KOMMENTAR

Seit wann gibt es die Armut und den Terror?

Diese Frage sollten wir uns spätestens dann stellen, wenn wir nach dem kausalen Zusammenhang zwischen der Armut und dem Terror suchen. Führt die Armut zwangsweise zum Terror?

Zum Artikel:

In seinem Artikel: terror-ist-nutzlich-ein-phanomen-der-armut-bringt-profit behautet ein Journalist mit einem gewissen Verständnis für den Terror: „Der Terrorismus ist – wo immer auf der Welt – ein Phänomen der Armut.“ Und kritisiert dabei berechtigter Weise die Tatsache, dass für den Wirtschaftlichen Ausbau in Mali nur 13,6 Millionen Euro verliehen, während für den Kampf gegen den Terror gleich 338 Millionen Euro großzügig gespendet werden.

Seit wann gibt es die Armut?

Die Armut wurde schon in den dunklen Urzeiten der Menschheit erfunden. Bereits die ersten Wesen, die wir als Menschen bezeichnen können, z.B. die Neandertaler, waren sehr arm. Sie hatten im Vergleich zu uns praktisch nichts außer ihrem Hunger. Und natürlich führte die Armut der Urmenschen zu vielen Kriegen untereinander. Weil es damals die einzige Möglichkeit war, die Frauen, Kinder und die übrige Habe eines anderen Stammes zu erbeuten. Damals gab noch keinen anständigen Handel, also auch keinen Handel mit Frauen oder Kindern. Deswegen mussten die Urmenschen mit kriegerischen Mitteln ihre begehrte Ware für sich erbeuten. Sonst wären sie all zu arm geblieben.

Noch vor hundert Jahren war die Armut in Europa, Amerika, wie auch auf der ganzen Welt viel verbreiteter und tiefgründiger als heute. Die Armut begleitet uns also von Urzeiten bis in die heutige Zeit. Das ist womöglich der Grund dafür, warum uns die Armut oft als etwas sehr primitives und rückständiges vorkommt.

Seit wann gibt es den Terror?

Vor hundert Jahren war der Terror in Europa, Amerika, wie auch auf der ganzen Welt noch nicht so sehr verbreitet wie heute. Trotz der breiten Vielfalt an rückständiger Armut. Der Terror ist also etwas sehr modernes. Der Terror gehört zweifelsfrei in unsere aufgeklärte Zeit. Genauso wie auch der Kampf gegen den Terror in unsere moderne Zeit gehört. Das merkt man allein an den technischen Erfindungen, die im Kampf gegen den Terror angewendet werden.

Daher hat der Terror mit der urtümlichen Armut wahrscheinlich nicht viel zu tun. Der Terror hat eher mit der Bildung zu tun. Schließlich müssen die potentielle Terroristen zu wahren, echten Terroristen aufwendig ausgebildet werden. Und dafür gibt es die verschiedenen Ausbildungslager, die auch irgendwie finanziert werden müssen. Also nichts mit Armut…

Hat der Terror eher religiöse als armselige Gründe?

Das könnte sich fast jeder unvoreingenommene Beobachter vorschnell denken. Der Terror scheint sehr religiös motiviert zu sein, vor allem durch den Islam. Die Buddhisten in China – in Tibet – verbrennen sich eher selbst. Anstatt möglichst viele andere Menschen mit in die Luft zu sprengen, wie es allein in Pakistan immer wieder passiert.

Doch eines der ärmsten Länder auf der Welt ist Bangladesch. Ein Land, das aufgrund der muslimischen Bevölkerungsmehrheit bei der Teilung Britisch-Indiens unter der Bezeichnung Ostpakistan zum östlichen Landesteil Pakistans wurde. Bis sich dieses arme Land seine Unabhängigkeit von Pakistan erkämpft hat. Und seitdem ist Bangladesch nur noch sehr arm und islamisch. Und trotzdem findet dort kein Terror statt, über den wir in den Zeitungen immer wieder lesen könnten. Auch werden in Bangladesch wegen der Armut keine Terroristen ausgebildet. Man kann sich ja die Bildung dort nur schwer leisten.

