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	<title>Readers Edition</title>
	<link>http://www.readers-edition.de</link>
	<description>Portal für Bürgerjournalismus in Deutschland</description>
	<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 14:45:22 +0000</pubDate>
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	<language>en</language>
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		<title>Der Fall Sarrazin: Aufpassen, Ablenkungsman&#246;ver!</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2010/09/03/der-fall-sarrazin-aufpassen-ablenkungsmanoever/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 13:18:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Erber</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Das Medienereignis um das Buch von Thilo Sarrazin dient einem speziellen Zweck der Ablenkung der &#214;ffentlichkeit von anderen aktuellen Ereignissen. Man kann jetzt die Schlagzeilen mit der Debatte um die &#196;u&#223;erungen von und um Thilo Sarrazin f&#252;llen. Die viel wichtigere Debatte um die Laufzeitverl&#228;ngerung der Atomkraftwerke, die bis Ende September entschieden werden soll, verschwindet gleichzeitig [...]]]></description>
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<dd></dd>
</dl>
<p>Das Medienereignis um das Buch von Thilo Sarrazin dient einem speziellen Zweck der Ablenkung der &#214;ffentlichkeit von anderen aktuellen Ereignissen. Man kann jetzt die Schlagzeilen mit der Debatte um die &#196;u&#223;erungen von und um Thilo Sarrazin f&#252;llen. Die viel wichtigere Debatte um die <a href="http://www.readers-edition.de/2010/08/09/laufzeitverlaengerung-schwarz-gelb-geht-aufs-ganze">Laufzeitverl&#228;ngerung der Atomkraftwerke</a>, die bis Ende September entschieden werden soll, verschwindet gleichzeitig aus dem &#246;ffentlichen Bewusstsein. Ebenfalls sinkt die &#246;ffentliche Aufmerksamkeit &#252;ber die Sparpl&#228;ne der Bundesregierung, die zunehmend aufgrund massiver Einflussnahme der Lobbyisten <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:neuerliche-kurskorrektur-schwarz-gelb-schnuert-sparpaket-schon-wieder-auf/50164776.html">nicht mehr in der bisher angek&#252;ndigten Form umgesetzt werden sollen</a>.</p>
<p><strong>Medien schlachten Sarrazin aus</strong></p>
<p>Es muss doch einen tieferen Grund haben, dass insbesondere die <a href="http://fact-fiction.net/?p=4862">Bild-Zeitung</a> und der <a href="http://fact-fiction.net/?p=4863">Spiegel</a> sich in trauter Einigkeit als Plattform f&#252;r Sarrazin zur Verf&#252;gung gestellt haben, um seine Thesen medienwirksam in die &#214;ffentlichkeit als Sensationsereignis zu transportieren. Die Parteien jedweder Couleur sind auch begeistert dabei. Haben wir nichts Wichtigeres zu tun als dem Geschw&#228;tz des Thilo Sarrazin und seiner Kritiker und Bef&#252;rworter unsere ganze Aufmerksamkeit zu schenken?</p>
<p><strong>Cui bono?</strong></p>
<p>Gewinner sind die Medien insgesamt, die sich jetzt als Moralapostel gegen&#252;ber dem Auss&#228;tzigen Sarrazin hervortun k&#246;nnen. Michel Friedman – der sich wegen Zwangsprostitution und einer Kokain-Affaire <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Friedman">&#246;ffentlich diskreditiert hat</a> - kann sich ebenso als lauterer Verteidiger gegen rassistische &#196;u&#223;erungen Sarrazins <a href="http://www.welt.de/fernsehen/article9332248/Bei-Plasberg-aetzt-Sarrazin-gegen-Michel-Friedman.html">in Szene setzen</a>.</p>
<p>Angela Merkel <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715462,00.html">verteidigt die t&#252;rkischen Mitbewohner</a>.<!--[if !supportFootnotes]--> Ohne Hintergedanken?</p>
<p>Axel Weber ist Thilo Sarrazin <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,715317,00.html">endlich los</a>. Vorher war er sowieso schon von ihm <a href="http://www.morgenpost.de/politik/article1189799/Warum-Sarrazins-Entmachtung-richtig-war.html">kaltgestellt worden</a>. Man hatte ihn bereits vorher mehr oder minder zum Fr&#252;hst&#252;cksdirektor, sprich Vorstandsmitglied ohne Gesch&#228;ftsbereich, gemacht. Offenbar haben sich die Meinungen in der CDU und SPD &#252;ber Sarrazin grundlegend ge&#228;ndert. Vor einem Jahr erkl&#228;rte Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, noch der <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/sarrazin134.html">&#8220;Bild&#8221;-Zeitung</a>:</p>
<p>&#8220;Die Entmachtung ist nicht transparent und nicht nachvollziehbar, weil man ihm Bereiche weggenommen hat, die nichts mit seinen Aussagen zu tun haben.&#8221;</p>
<p><strong>Wenn dies damals so war, so ist dies jetzt ebenfalls der Fall</strong></p>
<p>Die SPD m&#246;chte ebenfalls ihren Quertreiber schon seit langem <a href="http://www.spd.de/de/aktuell/nachrichten/2010/08/Parteiausschlussverfahren-gegen-Thilo-Sarrazin.html">loswerden</a>.</p>
<p>Die Gr&#252;nen wollten ihn ebenfalls schon immer <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1034719">loswerden</a>.</p>
<p>Die FDP kann dies f&#252;r die Propagierung einer liberalen Migrationspolitik, sprich mehr Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskr&#228;ften, <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article9212036/Was-die-FDP-von-Thilo-Sarrazin-lernen-koennte.html">nutzen</a>. Senkt die Einkommensgrenzen f&#252;r qualifizierte Zuwanderer!, lautet hier die Parole.</p>
<p>Es geht um billigere Arbeitskr&#228;fte aus dem Ausland, die bei absehbarem Arbeitskr&#228;ftemangel aufgrund des demographischen Wandels einen Lohn- und Gehaltskostendruck verhindern helfen sollen.</p>
<p>Die Links-Partei kann diesen Skandal um das SPD-Mitglied Sarrazin f&#252;r die eigene Profilierung gegen&#252;ber der SPD <a href="http://www.open-report.de/artikel/Linkspartei+fordert+Abberufung+Sarrazins+aus+Bundesbankvorstand/74577.html">nutzen</a>. Der Hartz-VI-Bef&#252;rworter Sarrazin war schon immer ein Lieblingsfeind in den vorangegangenen Debatten.</p>
<p>Alle hoffen auf W&#228;hlerstimmen von wahlberechtigten B&#252;rgern mit Migrationshintergrund.</p>
<p>Man k&#246;nnte mit Goethe sagen: Sarrazin ist die Kraft, die eine sch&#228;rfere Migrationskontrolle wollte, und das Gegenteil schafft.</p>
<p>Mithin bewirken die Provokationen von Thilo Sarrazin das Gegenteil dessen, was er intendiert hatte.</p>
<p>Das macht Sarrazin nicht zum M&#228;rtyrer, aber er dient als Projektionsfl&#228;che f&#252;r alle m&#246;glichen Interessenslagen, um sich von ihm abzugrenzen. Die einzige Sorge: Sarrazin ist in der Bev&#246;lkerung <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715155,00.html">popul&#228;r</a>. Mithin sind alle Sanktionen gegen ihn vergleichsweise <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article9355381/Die-Popularitaet-Sarrazins-wird-jetzt-noch-steigen.html">wirkungslos</a>. Finanziell d&#252;rfte er sowieso ausgesorgt haben. Als ehemaliger Finanzsenator von Berlin und noch Vorstandmitglied der Bundesbank muss er sich um seine finanzielle Zukunft nicht sorgen. Das Buch k&#246;nnte ihn auch leicht zum Million&#228;r machen. Mithin d&#252;rfte ihm am Ende sowohl der Rausschmiss aus der Bundesbank und der SPD – sollten beide vollzogen werden – gleichg&#252;ltig sein. Der sich abzeichnende Rechtsstreit wird sowieso noch nach anderen Regeln erfolgen. Das <a href="http://www.artikel5.de/">Grundrecht auf Meinungsfreiheit</a> und das <a href="http://www.123recht.net/article.asp?a=580&#038;p=2&#038;ccheck=1">Recht auf Berufsfreiheit</a> sind hohe Rechtsg&#252;ter, die nicht ohne weiteres wegen provozierender &#196;u&#223;erungen <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,715109,00.html">zur Disposition gestellt werden sollten</a>. Am Ende k&#246;nnte die ganze Angelegenheit ausgehen wie das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hornberger_Schie%C3%9Fen">Hornberger Schie&#223;en</a>. Sollte Sarrazin vor Gericht obsiegen, was dann, Herr Axel Weber?</p>
<p>Der Verleger von Sarrazins Buch, die Deutsche Verlagsanstalt (DVA) d&#252;rfte <a href="http://www.randomhouse.de/dva/index.jsp">sich die H&#228;nde reiben</a>. Besseres Marketing gibt’s nicht.</p>
<p><strong>Warum das Alles?</strong></p>
<p>Offenbar r&#252;hrt die Debatte, die Sarrazin angesto&#223;en hat, an Ur&#228;ngste &#252;ber die sich fortentwickelnde Krise unserer Gesellschaft. Zukunftsangst, Abstiegsangst, Xenophobie etc. grassieren in unserer Gesellschaft, da ihr eine positive Zukunftsvision fehlt. Die globalen Krisen von der Umwelt bis zu den Finanzm&#228;rkten haben zus&#228;tzlich eine tiefe Verunsicherung in der Bev&#246;lkerung ausgel&#246;st.</p>
<p>Das Staatsversagen und das der Politik, glaubw&#252;rdige Antworten daf&#252;r zu finden, macht die Lage noch schlimmer. Man f&#252;rchtet die Agonie eines Gesellschaftssystems, das die Kr&#228;fte zu einer Selbstheilung und Neuorientierung verloren hat.</p>
<p>Sarrazin hat mit seinen teilweise krausen Thesen nur einen kleinen Beitrag dazu geleistet, dass man sp&#252;rt, dass unserer gesellschaftliches und politisches System in einer tiefen Sinnkrise steckt. Der Kaiser ist nackt und tr&#228;gt keine Kleider. Wie schauerlich.</p>
<p>Photo Quelle/Copyright: oparazzi photos, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via <a href="http://www.flickr.com/photos/rhebs/4941766262/sizes/m/">flickr </a>
</p>
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		<title>Blumenmann: Gekommen, um zu gehen</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2010/09/03/blumenmann-gekommen-um-zu-gehen/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 12:41:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Holger Finn</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Er war wie seine Stadt, arm, alt, wortkarg und langsam, und nun ist er nicht mehr.
