnten. (Sh. z.B. „Oskar Lafontaine spricht im Interview über die Piraten, Demokratiedefizite in Europa und die Bilderberg-Konferenzen“, http://www.heise.de/tp/artikel/37/37291/1.html, 17.7.2012.) Man kennt so etwas von kaum organisierten Preiskartellen. Aber da ist es, verglichen mit solchen Manipulations-Gruppen, noch relativ harmlos.

        • Die Frage: “Was ist eigentlich AUFKLÄRUNG???” ist an sich eine kindliche Frage. Deswegen ist es mir zu anspruchsvoll, sich gleich zum Immanuel Kant zu flüchten, ich bleibe lieber bei den Kindern. Sie lernen in der Schule über die Zeit der Aufklärung, die allgemein als eine gute Zeit empfunden wird, also halten sie die Aufklärung für gut. Dass sich hinter dem Begriff “Aufklärung” nicht nur sachliche Information verbirgt, sondern auch verschiedene Meinungen, Ängste, Ansprüche und davon abgeleitete, hoch entwickelte Propaganda, das wissen die Kinder noch nicht, sie halten die Aufklärung für eine gute Sache, oft bis zu einem hohen Alter. Seit dem die weitaus meisten Menschen in den Industrieländern lesen können, holen sie sich ihre Aufklärung nicht nur aus verschiedenen Diskussionen und Auseinandersetzungen, die oft zu unübersichtlich sind, sondern auch vornehmlich selbst – aus der Bücherei, vom Zeitungskiosk, aus dem Fernsehen. Dahinter steckt natürlich auch das “Medien- und Manipulations-Kapital”, dass darauf angewiesen ist, dass die Menschen die Zeitung auch wirklich kaufen. Sonst würde nicht nur seine Macht, sondern auch das Kapital selbst schnell schrumpfen.

          Natürlich hasse ich das Kapital schon allein deswegen, weil es mit seinen Zeitungen die Menschen viel leichter erreichen und manipulieren kann als ich. Meine selbstgemachte Zeitung würde sich nicht so gut verkaufen und deswegen hasse ich das Kapital…

          Also scheint das Manipulations-Kapital zu den Menschen viel leichter eine vertrauliche Beziehung aufbauen zu können als ich.

          Was könnte ich von dem Manipulations-Kapital lernen, wenn ich so lernfähig wäre wie die Kinder? Das Manipulations-Kapital scheint auf die Menschen einzugehen, auf ihre Interessen und Vorlieben. Das Kapital weiß sogar ganz genau, welches Mädel ich gerne nackt sehen würde und kommt meinem Wunsch auch prompt entgegen.

          Und ich kann nicht behaupten, dass mich das Kapital damit manipulieren würde, im Gegenteil, das Kapital passt sich meinen Vorlieben gut an…

          Aus der Wissenschaft der Werbung sind auch viele gehobene Lehrgänge für aufstrebende Politiker hervorgegangen, wo praktisch jedermann lernen kann, wie er oder sie seine/ihre Überzeugungen oder Lügen am besten VERKAUFEN kann. Ich nehme an, dass auch manche linke Politiker an solchen Lehrgängen teilnahmen und dadurch ihre Brillanz erlangten.

          @ Geierschreck, je mehr Menschen Sie verachten werden, wegen ihrer Manipulierbarkeit, desto weniger potentielle Freunde werden Sie haben. Auch das ist sehr christlich, Menschen zu verachten oder zumindest abzulehnen, welche in unseren Augen sündigen oder einem falschen Glauben anhängen, die sich dem Mammon verschreiben und so weiter…

          Übrigens: Mich hat man auch christlich-katholisch versucht, aufzuklären. Und ich war einfach nur zu dusselig, um auf den Zug aufzuspringen. Also wurde ich schnell verachtet oder zumindest abgelehnt. Nicht nur im Christentum muss man ein Bein oder Arm verloren haben, um als armer Mensch anerkannt zu werden. Die Dusseligen werden verachtet…

          • @ Albert Albern

            Es würde mich wundern, wenn Anhänger der Linken Kurse belegen, um andere zu täuschen und auszuplündern. Für meinen Teil neige ich ganz entschieden dazu, den körperlich oder geistig Schwachen beizustehen, statt sie zu verachten, wenn sie von Geiern ausgeplündert werden. Aber Freunde will ich mir damit nicht machen, schon gar nicht bei den Geiern selbst, auch wenn ich das allzu „Menschliche“ im Privaten naturgemäß weniger streng bewerte.

