Leseempfehlung

Konstantin Wecker zum ekelhaften Umgang mit Griechenland: “Das musste mal raus.”

Es vergeht kaum ein Tag, da nicht gegen Griechenland gehetzt wird. Arrogant und herzlos diktieren Politiker, die man wie Heiner Flassbeck eigentlich nur als rechtskonservative Dummköpfe bezeichnen kann. Brunnenvergifter, die Europa und der Demokratie großen Schaden zufügen. Der Künster Konstantin Wecker hatte einen spontanen Ausbruch, den er auf Facebook postete. Er fragte sich, ob “diese Vasallen der Finanzautisten” – Politiker vom Schlage eines Söder oder Dobrindt – erst Frieden geben, “wenn die Akropolis zur Empfangshalle der Deutschen Bank mutiert ist.” Wecker stellte Readers Edition diesen Text freundlicherweise zur Verfügung.

Söder und Rösler sind stets mit von der Partie. Etwa wenn kübelweise Häme über Griechenland ausgegossen wird. Oder es gerade einmal opportun erscheint gegen den Islam zu wettern. Selbst für übelste Hetze sind sie sich diese Herren nicht zu schade. Hauptsache man kann für sich und die  Seinen Profit daraus schlagen. Prof. Dr. Heiner Flassbeck, früherer Finanzstaatssekretär unter Oskar Lafontaine und jetziger Chefökonom der UNCTAD, nannte u.a. diese nur schwer erträglichen Zeitgenossen in einem Text rechtskonservative Dummköpfe. Nicht schlecht getroffen, meine ich. Volker Kauder haut dann und wann auch mal mit in diese Kerbe. Auf das die Griechen mehr Deutsch sprechen lernen. Welch widerlicher  Chauvinismus.

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man …

Und, Flassbeck kennt seine Pappenheimer, einer da immer wieder seinen ungenießbaren Senf dazu geben muss, ist auch dabei: CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der Wadenbeißer aus dem Bayernland. Kürzlich verkündete er im Grunde ungefragt seine Überzeugung, wonach eben an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kein Weg vorbei führe. “Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone”, diktierte Dobrindt der “Bild am Sonntag” in den Block. Der Schwester der Bildzeitung, die einer Studie nach gar keine Zeitung, sondern eher ein Geschäftsmodell ist. Der BILD, in der frei nach Oksar Lafontaine nur zwei Sachen stimmen: Das Wetter und die Sportergebnisse. Dobrindt trötet: Nach einem “geordneten Austritt” solle das Land mithilfe eines Marshall-Plans wirtschaftlich wieder aufgebaut werden und dann die Möglichkeit haben, in die Eurozone zurückzukehren. Das werde für die Griechen aber ein langer Weg. Da ist doch wohl ein schlechter Witz?! Das Land erst sehenden Auges bis auf die Knochen verarmen lassen und ihm dann mit einem Marshall-Plan wieder auf die Beine helfen? Hetze und Heuchelei in einem. Wie sagte Liebermann einst: Man kann gar nicht so viel fressen wie man kotzen möchte.

Da geht einem der Hut hoch!

Man muss nur die Nachrichten anmachen und etwas über Griechenland hören. Es muss nicht einmal von Dobrindt stammen. Auch was manche Moderatoren im Fernsehen so von sich geben, reicht – für jedenfalls – schon, dass ich auf Schnappatmung umstelle. Diese Arroganz, der von den Medien nachgeplapperte  Unsinn, der uns die Hirne vernebeln soll.  Jedenfalls den nicht Mit-Denkenden unter uns.  Beim Stammtisch fruchtets denn auch. Ich muss aufpassen mit meinem hohen Blutdruck. Aber der Hut geht mir immer öfters hoch.  Gegen Letzteres gibt es keine Pillen. Dem Liedermacher Konstantin Wecker ging und geht es wohl ebenso. Was mich nicht wundert. Wecker kann nicht anders. Da zeigt es sich – im besten Sinne – unverbesserlich. Weil er gewohnt ist auch das Herz zum Denken mitzubenutzen. Und ihm Ungerechtigkeit etwas ist, dass er nicht hinzunehmen bereit ist.

