ENERGIEWENDE

Nach dem Aus von Öl und Erdgasheizungen in Dänemark

Am 01. Januar 2013 war es soweit, die erste Stufe der Heizungsbremse ist Dänemark wurde gezündet. Ab diesem Stichtag sind Ölheizungen und Erdgasheizungen in Dänemark für Neubauten verboten. Im Jahr 2016 wird zusätzlich der Austausch von Bestandsanlagen nicht mehr zulässig sein. Bei unserem nördlichen Nachbarn verläuft die Gestaltung der Energiewende somit ganz anders, als dies aktuell in Deutschland der Fall ist. Sie berührt die privaten Haushalte direkt – zumindest zum Teil.

In Sachen Heizung schaut Dänemark seinen Bauherren nun verstärkt auf die Finger. (Foto: Petra B. Fritz/flickr)

In Sachen Heizung schaut Dänemark seinen Bauherren nun verstärkt auf die Finger. (Foto: Petra B. Fritz/flickr)

In Deutschland beschränkt sich die Betrachtung der Energiewende meist auf den Ausstieg aus der Atomenergie. Sieht man von einer Diskussion über steigende Strompreise ab, dann wird es dem Einzelnen leicht gemacht, sich vollständig dem Wandel zu entziehen. Bei den Dänen ist dies anders. Ein Verbot von einem bestimmten Heizmittel trifft zunächst jeden, der ein neues Haus bauen möchte, zwar ist dies nur jeweils 1-2% des Hausbestandes pro Jahr, aber spätestens 2016 werden auch Besitzer von älteren Häusern betroffen sein.

Nicht ganz ohne Risiko scheint dieses Vorgehen zu sein. So stellt sich die Frage, wie bei Sicherheitsproblemen mit einer Bestandsanlage umzugehen ist, wenn der Mangel nach dem Stichtag auftritt. Liegt die Versuchung zu nahe, dass riskante Anlagen weiter betrieben werden? Bedenken, die in Vorbereitung zur dänischen Energiewende beachtet und gelöst werden müssen.

Klingt der Schritt unseres nördlichen Nachbars zunächst als mutig, so darf man nicht vergessen, dass Fernwärme dort wesentlich verbreiteter ist. Rund 35% der Haushalte sind an einen Fernwärmeversorger angeschlossen. Ein Boom von Wärmepumpen, mit einer Beeinflussung des Stromnetzes, findet somit auch in Dänemark erst einmal nicht statt.

Dennoch sollte die politische Dimension dieses Handelns nicht unterschätzt werden. Viele Jahre war Dänemark sehr schmerzlich vom Import fossiler Brennstoffe abhängig. Bis zum Jahre 2016 will das Land jetzt vom Importeur zum Netto-Exporteur werden. Auch stehen die EU-Klimaschutzziele noch in weiter Ferne, bedenkt man dass 20% CO2 bis 2020 zu reduzieren sind. Deutlich schwieriger für ein Land, dass zu den 3 Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf CO2 Ausstoss innerhalb der EU zählt.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare.

  1. Rund 35% der Haushalte sind an einen Fernwärmeversorger angeschlossen.

    Nö, mehr als 60% der der dänischen Haushalte werden mit Fernwärme beliefert! Eine Umstellung ist auch kein Problem, soweit das dänische Fernwärmenetz weiter ausgebaut wird und den Kunden ein Anschluss zur Verfügung gestellt wird.

    Viele Jahre war Dänemark sehr schmerzlich vom Import fossiler Brennstoffe abhängig. Bis zum Jahre 2016 will das Land jetzt vom Importeur zum Netto-Exporteur werden.

    Quatsch!

    Primärenergieverbrauch in Dänemark im Jahr 2008

    Mineralöl 39,3%
    Erdgas 20,4%
    Steinkohle 21,7%
    Wasser, Wind 9,3%
    Sonstige (u.a. Biomasse, Müll, sonstige Gase) 9,3%

    Rund 80% seiner Energie bezieht Dänemark aus fossilen Brennstoffen, ist also weiter von deren Importen abhängig.

    Deutlich schwieriger für ein Land, dass zu den 3 Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf CO2 Ausstoss innerhalb der EU zählt.

