Ein Traditionsverein in der Krise

Schalke am Ende?

Geht es noch weiter in den Keller? Schalke 04 verlor zu Hause 1:2 gegen Greuther Fürth. Die heutigen Fürther und ehemaligen Schalker Asamoah und Büskens wurden von den Fans gefeiert. Den Schalker Fans. Die jubelten ihren alten Lieblingen zu und ließen die eigenen Spieler im Regen stehen.

Bemerkenswert: Der von vielen Experten für den besten Schalker Spieler gehaltene Lewis Holtby kickt inzwischen in der englischen Premier League für Tottenham Hotspurs. Holtby zeigte am Sonntag nach seiner Einwechslung für den verletzten Jermain Defoe eine vielversprechende Leistung und verhalf seiner neuen Mannschaft zu einem 1:0-Auswärtssieg gegen West Bromwich Albion.

Ca. 1,8 Millionen Euro bekam Schalke für eines der größten Talente im deutschen Fußball, das zudem aktueller Kapitän der deutschen U21-Nationalmannschaft ist. Manager Horst Heldt ist für diesen Transfer laut Medienberichten extra nach London geflogen. Diese Reise hätte er sich besser gespart. Zwar wäre Holtby im Sommer ablösefrei nach England zu den “Spurs” gewechselt, der Vertrag bis 2018 war bereits in trockenen Tüchern. Doch ob es sich Schalke leisten konnte, einen solchen Spieler vorzeitig abzugeben? Der Schalker Trainer Jens Keller (heißt wirklich so) wird sich seinen Teil gedacht haben, als Ende Januar in Sachen Holtby-Transfer Vollzug gemeldet wurde. Hoffentlich erinnert ihn niemand daran, dass die Schalker demnächst gegen Galatasaray Istanbul in der Champions League antreten müssen.

Der Traditionsklub aus der Türkei hat sich kürzlich mit Wesley Sneijder und Didier Drogba verstärkt und dürfte dadurch bestimmt nicht schlechter geworden sein. Im Gegensatz zu den Schalkern, deren Leistungskurve seit der Ablösung von Huub Stevens stetig (weiter) bergab geht. Eine Offenbarung war diesbezüglich die Aussage des Schalker Spielers Jermaine Jones, der direkt nach dem Spiel vom Wochenende in einem Interview sein Missfallen darüber zum Ausdruck brachte, dass die Ex-Schalker Asamoah und Büskens umjubelt und die jetzigen Schalker Spieler gnadenlos ausgepfiffen wurden. Jones’ Anklage offenbart die Ratlosigkeit innnerhalb des Schalker Teams, wie diese zusammengewürfelte Mannschaft wieder in die Spur kommen soll.

Inzwischen hat Schalke zwar mit dem Erlös aus dem Holtby-Transfer mit Michel Bastos einen vermeintlichen Ersatz für Holtby verpflichtet, der im Spiel gegen Fürth als einer der wenigen Schalker Spieler zu überzeugen wusste: Er schoss das 1:0 mit einem wuchtigen Linksschuss. Die Fachzeitschrift “Kicker” äußerte sich in Bezug auf den Brasilianer in ihrer Ausgabe vom 4. Februar 2013 gar überschwänglich: “Fußballerische Klasse, professionelle Reife, demonstraives Selbstbewusstsein – trotz Sprachbarriere verströmt Bastos die Aura einer Führungspersönlichkeit”. Klingt genau nach dem Spieler, den Schalke jetzt braucht. Doch wird er allein es richten können? Wohl kaum. Zumal Holtby das ganze Feld “beackerte” und Bastos “nur” ein Mann für die linke Außenbahn ist, der zudem – wenn man den Medienberichten glauben darf – Defensivschwächen aufweist. Auch der bereits Mitte Januar von Dynamo Kiew bis Saisonende ausgeliehene Raffael hat seine Stärken in der Offensive, dafür war er bereits als Spieler bei Hertha BSC Berlin (2008-2012) bekannt. Sein größtes Manko: Er kann in der Champions League nicht eingesetzt werden, da er zuvor bereits für Dynamo Kiew in diesem Wettbewerb gespielt hat.

Schalke ist in der Defensive und braucht dringend einen Befreiungsschlag. Geht es weiter in den Tabellenkeller, dann wird der Trainer nicht mehr lange Keller heißen. Auch wenn der Schalker Manager Horst Heldt dem Trainer aktuell noch zur Seite springt: “Ich handle nicht gegen meine Überzeugung. Jens (Keller) leistet gute Arbeit. Er wird bis zum Saisonende sicher unser Trainer bleiben” (“Kicker” vom 4.2.13). Solche Treueschwüre sind in diesem Geschäft meist der Anfang vom Ende. Vielleicht will Heldt ja auch seinen eigenen Kopf retten. Er war es nämlich, der den Trainer der Schalker U17- Mannschaft Jens Keller kurz vor der Winterpause völlig überraschend zum Cheftrainer befördert hatte. Aus Überzeugung, wie er seitdem mehrfach mitteilte. Bleibt Heldt bis zum Saisonende dabei, riskiert er am Ende auch seinen eigenen Job. Denn das bittere Ende für Schalke – das Verfehlen eines internationalen Startplatzes für die nächste Saison und das Ausscheiden im Achtelfinale der Champions-League in dieser Saison – ist abzusehen. Dann folgt wieder ein kostspieliger Neuaufbau. Und Felix Magath wird wieder Trainer. Nein, das nun nicht. Denn das wäre dann für den Verein wirklich das Ende.

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