KOMMENTAR

Obama lässt morden – Der asymmetrische Krieg kennt keine Regeln

“Mit chirurgischer Präzision und Laser-genauem Fokus können wir damit den Krebstumor namens Al-Kaida-Terrorist ausschalten.” Das erzählt, stolz grinsend, der von Präsident Obama gewünschte CIA-Chef John Brennan. Noch sitzt er im Keller des Weißen Hauses und leitet den Drohnen-Einsatz, die angeblich genau gezielte Tötung von Terroristen. Wer Terrorist ist, entscheidet er. Ein Verfahren, gar ein Gericht oder so etwas wie die Genver Konvention kennt dieser Techno-Mord nicht.

(Foto: United States Government Work/flickr)

(Foto: United States Government Work/flickr)

Dass es in diesen Tagen ein wenig Aufregung um die Hinrichtung von möglichen Terroristen gibt, verdankt die Öffentlichkeit der Tatsache, dass es auch amerikanische Staatsbürger erwischt hat. Für die sollte doch das amerikanische Gesetz mit seiner Unschuldsvermutung gelten, meinen einige US-Kongressabgeordnete.
Für den Rest der Welt gilt offenkundig gar nichts: Seit Obamas Amtsantritt wurden rund 400 Drohnenangriffe in Pakistan, im Jemen und in Nordafrika durchgeführt: Insgesamt 3000 Menschen starben, darunter sollen 50 Al-Kaida-Terroristen gewesen sein. Bleiben, wenn man den Zahlen glauben darf, 2950 Kollateral-Menschen aller Art. Frauen, Kinder, Omas und Opas. Auch die deutschen Medien sorgen sich ein wenig um die amerikanischen Opfer. Geradezu niedlich nennt die FRANKFURTER RUNDSCHAU den Keller-Killer John Brennan “Drohnen-Papst”, als habe er dann und wann Segnungen zu exekutieren und nicht lebendige Menschen. Ein Lohnschreiber des Berliner TAGESSPIEGEL weiß von den “Drohnen der drei Tauben”, weil die neuen Drohnen-Verantwortlichen der US-Regierung keine Falken seien sonder eher auf Dialog setzen würden, und die unglaublich linke TAZ titelt gar “Legale Lizenz zum Töten”. Das wird der Autor sicher für witzig halten.

Schon seit langem tobt der asymetrische Krieg weltweit. Ein Krieg, der unter dem Etikett “Terrorismus” keineswegs das Wesen dieser Auseinandersetzung begreift. Das Bild des Terroristen wird im ach so zivilisierten Westen vom bärtigen, islamischen Glaubenskrieger bestimmt. Dass es hinter diesem Schreckensbild schlichte soziale und ökonomische Wirklichkeiten gibt, dass es sich natürlich auch um einen Rohstoff-Krieg handelt, in dem die hochgerüsteten westlichen Armeen, die nicht von den Afghanen, den Pakistani oder den Jemeniten in ihr Land eingeladen wurden, einer schlecht bewaffneten Guerilla gegenüberstehen, darüber schreibt man ungern. Aber am Beispiel Afghanistan ist schnell zu begreifen, dass die Taliban zum Beispiel ziemlich gut in der afghanischen Bevölkerung verankert sind. Sonst gäbe es sie, angesichts des Milliardenaufwands, den der Westen zu ihrer Vernichtung betreibt, schon lange nicht mehr.

Die wesentliche Drohnenbasis der USA liegt in Saudi Arabien. Das dort herrschende wahabitische System, mit seiner brutalen Frauenunterdrückung, seiner Todesstrafe bei Glaubenswechsel, Homosexualität oder Ehebruch und die tägliche Folterpraxis in der saudischen Diktatur entsprechen genau jenem Terrorismus gegen die eigene Bevölkerung, der von den USA angeblich bekämpft wird. Es sollte müßig sein zu erwähnen, dass die tapferen Anti-Terror-Kämpfer in Deutschland dem Saudi-Regime nur zu gern Waffen aller Art liefern. Aber diese Doppel-Moral spielt in der deutschen Debatte eher eine geringe Rolle. Über die aus Saudi Arabien verschossenen Drohnen weiß der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, zu faseln: “Diese Angriffe sind legal, sie sind ethisch korrekt und sie sind klug.” – Und die Erde ist eine Scheibe.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare.