Vor Kurzem entdeckte ich auf Facebook eine kleinen, aber wohl notwendig gewordenen, spontanen Ausbruch des Künstlers. Wem das Schicksal Griechenlands nicht egal ist, dürfte diesen Text voll unterschreiben können. Reinsten Gewissens. Oder wollen wir es wirklich auch noch hinnehmen, warten bis „die Akropolis zur Empfangshalle der deutschen Bank mutiert ist“? Ich möchte diesen Beitrag des Leserinnen und Leser von Readers Edition zur Lektüre empfehlen. Konstantin Wecker stellte mir den Text auf Anfrage freundlicherweise zur Weiterverbreitung zur Verfügung:

Liebe Freunde,

entschuldigt bitte diesen sicherlich sträflich spontanen Beitrag. Und das ist jetzt viel zu unüberlegt, unbedacht,unvorsichtig und meinetwegen auch naiv.
Aber ich höre gerade Nachrichten, und es geht um Griechenland und meine griechischen Freunde, und ich höre zwischen dem üblichen Ökonomiekauderwelsch immer nur: PRIVATISIERUNG.
Ja, vielleicht habe ich nicht differenziert zugehört,

vielleicht habe ich uneinsichtig und von Vorurteilen besessen nur dieses Wort aus dem allgemeinen Gerausche entblättert -
aber ich frage euch jetzt, geht es wirklich nur darum, dieses wunderschöne Land mit seinen wunderbaren Menschen an ein paar reiche Arschlöcher und Konzerne zu verkaufen?
Strände, Post und Hafen, Kunstschätze und Telekommunikation, und so vieles mehr was dem Staat gehört und damit nach meinem Verständnis den Bürgern dieses Staates verscherbeln, damit für immer ein paar Oligarchen das Land besitzen und das Sagen haben gegen Poesie und Anmut, Schönheit und Eigenständigkeit, Herzlichkeit und Gemeinsamkeit?
Bin ich ein unverbesserlicher Altachtundsechziger und hab mir deshalb ein Herz für Menschen und Freiheit, Demokratie und – ja, am Ende eben doch Vernunft – verspielt?
Vielleicht. Aber – ob Söder oder Rösler, Merkel oder Juncker – wie sie auch alle heissen mögen , diese Totengräber einer menschlichen, gerechten und sozialen Gemeinschaft, diese Vasallen der Finanzautisten – ich kann sie nicht mehr ertragen.
Erst wenn die Akropolis zur Empfangshalle der Deutschen Bank mutiert ist, geben sie wohl Frieden.
Und das ist einfach nur ekelhaft.
Verzeiht mir. Das musste mal raus
.

(Konstantin Wecker via Facebook)

Kommentare

Dieser Artikel hat 6 Kommentare.

  1. Sehr geehrter Herr Stille,
    verehrte Leser dieser Seite,

    lesen Sie ergänzend bei READERS EDITION mein Essay

    “Der Fluch der bösen Tat(en) – Von der EU, den Deutschen und Griechen”.

    Auch zu lesen auf der Konstantin-Wecker-Seite “hinter-den-schlagzeilen”.

    MIt freundlichem Gruß

    Bert Steffens

    • Alle reden von der “Rettung Griechenlands”…
      darum geht es doch gar nicht. In Wahrheit sollen nur die Finanzjongleure gerettet werden, die mit Griechenland gezockt und auf Kosten seiner Bürger hohe Gewinne gemacht haben. Diese sollen ihre Einlagen zurückbekommen denn es gilt der Grundsatz:

      Gewinne privatisieren, Risiken sozialisieren.

      Wenn diese Finanzjongleure über die Rettungsschirme ihre Einlagen zurückbekommen haben, dann ist der Politik Griechenland egal und man lässt die Bevölkerung Griechenlands ausgesaugt in Armut zurück. Die Finanzjongleure kommen mit großen Gewinnen oder zumindest unbeschadet aus dem Abenteuer heraus und suchen sich ein neues Opfer, welches sie ausaugen können… Die Risiken werden ja von der EU kostenfrei und großzügig abgesichert…!

  2. Vielen Dank von einer in Griechenland lebenden Deutschen an Konstatin Wecker, an ReadersEdition und an Claus-Dieter Stille.

    Diesem ganzen Artikel wäre schwerlich etwas zuzufügen …..

  3. im grossen und ganzen stimme ich mit konstantin wecker überein,
    aber ich glaube nicht das “sie” sich zufrieden geben wenn die akropolis die empfangshalle der deutschen bank wird, ihre gier kennt keine grenzen.

  4. dieser konstatin wecker war und ist ein wiener schmäh sülzer. die griechen sind nicht gezwungen worden, sich so hoch zu verschulden. verlockende zinssätze, habgier und größenwahn haben ihres dazu beigtragen, schulden zu machen, die über dem bruttosozialprodukt liegen. die griechen können ja von uns lernen, sollen sie doch zwangs und pflichtarbeit einführen, soziale leistungen auf lebensmittelkartenniveau streichen. bei uns gibt es doch auch schon ein millionen heer an billiglohnkräften. wir deutsche können doch stolz sein, dass wir europa als aufgabe (das reich als aufgabe) ohne einen kanonenschuss umgesetzt haben. ein hoch auf helmut kohl und die deutsche bank.
    ach ja – russland fehlt noch.

    • @doccumenta: Ihre Meinung bleibt Ihnen unbenommen. Auch in puncto Konstantin Wecker. Nur Wiener ist der Künstler nicht, sondern ein Kind Münchens.