Siegfried Pohl war einer der DDR-B&#252;rger, denen nie Integrationsangebote im neuen Deutschland gemacht worden waren. In der alten Arbeiterrepublik noch Teil der herrschenden Klasse, st&#252;rzte der kantige Charakterkopf, der fr&#252;her einmal, in jenem anderen Land, das ihm immer Heimat blieb, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/Blumwe.JPG" /></dt>
<dd>Photo: via PPQ</dd>
</dl>
<p><strong>Er war wie seine Stadt, arm, alt, wortkarg und langsam, und nun ist er nicht mehr.</strong></p>
<p>Siegfried Pohl war einer der DDR-B&#252;rger, denen nie Integrationsangebote im neuen Deutschland gemacht worden waren. In der alten Arbeiterrepublik noch Teil der herrschenden Klasse, st&#252;rzte der kantige Charakterkopf, der fr&#252;her einmal, in jenem anderen Land, das ihm immer Heimat blieb, ein stolzer Staplerfahrer gewesen war, ab zu einem von den Saturierten bel&#228;chelten Original.</p>
<p>Pohl, ohne Sprachkurs, Sozialarbeiter und gesellschaftliche Gro&#223;debatte in sein Schicksal geworfen, diskutierte nicht, mit niemandem. Er er&#246;ffnete zwar auch keinen t&#252;rkischen Gem&#252;sehandler, weil der t&#252;rkisch Gem&#252;sehandel in seiner Heimatstadt durchweg von Kurden betrieben wird. Doch er wurde der &#8220;Blumenmann&#8221;, ein st&#228;dtisches Original, ein Zitterreinhold der Moderne, der jahrein, jahraus eisern auf dem eiskalten Boden hockte, w&#228;hrend anderswo Rasenfl&#228;chen beheizt wurden. Und Blumenstr&#228;u&#223;chen anbot, der Charme ausschlie&#223;lich in ihrer naturbelassenen N&#228;he zu reiner Grasmahd lag.</p>
<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/Blumee1.jpg" /></dt>
<dd>Photo: via PPQ</dd>
</dl>
<p>Dieser Mensch, das konnte jeder sehen (Foto links: hoelle-saale.de), der einen seinen seiner Stammpl&#228;tze passierte, war angekommen im gemeinsamen Deutschland von Helmut Kohl und Angela Merkel. Er hatte verinnerlicht, dass sich jeder um sich selbst sorgen muss und Integration eine Bringeschuld derer ist, die dagelieben sind. Woher Siegfried Pohl seine Blumen hatte, wohin er verschwand, wenn er den Laden schloss, wovon er lebte, was er dachte, ob er jemals sprach - nur Ger&#252;chte kursierten dar&#252;ber. Er sei der Vater des Jungen, der im <a href="http://www.schwarzes-halle.de/index.php?page=Thread&#038;threadID=5269&#038;pageNo=2&#038;s=a1827be41764aefe2f102842f2e589cbd81cb02d">ber&#252;hmten Kreuzwortr&#228;tselfall </a>ermordet wurde, wisperte es. Er habe einstmals drei Flaschen Klaren am Tag zu sich genommen, um den Schmerz zu ers&#228;ufen, erinnerten sich Leute, die ihn fr&#252;her gekannt haben wollte, als er noch mehr als ein Wort hintereinander geredet hatte.</p>
<p>Lange her. Siegfried Pohl, keineswegs verwandt oder verschw&#228;gert mit dem Pr&#228;sidenten des Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung Halle, der R&#252;diger Pohl hei&#223;t, war nur noch ein verwittertes Gesicht, gezeichnet und gegerbt wie die Hauswand, vor der er scheinbar v&#246;llig empfindunglos hockte wie ein Apache in einem alten Defa-Film. Wer etwas bei ihm kaufte, kaufte nicht Blumen, sondern das sch&#246;ne Gef&#252;hl, Mitgef&#252;hl verschenkt zu haben. Sp&#228;ter zog Pohls Beispiel, durch stille Selbstkasteiung und symbolische Warenauslagen Umsatz zu machen, zahllose Nachahmer an: Englische Bettler und rum&#228;nische Ein-Saiten-Gitarristen, russische Zerrwanst-Quetscher und kosovarische Frauen, die Passanten eifrig vor K&#228;lte zitternde Neugeborene entgegenreckten. Siegfried Pohls Angebot war von anderer Qualit&#228;t, er war gekommen, um zu gehen, nur zwischendurch sa&#223; er hier, v&#246;llig abwesend und absolut unintegrierbar in eine Mehrheitsgesellschaft, die ihre Probleme so diskutiert: <a href="http://www.fr-online.de/wissenschaft/die-spur-der--juden--gene-/-/1472788/4612612/-/index.html">Schieb dem anderen unter, was er nie gesagt hat. Dann widerlegst du ihn. Fertig</a>. Pohl legte seine Blument&#246;pfchen abends unter einen Zaun. Niemand nahm sie fort. Morgens ganz fr&#252;h zog er sie hier wieder hervor, um ein neues Tagesgesch&#228;ft anzufangen, das wieder vier, sechs oder neun Euro Umsatz bringen w&#252;rde.</p>
<p><strong>Nicht auf die Menge kam es ihm an, sondern auf die Geste. </strong></p>
<p>Pohl wollte der Welt zeigen, dass er begriffen habe, dass er n&#252;tzlich sei, dass er das Leben aller sch&#246;ner machen helfen k&#246;nne. &#8220;Siggi&#8221;, nannten ihn die Menschen vertraulich, ein Original mit dem Charme eines Stadtstreichers, schlug sich sitzend durch, egal ob Regen, Schnee oder Sonnenbrand. Niemand schrieb B&#252;cher &#252;ber ihn, keiner sah in dem Gesicht unter der selbstgestrickten Pudelm&#252;tze ein gesellschaftliches Problem, auf das Heerscharen von Betreuern, Erziehern und Spezialistenrunden anzusetzen w&#228;ren.</p>
<p>Bis er eines Tages verschwand. <a href="http://www.politplatschquatsch.com/2008/03/florist-vermisst.html">&#8220;Florist vermisst&#8221;</a> titelte PPQ, seit den ganz fr&#252;hen Tagen offizielles <a href="http://www.politplatschquatsch.com/2007/11/der-blumenmann-bietet-keine-blumen-mehr.html">Blumenmann-Board </a>. Blumenmann-Fans riefen per Grafitto nach ihm: &#8220;Blumenmann, wo bist du?&#8221; Zu sp&#228;t. Monate sp&#228;ter erst tauchte Siegfried Pohl in einem eleganten Altenheim wieder auf, ohne Blumen, ohne seine handgeh&#228;kelten Topflappen. Doch es gehe ihm gut, berichtet die auf Integration spezialisierte Zeitung &#8220;Bild&#8221;, der arme Tropf habe sogar seinen Geburtstag ganz gro&#223; mit den anderen Insassen gefeiert.</p>
<p>Es sollte sein letzter gewesen sein. Vor einigen Tagen ist Siegfried Pohl, der Blumenmann, den alle Siggi nannten, als h&#228;tten sie mit ihm einst ganze G&#252;terwaggons Klaren ausgetrunken, seinen Lasten und der Leere inmitten der gro&#223;en Stadt entkommen. Er starb in einem Altenheim, nur ein paar hundert Meter entfernt vom letzten Sitz seines mobilen Blumenstandes.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.politplatschquatsch.com/2010/09/blumenmann-gekommen-um-zu-gehen.html">politplatschquatsch.com</a>
</p>
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		<title>Von Ketzern und Hetzern</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 08:01:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Holger Finn</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Die Kanzlerin bettelte, der Bundespr&#228;sident forderte, Minister sahen die Unabh&#228;ngigkeit der Bundesbank in Gefahr, wenn der Vorstand des ehemals f&#252;r die Geldpoltik zust&#228;ndigen Hauses sich nicht sofort von seinem irgendwie und irgendwann missbr&#228;uchlich dort hingelangten Mitglied Thilo Sarrazin trennen w&#252;rde. Im &#8220;Tagesspiegel&#8221; wurde pl&#246;tzlich mit gro&#223;er Geste enth&#252;llt, wie die Parteien die Spitzenposten der Bundesbank [...]]]></description>
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<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/wseh.JPG" /></dt>
<dd>Photo: via PPQ</dd>
</dl>
<p>Die Kanzlerin bettelte, der Bundespr&#228;sident forderte, Minister sahen die Unabh&#228;ngigkeit der Bundesbank in Gefahr, wenn der Vorstand des ehemals f&#252;r die Geldpoltik zust&#228;ndigen Hauses sich nicht sofort von seinem irgendwie und irgendwann missbr&#228;uchlich dort hingelangten Mitglied Thilo Sarrazin trennen w&#252;rde. Im <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/bundesbank-erledigt-geschaeft-der-politik/1917026.html;jsessionid=773398B26E6919E3365729487E599D9A">&#8220;Tagesspiegel&#8221;</a> wurde pl&#246;tzlich mit gro&#223;er Geste enth&#252;llt, wie die Parteien die Spitzenposten der Bundesbank als Versorgungslager f&#252;r abgehalfterte Ex-Genossen nutzen, auch die &#8220;Frankfurter Rundschau&#8221;, f&#252;r die Thilo Sarrazin bei Amtsantritt nur ein <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/aus-dem-zanker-wird-ein-banker/-/1472780/3351772/-/index.html">&#8220;bunter Hund&#8221; und &#8220;Sparminator&#8221;</a> gewesen war, entdeckt mit einem Mal, dass die Regierung die Bundesbank zur Versorgungsanstalt hat verkommen lassen  und eine <a href="http://www.taz.de//1/politik/deutschland/artikel/1/aufklaerung-und-zucht-und-ordnung/">&#8220;Knallcharge&#8221;</a> in den Vorstand geschickt hat, wie die &#8220;taz&#8221; in fast schon schulbuchm&#228;&#223;ig klassisch Trennung zwischen Kommentar und Bericht in ihrem Bericht respektvoll formuliert.</p>
