LITERATUR

JESUS VON NAZARETH, Prolog – Die Kindheitsgeschichten -, von Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., HERDER

Vorweg gleich gesagt, es ist wieder ein Buch, das den katholischen Professor, den Extremlehrer offenbart, denn bereits auf Seite 18 beim Erklären des Stammbaumes Jesu nach Matthäus erfährt der aufmerksame Leser (und natürlich auch die Leserin!), dass der Stammbaum bei wem endet? Zitat: „Vor allem aber endet der Stammbaum mit einer Frau: Maria, die natürlich ein neuer Anfang ist und den ganzen Stammbaum relativiert“.

In meiner schönen alten Rösch Bibel steht aber bei Matthäus im Stammbaum Jesu Christi am Ende immerhin: „von Jakob stammt Joseph, der Mann Marias. Von ihr wurde Jesus geboren, der Christus genannt wird“.

Und dann geht der Evangelist Mathäus, wie wenn er nunmehr gemerkt hätte, dass er noch etwas anderes sagen müsse zu dem über, was wir auch heute noch so unglaublich süß finden und was uns die ganze Weihnachtsvorfreude und Freude schenkt:
„Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, ergab es sich, dass sie empfangen hatte vom heiligen Geist, noch ehe sie zusammen kamen“.

Ich bin nicht der Meinung, dass sich die Evangelisten, wie Rabbi David Flusser in seiner bedeutenden rororo Bildmonografie „Jesus“ meint, des Zwiespaltes vielleicht nicht bewusst waren: Wie jetzt, stammt Jesus vom heiligen Geist oder von Joseph, dem Daviden? Nein, ich glaube, sie wollten wirklich die Bekundung, dass Jesus, diese Ausnahmegestalt wie „zwiefach genäht“ sowohl von Gott (heiliger Geist) als auch von der rechtlichen, genealogischen Seite her gesehen (von David) abstammt. Somit war der Bezug zum Neuen (der zukünftigen Religion) als auch zum Alten (Judentum) hergestellt im Sinne von Missionierung für eine ganz neue Sicht und Zukunft in beide Richtungen.

Das kann man aber jetzt im 21. Jahrhundert auch von einem Pabst (vor allem einem Deutschen) verlangen, dass diese Sicht oder Erkenntnis oder meinetwegen auch diese Freude so mitgeteilt wird, dass sie glaubenswarm und zustimmend angenommen werden kann. Schließlich wird gerade in Deutschland, insbesondere seit Luther die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtszeit ins Gebet genommen, will sagen, in wunderschönen Liedern besungen.

Und wir Leser sollen uns schon wieder mit akademischen Gedanken, religiös-theologischen Spitzfindigkeiten abgeben, die in den Spinnstuben des höheren Verstandes Platz hätten, in den Kammern einer Zeit, als Theologiestudenten und Priesterkandidaten noch in Studienheimen herangezogen wurden (an den Haaren einer zuweilen Widersprüchlichkeit!)?

Wenn man liest, dass der „Schott“, das ehemalige katholische Messbuch aus den geistigen Ergüssen der Beuroner Mönche, eines der Lieblingsbücher Ratzingers war (und wahrscheinlich noch ist), staunt man freilich nicht mehr ob der fast kindlichen Naivität unseres Oberen.

Aber zurück zu dem Buch. Es geht ja weiter. Als nächstes wird darüber geredet, und zwar professoral, warum Bethlehem und nicht Nazareth oder umgekehrt der Geburtsort sei. Beide Evangelienschreiber (Matthäus und Lukas) sind da geteilter Meinung und dann kommt natürlich Vergil zu Ehren in seiner 4. Ekloge. Augustus, der Friedenskaiser und sein Friedensaltar werden herangezogen, also die Zeit in Erwartung auf ein Neues, auf endlichen Frieden als Beispiel der erwarteten Erwartung. Und es geht dann zu dem wohl schönsten Kapitel, dem Gesang der Hirten und Engel. Wer würde, außer man wäre nicht musikalisch oder nicht Kind geblieben, derart anheimelnde Gesänge nicht gerne hören oder nachsingen?

Kurz und gut. Es geht in diesem Prolog zu seiner dreibändigen Jesus-Arbeit wieder mal um den Beweis, dass unser Christentum das Judentum abgelöst hat und noch ablöst, eine seit dem Erscheinen Jesu und vor allem nach seiner Leidensgeschichte und seiner Annahme als ewigem Logos, also unsterblicher Gottheit so gesehene Sicht. Also ist dieses Buch eine echte Aufgabe für das Oberhaupt der katholischen Kirche, wobei man sich aber öfter etwas mehr Humor als fast nur wunderbar historischer oder lyrischer Erbauung hätte vorstellen können.

