LITERATUR

“Vom Turm”, von Günter Abramowski, elbao verlag hamburg

Da flattert einem so manches um die Ohren und wenn man möchte, kann man es aufheben und lesen, was drauf steht, was drinnen steckt. “Hallo, hier bin ich” ruft es und noch mehr steht dann wohl drauf und beim Blättern fällt einem dies und das ein und wie Derek Walcott ein ganzes Werk in Lyrik schrieb und unlängst Christoph Ransmayr in “Der fliegende Berg” auch und dass man diese Gebilde eigentlich ganz gerne las.

36725624z

Aber wenn man mit anderen an Literatur Interessierten sprach, dann waren es Romane zeitgenössischer
Autoren, die im Schwange sind, nicht von der Art, die einen umhaut, ganz gewiss nicht, den Fantasy ist
nicht jedermanns Geschmack, denke ich.

Hier in “vom turm” nun ist ein Lyriker am Werk, der vielleicht ein wenig versteckt leben mag und den man
nicht sogleich sieht, deswegen schreibt er und verrät sich dezent.

Kurze Stücke, Lieder fast, längere Gedichte und eines davon ist mein Lieblingsgedicht, nämlich:

vom turm II

rauch weht ein vom roten Mond

die fünf schlitze meines turms
sind wunden mir
die angst verblühen
deren sonderbarer duft
mein centrum leert
achtsamkeit trägt mich zur zinne.

blendend glanz der schwarzen sonne

des herzens wille ist zu sehen
verzichte auf den schild der zeit
das verborgne zu gestehen
was den stern zum blender macht
liegt an der freiheit meiner sinne
dem geiste freien raum zu stiften
verbundenheit neu zu vermessen

wie einst nach drittem ki ke ri
ich wütend schrie wer lacht da wer
nun einen meiner toten brüder
weil ich von herzen lieben lernte
über diesen berg geschleppt
mir dabei alle knochen brach
der geist mir seine flügel lieh
ihn in des phönix reich zu tragen
in heilge asche ihn zu betten
über den welten heimat haben

gefährlich diese einsamkeit
deine liebe wird zur liebsten
im licht hinter dem tier kreiszeichen

vom schlachtfeld will ich nicht berichten

Ohne Satzzeichen, in Kleinschrift diese Schönheiten und verständlich für jeden, der einigermaßen
Lyrik liebt und es versteht, damit umzugehen.
Ist eigentlich unnötig, mehr darüber zu reden, nur immer wieder lesen, meine ich und sich einwiegen
lassen geistig wie auch im Gefühl der wichtig aufscheinenden Verbundenheit mit uns.
Ja, das ist es, das wäre es, zu fühlen, was die Welt singt und die anderen ein wenig zu tragen.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.