<p>Das ist der Euro in Gefahr und der <a href="http://www.politplatschquatsch.com/2010/08/journalisten-haben-ein-problem-mit.html">Ruf in gro&#223;er Not,</a> denn wenn schon schlimm ist, dass die Politik der ehemals wichtigsten Bank des Landes nach Belieben Personal reindr&#252;cken kann und die Presse begeistert applaudiert, wie schrecklich ist es dann, wenn die Presse bei der Regierung w&#252;nschen kann, wen die unabh&#228;ngige Bank wann wieder rausschmei&#223;en muss?</p>
<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/webr.jpg" /></dt>
<dd>Photo: via PPQ</dd>
</dl>
<p>Ein paar Jahre nur, mehr nicht, wird es dauern, bis auch das Ende des Skandals, der die Berufung von Thilo Sarrazin damals nicht war, heute aber unumstritten ist, als noch gr&#246;&#223;erer Skandal die Runde macht. Dieselben Federn, die jetzt spitz beklagen, was sie vor 18 Monaten noch besinnungslos beklatscht haben, werden dann vermutlich wie immer raunen, sie h&#228;tten heute schon gewarnt. &#8220;Was w&#228;re eigentlich&#8221;, hat heute Morgen ein PPQ-Leser geschrieben, &#8220;wenn wir das Internet nicht h&#228;tten und die ganze Diskussion sich in den Medien abspielen w&#252;rde?&#8221;</p>
<p><strong>Keiner w&#252;sste, wie es <a href="http://www.readers-edition.de/2010/09/02/schland-oh-schland-im-rueckwaertsgang/">da drau&#223;en wirklich aussieht.</a> Jeder w&#252;rde denken, nur er allein denke so. <a href="http://die-anmerkung.blogspot.com/2010/09/aus-dem-wortschatz-von.html">So falsch.</a>   Alle l&#228;gen richtig. Und alles w&#228;re verkehrt. </strong></p>
<p>Ein <a href="http://www.readers-edition.de/2010/09/01/meinung-die-politische-elite-schafft-sich-ab/">Syndrom,</a> das das Ende der DDR um f&#252;nf bis sieben Jahre herausgez&#246;gert hat. Wer muckt, wird abgestraft, da ist selbst die Sozialdemokratie f&#252;r Berufsverbote. „Wir kriegen ganz sch&#246;n Dresche gerade daf&#252;r, aber manchmal muss man auch Dinge machen, f&#252;r die man Dresche kriegt“, hat der SPD-Arbeiterf&#252;hrer Sigmar Gabriel einer Schulklasse in Dessau mit auf den Lebensweg gegeben, warum er eine Entlassung Sarrazins bef&#252;rworte. <a href="http://www.ef-magazin.de/2010/09/01/2494-politmediale-selbstgerechtigkeit-soll-den-sarrazin-doch-der-terror-holen">Dessen Ansichten passten nicht zum</a> &#8220;Weltbild der SPD&#8221;. Die <a href="http://www.readers-edition.de/2010/09/02/demographie-sarrazin-und-migration/">tausende SPD-Mitglieder,</a> die sich inzwischen bei ihrer Partespitze &#252;ber den geplanten Rauswurf  beschwert haben, passen dann ja wohl aber auch nicht.</p>
<p>Sarrazin geht es auf kommodem Niveau wie seinerzeit dem anti-klerikalen Hetzer Giordano Bruno, der die Unendlichkeit des Weltraums und die ewige Dauer des Universums behauptet hatte. Was er sagt, ist in vielen Belangen wahr, nachpr&#252;fbar und richtig. Aber dass er es sagt, wird ihm als falsch ausgelegt, weil es den durch Stillschweigen hergestellten Glauben, alles werde schon irgendwie, wenn schon nicht gut, infrage stellt. Sarrazin habe „jede Chance gehabt habe, sich zu korrigieren und zu sagen, da habe ich mich verrannt, das ist falsch“, sagt Sigmar Gabriel, der sich gar nicht vorstellen kann, dass einer nicht abschw&#246;rt, wenn es um die Karriere und den guten Ruf geht.</p>
<p>Wie Bruno, der selbst im nahegelegenen Wittenberg nichts Besseres zu tun hatte, als weiterzuhetzen, weigert sich Sarrazin jedoch. Die Konsequenzen sind auch bildungsfernen Randgruppen bekannt: Giordano Bruno, der in einer dunklen Zeit lebte, in der es noch keine deutsche Sozialdemokratie gab, wurde erst von den Calvinisten und sp&#228;ter von den Lutheranern exkommuniziert und am 22. Mai 1592 schlie&#223;lich von der Inquisition verhaftet. Sieben Jahre sp&#228;ter verstie&#223; man ihn wegen Ketzerei und Magie auch aus dem Orden der Dominikaner. Am Ende wurde er dann zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, der am 17. Februar 1600 auf dem Campo de’ Fiori entz&#252;ndet wurde. Brunos B&#252;cher kamen auf den Index der verbotenen Schriften, wo sie bis 1966 blieben.</p>
<p>Wenn die SPD sich mit dem Ausschlussverfahren gegen Sarrazin beeilt, k&#246;nnte der Startschuss zur Wiederholung der Geschichte schon im kommenden Winter fallen. Das g&#228;be fast rundes Revival. Raus bei der Bundesbank, raus bei den Sozialdemokraten. Ein Lied noch hinterher, dreistimmig &#8220;Die Gedanken sind frei&#8221;. Sarrazins Buch w&#228;re dann wieder zu haben, ehe der letzte autochone Deutsche seine letzte Th&#252;ringer Bratwurst verzehrt.</p>
<p>Die ganze grausame Wahrheit &#252;ber Paolo Pinkel bei <a href="http://karleduardskanal.wordpress.com/2010/09/02/arschloch/">Karl Eduard.</a></p>
<p>Zur <a href="http://olekrueger.wordpress.com/2010/09/02/ddr-2-0/">DDR 2.0 geht es hier.</a></p>
<p>Und wie es aussieht, wenn sich die Schauspieler das Drehbuch gleich selbst schreiben, beleuchtet knapp und treffend <a href="http://die-anmerkung.blogspot.com/2010/09/die-lustigsten-drei-satze-des-tages.html">Die Anmerkung</a>.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.politplatschquatsch.com/2010/09/von-ketzern-und-hetzern.html">politplatschquatsch.com</a>
</p>
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		<title>Bundesbank: Der Vorstand will Thilo Sarrazin entlassen</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 19:08:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Klamm Sabaot</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Der zweideutige Fall eines Bundesbankvorstands –  Bev&#246;lkerung stimmt gegen Entlassung – Bundesbank stimmt einstimmig f&#252;r  die Entlassung – Kanzlerin Angela Merkel freut sich &#252;ber die  Entscheidung  – Hat Thilo Sarrazin Michel Friedman beleidigt? –  SPD-Innensenator  Erhart kritisiert &#8220;Hexenjagd und den zweiten Skandal&#8221;  im Zusammenhang mit der geplanten Entlassung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der zweideutige Fall eines Bundesbankvorstands –  Bev&#246;lkerung stimmt gegen Entlassung – Bundesbank stimmt einstimmig f&#252;r  die Entlassung – Kanzlerin Angela Merkel freut sich &#252;ber die  Entscheidung  – Hat Thilo Sarrazin Michel Friedman beleidigt? –  SPD-Innensenator  Erhart kritisiert &#8220;Hexenjagd und den zweiten Skandal&#8221;  im Zusammenhang mit der geplanten Entlassung von Sarrazin</p>
<p>Erstmals in ihrer 50-j&#228;hrigen  Geschichte hat die Bundesbank einstimmig beschlossen, dass der  umstrittene Bundesbankvorstand, Politiker und Autor, Thilo Sarrazin  (65) <a href="http://www.news-adhoc.com/bundesbank-beschliesst-trennung-von-sarrazin-einstimmig-idna2010090299764/">entlassen werden soll</a>. Die Abberufung von Thilo Sarrazin erfordert  die Zustimmung von Bundespr&#228;sident Dr. Christian Wulff. Die genauen  Gr&#252;nde f&#252;r die gew&#252;nschte Abberufung von Thilo Sarrazin sind nicht  bekannt. Nach der Ver&#246;ffentlichung des Buchs &#8220;Deutschland schafft sich  ab&#8221; mit umstrittenen Thesen des Autors  w&#252;nschte sich Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU), aufgebrachte  Menschen j&#252;dischen und moslemischen Glaubens die Entlassung des in die  Kritik geratenen Politikers und Autors. Thilo Sarrazin verk&#252;ndete noch  am Montag bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung seines Buches, dass  er auf das Recht der freien Meinungs&#228;u&#223;erung nach Artikel 5 im  Grundgesetz vertraue.</p>
<p>Die Bundesbank teilte in einer kurzen <a href="http://oe1.orf.at/artikel/257298">Pressenotiz</a> mit: &#8220;Der Vorstand  der Deutschen Bundesbank hat heute einstimmig beschlossen, beim  Bundespr&#228;sidenten die Abberufung von Dr. Thilo Sarrazin als Mitglied des  Vorstandes zu beantragen. Der „Corporate Governance“-Beauftragte der  Deutschen Bundesbank, Professor Dr. Uwe Schneider, unterst&#252;tzt diesen  Antrag uneingeschr&#228;nkt.&#8221; Seit heute hat Dr. Thilo Sarrazin keinen  Gesch&#228;ftsbereich bei der Bundesbank.</p>