  1. asymetrische krieg ist auch so eine floskel, die hier linguistisch verwendet wird, um sachkenntnisse zu demonstrieren. der begriff selbst schon hat den sterilen charakter wie die killende drohne.

    • Der Begriff “asymetrische Krieg” nennt den Kampf ungleicher Kräfte ehrlicherweise “Krieg” und betont die Ungleichheit der Kräfte. Was soll daran Floskel sein? Nichts.

  2. 04.01.2013 – Drohnen – das sind die Hauptwaffen der Amerikaner, zumindest für die nächsten zehn Jahre. Dies ist das
    Fazit eines internen Strategie-Papiers des Pentagons an Präsident Obama. Heute schon – so das Papier – verwenden die Heere, Polizei- und Überwachungskräfte von 50 Ländern Drohnen im täglichen Einsatz. Und der Club wird rasant grösser. Vor allem die kleinen, preiswerten Drohnen sind auch für die Leute auf dem Schlachtfeld zum ständigen Etat geworden.

    Erstmals in der Geschichte der amerikanischen Streitkräfte werden mehr Piloten an den Drohnen ausgebildet als in „echten“ Kampfflugzeugen! Heute besitzen die USA bereits über 7’500 (!) Drohnen. Das sind über 40 Prozent aller Flugzeuge des US-Verteidigungsdepartements.

    Amerika betreibt derzeit drei verschiedene Drohnenprogramme.

    Offiziell bekannt ist nur jenes der Luftwaffe, das vor allem in Afghanistan den Bodentruppen hilft. Die Drohnen begleiten die Truppen auf dem Felde und schalten allfällige Angreifer, die von oben (leichter) zu orten sind, „blitzschnell“ aus.

    Die zwei anderen Programme – das des Geheimdienstes CIA und das des Joint Special Operations Command – sind noch geheim. Sie dienen dem Kampf gegen den Terrorismus, überwachen Verdächtige und töten sie allenfalls auch. Diese Programme
    haben zum Teil schon unter George W. Bush begonnen, unter Barack Obama ist die Zahl der Einsätze aber
    richtiggehend explodiert.

    Es begann in den neunziger Jahren im Krieg auf dem Balkan. Dort betrieben einige Drohnen Aufklärungsarbeit, von deren Bewaffnung war noch lange nicht die Rede. Die Tötung von Sinan al-Harithy am 3. November 2002 in Jemen gilt als erster tödlicher Einsatz einer Kampfdrohne.Er sass mit fünf weiteren Männern in einem Auto, das von einer Hellfire-Rakete getroffen wurde…

    Inzwischen sind ganze militärische Abteilungen geschaffen worden. In abgeschirmten US-Stützpunkten werden die Drohnen von Airforce-Kampfpiloten gesteuert. Sie haben bereits einen makabren Übernamen erhalten: „Compat Commuters“, Gefechtspendler! Morgens pendeln sie im Auto zum Stützpunkt zur Arbeit, sitzen vor einer Wand voller Bildschirme, fliegen ferngesteuert ein Kampfflugzeug in Tausenden Meilen Entfernung und schiessen Raketen auf Feinde. Dann holen sie die Kinder von der Schule ab, kaufen im Supermarkt noch ein und verbringen einen friedlichen Familienabend.

    Die wirkungsvollste Drohne ist der „Reaper“ (Sensenmann) mit einer Spannweite von 20.1 Metern, einem Zuladungsgewicht von 4’750 kg und einer endurance (Fähigkeit, in der Luft zu bleiben) von 30 Stunden. Er kann bis auf 15’000 Meter steigen und ein Gebiet von 450 Quadratkilometer bestreichen. Mit seinem rotierenden multispektralen Sensor kann er jede Autonummer lesen, feststellen, ob ein beobachteter Mann einen Stecken, ein Stativ (Kameramann) oder ein Gewehr trägt. Die US Airforce besitzt bereits 100 Reaper, die CIA eine noch unbekannte Zahl. Dieser Tage hat die CIA beschlossen, bis 2015 jährlich weitere
    48 Reaper zu kaufen. Die deutsche Luftwaffe beschafft derzeit den Euro Hawk (Habicht) mit einer Spannweite von 40 Metern. Er soll bis 28’300 Meter hoch steigen können und 570 km/h schnell sein.

    „Alles erst ein Anfang“ lässt uns ein befreundeter Airforce-Pilot aus der Studienabteilung wissen…

    Verkürzt aus Vertraulicher Schweizer Brief