Der Jugend von heute in einer Welt von heute käme z.B. ein treffender Nebengedanke, ein kleiner verwegener, intelligenter Hinweis etwa dergestalt: „das ist so gemeint, ihr müsst verstehen, als Allegorie, als Gleichnis!“ sehr gut gelegen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass auch dies einmal geschieht, aber garantiert nicht von Joseph Ratzinger.
Das Buch ist bei HERDER erschienen, kostet 20 Euro und ist so kurz vor Weihnachten klug gemanagt, da es beispielhaft mit der kindhaften Naivität von uns Menschen spielt.

Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare.

  1. Ich muss sagen, es ist nett geschrieben und es ist auch nett, dass Sie darüber schreiben.

    Es stimmt, dass die Wissenschaft mehr oder weniger durch unsere Gefühle und durch unseren Willen geformt wird. Wir entscheiden darüber, was wir wissen wollen, und das geben wir in vielen Büchern weiter – als “Wissen”, als “Wissenschaft”.

    Nur die Mathematik ist so öde, dass wir gar nicht wissen, was wir uns von der Mathematik wünschen sollten. Hauptsache sie funktioniert und das reicht…

  2. Der Jesus von Nazareth des Papst ist der Jesus von Bethlehem. Denn dieser ist es, welche nach Matthäus geboren ist unter dem Stern von Bethlehem im Jahre 6 v. Chr. und zwar vor dem Tod Herodes im Jahre 4 v. Chr., während der Jesus von Nazareth nach Lukas, dessen Eltern aus Nazareth kamen, erst nach dem Tod Herodes im Jahre 1 geboren wurde. Nur so kann man die ganz widerspruchsvollen Stammbaüme von Mattheus und Lukas historisch und astronomisch wahrheitsgetreu deuten, d.H. dass es derzeit wirklich zwei Jesusknaben geboren wurden, die dann bei dem Besuch des 12-jährigen Lukasknaben im Tempel Jerusalem in einer mystischen Weihehandlung eins wurden. Der Papst schreibt zwar, dass die Widersprüche bei Matthäus und Lukas historisch zu erklären sind, aber ohne die gerechte Annahme dieser zwei Jesusknaben sind seine Kindheitsgeschichten unvollständig und sogar irreführend Die weiteren geisteswissenschaftlichen Einzelheiten über die Jordan Taufe und Tod und Auferstehung Christi hat Rudolf Steiner in seinem sog. Fünften Evangelium schon vor 100 Jahre dargelegt.Der Jesus von Nazareth des Papst ist eigentlich der Jesus von Bethlehem! Denn dieser ist es, welche nach Matthäus geboren ist unter dem Stern von Bethlehem im Jahre 6 v. Chr. und zwar vor dem Tod Herodes im Jahre 4 v. Chr., während der Jesus von Nazareth nach Lukas, dessen Eltern aus Nazareth kamen, erst nach dem Tod Herodes im Jahre 1 geboren wurde. Nur so kann man die ganz widerspruchsvollen Stammbaüme von Mattheus und Lukas historisch und astronomisch wahrheitsgetreu deuten, d.H. dass es derzeit wirklich zwei Jesusknaben geboren wurden, die dann bei dem Besuch des 12-jährigen Lukasknaben im Tempel Jerusalem in einer mystischen Weihehandlung eins wurden. Der Papst schreibt zwar, dass die Widersprüche bei Matthäus und Lukas historisch zu erklären sind, aber ohne die gerechte Annahme dieser zwei Jesusknaben sind seine Kindheitsgeschichten unvollständig und sogar irreführend Die weiteren geisteswissenschaftlichen Einzelheiten über die Jordan Taufe und Tod und Auferstehung Christi hat Rudolf Steiner in seinem sog. Fünften Evangelium schon vor 100 Jahre dargelegt.Die weiteren geisteswissenschaftlichen Einzelheiten über die Jordan-Taufe und Tod und Auferstehung Christi hat Rudolf Steiner in seinem sog. Fünften Evangelium schon vor 100 Jahre dargelegt.
    2004 hat dann der Schweizer Anthroposoph und Gralsforscher Werner Greub im 3.Band “Erwachen an Goethe” seiner Trilogie “Wolfram von Eschenbach und die Wirklichkeit des Grals” historisch und astronomisch die Tatsache der zwei Jezusgeburten exakt nachgewiesen: der Jesus von Bethlehem kam eben in seinem Wohnort Bethlehem am 29. September 7 v. Chr. zur Erde und der Jezus van Nazareth, dessen Eltern in Nazareth wohnten, wurde um Weihnachten 2. V. Chr. zu Bethlehem geboren.

    • Und ich dachte immer, die Eltern von Jesus sind auf die Anweisung eines Engels auf der Flucht gewesen, als die Maria in Bethlehem in einer Scheune ihr Kind geboren hat.
      Na ja, ich “dachte” nur, und das ist unwissenschaftlich…

      Weil die Berichte über Jesus vom Hörensagen zu Stande kamen, die ersten wurden grob 50 Jahre nach seinem Tod schriftlich zusammen gefasst, begibt sich die Wissenschaft in diesem Fall auf ein Abenteuer. Und Geburtsurkunden gab es damals auch nicht…