VDE-Kongress 2012

Ein smarter Ansatz für die Energieversorgung der Zukunft

Auf dem VDE-Kongress 2012 in Stuttgart wurde ein ganzheitlicher Ansatz zur Betrachtung der Energieversorgung bei einem hohen Anteil dezentraler Einspeisung aus fluktuierenden Energiequellen aufgezeigt. Dabei stand nicht nur die lokale Optimierung, sondern die Betrachtung des gesamten Energiesystems im Vordergrund.

Um ein leistungsautarkes Netz zu erlangen, muss dieses vollständig und zu jedem Zeitpunkt als Inselnetz betrieben werden können. Darauf wies Pavel Zolotarev von der Wendlinger TransnetBW GmbH anlässlich des VDE-Kongresses hin. Damit umfasse die Leistungsautarkie die Fähigkeit zur selbständigen Aufrechterhaltung der Frequenzstabilität und der Spannungsstabilität nicht nur im Normalbetrieb, sondern auch bei Störungen.

Smart Grids können in diesem Szenario sowohl zur Herstellung der Energieautarkie als auch zur Leistungsautarkie beitragen. Für die Energieautarkie eines Verteilnetzes sind Smart Grids aus technischer Sicht jedoch nicht zwingend erforderlich. Die einzige Beschränkung für die energieautarke Versorgung eines Verteilnetzes stelle die maximale dezentral installierte Leistung dar, die derzeit durch das Problem der passiv betriebenen Spannungshaltung und der vorhandenen Leitungskapazitäten limitiert sei.

In dem Vortrag wurde erstmals ein ganzheitliches Konzept zur zukünftigen Energieversorgung vorgestellt. Dieses Smart System stellt nicht nur die lokale Optimierung, sondern vielmehr die Betrachtung des gesamten Energiesystems in den Vordergrund. Einzelne lokale Smart Grids sind dabei nicht nur auf die Integration der dezentralen Erzeugung begrenzt. Sondern erfüllen die Aufgaben eines Stell- und Messglieds zur Steuerung und Überwachung des gesamten Verbundnetzes.

„Der Betrieb der Übertragungsnetze erfolgt bereits seit mehreren Jahrzehnten intelligent“, zog Zolotarev Bilanz. Der sich derzeit noch im Anfangsstadium befindliche und daher noch nicht festgelegte Entstehungsprozess von Smart Grids in Verteilnetzen sollte sich daher nicht nur auf die notwendige und wichtige lokale Optimierung beschränken, sondern gerade in Bezug auf die Leistungs- und Energiebilanz Schnittstellen für eine aktive Integration des Smart Grid in das Übertragungsnetz entwickeln.

Die letztendlich resultierende Kaskadenstruktur des Smart System soll durch die Kombination eines dezentralen Ansatzes mit einer koordinierenden Komponente ein globales technisches und wirtschaftliches Optimum unter Berücksichtigung von Beschränkungen im Übertragungs- und Verteilnetz erreichen. Auf diese Weise sollten sich gegenüber dem Zustand ohne Koordination wirtschaftliche Einsparungen bei einem höheren Zuverlässigkeitsniveau und niedrigerem Verbrauch an fossilen Energien erzielen lassen. Als kurzfristig implementierbare Maßnahmen wurden auf dem VDE-Kongress 2012 der Einsatz von Smart Meter zur besseren Lastprognose und Lastdeckung (Smart Balancing), aber auch die Beteiligung von Smart Grids an Systemleistungen genannt.

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