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Berlinale: Alles fliegt – Wie die Chinesen Sprit sparen

Scharfe Luftzüge wehten durch das Berlinale-Kino, Körper flogen auf der Leinwand durch die Gegend: Wong Kar Wai, chinesischer Starregisseur und Jury-Präsident der Berlinale, hatte zum Auftakt des Festivals die Kung-Fu Meister losgelassen.

(Foto: SpreePiX - Berlin/flickr)

(Foto: SpreePiX - Berlin/flickr)

Zwei Stunden Akrobatik, zwei Stunden manierierte Ästhetik, zwei Stunden stilisierte Langeweile und für keine drei Cent eine Story geschweige denn Geschichte. Immerhin spielte “The Grandmaster”, der Film über den legendären Kung-Fu-Meister Ip Man, vor dem Hintergrund des großen Japanisch-Chinesischen Krieges, jener brutalen Invasion der japanischen Armee, die ein paar hunderttausend Tote gekostet hat und im asiatischen Großraum die Geschichte verändern sollte. Denn im Gefolge des Krieges befreite sich China nicht nur von Japan und anderen ausländischen Mächten, das Land sollte auch mit dem Sieg Mao Zedongs im Bürgerkrieg zum China der Neuzeit werden. Von solch lästigem Beiwerk hat sich der Film wirklich gründlich befreit.

Selbst wenn nach einer guten halben Stunde Film mal ein paar japanische Uniformen ins Bild kamen: Bis dahin und unmittelbar danach fanden die Kampfhandlungen ausschließlich zwischen Kung-Fu-Meistern unterschiedlicher Gegenden und Kampfstile statt. Mit einem festgeklebten, wissenden Dauergrinsen ausgestattet, mühte sich der eigentlich großartige Schauspieler Tony Leung ab, die Hauptfigur Ip Man darzustellen. Aber was sollte der arme Mann machen, der ständig vor reich vergoldeter Kulisse in die Luft springen musste oder seinen Gegnern zu Luftsprüngen verhalf? Auch seine kurzzeitige Gegenspielerin, Gong Er (Zhang Ziyi) hielt sich weitgehend in luftigen Höhen auf und beide kämpften mal um die Ehre, dann um den besseren Stil und später auch gegen Verrat. Denn der von Beginn als besonders böse zu erkennende Ma San (Zhang Jin) guckte immer so tückisch und kollaborierte mit den Japanern. 

Zwischendurch gelangen dem Regisseur immer wieder beindruckende, suggestive Bilder, zumeist solche im Winter und im schönen Ort Slow-Motion: Mal eine Landschaft wie in einer dieser Schneekugeln gefangen, dann wieder eine Trauerzug in Weiß, der sich theatralisch durch den Schnee schleppte. Nicht schlecht auch jene Massenschlägereien, die intensiv an die gute Tradition der Prügeleien in den Saloons solider amerikanischer Western erinnerten. Wohl deshalb kommt auch ein Showdown auf Chinesisch vor, bei dem sich der Betrachter allerdings fragt, ob der schwere, teure Zobelmantel von Gong Er beim Kung-Fu nicht eher lästig gewesen ist. 

Die Berlinale hat, mal wieder, mit einem Marketing-Stück außer Konkurrenz begonnen. Denn sicher kommt das Kampfkunst-Drama bald in die deutschen Kinos, da senkt die Präsentation auf dem Festival deutlich die Werbekosten. Vielleicht aber ist “The Grandmaster” auch eine gut gemeinte, chinesische Wirtschaftshilfe. Leiden doch zur Zeit alle deutschen Fluggesellschaften unter hohem Kostendruck. Und ganz sicher wäre es Sprit sparend, wenn die Fluggäste künftig einen Teil der Strecke aus eigener Kraft in der Luft zurück legen könnten. So darf man “The Grandmaster” durchaus auch als ökonomisches Lehrstück begreifen. Danke Wong Kar Wai.

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