<p>Medienberichten zufolge, soll angeblich allerdings Thilo Sarrazin  nach einem Interview f&#252;r die Berliner Boulevard-Zeitung B.Z. den  Rechtsanwalt, CDU-Mitglied, ehemaligen Vorsitzenden des Zentralsrats der  Juden, Journalisten, Fernseh-Moderator und Publizisten Michel Friedman  als &#8220;A….loch&#8221; beleidigt haben. Diese Medienberichte mehrerer Zeitungen  werden zur Zeit offiziell  nicht best&#228;tigt. Ebenso wenig liegt eine  Best&#228;tigung von Thilo Sarrazin oder von Michel Friedman vor. Sollte der  angebliche Vorwurf stimmen, dann w&#228;re des nicht nach dem Artikel 5 des  Grundgesetz als freie Meinungs&#228;u&#223;erung abgesichert, wie die umstrittenen  Thesen &#252;ber mangelnden Integrationswillen einiger moslemischer  Einwanderer oder die These &#252;ber Gene, die eine  Identifizierung von Menschen j&#252;dischen Glaubens oder anderer  Bev&#246;lkerungsgruppen m&#246;glich machen k&#246;nnten, sondern nach dem deutschen  Strafgesetzbuch (Paragraphen 185 bis 189) vielmehr sogar ein m&#246;glicher  Straftatbestand der Beleidigung. Zu den Medienberichten &#252;ber eine  angeblich stattgefundenen Beleidigung haben sich bislang weder Thilo  Sarrazin noch Michel Friedman &#246;ffentlich ge&#228;u&#223;ert. Sollten  die Berichte stimmen, dann st&#252;nde er mit diesem Handeln nicht  unter dem Schutz des Artikel 5 des Grundgesetzes der das Recht auf freie  Meinungs&#228;u&#223;erung garantiert. So gesehen ist der Fall von Thilo Sarrazin als &#8220;zweideutig&#8221;  zu bewerten. Wenn sich der Politiker und Autor im Zusammenhang mit der  Ver&#246;ffentlichung seiner umstrittenen Thesen in seinem Buch auf Artikel 5  des Grundgesetzes beruft, hat er sicher Recht, doch sollte er im Rahmen  einer emotionalen Entgleisung ausgerechnet den ehemaligen Vorsitzenden  des Zentralrats der J&#252;dischen Gemeinde in Deutschland gar pers&#246;nlich  beleidigt haben, dann st&#252;nde eine solche m&#246;gliche Beleidigung nicht mehr  unter dem Schutz des Artikel 5 und dem Recht auf freie  Meinungs&#228;u&#223;erung. Vielmehr w&#228;re dann gerechtfertigter Weise eine Bitte  um Entschuldigung von Thilo Sarrazin an Michel Friedman zu  erwarten. Diese Bitte um Entschuldigung von Thilo Sarrazin gibt es,  soweit jetzt &#246;ffentlich bekannt, bislang nicht. Die Berichte,  wonach eine Beleidigung stattgefunden haben k&#246;nnte sind zur Zeit nicht  offiziell durch Polizei oder weitere Regierungsvertreter best&#228;tigt.</p>
<p><strong>Ehrhart K&#246;rting kritisiert &#8220;Hexenjagd&#8221; auf Thilo Sarrazin</strong></p>
<p>Ehrhart K&#246;rting (SPD), Innensenator von Berlin  kritisierte heute in  busch@n-tv (Thema: “Volkszorn: Wer hat Angst vorm Muselmann?&#8221;) das  Verhalten von Bundespr&#228;sident Dr. Christian Wulff im Fall Sarrazin. Die  Ermunterung an die Bundesbank sei &#8220;noch skandal&#246;ser&#8221; als die Thesen von  Sarrazin. Der SPD-Innensenator betrachtet die &#8220;Ermunterung einer  Einleitung zu einem Verfahren zur Abberufung gegen Thilo Sarrazin&#8221;  besonders kritisch. Dies sei &#8220;der zweite Skandal&#8221; zur Situation um Thilo  Sarrazin : &#8220;F&#252;r noch skandal&#246;ser halte ich, dass der Bundespr&#228;sident  als derjenige, der &#252;ber die Abberufung Sarrazins neutral und unabh&#228;ngig  entscheiden soll, sich vorher schon &#228;u&#223;ert und die Bundesbank ermuntert,  t&#228;tig zu werden. Ich halte es – nach dem Skandal von Sarrazin – f&#252;r den  zweiten Skandal so damit umzugehen.&#8221;</p>
<p>Es g&#228;be eine Hexenjagd und Erhard K&#246;rting wirft der Bundesbank vor,  den Fall noch gar nicht gepr&#252;ft zu haben: &#8220;Die Art und Weise, wie man  jetzt, nach den Fehlern, die er gemacht hat, eine Hexenjagd auf ihn  macht, finde ich schon problematisch. Dass die Bundesbank dar&#252;ber  nachdenkt, ob dieser Mensch f&#252;r das Institut noch tragbar ist, ist in  Ordnung. Das m&#252;ssen die Leute entscheiden und n&#252;chtern pr&#252;fen. Das aber  scheinen sie ja noch gar nicht gemacht zu haben, wenn sie jetzt erst mal  einen Anwalt beauftragen, der das alles verifizieren soll.&#8221;</p>
<p>Dennoch r&#228;t auch der SPD-Innensenator an Thilo Sarrazin, dieser solle  selbst aus der SPD austreten: &#8220;Thilo Sarrazin w&#228;re gut beraten,  Privatier zu werden und nicht Mitglied einer Partei.&#8221; Erhart K&#246;rting  glaubt daran, dass die provokanten Thesen von Thilo Sarrazin auf eine &#8220;Angstst&#246;rung&#8221; zur&#252;ck zu f&#252;hren sind.</p>
<p>Der SPD-Politiker in Berlin verteidigte unterdessen die  Qualifikation von Thilo Sarrazin als Finanzfachmann, doch eine Eignung  als &#8220;Bev&#246;lkerungs-Politiker&#8221; spricht er ihm ab: &#8220;Man muss sehr genau  unterscheiden zwischen dem, was Thilo Sarrazin jetzt ge&#228;u&#223;ert hat, und  dem, was er beruflich gemacht hat. Er war ein hervorragender  Finanzsenator. Finanzpolitik kann er, Bev&#246;lkerungspolitik kann er  nicht.&#8221;</p>
<p>Die Vorstellung des Buches &#252;bernahm am Montag die  in Istanbul (T&#252;rkei) geborene Volkswirtin, Soziologin und Publizistin,  Necla Kelek. Die Frau moslemischen Glaubens wurde 1957 in Istanbul  geboren und lebt in Berlin. Sie erhielt im Jahr 2005 den  Geschwister-Scholl-Preis, im Jahr 2009 den Hildegard von Bingen Preis  und war Mitglied der Deutschen Islam Konferenz.</p>
<p>Necla Kelek nahm den Sozialdemokraten Thilo Sarrazin nach der  heftigen Kritik an seinem neuen Buch noch in Schutz. &#8220;Den Vorwurf des  Rassismus halte ich f&#252;r Unkenntnis&#8221;, sagte Necla Kelek. In den Augen  der Soziologin ist der Islam keine Rasse, sondern ein kulturelles  System, das auch kritisiert werden darf. Die Publizistin lobte Thilo  Sarrazin f&#252;r sein Autoren-Werk: &#8220;Hier hat ein verantwortungsvoller  B&#252;rger bittere Wahrheiten drastisch ausgesprochen und sich &#252;ber  Deutschland den Kopf zerbrochen. Jetzt soll er einen Kopf k&#252;rzer gemacht  werden!&#8221; Zum heftigen &#246;ffentlichen Protest erkl&#228;rte die Soziologin  Necla Kelek &#8220;Hier soll eine Debatte vergiftet werden&#8221;. Es sei mit  Gefahren verbunden das islamische Recht der Scharia &#252;ber s&#228;kulares Recht  zu stellen. Dies k&#246;nne zu Parallel-Gesellschaften und generellen  Integrations-Problemen f&#252;hren. Verantwortungs-Bewusstsein von Migranten  m&#252;sse gest&#228;rkt werden. Die Soziologin w&#252;nscht sich eine inhaltliche  Debatte und keine moralische Debatte. Es sollte untersucht werden, was  eine Integration behindert und diese Frage d&#252;rfe nicht in die falschen  H&#228;nde gelangen. Der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin tauge nicht zum  Feindbild. Das Buch von Thilo Sarrazin werde die Politik in Deutschland  ver&#228;ndern.</p>
<p>Das Buch von Thilo Sarrazin beginnt in der Einleitung mit einem Zitat  von Ferdinand Lasalle: &#8220;politische Kleingeisterei  besteht in dem Verschweigen und Bem&#228;nteln dessen, was ist.&#8221; In seinem  neuen Buch pr&#228;sentiert der Autor provokante Thesen. Er glaubt  Geburtenr&#252;ckgang, demografische Entwicklungen seit 1945,  Bildungs-Defizite und bei einem Teil von moslemischen Einwanderern an  eine teilweise fehlende Bereitschaft zur Integration in die Gesellschaft  und Kultur in Deutschland. Nach &#220;berzeugung des Sozialdemokraten h&#228;tten  nicht alle Migranten ein Problem, sich in Deutschland zu integrieren.  Positiv bewertete er die Integrationsf&#228;higkeit von Vietnamesen und  Russland-Deutschen. Die Angeh&#246;rigen dieser Personengruppen seien meist  bereits nach einer Generation voll integriert und f&#228;nden  sich ab und an besser zu recht, als einige deutsche  B&#252;rger und B&#252;rgerinnen. G&#228;be es in Deutschland, &#228;hnlich wie in den  Vereinigten Staaten von Amerika eine Green-Card Regelung und weniger  soziale Transferleistungen f&#252;r Zuwanderer, bef&#228;nden sich seiner  Einsch&#228;tzung nach bis zu 90 Prozent der in Deutschland eingewanderten  Menschen moslemischen Glaubens vermutlich nicht in Deutschland. Die  Unterschiede in den Erfolgen der Integration liegen auch in der Gruppe  der Migranten. Die Deutschen k&#246;nnten zur Minderheit im eigenen Land  werden.</p>
<p>Auf die Frage eines Journalisten der Nachrichten-Agentur Reuters zur  heftigen Kritik an dessen Buch und Thesen antwortet Thilo Sarrazin: &#8220;Ich  habe keine dienstlichen Obliegenheiten verletzt. Ich habe ein  politisches Sachbuch geschrieben – mehr nicht. Auch ein  Bundesbankvorstand hat das Recht sich frei zu &#228;u&#223;ern.&#8221; Er vertraue auf  die Meinungsfreiheit in Deutschland.</p>