          • Gut, dann anders herum:

            Zitat: “Dennoch kann man unter anderem bei den US-Republikanern m.E. tatsächlich von Verschwörungen reden.”

            So gesehen, kann man auch bei den LINKEN von Verschwörungen reden, die bei dem letzten Parteitag sogar gut zu beobachten waren.

            Verschiedene Gruppen und Grüppchen schwören sich auf eine gemeinsame Idee oder auf ein gemeinsames Hobby ein und werfen dann ihren Konkurrenten gerne “Verschwörung” vor. Auch werden die Anhänger anderer Ideen oder anderer Hobbys irgendwie manipuliert, so lautet die weit verbreitete Überzeugung. Gleich, ob es sich um die verschiedene Computerspiele handelt, um die verschiedene Musikrichtungen oder Fußballvereine, um Verkauf von Pommes Frites und Chicken Nuggets, um politische Ideen und Dogmen oder um die Kämpfe zwei rivalisierenden Straßenclans. (Man denke nur an Mexiko)

            Wie werden aber die Mitglieder einer Straßengang manipuliert und wie verschwören sie sich???
            http://www.youtube.com/watch?v=Ht_1lv7Illg
            Und von wem wurden und werden sie Aufgeklärt???

            Sie haben bereits auch die Selbstaufklärung erwähnt, die natürlich das Recht hat, hundert Prozent originell und eigentümlich zu sein. Doch bei diesem Erfolg darf die Selbstaufklärung nicht stehen bleiben, sie müsste immer weiter gehen. Die Menschen wollen aber in ihrem Leben auch etwas erreichen, und wenn sie das Gefühl haben, sie sind so weit, dann atmen sie ein wenig aus und bleiben an der Erreichten gemütlich hocken, um es zu verteidigen. So leicht können uns die Gefühle täuschen, dass wir sogar die Selbstaufklärung vergessen und einfach mitten drin stehen bleiben.

            Die Kurse, die ich erwähnt habe, sind nicht darauf ausgerichtet, um andere zu täuschen und auszuplündern, sondern um mit den eigenen Inhalten die Menschen zu ERREICHEN und anzusprechen. (Gleich ob es sich bei den Inhalten um die Coca Cola, irgendwelche Glaubensinhalte oder die erkannte Wahrheit handelt.)

  12. @ Albert Albern

    „Verschwörung“ wird bei der Wikipedia in der Einleitung definiert als „zielgerichtetes, konspiratives Wirken von Personen zu einem illegalen oder illegitimen Zweck“.
    Das ist jedenfalls eine Definition, in der man nicht alles unterbringen kann, was einem gerade einfällt.

    Ich würde gern noch die illegitimen Mittel hinzufügen, wie es beim Demokratiekauf in den USA, Italien, Russland, Deutschland (INSM, Medienkapital, FDP usw.) üblich ist, also die großen Parteienspenden oder Manipulations-Gelder der Multimillionäre und Milliardäre zur Umverteilung nach oben in ihre eigenen Taschen – mit mehr oder weniger verdeckter Finanzierung von Meinungsmachern und Aktionsgruppen. All das ist in höchstem Grade illegitim. Man kann das von Gruppenbildung innerhalb einer Partei zur Bestimmung des gewünschten Weges nicht sagen, solange nicht solche Bestechungsgelder im Spiel sind, auch wenn es zunächst in Hinterzimmern stattfindet.

    Im Übrigen sollte man die Definition der „Verschwörung“ eher noch weiter eingrenzen, als sie auf alles Beliebige zu erweitern. Aber dafür ist hier nicht der Ort. Der Wikipedia-Artikel dazu ist sehr lang mit etlichen Hinweisen, die man insgesamt sicher auch kritisch betrachten muss. Straßengangs, sei es in Europa oder besonders heftig in Lateinamerika und den USA, sind in Verbindung mit dem Thema „Günther Jauch ersetzt Sabine Christiansen“ jedenfalls nicht relevant und auch nicht besonders erhellend.

