JUGENDKULTUR

“local heroes Bayern 2012″: Fette Sounds und große Gesten

Mit Metal hat die erste Landesfinal-Ausgabe im Wasserhaus am vergangenen Samstag begonnen. Mit Metal haben die Fans, die sechs teilnehmenden Bands und die fünfköpfige Fachjury den Abend beschlossen. Dazwischen war es so musikalisch bunt, wie es eben zwischen Aschaffenburg und München nur sein kann. Und am Ende stand fest: Die jüngste Band der Runde, die obendrein noch Startposition eins gezogen hatte, gewann am Ende den Titel „local heroes Bayern“ und fährt am 3. November nach Salzwedel: Hyrax!

Spannend war es bis zur letzten Minute. Während die Ghostrockets aus Schweinfurt das Publikum bei Laune und den Puls der „local heroes Bayern“-Teilnehmer in Schach zu halten versuchten, brodelte es im Keller des Hammelburger Wasserhauses. Mit Feuereifer wurden dort die Stimmen der fünfköpfigen Jury ausgezählt und im Nebenraum die Wertung des Publikums in Augenschein genommen.

Zuvor hatten Steffi Groß von der MainPop Geschäftsstelle, Joachim Schulz von inConerts/tunefish entertainment Würzburg, der Bamberger HipHop-Producer und DJ Alexander Döbereiner alias Scratch Dee (Pyromusic), Gitarrist Eugen de Ryck aus Schwebheim sowie Christof Hirt Vorsitzender der VPBy, über vier Stunden hinweg höchste Konzentration walten lassen und sich das jeweils 30-minütige Set der Teilnehmer ganz genau angesehen. Immerhin: 60 Prozent Stimmgewicht ihrerseits entschieden am Ende über Wohl und Wehe. Auch das Publikum nahm die Sache denkbar ernst. Mit insgesamt 40 Prozent Stimmanteil – aufgeteilt in eine Erst- und Zweitstimme  – sorgten sie für ein Gegengewicht zu den Branchenfachleuten. Dann, um etwa 1.45 Uhr am Sonntagmorgen stand fest: Hyrax aus Heroldsberg sind nun nicht nur stolze „local heroes Bayern“-Landesfinalsieger, sondern nehmen obendrein dank der Raiffeisenbank Hammelburg auch 750, 00 Euro als zweckgebundenes Preisgeld mit nach Hause. Rang zwei ging an A Tale of Golden Keys aus Schwabach. Die Mittelfranken, die mit ihrem Progressive Indie Pop glänzten, dürfen 500,00 Euro, ebenfalls von der Raiffeisenbank Bank Hammelburg gestiftet, für Merchandise, Promozwecke oder Equipment aus Hammelburg mitnehmen. Rang drei ging an das Aschaffenburger Akustik-Duo Famarama. Die stimmgewaltige Frontfrau und ihr Begleiter an der Gitarre dürfen sich über einen 250,00 Euro Gutschein aus dem Musikhaus Thomann freuen.

Tending to Huey teilt sich ihren Gewinn mit Chinese Silk and Videotape

Die große Überraschung des Abends waren jedoch nicht nur die besonders jungen Sieger der Hammelburger Premiere, sondern große Gesten, die sich am Ende der Preisverleihung auf der Wasserhausbühne abspielten: Eigentlich gebührte Platz vier und damit ein weiterer Gig im Wasserhaus an der Seite eines namhaften Headliners der Musikini-Combo Tending to Huey. Freudig dankte die Band dem Publikum und der Jury für das entgegengebrachte Vertrauen und die Würdigung ihrer musikalischen Leistungen. Sie selbst schätzten sich allerdings anders ein und überreichten Chinese Silk and Videotape ihren Gewinn. In den Augen von Daniel Schmitt, Christian Schmitt, Michael Sturm und Manuel Müller waren die Jungs aus München die rechtmäßigen Kandidaten auf dieser Position. Geeinigt wurde sich am Ende jedoch auf einen wunderbaren Kompromiss: Den Gig im Wasserhaus wollen die beiden Bands gemeinsam absolvieren. Schöner, darin waren sich Jury und Publikum nach diesem uneigennützigen Zug, kann ein Wettbewerb nicht beschlossen werden.