<p>Zur Diskussion &#252;ber m&#246;gliche J&#252;dische Gene sagte Thilo Sarrazin: &#8220;Den  Trend zu rechts-tendenziellen Parteien halte ich f&#252;r gef&#228;hrlich. Die  J&#252;dische Intelligenz wurde von den Nazis aus dem Land in die USA  gejagt. Die angebliche germanische &#220;berlegenheit wurde bereits vor  mehreren Jahren widerlegt.&#8221; Migration sei ein unendlicher Prozess der  kein Ende f&#228;nde. Der Prozess gehe weiter, er m&#252;sse gestaltet und  begleitet werden. Der Autor und Politiker bekr&#228;ftigte, er habe sich auf  aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gest&#252;tzt. Er wolle als  Politiker, Beamter und Autor verstehen und gestalten.</p>
<p>Wie er selbst sagt, liebt er seinen Staat und das Land Deutschland  und das macht ihn zum Patrioten, zum umstrittenen Querdenker mit  kontroversen und provokativen Standpunkten, die die inhaltliche und  &#246;ffentliche Diskussion sicher verdienen – zumindest in Bezug auf seine  Thesen. Sollte er tats&#228;chlich den j&#252;dischen Publizisten Michel Friedmann  pers&#246;nlich nach einem Interview f&#252;r die Boulevard-Zeitung B.Z.  beleidigt haben, dann w&#252;rde dies die Grenzen des guten Anstandes und der  politischen Etikette verletzten und das sollte Thilo Sarrazin vor allem  als Beamter, Politiker, ehemaliger Finanzsenator, Bundesbankvorstand  und Autor verstehen k&#246;nnen. Doch noch sind die Medienberichte &#252;ber eine  m&#246;gliche Beleidigung nicht offiziell best&#228;tigt.</p>
<p>Umstrittene Thesen und Meinung sind ohne Zweifel in Deutschland auch  rechtlich gesch&#252;tzt eben durch Artikel 5 des Grundgesetzes das die FREIE  &#196;USSERUNG einer MEINUNG garantiert, ebenso wie auch Artikel 18 und  Artikel 19 der Allgemeinen Erkl&#228;rung der Menschenrechte, proklamiert von  den Vereinten Nationen im Jahr 1948. Gesch&#252;tzt werden jedoch nur das  RECHT auf FREIE MEINUNGS&#196;USSERUNG, die Freiheit der Information, die  Freiheit der Presse und die Freiheit der Gedanken.</p>
<p>Der deutsche Schriftsteller, Dichter, Autor und Journalist Heinrich  Heine (1797 – 1856) schrieb bereits vor etwas mehr als 210 Jahren: &#8220;Dort, wo man B&#252;cher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.&#8221;  (ein Zitat aus der Trag&#246;die Almansor, 1821).</p>
<p>Zu den Thesen &#252;ber ein m&#246;gliches bestehendes Gen, das die Herkunft  von Menschen einsehbar machen k&#246;nnte, gibt es eine Vielzahl von  Ver&#246;ffentlichungen unter anderem auch in der Zeitung J&#252;dische  Allgemeine, die in Berlin erscheint.</p>
<p>Eine Leseprobe aus dem neuen Buch von Thilo Sarrazin ist bei  folgender Adresse zu finden: <a href="http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/books/PDF/leseproben/9783421044303._V184985439_.pdf"> http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/books/PDF/leseproben/9783421044303._V184985439_.pdf</a></p>
<p><strong>Bibliografische Daten zum Buch </strong></p>
<p>Thilo Sarrazin<br />
Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen<br />
22,99 Euro<br />
DVA Deutsche Verlagsanstalt M&#252;nchen<br />
2. Auflage 2010<br />
Copyright 2010 by Deutsche Verlags-Anstalt, M&#252;nschen<br />
in der Verlagsgruppe Random House GmbH<br />
Lektorat und Satz: Ditta Ahmadi, Berlin<br />
Grafiken: Peter Palm, Berlin<br />
Druck und Bindung: GGP Media GmbH, P&#246;&#223;neck<br />
Printed in Germany 2010<br />
ISBN 978-3-421-04430-3<br />
www.dva.de</p>
<p><strong>Referenzen</strong></p>
<p>Gibt es J&#252;dische Gene ? – Internationale Ver&#246;ffentlichungen in den U.S.A. und Israel in verschiedenen Magazinen:</p>
<p>1. J&#252;dische Allgemeine, Gene und Abrahams Kinder, http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7637<br />
2. Gibt es j&#252;dische Gene ? http://www.khazaria.com/genetics/abstracts-cohen-levite.html<br />
3. Nature Magazin, zur These &#252;ber J&#252;dische Gene, http://www.nature.com/news/2010/100603/full/news.2010.277.html<br />
4. American Journal Of Human Genetics, Forschung zu Gene und Herkunft  von Menschen j&#252;dischen Glaubens,  http://www.cell.com/AJHG/retrieve/pii/S0002929710002466
</p>
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		<title>Neuer Podcast CLIP ist online! The Intersphere stellen sich vor</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 14:02:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nicole oppelt</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[  Zwei Monate ist es nun schon wieder her, seit sich die ehemaligen PopCamp-Teilnehmer &#8220;Baby Benzin&#8221; in der neuen Podcast-Reihe &#8220;CLIP&#8221; der Deutschen Welle einer breiteren &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentieren durften. Folge drei brachte f&#252;r die H&#246;rerinnen und H&#246;rer ungewohnte Hamburgische Kl&#228;nge, die wie &#8220;chili-scharfe Gitarren- und Bassriffs&#8221; klingen und dabei &#8220;auf Honig-Senf ges&#252;&#223;ten Gesang&#8221; treffen. Auch [...] ]]></description>
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<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/c5ed00b71f.jpg" /></dt>
<dd></dd>
</dl>
<p>Zwei Monate ist es nun schon wieder her, seit sich die ehemaligen PopCamp-Teilnehmer &#8220;<a href="http://www.readers-edition.de/2010/07/12/neuer-podcast-clip-ist-online-baby-benzin-stellen-sich-vor#31755">Baby Benzin&#8221; in der neuen Podcast-Reihe &#8220;CLIP&#8221;</a> der Deutschen Welle einer breiteren &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentieren durften. Folge drei brachte f&#252;r die H&#246;rerinnen und H&#246;rer ungewohnte Hamburgische Kl&#228;nge, die wie &#8220;chili-scharfe Gitarren- und Bassriffs&#8221; klingen und dabei &#8220;auf Honig-Senf ges&#252;&#223;ten Gesang&#8221; treffen. Auch DW-Autor Matthias Klaus zeigte sich beeindruckt von Simon Berholz, Max Schneider und Jo Varain, die sich &#8220;direkt, frei heraus und verr&#252;ckt&#8221; geb&#228;rdeten. Jetzt, zwei Monate sp&#228;ter, ist mit der in Mannheim ans&#228;ssigen Band &#8220;<a href="http://www.myspace.com/theintersphere">The Intersphere</a>&#8221; feinstes Kontrastprogramm angesagt.</p>
<p><strong>&#8220;laut und melodisch wie geradlinig und komplex&#8221;</strong></p>
<p>Folge 4 steht ganz im Zeichen des &#8220;Post Prog Rock&#8221; und der damit verbundenen Erkenntnis, dass diesem au&#223;ergew&#246;hnlichen Quartett einfache Rocksongs schlicht nicht weit genug gehen. Im <a href="http://www.musikrat.de/index.php?id=831">PopCamp</a> des Jahrgangs 2008 hat das Produzent Fabio Trentini nicht mehr los gelassen. Der gemeinsame Gang in die Horus Studios folgte prompt. Nun, zwei Jahre nach den ersten Schritten in Richtung Profiliga, fasst Matthias Klaus seine Eindr&#252;cke von Christoph, Sebastian, Thomas und Moritz, die allesamt dem Scho&#223; der Popakademie Baden-W&#252;rttemberg entstammen, so zusammen: &#8220;Sie klingen, als h&#228;tten die alten Pink Floyd mit The Police zusammen getrunken und dabei den Gedanken gefasst, ein Muse-Album mit viel Hall aufzunehmen. Oder um es positiv zu formulieren: Die Band greift auf 40 Jahre Rockgeschichte zur&#252;ck und macht daraus ihr eigenes Ding. Das ist gleicherma&#223;en laut und melodisch wie geradlinig und komplex.&#8221;</p>
<p>Die ehemaligen &#8220;Hesslers&#8221;, so scheint es nicht nur den langj&#228;hrigen Fans, sind mittlerweile erwachsen geworden. Ihr zweites Album &#8220;Interspheres - Atmospheres&#8221; erscheint gerade in den USA. Konsequent verfolgen sie ihren Traum weiter: &#8220;Dabei kommen sie ohne Unterst&#252;tzung durch die Musikindustrie aus, managen sich selbst und produzieren ihre Alben auf eigene Rechnung.&#8221; Im Meisterkurs f&#252;r Popul&#228;re Musik geht es unterdessen weiter. Dieser Tage steht die n&#228;chste Generation in den Startl&#246;chern, um gemeinsam in Richtung Trossingen zu ziehen. Aus Bonn hei&#223;t es: &#8220;Wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, bedeutet das f&#252;r das PopCamp den Beginn der Arbeitsphasen. Ab n&#228;chster Woche startet die Zusammenarbeit von Dozenten und Bands und wir sind gespannt, welche Erfahrungen die Bands, aber auch wir bei der ersten Arbeitsphase sammeln k&#246;nnen.&#8221;</p>
<p>Doch nun zur&#252;ck zu &#8220;The Intersphere&#8221;. Zur Podcast-Folge vier geht es <a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5862198,00.html"><strong>HIER</strong></a>. Viel Spa&#223;!