Woher kommt dann der Terror?

Der Terror ist das Ergebnis eines gnadenlosen Konkurrenzdenkens! Zum Beispiel zwischen den Iren und den Engländern, den Muslimen und den Andersgläubigen, aber auch zwischen den Muslimen und Muslimen, Christen und Christen wie auch zwischen den Serben und den Kroaten. Und selbst wenn die Einen deutlich reicher sein sollten als die Anderen, es geht um das Konkurrenzdenken, das sich zum Terror und zum Krieg wappnet. Während die wirklich Armen eher als Bettler Karriere machen.

Die Schwerter_zu_Pflugscharen umzugestalten, das ist keine gute Anleitung zum Terror. Es ist eindeutig besser, viele an sich friedliche Nägel in eine selbstgebastelte Bombe rein zu tun, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen. Hinter dem Terror einer Terrorzelle die Armut zu vermuten ist eine gedankliche Sackgasse.

Wir müssten dann nämlich auch schreiben können:

„Der Terrorismus ist – wo immer auf der Welt – ein Phänomen der Armut – auch bei der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle!“

Doch so einen Quatsch würde kein Journalist schreiben…

Hinter dem Terror ist der Hass leichter zu finden als die Armut

Ob in Deutschland, Nordirland oder in andern vertrauten Gegenden der Welt – hinter dem Terror versteckt sich der unverblümte Hass. Wie sich der Hass entwickelt und hochgeschaukelt hat, das muss man in der jeweiligen Gegend studieren – wo immer auf der Welt…

Kommentare

Dieser Artikel hat 9 Kommentare.

  1. “Hinter dem Terror ist der Hass leichter zu finden als die Armut.”
    Das ist schlicht die Wahrheit; und mehr gibt es dazu kaum zu sagen.
    Oder doch? Das wäre dann aber wieder ein anderes Thema.

  2. Wenn einer anderen schreibend etwas mitteilt, dann macht ein Mindestmaß an Kenntnis Sinn. Aber, z.B. Bangladesch:

    2012 Oktober: Die US-Bundespolizei FBI hat nach eigenen Angaben einen Bombenanschlag auf das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in New York vereitelt. Die Behörden nahmen einen 21 Jahre alten Mann aus Bangladesch fest, der mit dem Terrornetzwerk Al Kaida sympathisiert haben soll

    Drei Bomben explodierten am Dienstag (Mai 2007) zeitgleich in verschiedenen Bahnhöfen des Landes (Bangaldesch). Die Armut des südasiatischen Staates gilt als idealer Nährboden für Aktivitäten von al-Qaida. Indien und die USA fürchten, das Land werde zu einem Sammelbecken für Militante.

    Nicht zum ersten Mal wird Bangladesch zum Terrorschauplatz: Im August 2005 explodierten über 300 handgemachte Sprengsätze zeitgleich in 50 verschiedenen Städten über das ganze Land verteilt. Drei Menschen kamen dabei ums Leben. Damals hatte sich eine verbotene radikale Gruppe namens Jamatul Mujahideen Bangladesh (JMB) zu den Anschlägen bekannt.

    Und so fort.

    • Es ist immer gut zu recherchieren…

      Ich verstehe aber immer noch nicht, wie
      “über 300 handgemachte Sprengsätze zeitgleich in 50 verschiedenen Städten über das ganze Land verteilt.”
      das Problem des Hungers und der Armut lösen können. Es gibt zwar nach der Explosion spürbar weniger hungernde und arme Menschen, aber…

      Das gilt auch für
      “Drei Bomben explodierten am Dienstag (Mai 2007) zeitgleich in verschiedenen Bahnhöfen des Landes (Bangaldesch)”

      Weiterer Zitat:
      “Die US-Bundespolizei FBI hat nach eigenen Angaben einen Bombenanschlag auf das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in New York vereitelt. Die Behörden nahmen einen 21 Jahre alten Mann aus Bangladesch.”

