LITERATUR

Auf den Spuren der Literatur – Teil 58

Neben den deutschsprachigen Dichtern, die eine geziemende Rolle in der Literatur Europas und der Welt einnehmen, dürfen wir uns einmal wieder den anderen europäischen Poeten zuwenden. Sie haben sehr viel zur Moderne beigetragen und ohne sie wäre eine solche Entwicklung nicht sichtbar. Neben Ezra Pound oder T.S. Eliot zählt dazu Charles Baudelaire.

Photo: birgitH, via pixelio.de

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Charles Baudelaire

Die Pfeife

Eines Schreibers Pfeife bin ich,
Ihr erkennt an meinem Leib,
Der dunkel wie ein Kaffernweib,
Mein Herr raucht meisterlich.

Hat ihn der Kummer unterjocht,
Dann qualm ich wie ein Ofenschlot,
Wenn auf dem Herd beim Abendrot
Das Mal für einen Bauern kocht.

Sein Herz umschmeichle ich und schaukle
In losen Netzen, blau und rund,
Entstiegen meinem Feuerschlund.

Die Seele ich mit Trost umgaukle,
Dass wie verzaubert und belebt
Sein matter Geist sich frisch erhebt.

(Charles Baudelaire, „Les Fleurs du Mal/Die Blumen des Bösen“, Reclam, modifiziert)

Interpretation

Neben den deutschsprachigen Dichtern, die eine geziemende Rolle in der Literatur Europas und der Welt einnehmen, dürfen wir uns einmal wieder den anderen europäischen Poeten zuwenden. Sie haben sehr viel zur Moderne beigetragen und ohne sie wäre eine solche Entwicklung nicht sichtbar. Neben Ezra Pound oder T.S. Eliot zählt dazu Charles Baudelaire.

Charles Baudelaire war in seiner Jugend, – er lebte von 1821 bis 1867 -, vornehmlich in Paris, ein unglücklicher Mensch, unruhig oft und starb schon mit 46 Jahren an einem Schlaganfall. Seine Mutter pflegte ihn ein Jahr lang.
Was ihn schließlich so bekannt machte und noch immer macht, ist seine extravagante, sehr intellektuelle Art der Poesie, die als vorbildlich, in die Moderne führend, angesehen wird.
Man schreibt oft, dass er dem „ poetischen Realismus“ zugehört, bzw. diesen propagiert hat und etliche seiner Nachfolger, vor allem in Frankreich (Verlaine, Mallarmee) aber auch in Deutschland (George) hatten ihn wohl als Vorbild.
Nicht nur die Form ist es, so meinte er, auch die Ästhetik von Poesie sei ausschlaggebend. Man könne nämlich mit der Dichtung Reales verbinden mit dem, was wir Sehnsucht nennen, so er und einige Kritiker über sein Schaffen.
An seinem Hauptwerk, „Les Fleurs du Mal“ („Die Blumen des Bösen“) hat er ein Leben lang gefeilt. Sein Ruhm kam aber später, erst nach seinem relativ frühen Tod.
Natürlich wurden einige Gedichte aus diesem Hauptwerk auch schon zuvor in Zeitschriften veröffentlicht, aber sie fanden keinen rechten Widerhall außer bei Kennern.
Dann aber wurde plötzlich kräftig zensiert und somit trat das Werk seinen Siegeslauf langsam an.
Wie gesagt, die Forme ist nicht allein entscheidend, meinte er und trotzdem: Baudelaire verwendet neben dem freien Stil (der immer eine gehörige Metrik aufweist) oftmals das Sonett-Muster.
Auch in diesem kleinen Gedicht „Die Pfeife“ ist es ein Sonett, was berückt. Die Aussage über ein Ding wie die Pfeife enthält hier so viele Bezüge (bis hin zu sozialen Einstellungen, die mit Inbrunst verfolgt werden), dass man sich nur wundert.
Wer sich mit dem Hauptwerk „Les Fleurs du Mal“ („Die Blumen des Bösen“) beschäftigt, wird sein Wissen und seine Einstellung um die Welt und zur Welt, zum Menschen und zur Natur gewiss überprüfen. Somit ist dieser einst gezeichnete, aber immer zu sich stehende Poet aus Frankreich einer von uns, allerdings auch ein Genie, was nicht jeder von sich behaupten kann.

Photo: birgitH, via pixelio.de

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