    Ganz so schlecht steht Dänemark nicht mehr da. In der EU gehört Dänemark aber zu den Ländern, welches pro Kopf gesehen durchschnittlich viel CO2 freisetzt.

  2. P.S.:

    Der Großteil der Fernwärme in Dänemark stammt übrigens aus Kohle und Gas. Vor allem in den sonnenarmen Wintermonaten.

      • Das Problem dieser Kraftwärmepumpen ist,
        dass man weder die Wärme noch den Strom so richtig gut speichern kann.
        Das anonyme “Netz” muss dann im Zweifelsfall (theoretisch) herhalten,
        kann es aber nicht, wie die Windmühlen- und Solardächerproblematik schön vor Augen führt.
        Eine eigene Ölheizung wird dagegen nur gestartet, wenn auch Wärme benötigt wird. Klingt dagegen geradezu märchenhaft, soll aber verboten werden ???
        Wann wird das Atmen verboten?

        mfG

  3. ist schon erschütternd,
    wieviel Unsinn
    ein so hoch entwickeltes Land planen kann.
    Wärme ist für den Mensch nun mal unverzichtbar.

    Das erinnert mich an den unsinnigen “politischen” Kampf gegen das Auto, wenn man dafür keine vernünftige Alternative hat.

    mfG

  4. Kann ich einen Link zur Quelle der Daten haben?

    Danke!

    Klar.

    Mehr als 60% der der dänischen Haushalte werden mit Fernwärme beliefert!

    http://denmark.dk/de/green-living-de/nachhaltige-projekte/sonnenenergie/?Mehr%20lesen

    Primärenergieverbrauch in Dänemark im Jahr 2008

    http://www.energie-fakten.de/pdf/daenemark.pdf

    Fakt ist, Dänemark bezieht rund 80% seiner Energie aus fossilen Brennstoffen und die Fernwärme wird auch überwiegend aus fossilen Brennstoffen gespeist. KWK und Solarthermie hin, oder her. Die paar Prozentpunkte fallen da auch nicht ins Gewicht.

    Also erst informieren, dann Artikel schreiben.

  5. Mal abgesehen von den üblichen statistischen Problemen, was zu was in relation gesetzt wird, ein guter Hinweis.

    Auch die IEA hat Dänemeark als einen der energieeffizientesten Staaten weltweit inkl.der Abkehr von fossilen Brennstoffen gewürdigt: http://www.iea.org/media/files/chp/profiles/denmark.pdf

    Aufgrund des hohen Anteils an Fernwärmeversorgung haben sie auch beste Voraussetzungen für Einsparungen, die auch in den letzten 5 Jahren recht erfolgreich waren. Auf die aktuellen Zahlen von 2012 kann man gespannt sein.

  6. Wer nicht an eine Fernheizung angeschlossen ist, muss dann entweder auf Elektro- oder Holzheizung umsatteln.

    Zu Holzheizungen dieses:

    Black Carbon verursacht zu:
    18% Residential biofuel burned with traditional technologies

    Die Feinstaubemissionen von Pelletheizungen lagen um 2005… immer noch beim Eintausendfachen einer Erdgashe

    Klimawirkung:
    1. Forcing 1.1W/m2 (Bond et al 2012), damit 2. groesster Beitrag, etwa 2/3 von CO2.
    2. Zusaetliches Forcing durch Albedo auf Schnee/Eis:
    The “climate forcing due to snow/ice albedo change is of the order of 1.0 W/m2 at middle- and high-latitude land areas in the Northern Hemisphere and over the Arctic Oce.
    3. James Hansen: As a result of this feedback process, “BC on snow warms the planet about three times more than an equal forcing of CO2.
    -> Black Carbon mit Anstand der wichtigste Treiber fuer Eisschmelze.

    Auswirkungen auf Gesundheit:
    Einer EU-Studie[22] zufolge sterben jährlich 65.000 Menschen in der Europäischen Union vorzeitig durch Feinstaub. Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und aus dem Ruhrgebiet kommen unabhängig zu dem Ergebnis, dass die aktuelle Feinstaubbelastung die Sterblichkeitsrate erhöht. Die Studien geben im Schnitt für Deutschland eine Verkürzung der Lebenszeit um rund zehn Monate an.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Black_carbon
    http://de.wikipedia.org/wiki/Feinstaub