      Wie kommt ein armer, hungriger Mann von Bangladesch bis nach New York, um dort die US-Notenbank auszurauben???

      Es ist gut, bei jedem recherchierten Fall von Terror auch nach der Armut zu recherchieren – vor allem dann, wenn man die Recherche bereits bravourös beherrscht.

      Die deutsche Armee wird mühsam eine Berufsarmee. Und wenn die deutschen Soldaten demnächst irgendwo auf der Welt brutal vorgehen sollten, dann wird auch der Schluss nahe stehen, dass sie es aus der Armut heraus gemacht haben – die Armut hat sie zum Militär getrieben…

      • Ohne die Hass- gegen die Armutstheorie ins Feld führen zu wollen, bleibt festzustellen, dass die gut organisierten Terrornetzwerke, die in New-York so erfolgreich agieren konnten, gebildete Menschen aus dem akademischen Milieu waren.Die Sauerlandgruppe hierzulande kam ebenfalls aus der sog. Mittelschicht.Hatten diese Terrorgruppen sich dem Kampf gegen die Armut verschrieben? Wenn ja, haben sie das verdammt schlecht kommuniziert.

    • Bangladesch – als Volksrepublik mit Verfassung:

      “Die Verfassungsväter des neuen Staates Bangladesch meinten es gut: Sie wollten dem Land eine substantielle demokratische Ordnung geben und schrieben Demokratie neben Säkularismus, Nationalismus und Sozialismus als grundlegende Staatsziele fest. ”

      Doch die Verfassung wurde oft geändert:

      “Beispiele für wichtige dauerhafte Veränderungen sind die Proclamation Order No. 1 (1977), durch die das staatstragende Prinzip des Säkularismus durch die Formel “absolut trust and faith in the Almighty Allah …” ersetzt wurde, sowie die achte Verfassungsergänzung, die dem Islam den Rang einer Staatsreligion verlieh.”

      Und weiter:

      “Am 7. März 2011 wurden die Nationalen Richtlinien zur Förderung von Frauen verabschiedet, die neben Befürwortung durch große Teile der Zivilgesellschaft auch Kritik erhielt, weil sie nicht weit genug geht. Zu heftigen Reaktionen kam es seitens dogmatischer islamischer Kräfte.”

      Und nun zu Menschenrechten:

      “Gewalttätige Übergriffe gegen ethnische Minderheiten, ungesühnt bleibende Vergewaltigungen von Frauen, Zigtausendfaches Leid von Kinderarbeitern, die teilweise in Schuldknechtschaft ein hartes und kurzes Leben führen müssen, oder extralegale Exekutierungen sind nur einige Beispiele für Menschenrechtsverletzungen, die unabhängig von politischen Regime seit der Unabhängigkeit des Landes begangen wurden. Wer als Bangladescher darüber berichtet, riskiert sein Leben. Manche, wie der Fotojournalist Akash, mussten ihr Land gar verlassen, weil sie Morddrohungen erhielten.”

      Und noch viel, viel mehr, z.B. auch über die Korruption, die ja schließlich auch zur Armut gehört:
      http://liportal.giz.de/bangladesch/geschichte-staat.html
      Natürlich nur für diejenigen, die es interessiert…

    • Was ist ein Organ? Ich dachte, das kommt alles von der Pfeife. Von der Friedenspfeife. Wenn sie nicht richtig qualmen will, dann kriegt man Hass. Auf die Pfeife und alles drumherum…

  3. albert: als echter detuscher, solltest du begriffe wie frieden gar nicht in den mund nehmen. du und deine genrationen sollten sich noch 100 jahre schämen. deine nation hat explizit bewiesen, dass man auf der basis von angsmachenden strategien soviel wut und verachtung erzeugen kann, um die niedrigen beweggründe des beutemachens zu legitimieren. aus deiner vollgefressen situation läßt sich gut über frieden schwafeln – wenn du mal in afghanistan, uganda oder anderen staaten warst, würdest du vlelleicht verstehen, dass diese länder grundsätzlich eine legitimation für ihren hass haben. standard oil ist der faschist. faschisten schlägt man tot.