</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Demographie, Sarrazin und Migration</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2010/09/02/demographie-sarrazin-und-migration/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 10:25:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Erber</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Das jetzt am Montag offiziell vorgestellte Buch von Thilo Sarrazin, &#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221;, hat derzeit ein mediales Erdbeben ausgel&#246;st. Vieles was jetzt dazu gesagt wird, wirkt auf mich v&#246;llig &#252;berzogen. Ursache ist offenbar, dass die deutsche &#214;ffentlichkeit, insbesondere auch die Politik, das Problem der Integration, insbesondere einer wachsenden muslimischen Bev&#246;lkerung in Deutschland, auf das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/1261832100_3157b05df5.jpg" /></dt>
<dd></dd>
</dl>
<p>Das jetzt am Montag offiziell vorgestellte Buch von Thilo Sarrazin, &#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221;, hat derzeit ein mediales Erdbeben ausgel&#246;st. Vieles was jetzt dazu gesagt wird, wirkt auf mich v&#246;llig &#252;berzogen. Ursache ist offenbar, dass die deutsche &#214;ffentlichkeit, insbesondere auch die Politik, das Problem der Integration, insbesondere einer wachsenden muslimischen Bev&#246;lkerung in Deutschland, auf das kollektive Selbstverst&#228;ndnis &#252;ber die Kultur unseres Landes verdr&#228;ngt hat. Die &#196;u&#223;erungen von Sarrazin polarisieren nicht zuletzt deswegen die Politik, da sie mit der <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715216,00.html">&#196;chtung von Sarrazin</a> – sprich Rausschmiss als Vorstandsmitglied bei der Bundesbank sowie <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714987,00.html">Parteiausschluss bei der SPD</a> – an der <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715155,00.html">Stimmungslage im Land</a> wenig &#228;ndern kann. Es geht eben nicht nur um die Person Sarrazin, sondern um das wachsende Unbehagen an der offiziellen Migrationspolitik in Deutschland und den daraus resultierenden Folgen.</p>
<p><strong>Krise bei der Zahl der Neugeborenen in Deutschland</strong></p>
<p>Der drastische R&#252;ckgang bei der Zahl der Neugeborenen seit Mitte der 1970er Jahre ist lange bekannt. Der sogenannte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pillenknick">Pillenknick</a> ist ja nun schon seit vierzig Jahren Faktum und alle Interpretationsversuche, dass sich die Fertilit&#228;tsrate von Frauen automatisch wieder erh&#246;hen w&#252;rde, haben sich als fatale Irrt&#252;mer erwiesen. Nicht zuletzt spielt hier eine kinder- und familienfeindliche Politik und Gesellschaft eine zentrale Rolle. Was ehemals unter dem Begriff von Kinderreichtum als Quelle des Wohlstands angesehen wurde, ist zum gr&#246;&#223;ten <a href="http://www.elternkompetenz.de/text7.htm">Armutsrisiko</a> von Kindern und deren Familien geworden. Zwar hat man sp&#228;t – sehr sp&#228;t – damit begonnen, hier durch Erh&#246;hungen des Kindergeldes, Erziehungsurlaub, bessere Kinderbetreuungsm&#246;glichkeiten etc. die Situation von Familien mit Kindern etwas zu verbessern, aber letztendlich bleibt es dabei, es gibt keinerlei wirtschaftlichen Anreiz eine Familie mit mehreren Kindern zu gr&#252;nden. Diejenigen, die Kinder zeugen und gro&#223;ziehen, tun dies mit Sicherheit nicht aus rein wirtschaftlichen &#220;berlegungen heraus. Allerdings erweist sich das von vielen daraus erhoffte Familiengl&#252;ck dann im Nachhinein als &#228;u&#223;erst tr&#252;gerisch. Die weiterhin steigenden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scheidungsrate">Scheidungsquoten</a> sind ein beredter Beleg daf&#252;r.</p>
<p>Die weiterhin wachsende Krise der Familie findet auch ihren Niederschlag in Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder bis hin zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kindst%C3%B6tung">Kindst&#246;tung</a>. Andere Spuren der Verwahrlosung finden sich in unserem Bildungssystem, bei der die Zahl der Schulabbrecher im internationalen Vergleich <a href="http://www.focus.de/schule/schule/unterricht/tid-16807/schulabbrecher-ohne-ticket-in-die-zukunft_aid_469734.html">besch&#228;mend hoch</a> ist. &#214;konomischer Wohlstand wie Ausstattung mit Konsumg&#252;tern einschlie&#223;lich Autos und Urlaubsreisen f&#252;hrt nicht zu einem Lebensgl&#252;ck in der Gesellschaft, d.h. gl&#252;cklichen Familien und deren Kindern und positiven Zukunftserwartungen. Nicht zuletzt aufgrund dieses Widerspruchs hat die Gl&#252;cksforschung und ihr Drumherum, die Debatte um Gl&#252;ck und Lebenszufriedenheit, Konjunktur.</p>
<p><strong>Die Krise der Wohlstandsgesellschaft</strong></p>
<p>Offenbar hat das Streben nach materiellem Wohlstand nicht automatisch zur Folge, dass die Lebenszufriedenheit unserer Gesellschaft steigt. Stattdessen steigt auch die <a href="http://www.gesundheit-heute.de/gh/ebene.html?id=1974">Zahl der psychischen Erkrankungen</a>. Unsere Leistungsgesellschaft, die mit einer wachsenden Einkommensungleichheit einhergeht, macht weniger reich und eine <a href="http://www.stern.de/wirtschaft/geld/statistisches-bundesamt-mehr-sozialhilfeempfaenger-in-deutschland-598121.html">wachsende Zahl zu Sozialhilfeempf&#228;ngern</a> oder &#8220;Working Poor&#8221;. Offenbar ist Erhardts Parole, <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article761830/Wohlstand-fuer-alle-Die-Zeiten-sind-vorbei.html">&#8220;Wohlstand f&#252;r Alle&#8221;</a>, nur eine Illusion geblieben. Statt sozialen Aufstiegs f&#252;hlen sich immer mehr Menschen durch die Gefahr des sozialen Abstiegs bedroht. Unsere Kinder werden es – so f&#252;hlen es viele –  nicht mehr besser haben als wir. Diese Zukunftsangst ist die Grundlage auch f&#252;r die Krise, die durch eine rein nach den Bed&#252;rfnissen der Wirtschaft ausgerichtete Migrationspolitik seit Mitte der 1970er Jahre, in Ausl&#228;nderfeindlichkeit <a href="http://www.migration-info.de/mub_artikel.php?Id=050710">ihren Niederschlag gefunden hat</a>.</p>
<p><strong>Migration ist keine Patentl&#246;sung f&#252;r unser Demographieproblem</strong></p>
<p>Als Ausweg aus den stetig sinkenden Geburtenzahlen in Deutschland sind die Demographen auf den Gedanken verfallen, dass Zuwanderung den Geburtenmangel ausgleichen kann. Was an einer einheimisch geborenen Generation fehlt, soll eben schlichtweg importiert werden. Fehlen Arbeitskr&#228;fte – kein Problem – wurden eben Gastarbeiter importiert. Die Illusion, mit der diese Politik der &#214;ffentlichkeit in Deutschland verkauft wurde, war, dass diese Arbeitskr&#228;fte je nach Lage der Konjunktur wieder in ihre Heimatl&#228;nder zur&#252;ckgeschickt werden k&#246;nnten. Was stattdessen eintrat ist, dass nicht besonders &#252;berraschend aufgrund der bestehenden wirtschaftlichen und sozialen Gef&#228;lle derjenigen L&#228;nder, die einen hohen Bev&#246;lkerungs&#252;berschuss aufzuweisen hatten, diese Arbeitsemigranten wenig Neigung zeigten auch in Krisenzeiten in ihre Heimatl&#228;nder zur&#252;ckzukehren.</p>
<p><strong>Billige Arbeitskr&#228;fte f&#252;hrten zu steigenden Soziallasten</strong></p>
<p>Da aufgrund schlechter Bezahlung und schlechter Arbeitsbedingungen zun&#228;chst die unattraktiven Jobs an Arbeitskr&#228;ftemangel litten, wurden eben willige Arbeitskr&#228;fte insbesondere in Deutschland aus der islamischen T&#252;rkei importiert. Diese wurden dann aber nicht als vollwertige Mitb&#252;rger betrachtet, sondern dienten als neue Unterschicht dazu, eine Lohn- und Gehaltssteigerung oder Verbesserung solcher Arbeitspl&#228;tze zu vermeiden. Da durch Familienzusammenf&#252;hrung und deren Nachwuchs aus diesen bildungsfernen Einwanderern immer gr&#246;&#223;ere soziale Ballungszentren entstanden, kam es auch zur Getto-Bildung, d.h. gewollten oder auch ungewollter Selbstausgrenzung insbesondere in Gro&#223;st&#228;dten.</p>