    Selbst wenn es um Seilschaften zur Erlangung gut bezahlter Posten geht, muss man immer noch fragen, ob diese fragwürdigen Mittel letztlich der Umverteilung nach oben dienen oder gegen deren gut versorgte Betreiber gerichtet sind, die sich auf Kosten des Gemeinwohls bereichern wollen.

    • Wenn die „Verschwörung“ ein „zielgerichtetes, konspiratives Wirken von Personen zu einem illegalen oder illegitimen Zweck“ sein sollte, dann würde ich die verschiedenen Straßengangs sehr wohl dazu zählen. Und natürlich auch die Mafia. Sie alle schwören sich durch verschiedene Rituale aufeinander ein und die meisten ihrer gemeinsamen Ziele sind nachweislich illegal.

      Wenn ich persönlich aber etwas verstehen will, dann schränke ich mich nicht ein, sondern ich schaue mich genauer um, ich versuche meinen Horizont zu erweitern. Deswegen bleibt die Frage für mich offen:
      Wie werden aber die Mitglieder einer Straßengang manipuliert und wie verschwören sie sich? Und von wem wurden und werden sie Aufgeklärt?
      Durch die Verschwörung und den dadurch entstandenen engen Kontakt manipulieren sich die Mitglieder der Straßengangs oder der Mafia gegenseitig. Genauso, wie sich die Bilderberger oder die LINKEN umso mehr manipulieren, je größere Nähe sie zueinander herstellen wollen. Das hat nichts mehr mit der einfachen Toleranz zu tun, es bedeutet also nicht, dass sich die Bilderberger oder die LINKEN nicht gegenseitig tolerieren könnten, so wie sie sind. Es geht eher darum, dass in den Straßengangs, bei den Bilderbergen wie auch bei der LINKEN jedes Mitglied gewisse VORAUSSETZUNGEN erfüllen muss, um dazu zu gehören.

      (Dass bei den LINKEN auch Grüppchen entstanden sind, welche der ÜBERZEUGUNG sind, dass sie die Voraussetzungen viel besser erfüllen als andere Grüppchen bei den LINKEN, das ergibt natürlich eine unangenehme Komplikation bei dem Studium der Verschwörungen, Manipulationen und gegenseitiger Beeinflussungen. Wenn jemand innerhalb einer verschwörten Gruppe zu oft eigene Meinung haben will, nach anderen Konzepten sucht, der wird bald von den Verschwörern angegriffen. Nicht nur bei den Straßengangs. Also erweist sich die gegenseitige MANIPULATION innerhalb eines verschworenen Zirkels viel brutaler als sonst…)

      Ich bin mir langsam ziemlich sicher, dass die Umverteilung von unten nach oben nur deswegen so glatt vor sich gehen kann, weil die “Profiteure” keine so sehr eingeschworene Elite sind. Sie müssen nicht die gleichen Ohrringe tragen, die gleiche Musik mögen, oder sich den Finger abhacken, um dazu zu gehören. Die Gier nach dem Geld reicht vollkommen aus, die Hautfarbe ist dabei egal… Dass sie das Geld dazu nutzen, um zu noch mehr Geld zu kommen, das ist ein uraltes Brauch. Jeder Mensch nutzt die Vorteile gerne für sich selbst aus, die Nachteile überlässt er gerne den anderen.
      (Komisch, dabei fällt mir wieder DIE LINKE ein, die den Westverbänden ein etwas größeres Stimmenverhältnis zugestanden hat, als ihnen entsprechend der Mitgliederzahl zustünde.)

      Ich ahne, dass es für Sie schmerzhaft ist, was mir so alles einfällt, wer aber nicht genug Einfälle hat, wird gewöhnlich für einfältig gehalten. Und dagegen wehre ich mich nach allen Möglichkeiten. Ich habe aber nicht Ihren Schmerz im Sinn, wenn ich die “Verschwörung” und die “Manipulation” so weit schweifend untersuche. Genauso wäre mir auch der Schmerz der Katholiken egal, wenn ich mit ihnen über die “Verschwörungen” und “Manipulationen” innerhalb der katholischen Kirche sprechen würde. Dieser Schmerz wird nun mal durch die bloße Identität verursacht, mit der sich die Katholiken für Katholiken halten, andere halten sich dann wieder für gute Katholiken und noch andere für wahre Katholiken. Und mit dem Allem habe ich wirklich nichts zu tun, ich habe die Katholiken auf dieses Spiel nicht eingeschworen noch habe ich sie dazu manipuliert.