Live-Überraschungen auf hohem musikalischen Niveau

Nicht nur unter den Bands und beim Publikum fand die Premieren-Veranstaltung großen Anklang. Auch die Jury zeigte sich durchwegs positiv überrascht. So gut wie alle kannten die Kandidaten schon durch ihre Vorauswahl der Top 6. Für einige hat sich der erste Eindruck, den sie durch Youtube-Videos, Soundclouds und diverse Internetseiten erhielten, auch in Hammelburg bestätigt. Andere gestanden aber auch ein, ihr erstes Urteil nach dem Live-Geschehen revidieren zu müssen. „Ich habe es als sehr schwer empfunden“, zieht Steffi Groß Resümee. Wie auch ihre Jury-Kollegen war die Mainpop-Vertreterin begeistert vom Niveau und der musikalischen Vielfalt, die sich an diesem Abend präsentiert hat. „Ich wünschte mir eigentlich so ein Lineup auf dem Bundesfinale“, freut sich „local heroes“-Projektleiter Dieter Herker, der eigens aus Salzwedel angereist war, über den gelungenen Einstand der Musikini. Das Konzept, da stimmten ihm Jojo Schulz und Co. zu, eine Nominierung und eine Fachjury zwischen zu schalten, machte nicht nur Sinn, sondern zeigte nun auch, was zwischen Nord- und Südbayern musikalisch tatsächlich möglich ist. Ein solches Ergebnis, auf diesem Level, sei für einen Newcomer-Wettbewerb eher untypisch, so Schulz weiter. Nicht zum ersten Mal hätte er eine Jury-Position bekleidet, so etwas bisher aber noch nicht erlebt. Einige Landesfinal-Teilnehmer seien bereits so stark, dass etwa nur noch der richtige Song fehle, um durchzustarten. Da, so seine Beobachtung, sei selbst so manchem „alten Crack“ die Spucke weggeblieben.

„Musik ist die Sprache der Seele“

Eugen de Ryck, der in seiner bereits seit Jahrzehnten dauernden Bühnen-Laufbahn schon so einiges gesehen und gehört hat, war ebenfalls sehr angetan, von dem, was der Nachwuchs hier auf die Beine stellt. Sein Lob galt auch der Organisation hinter den Kulissen. Backstage-Management, Ton, Licht, Catering – auch der Rest der Jury wertete das als eine rundum gelungen Angelegenheit.

Um das, was sich an den Mikrofonen abspielte, bedurfte es allerdings eines differenzierteren Blicks. Die Fachleute legten bei ihrer Bewertung der Bühnenleistung ganz unterschiedliche Kriterien an. „Musik ist die Sprache der Seele“, stellt de Ryck seinen Standpunkt heraus. Alle Teilnehmer, so der Musiker, hätten etwas transportiert, was ihn gepackt hätte. Für andere, wie etwa Christof Hirt, standen Originalität und Handwerk im Vordergrund. Einige seiner Kollegen legten das Augenmerk eher auf Komposition, Produktion, Präsentation – eben das gesamte Paket. Auch die Reaktion des Publikums und die Interaktion wurden nicht außen vor gelassen. Hat Bayern einen Kandidaten, der diese Anforderungen in Gänze erfüllen kann? In den Augen der Jury ist das bei Hyrax der Fall: „Sie haben alles richtig gemacht!“

Hier die Landesfinal-Kandidaten noch einmal im Überblick:

1. Chinese Silk and Videotape (Synthie Pop/Rock aus München)
2. A Tale of Golden Keys (Progressive Indie Pop aus Schwabach)
3. Tending to Huey (Next Level Pop aus Würzburg)
4. Famarama (Akkustik-Musik aus Aschaffenburg)
5. Nump (Alternative Metal aus Würzburg)
6. Hyrax (Groovemetal aus Heroldsberg)

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