<p>Bereits in den 1980er Jahren waren so in Neuk&#246;lln, Kreuzberg oder Wedding in Berlin die Sch&#252;lerquoten von ausl&#228;ndischen Kindern in den Schulen oft weit &#252;ber 50 Prozent gestiegen. Deren sprachlichen und kulturellen Probleme wurden aber von der deutschen Mehrheitsgesellschaft ignoriert. Die Folge daraus war, dass statt der vorhergesagten zunehmenden Integration von Migranten von Generation zu Generation, das Gegenteil festzustellen war. Die vielbeschworene multikulturelle Gesellschaft, die ein harmonisches Miteinander von wechselseitig sich respektierenden B&#252;rgern aus unterschiedlichen Kulturen als zuk&#252;nftiges Gesellschaftsideal postulierte, passte nicht zur Realit&#228;t miteinander zunehmend in Konflikt geratender unterschiedlicher Migrantengruppen und zugleich mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft, die wenig Neigung versp&#252;rte, die drop-outs aus den Ausl&#228;ndergettos noch zu integrieren. Der Spruch von den lebenslangen Sozialhilfeempf&#228;ngern seit Geburt machte insbesondere im Bereich der besonders zahlreichen islamischen Migranten <a href="http://books.google.de/books?id=6htBkrqXvS8C&#038;pg=PA288&#038;lpg=PA288&#038;dq=lebenslange+Sozialhilfeempf%C3%A4nger&#038;source=bl&#038;ots=u2sTDHXdoD&#038;sig=tIIlRvB_hPrmt3ZoDGol5pjzBks&#038;hl=de&#038;ei=DGd_TISVPOSkOJPagYAO&#038;sa=X&#038;oi=book_result&#038;ct=result&#038;resnum=1&#038;ved=0CBYQ6AEwAA#v=onepage&#038;q=lebenslange%20Sozialhilfeempf%C3%A4nger&#038;f=false">die Runde</a>. Diese Stigmatisierung und Selbst-Stigmatisierung ist nicht folgenlos geblieben. Aus Asylanten, die aufgrund politischer Verfolgung um politisches Asyl baten, wurden <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/wirtschaftsasylanten-diht-chef-fordert-mehr-kontrolle/161132.html">Wirtschaftsasylanten</a>. Letztere wurden immer mehr als Bedrohung des Sozialstaats angesehen, da sie de facto sich kaum erfolgreich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen konnten. Kulturelle, insbesondere auch sprachliche Defizite, lie&#223;en sie zu dauerhaften Sozialhilfeempf&#228;ngern werden. Dass diese ungesteuerte Entwicklung Ressentiments in der Bev&#246;lkerung ausl&#246;ste, die f&#252;r die Finanzierung dieser Soziallasten aufkommen musste, ist nicht &#252;berraschend.</p>
<p><strong>Die Wiedervereinigung und die Krise am deutschen Arbeitsmarkt</strong></p>
<p>Die Wiedervereinigung und die dadurch ausgel&#246;ste Massenarbeitslosigkeit hat die Problematik einer verfehlten Migrationspolitik schlagartig in den 1990er Jahren versch&#228;rft. Insbesondere in den neuen Bundesl&#228;ndern f&#252;hrte die Konkurrenz um die knappen Arbeitspl&#228;tze zu einer zunehmenden Ausl&#228;nderfeindlichkeit. Bei Arbeitslosenquoten von &#252;ber 20 Prozent in Ostdeutschland f&#252;hlte sich ein gro&#223;er Teil der Bev&#246;lkerung ausgegrenzt. Die Konkurrenz mit ausl&#228;ndischen Migranten, sowohl auf dem Arbeitsmarkt und um die knapper werden Mittel des Sozialstaats, lie&#223;en Ressentiments gegen Ausl&#228;nder weiter eskalieren.</p>
<p><strong>Der Krieg gegen den Terror</strong></p>
<p>Sp&#228;testens mit dem Anschlag auf das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/World_Trade_Center">World Trade Center</a> &#228;nderte sich weltweit, aber insbesondere in der westlichen Welt, das Verh&#228;ltnis zum Islam. Durch den von islamischen Fundamentalisten verursachten Anschlag, die insbesondere auch Deutschland als Plattform f&#252;r ihre Vorbereitungen gew&#228;hlt hatten, wurde die Frage gestellt, ob die Nichtbeachtung oder Toleranz der islamischen Minderheiten in Deutschland nicht eine Bedrohung f&#252;r die gesellschaftliche Stabilit&#228;t auch unseres Landes darstellt. Das Grundrecht auf freie politische Bet&#228;tigung wurde insbesondere auch von islamischen radikalen Gruppen von Zuwanderern in Deutschland dazu genutzt, um politische Konflikte wie sie beispielsweise zwischen Kurden und T&#252;rken, rechts- und linksradikalen T&#252;rken in der T&#252;rkei ausgefochten worden, nun wegen der Gew&#228;hrung des politischen Asyls in Deutschland von hier aus fortgesetzt wurden. All dies hat sicherlich nicht zu einer wachsenden Empathie der einheimischen Bev&#246;lkerung gegen&#252;ber diesen Gruppen beigetragen.</p>
<p>Mithin ist die gesellschaftliche Spaltung zwischen einheimischer Bev&#246;lkerung und insbesondere islamisch-religi&#246;ser Zuwanderer seither gewachsen. Durch die radikale Auslegung des Islam, der Ungl&#228;ubige zur Zielscheibe von Hass bis hin zu Terroranschl&#228;gen macht, durch kulturelle Selbstausgrenzung durch Beharren auf traditionelle islamische Lebensweisen symbolisiert durch Kopftuchgebot f&#252;r Frauen, hat die Integration keine Fortschritte, sondern zunehmend R&#252;ckschl&#228;ge zu verzeichnen.</p>
<p>Der Versuch der Politik im Zuge einer politischen Korrektheit, die allt&#228;glichen Ereignisse und Nachrichten zu leugnen, hat die Problematik nicht beseitigen k&#246;nnen. Nach dem Motto &#8220;es darf nicht sein, was nicht sein darf&#8221; ist nicht nach nachhaltigen L&#246;sungsstrategien gesucht worden.</p>
<p>Partiall&#246;sungen wie Verbesserung beim Spracherwerb sind ja noch lange keine Garantie f&#252;r eine Identifikation mit einer deutschen Kultur. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Atta">Mohammed Atta</a> und seine Kumpane sind ja durchaus nicht wegen mangelhafter Sprachkompetenz zu islamischen Terroristen geworden. Der Hass auf die westliche Kultur, die mit den islamischen Lebensgrunds&#228;tzen unvereinbar ist, war nicht zuletzt der N&#228;hrboden f&#252;r die Bereitschaft, diese mit einem symbolischen Terroranschlag in Furcht und Schrecken zu versetzten.</p>
<p><strong>Islamischer Fundamentalismus</strong></p>
<p>Die Dauerkonflikte zwischen den durch islamischen Fundamentalismus verbundenen L&#228;ndern wie Afghanistan oder dem Iran, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwas</a> gegen Literaten wie S<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Salman_Rushdie">alman Rushdie</a> oder gegen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gesicht_Mohammeds">d&#228;nische Karikaturisten</a> haben ebenfalls in der &#214;ffentlichkeit den Eindruck entstehen lassen, dass der Islam in seiner radikalen Form des Islamismus sich an die kulturelle Eigenst&#228;ndigkeit und daraus auch erforderliche Toleranz des Andersdenken nicht gebunden f&#252;hlt. Damit erhebt aber ein nicht klar abzugrenzender Teil der islamischen Glaubensgemeinschaft einen kulturellen Hegemonieanspruch, der sich sowohl gegen Ungl&#228;ubige wie auch gegen andersgl&#228;ubige Muslime richtet. Da es aber in der Regel f&#252;r den Islam fernstehenden Menschen schwer f&#228;llt, hier zwischen den unterschiedlichen Str&#246;mungen zu unterscheiden, kommt es zu einer Pauschalisierung in Form einer generellen Islamfeindlichkeit. Dass dies nicht ein typisch deutsches Ph&#228;nomen ist, zeigt sich im &#252;brigen Europa. Auch dort wachsen die Zweifel, dass die Forderung nach kultureller Eigenst&#228;ndigkeit nicht irgendwann in Forderung nach kultureller Hegemonie ausarten k&#246;nnte. Diese Sorge, dass es keine nachhaltige wechselseitige Toleranz zwischen zahlreichen Muslimen und Nicht- bzw. Andersgl&#228;ubigen geben wird, ist der Treibstoff f&#252;r zuk&#252;nftige Krisen.</p>
<p><strong>Zwiesp&#228;ltige Rolle der Medien</strong></p>