      • @ Albert Albern

        Ich tendiere auch dazu, die Fragen möglichst allgemein zu stellen. Damit kann man auch die Straßengangs in die Manipulation-Analyse einbeziehen und sogar die Grundlagen der Manipulation wie auch der Verschwörungen besser verstehen.

        Aber beim Thema der Überschrift geht es mir um die Manipulation zur Umverteilung nach oben im politischen Bereich und nicht um alle Übel dieser Welt. Andernfalls könnte man die Kommentierung weit über den akzeptablen Rahmen dieses Artikels hinaus ins Uferlose erweitern. Zu dieser Erweiterung empfehle ich das hoch interessante und aufregende Buch von Howard Bloom: „Konformitätspolitik – Strategien zur Bildung des sozialen Zusammenhangs“, das auf diesem Wege wesentlich allgemeiner analysiert (sh. unter diesem Titel z.B. http://www.heise.de/tp/artikel/2/2245/1.html, 16.1.1998).

        Wenn wir schon von „gewissen VORAUSSETZUNGEN“ für die Akzeptanz von Manipulation sprechen, ist es in diesem Fall die Konformität mit der Selbstbedienung durch Umverteilung nach oben im politischen Bereich.

        • Was meinen Sie, @ Geierschreck.
          wenn wir alle “Selbstbediener” und “Umverteiler nach oben” im politischen Bereich präzise aussortieren würden, (und natürlich auch alle Helfershelfer), um sie dann hinzurichten und feierlich zu begraben, wäre das soziale Problem dann gelöst? Für immer erledigt?

          Was meinen sie – wenn die Mafia in ihren Strukturen die Basisdemokratie einführen würde, müsste sich dann immer noch jeder Neuankömmling den Finger abhacken, um dazu zu gehören?

          Ich nehme an, dass wir alle einem Sortierungswahn unterliegen, nicht nur bei dem Kleiderschrank, sondern ganz allgemein. Wir erkennen auf den ersten Blick “brillante” und “hochverdiente” Menschen und fühlen uns von ihnen so sehr angezogen, dass wir dann über die Bettler stolpern, die auf der Straße sitzen.

          Dass verschiedene Menschen ganz verschiedene Menschen als “brillant” und “hochverdient” erkennen, ist halt nur die Folge dessen, dass wir auch ein wenig verschieden sind und nicht haargenau gleich.

          Aber im politischen Bereich ließe sich das Orakel doch irgendwie lösen – in dem die Bürger den Politikern keine MACHT übertragen. Wenn die KONTROLLE der Macht bei den Bürgern bleibt, dann sind halt die Bürger genauso mächtig wie die Politiker – wir sind dann doch alle gleich, wenigstes bei der Frage der Macht. Das Gleiche würde auch bei der Mafia passieren, sollten sich die Bosse dort für die Basisdemokratie entscheiden anstatt immer nur eine “Familie” gründen zu wollen…

          Es gäbe dann nur noch die Reichen und die Einflussreichen, die mit einem Bettler natürlich nicht gleichgestellt werden können. Bis es die Bürger endlich schaffen, in einem unendlichen Streit das Reichtum doch ein wenig gleichmäßiger zu verteilen. Sie dürften aber während dessen nicht heimlich ein Buch lesen oder ins Kino gehen, das würde den Streit nur in die Länge ziehen…

          • Natürlich stellt sich noch die Frage, welche Befugnisse die Politiker dann noch hätten, wenn ihnen die Bürger keine Macht übertragen.

            Sie bekämen dann das Befugnis der VERANTWORTUNG.

            Wenn wir einem Briefträger ein Brief anvertrauen, dann hat er NICHT DIE MACHT über den Brief, sondern die VERANTWORTUNG dafür, dass der Brief wenigstens nach Jahren bei dem Adressaten auch ankommt…