Chaos an Deutschen Hochschulen.

Bologna-Prozess: Wo bleibt die Vergleichbarkeit an Deutschen Universitäten?

Der Bologna-Prozess beschreibt eine Studienstrukturreform, die im Jahr 1999 begonnen hat. 29 europäische Länder beteiligten sich an einer umfrangreichen Reform der Hochschullandschaft. Mehr Mobilität, mehr Vergleichbarkeit, verbesserte Berufseinstiegschancen.

10 Ziele sollten zu einer Verbesserung der Studienqualität, zu mehr Felxibilität und zur Anerkennung der Studienabschlüsse einzelner Universitäten beitragen:

    • Einführung eines Systems mit leicht verständlichen, vergleichbaren Abschlüssen
    • Schaffung eines zweistufigen Studiensystems (Bachelor/ Master)
    • Etablierung eines Leistungspunktesystem ( European Credit Transfer System (ECTS))
    • Förderung von Mobilität
    • Unterstützung der Zusammenarbeit im Bereich Qualitätssicherung
    • Förderung der europäischen Dimension in der Hochschulbildung
    • Vorantreiben des Aspektes „lebenslanges Lernen“
    • Intensivierung und Einbeziehung von Studenten in den Reformprozess
    • Internationale Steigerung der Attraktivität der europäischen Hochschulebene
    • Einbeziehung der Doktorantenausbildung in den Prozess

(Dazu mehr in: Klomfaß, S. (2011): Hochschulzugang und Bologna-Prozess. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften)

2013, mehr als 10 Jahre nach dem Beginn des Bolognaprozess fragt man sich: Wo ist die angestrebte Vergleichbarkeit geblieben?

Die Einführung des zweistufigen Studiensystems hat zu einer Spaltung der Hochschullandschaft geführt. Immer mehr Bachelorabsolventen beklagen, nach Abschluss ihres Studiums geringe Berufseinstiegschancen zu besitzen. Der Einstieg gestaltet sich oft schwer. Die Kenntnisse eines Bachelorabsolventen seien nicht ausreichend für komplexere Aufgaben, jedoch zu überqualifiziert für sonstige Tätigkeiten. Bachelorabsolventen stehen daher häufig in Konkurrenz zu Praktikanten oder studentischen Hilfskräften, die Unternehmen aus wirtschaftlicher Perspektive kostengünstiger belasten.

Die Alternative: Aufnahme eines Masterstudiums. Doch auch hier zeigt sich, dass die Reformen der Hochschullandschaft längst nicht die Vergleichbarkeit erreicht haben, die zum Zeitpunkt der Verhandlungen vorgesehen waren.

Einstiegsbarrieren, diverse Bewerbungsverfahren und Auswahlkriterien sowie unterschiedliche Grundausbildungen im Bachelorstudium erschweren den Zugang zu den Masterangeboten. Die versprochene Mobilität – nur begrenzt. Die Vergleichbarkeit – nicht gegeben.

Hinzu kommt, dass auf eine Vielzahl an Bachelorstudiengängen nur wenige Angebote eines Masterstudiums entfallen. Wenig verfügbare Kapazitäten an Deutschen Universitäten erschweren den Zugang. So ist es nicht verwunderlich, dass die Durchschnittsnote (NC) für den Zugang von Jahr zu Jahr steigen.

Es stellt sich also die Frage – konnte die Reform des Bolognaprozess greifen? Oder wäre es nicht sinnvoll, eine neue Debatte über eine mögliche Reform der Reform zu beginnen?

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar.

  1. Ein ausgezeichneter Beitrag!
    Er zeigt eigentlich das Versagen unserer Flickenteppich-Bildungspolitik.
    Jeder (jede Uni etc.) macht offensichtlich was er will.
    Damit drückt sich Deutschland vor seinen selbst eingegangenen Verpflichtungen.

    Bildung ist wichtig.

    mfG