Theater

Seine Ideen in eine Frau gesteckt…

Gerbrand Bakker überzeugte im Deutschen Theater mit einem Plädoyer gegen das Duschen im Winter.

Das Deutsche Theater (Berlin) leistet sich einen literarischen Salon in antiker Patina. Als Gastgeberinnen erscheinen Hilal Sezgin & Veronika Peters wie einst Kienzle & Hauser, diese große Poeten. Zuletzt saß Gerbrand Bakker zwischen ihnen. Er stammt aus Wieringerwaard in der Gemeinde Anna Paulowna, aber das weiß ja jeder. Seine Helden vertiefen sich in der Aura mysteriöser Friseurinnen (man könnte auch sagen: auf harten Salonstühlen) in Artikel über die mannigfaltigen Möglichkeiten, Kürbisse dekorativ zu bearbeiten und in Treppenhäusern zu arrangieren.

Sezgin sprach von einem rätselhaften Buch, mit dem sie einige Tage auf ihrer Ranch in der Lüneburger Heide gut ausgekommen sei. (Ihr Landfunk visualisiert sich kontemplativ auch via Facebook.) Die Rede war von „Birnbäume blühen weiß“, im Original heißt der Titel aus dem Jahr 2012 „Perenbomen bloeien wit“. Dabei muss man sich doch immer wieder klarmachen, dass dieses Niederländisch das ursprünglichste Hessisch aller Zeiten ist, denn es war die Kavallerie der Katten (Chatten) die im Zuge einer Sezession vom Fußvolk Bataver wurden. Deshalb heißt es heute noch in niederhessischen Chroniken so grimmig: „Wo Hessen und Holländer verderben, kann kein Mensch was werden“.

Der Autor bekannte, „Birnbäume“ nur geschrieben zu haben, um ein Gedicht von Emily Dickinson zu verstehen. Im Verlauf der Niederschrift kam ihm die Hochachtung vor der Dichterin aus Massachusetts aber abhanden. Ihre Demontage überlässt er im Roman „der Frau aus Holland“, die als Rätselhafte in Wales auftaucht und da von einem Dachs gebissen wird. Ein Fuchs kehrt bei ihren Gänsen ein, „die Überlebenden fraßen ungerührt weiter“.

„Ich habe meine Ideen in diese Frau gesteckt.“

Sezgin kaute mit Bakker an jedem Bed & Breakfast in Wales. Ein Streit über schönste Orte trug ungemein zur Unterhaltung bei. Die britischen Orte besitzen, so Sezgin, „den Charme verkommener Seebäder“. Zum Glück für den veritablen Bodden-Buben Bakker „gibt es keine Teiche in Wales“. Vermutlich meinte er Deiche mit seinen Teichen. „Ein Land ohne Teiche (Deiche) ist für mich wunderbar.“ Im Deutschen Theater las Bakker quer durch den „Birnbaum“, auf Überleitungen verzichtete er: „Ich könnte erzählen, was in der Zwischenzeit passiert ist, aber das mache ich nicht“. In seiner Prosa zieht sich alles hin und alles zieht den Rauch von Zigaretten an. Bei Bakker brennt der Tabak … in minutiösem Erzählen. Er behauptete: „Es gibt nie Katzen in meinen Büchern“. Doch konnte ihm von Veronika Peters eine Katze nachgewiesen werden. Der Autor suchte seine Rechtfertigung: „Aber die wird ganz schnell totgefahren.“

So launig verbreitete sich Bakker über seine Prosa. Nach seinen Begriff „kann jeder einen Roman schreiben“. Er stellte fest: „Man braucht dazu mindestens eine Person, dann baut man die Fenster und Türen ein“. – In den Text. Die wichtigste Person in „Birnbaum“ war zuerst männlich, jedoch „stimmte da was nicht mit ihr“. Die richtige Handlung gab sich zu erkennen erst in der Weiblichkeit ihrer Heldin.

Bakker äußerte sich über seine Arbeitsweise, Eisschnelllauftraining in Abendstunden bereitet die Konzentration am Morgen vor. Der Konzentration förderlich sind außerdem Kaffee und Zigaretten. Gern geht der Autor „ungeduscht“ ans Werk. Daraus machte Bakker dann ein große Sache mit Plädoyer-Charakter. Wie schädlich das Duschen im Winter und auch im Sommer. Der Autor hat einen Zweitwohnsitz hinter den sieben Bergen der Eifel. Dazu und in diesem Zusammenhang Sezgin – aus dem Erfahrungsschatz einer heidschnuckeligen Farmerin: „Stimmts, da sind Sie so gern, weil es gar kein Wasser gibt.“ Zum Abschluss verriet Bakker: „Ich schreibe nie länger als ein halbes Jahr an einem Buch, außer einmal, da hat das Schreiben an einem Buch fünfzehn Jahre gedauert“. Mit diesem Aus-dem-Leben-eines-merkwürdigen-Holländers-Programm könnte Bakker jederzeit auf eine Komödianten-Bühne.

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