KOMMENTAR

„Deutsche“ Weihnachten in Indien

Auch wenn Weihnachten nicht typisch Deutsch sind – in Indien wird das alljährliche Tohuwabohu von einer deutschen Schule organisiert und trägt daher manche deutsche Züge: z.B. die Bratwurst und das Bier. Wie tolerant sind die Inder gegenüber den Weihnachten? Sie haben ja schließlich ihre eigene vergleichbaren Feste. Brauchen sie überhaupt noch eins dazu?

(Foto: paparutzi/flickr)

(Foto: paparutzi/flickr)

Obwohl die Inder mehrheitlich vegetarisch dahinvegetieren, scheint die Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt ein echter Renner zu sein. Und auch das Bier. Das zeugt von einer sehr konkreten und auch sehr individuell und freiheitlich praktizierten Toleranz der Inder gegenüber der deutschen Bratwurst. Und gegenüber dem Bier. Aber auch die Wiener Schnitzel werden wohlwollend aufgenommen. Doch als der absolute Renner erweisen sich die weichen süßen Waffeln.

Multikulti in einer Kastengesellschaft

Wer über die undurchschaubare und oft schmerzhafte Problematik zwischen den verschiedenen Kasten in Indien ein wenig Bescheid weiß, der fragt sich natürlich, welche von der vielen Kasten so weltoffen ist, um die Bratwurst und das Bier ausreichend tolerieren zu können? Sind das nur einige wenige, vielleicht nur die niedrigsten, die ärmsten Kasten? Oder sind es womöglich alle Kasten, die an dem versöhnlichen Weihnachtsmarkt teilnehmen?

Da die Europäer in Indien automatisch der höchsten Kaste zugeordnet werden, ist es anzunehmen, dass es sich um die Mitglieder der höchsten Kasten handelt, die auf dem Weihnachtsmarkt ihre Toleranz ausüben können und dürfen. Und die Mitglieder der niedrigsten Kasten, für die sich Jesus eigentlich so sehr eingesetzt hat, die haben weder von der Schule und Bildung irgendwelche Ahnung, noch von den Weihnachten. Und deswegen werden sie verachtet, weil die Verachtung dadurch vernünftig begründet erscheint.

Der Weihnachtsmarkt ist für Kinder

Das ist das Wichtigste! Der Weihnachtsmarkt wird von einer deutschen Schule organisiert und ist deswegen vor allem für die Kinder da. Und weil die Kinder viele Freunde haben, kann die Schule ihren Weihnachtsmarkt nicht ausschließlich für die deutschen Kinder organisieren. Und weil die Kinder nicht nur Freunde, sondern auch Eltern haben, dann muss man auch das Bier auf Vorrat haben. Und dadurch bekommt der Begriff „Kasten“ auf einmal eine andere Bedeutung. Und je mehr Bier getrunken wird, um so verschwommener wird die Bedeutung mancher Begriffe.

Die Kinder müssen kein Bier trinken, um bei dem Begriff „Kasten“ eher an den Spielzeugkasten zu denken. Sie haben nicht so viel Ahnung von den gesellschaftlichen Kasten. Sie verstehen eher die Schule, die Bildung und die Weihnachten. Und sie teilen ihr Wissen mit ihren Freunden. Und gerade deswegen ist es gut, dass sie von den gesellschaftlichen Kasten keine Ahnung haben.

Wie ist es aber mit dem Weihnachtsmann? Wird auch der Weihnachtsmann von den Indern toleriert?

Ja. Wenn er traditionell auf einem Elefant ankommt, dann haben die Inder selbst mit dem Weihnachtsmann kein Toleranz-Problem…

Kommentare

Dieser Artikel hat 23 Kommentare.

  1. Ich kenne mich was das Indische Kastensystem nicht so gut aus…es hat mich nie so richtig Interessiert…schließlich redet man von der ersten, zweiten und dritten Welt.
    Ich finde das Weltweite Kastensystem viel interessanter.
    Das Bildchen ist für mich nur eine Tatsache…Eine Attraktive Frau…die neben ihren Sexuellen vorteilen zudem noch einen Mann soziale Sicherheit bietet…ist immer im Vorteil…Und an einer Mitgift ist kein Mann gestorben…
    Was mit Frauen passiert die keine mitbringen ist allgemein bekannt.
    Man diskutiert nicht mal drüber…es wird hingenommen…auch Weltweit.

  2. Ja, Kaste steht für Ordnung, weil darin jeder seinen Platz kennt und den des anderen akzeptiert. So wird die Kastenordnung zu einem Toleranz-system.

    • Ja, “seinen Platz” zu akzeptieren, das geht noch – wenn man nicht gerade vom Prinzessinnen-Dasein träumt oder so ähnlich. Wenn ich aber den Platz des Anderen akzeptiere, heißt es noch lange nicht, dass ich auch die Erniedrigungen seinerseits akzeptieren muss…

      Habe auch noch nicht herausgefunden, ob jeder Inder oder Inderin so weit irgendwelche Sportart treiben kann, bis sie oder er auf den Olympischen Spielen teilnehmen muss – einfach weil sie sich diesen Platz errungen haben.

      Ich weiß zwar, das die Grundlagen der Kastenordnung im Sinne der Toleranz gelegt wurden, vor allem der religiösen, was sich dann aber daraus entwickelt hat…

      • Ja, ich habe mich immer gefragt, wie wir von Indien als der “größten Demokratie der Welt”(bevölkerungsreichsten) sprechen können und gleichzeitig das indische Kastensystem als selbstverständlichen Bestandteil dieser “Demokratie” akzeptieren.Möglicherweise sehen wir im Kastenwesen das Wesen der Ungleichheit verkörpert, wie wir es selbst ja auch kennen, nur perfektioniert.Nun, ich tue mich schwer damit, Indien als Demokratie zu bezeichnen.In demokratischen Gesellschaften sollte die “Ungleichheit” zumindest teilweise der selbstbestimmten Wahl geschuldet sein, anstatt schicksalhaft vorherbestimmt und über die Generationen weitervererbt.

  3. alber, albert – du ärgerst dich ja schnell, aber dank deiner toleranz verzeihst du mir wohl wieder. man kann dir dankbar sein. als ich mal in idstein kalmenhof, im erziehungsheim, in dunkelhaft war, habe ich auch weiße fliegende elefanten gesehen. die haben mir aber kein geschenk gebracht, sondern als licht nur den schwulen heimleiter, den ich als nazisau aber wieder vertrieben habe. natürlich kannst du mir jetzt nicht folgen. will sagen, ob im europäischen chinesischen oder indischen, überall ist das muster gleich, meist kommt ein weiser, bärtiger mann mit einem tier geflogen und bringt freude. was das mit kasten zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht und bier und bratwurst sind historisch auch keine deutschen erfindungen. jedenfalls scheint es allgemeinmenschlich zu sein, dass man sich was wünscht, was dahergeflogen kommt und freude verbreitet. du mußt wissen, die inder haben auf der rechten seite auch nur einen arm.

  4. weihnachten ist die zeit, wo sich familienangehörige richtig die fresse polieren können. also frohes fest – froh wenns vorbei ist.