KOMMENTAR

Wenn man einen Präsidenten wählt…

Wenn man einen Präsidenten wählt, kann auch die Hautfarbe eine wichtige Rolle spielen. Nicht nur in Amerika. Überall auf der Welt gerät die Hautfarbe leicht in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. So wird gegenwärtig auch in Tschechien mit traditioneller Besonnenheit darüber überlegt, ob ein dunkelhäutiger Mensch zum Präsidenten gewählt werden kann.

(Foto: blackplastic/flickr)

(Foto: blackplastic/flickr)

Natürlich berufen sich dabei manche auf das strahlende Vorbild Amerika. Aber nachdem sich die Menschen in Tschechien Jahrzehnte lang pflichtgemäß an dem strahlenden Vorbild Russlands orientieren mussten, sind sie gegenüber jeglichen Vorbildern misstrauisch. Die Präsidentenwahl kann aber auch deswegen spannend werden. weil der Präsident diesmal von allen Bürgern gewählt wird.

Es kann sich jetzt zeigen, wer die Tschechen wirklich sind

Weil der Präsident diesmal von dem ganzen Volk gewählt wird und nicht von irgendwelchen Eliten, wird uns die Wahl des Präsidenten ein ziemlich genaues Bild davon geben, wie rückständig die Tschechen noch sind. Oder ob sie mit der Zeit doch irgendwelche Fortschritte in ihrer Entwicklung gemacht haben.

Werden sie sich für den schwarzhäutigen Mann entscheiden, der noch dazu kein Politiker ist, sondern ein Künstler und nebenbei auch ein Professor? Werden sie der Kunst und der Bildung Vorrang geben? Oder werden sie sich doch für einen der anderen beiden Kandidaten entscheiden? Die sind beide weißhäutig und auch stramme Politiker. Sie konnten ihre Fähigkeiten bereits in der alten kommunistischen Partei entwickeln. Nun ist aber der eine von den beiden parteilos und dazu noch Jude.

Aus der Partei kann jeder Mensch beliebig aussteigen, aus der ethnischen Zugehörigkeit nicht. Also ist dieser Kandidat immer noch ein Jude, auch wenn er längst kein Kommunist mehr ist. Und das unabhängig davon, ob das jüdische Volk einfach nur erfunden wurde oder nicht.

Die Qual der Wahl?

Nein. Es sieht eher so aus, als ob die Tschechen die Qual der Wahl genießen. Nachdem sie nicht nur Jahrzehnte sondern Jahrhunderte lang unter auferlegten Herrschaften leiden mussten, scheint es ihnen Freude zu bereiten, selbst denjenigen Menschen zum Präsidenten zu wählen, über den sie dann in der Kneipe schimpfen werden.

Und sie können zwischen einem Weißen, einem Dunkelhäutigen und einem Juden wählen. Mal schauen, welcher von den drei die Wahl gewinnt, um dann die tiefe Unzufriedenheit des ganzen Volkes an sich zu ziehen…

Den unverfälschten Bericht über die Präsidentenwahl kann man hier verfolgen:

http://www.tagesschau.de/ausland/tschechien246.html

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare.

  1. Das ist ja wirklich eine interessante Wahl, und wir können ein wenig spekulieren, ob die Tschechen eine klügere Wahl treffen, als vormals ihre sog. Eliten.
    Wen hätten wir in einer Direktwahl zum Bundespräsidenten gekürt?
    Hätten wir vielleicht neben einer Bundeskanzlerin nun auch eine Bundespräsidentin?

    • Gute Frage…
      Und hätten wir uns auch gewünscht, dass die Bundespräsidentin der Bundeskanzlerin stellvertretend für uns auch mal Klartext sagt?

      • Klartext? Aber ganz sicher hätte sie das getan- schon aus Konkurrenzgründen.Wer ist die “Schönste” im ganzen Land ist eine Frage, die vieles bewegt.Es geht um “Resonanz” und ein starkes Interesse daran, sich selbst als “Verursacherin” zu sehen.Während die Herren Resonanz eher bei sich selbst und ihren politischen Gegnern suchen, liegt den Frauen mehr an Rückmeldungen aus der Bevölkerung.Die Umfragewerte der Kanzlerin zeigen ja deutlich, wo sich für sie der Resonanzboden befindet.

          • Eine Gefahr für die Demokratie besteht wirklich, sobald der Blick in die gesellschaftliche Realität verstellt wird durch egozentrische Rollenspiele und Selbstbespiegelungen.Die Selbstdemontage der FDP, sowie des designierten Kanzlerkandidaten Steinbrück, der deutlich macht, dass ihm die Regierungsgeschäfte zu wenig “ertragreich” erscheinen, zeugen von alarmierendem Personalmangel.Die Optionen für die Wählergemeinschaft schrumpfen zusammen.Die Mühe, sich mit eigener Stimme noch zu beteiligen, macht sich niemand gerne, wenn alternativlose Einseitigkeit das Angebot bestimmt.

  2. Wir Deutschen hätten doch lieber eine/n Bundeskönig/in, denke ich. Alle paar Jahre zur Wahl gehen, das ist doch schrecklich viel Mühe. Und was das kostet!