<p>Dabei spielen die Medien eine ma&#223;gebliche Rolle. Im Alltagsleben mag ja das Zusammenleben zwischen islamischen Gl&#228;ubigen und der &#252;brigen Bev&#246;lkerung halbwegs friedlich funktionieren, aber die st&#228;ndige Berichterstattung &#252;ber Selbstmordattent&#228;ter in Afghanistan, Pakistan, Israel oder dem Irak, einschlie&#223;lich von Terroranschl&#228;gen in Europa und den USA, schafft ein Klima der Angst und des Misstrauens, die eine Integration der islamischen Bev&#246;lkerung in den Migrationsl&#228;ndern erschweren oder sogar verhindern. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hassprediger">Hassprediger</a> sind nun mal keine Gespr&#228;chspartner f&#252;r einen friedlichen Dialog der Kulturen &#252;ber interkulturelle Fragen und Glaubensfragen. Mithin d&#252;rfte es auch schwer fallen, denkt man &#252;ber Thilo Sarrazin hinaus, aus einer generellen Ma&#223;regelung von Vertretern einer islamkritischen Haltung den Konflikt zwischen islamischer und einheimischer Bev&#246;lkerung nachhaltig zu befrieden.</p>
<p>Hierzu bedarf es einer umfassenderen Dialogbereitschaft und dem Willen auch auf Seiten der islamischen Bev&#246;lkerung, einen Weg der interkulturellen Toleranz auf der Grundlage unserer Verfassung zu akzeptieren. Dies wird jedoch ein steiniger Weg bleiben. Schnelle Erfolge sind hier nicht zu erzielen.</p>
<p>Photo Quelle/Copyright: Firas, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via <a href="http://www.flickr.com/photos/firas1/1261832100/sizes/m/">flickr</a>
</p>
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		<title>Von Migranten und Assimilanten - Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 16:08:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uli Gellermann</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Falls es zwischen 900 und 1000 schon das Land Deutschland gegeben h&#228;tte, dann w&#228;ren die Magyaren, ein ziemlich unruhiges Reitervolk, wohl die ersten Migranten in Deutschland gewesen: Rund 60 Jahre lang versuchten sie Teile des Ostfrankenreiches unter ihre Kontrolle zu bringen. Erst als sie in der Schlacht auf dem Lechfeld, nicht weit von Augsburg, unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Falls es zwischen 900 und 1000 schon das Land Deutschland gegeben h&#228;tte, dann w&#228;ren die Magyaren, ein ziemlich unruhiges Reitervolk, wohl die ersten Migranten in Deutschland gewesen: Rund 60 Jahre lang versuchten sie Teile des Ostfrankenreiches unter ihre Kontrolle zu bringen. Erst als sie in der Schlacht auf dem Lechfeld, nicht weit von Augsburg, unter der F&#252;hrung Otto I. vernichtend geschlagen wurden, zogen sie sich in das heutige Ungarn zur&#252;ck und wurden sesshaft.</p>
<p>Wahrhaftige Historiker, wie der Exkanzler Helmut Schmidt, sehen in Otto den Gr&#252;nder des deutschen Reichs. Dass er so nebenbei auch K&#246;nig von Italien war, st&#246;rt solche Reichs-Helmuts nur wenig. Spuren der Magyaren findet man noch heute in Bayern: Die schr&#228;g gestellten Augen mancher bayerischer Landeskinder verweisen bis heute auf eingewandertes Erbgut. Ethnologen werten diese Hinterlassenschaft nicht als Integrationsanstrengungen der Magyaren.</p>
<p>Die Liutizen und Obotriten, Volksgruppen, die den Slawen zuzurechnen sind, bewohnten im Mittelalter Teile von Mecklenburg, Brandenburg und Holstein. Sie hatten, aus der Sicht der ostfr&#228;nkischen Migranten, die erst sp&#228;ter in diese Gegend kamen, mehrere Nachteile: Sie waren Heiden, w&#228;hrend die Ostfranken schon Christen waren, sie sprachen kein ordentliches Deutsch und sie wollten ihren Grund und Boden nicht freiwillig rausgeben. Grund genug f&#252;r die christlichen Einwanderer eine Parallelgesellschaft aufzubauen. Erst der Wendenkreuzzug von 1147 mit seinen anschlie&#223;enden Massentaufen brachte die Wende zur Assimilation. Die deutschsprachigen Ostfranken integrierten sich erfolgreich als neue Besitzer der eroberten L&#228;ndereien, das Sorbische blieb als folkloristische Erinnerung an die einstigen, slawischen Herren des Landes &#252;brig.</p>
<p><strong>Tibulsky, Szymanski, Pawelcyk und viele andere, &#228;hnlich klangvolle Namen sind bis heute im Ruhrgebiet zu finden. </strong></p>
<p>Sie sind die Hinterlassenschaft polnischer Arbeiter, die im Zuge der deutschen Industrialisierung den Teil Westfalens besiedelten, in dem Kohle abzubauen und unangenehme Arbeit an Hoch&#246;fen zu verrichten war. Bottrop, zum Beispiel, z&#228;hlte im Jahr 1875 nur 6.600 Einwohner. Um 1915 hatte sich die Zahl verzehnfacht und die urspr&#252;ngliche Bev&#246;lkerung wurde zur Minderheit. Die Polen entwickelten sofort eine Parallelgesellschaft: Eine eigene Gewerkschaft, eine polnische Bank und eine Zeitung wurden im deutschen Ruhrgebiet gegr&#252;ndet. Nat&#252;rlich sprachen die Einwanderer kaum Deutsch. Das und ihr fanatischer Katholizismus machte die Arbeitsmigranten nicht beliebt. Auch der Gro&#223;denker und Gelegenheitshistoriker Helmut Schmidt wusste schon was dazu zu sagen: &#8220;Wir haben die Ruhrpolen verdaut, also werden wir auch die Gastarbeiter verdauen.&#8221;</p>
<p>Hier, wie auch anderswo, irrte Schmidt: Zwei Drittel der Polen haben Deutschland sp&#228;ter verlassen. Soweit zu Hochrechnungen und Statistiken scheinbar wichtiger Sozialdemokraten.</p>
<p>Angeblich waren sie auch Deutsche, aber wer von den Hiesigen wollte die ostpreu&#223;ischen, schlesischen oder sudetendeutschen Dialekte in der neuen Heimat - ob in Mecklenburg oder im Rheinland - schon f&#252;r richtiges Deutsch halten? Sie hie&#223;en bei den Einheimischen Rucksack- oder Beutedeutsche und begannen, sofort nach ihrer Vertreibung aus den mehr oder weniger deutschen Ostgebieten, in Westdeutschland mit dem Aufbau von Vertriebenen-Verb&#228;nden. In M&#252;nchen, D&#252;sseldorf und Aachen zeugen &#8220;H&#228;user des deutschen Ostens&#8221; bis heute von einer starken Tendenz zur Parallelgesellschaft. Die Vertriebenen hatten mit dem BHE eine eigene Partei, gegr&#252;ndet von einem Ehren-Hauptsturmf&#252;hrer der SS, die  immerhin mehr als zehn Jahre bestand und dann in der CDU/CSU aufging. Sp&#228;testens mit dem bundesdeutschen Vertriebenenminister Theo Oberl&#228;nder (von 1953 bis 1960), der am Hitler-Ludendorff-Putsch teilgenommen und eine Karriere in der SA hinter sich hatte, durften die Vertriebenen als assimiliert gelten. Allerdings wurde dieser Prozess durch die Steuer-Millionen des &#8220;Lastenausgleich&#8221; (der u. a. den Vertriebenen Haus und Hof ersetzen sollte) sehr erleichtert. Anders als andere Migranten galten sie als &#8220;Volksdeutsche&#8221;, die ihren &#8220;Wohnsitz in den zurzeit unter fremder Verwaltung stehenden deutschen Ostgebieten oder in den Gebieten au&#223;erhalb der Grenzen des Deutschen Reichs&#8221; hatten: Mit ihnen waren lange Zeit Gebiets-Anspr&#252;che anzumelden.</p>
<p>Anspr&#252;che sollten die etwa vier Millionen italienischen &#8220;Gastarbeiter&#8221;, die zwischen 1956 und 1972 in die Bundesrepublik einwanderten, lieber nicht erheben. Gern wurden sie in Baracken untergebracht. Vier kleine Italiener auf zw&#246;lf Quadratmetern: Das war in den 50er Jahren bei einem Miet-Quadratmeter-Preis von f&#252;nfzehn Mark ein blendendes Gesch&#228;ft. Wie &#252;berhaupt die Mehrheit der Gastarbeiter - Griechen, Spanier, Portugiesen, T&#252;rken - ein prima Gesch&#228;ft f&#252;r die Deutschen war: Sie zahlte in die Sozialkassen ein, ging dann aber gr&#246;&#223;tenteils in ihre Heimatl&#228;nder zur&#252;ck ohne die bundesdeutschen Kassen sonderlich zu belasten. Dar&#252;ber gibt es weder B&#252;cher noch Aufregung. Immer noch leben etwa 600.000 Italiener in Deutschland. Doch trotz der beliebten Pizza, der Pasta und der Toskanafraktion: Laut einer Studie der &#8220;Zeit&#8221; schneiden italienischst&#228;mmige Sch&#252;ler an deutschen Schulen schlechter ab als andere Einwanderergruppen.<br />
<strong><br />
Essen prima, Integration misslungen.</strong></p>
<p>Seit 1.700 Jahren leben Juden dort, wo heute Deutschland liegt. In K&#246;ln, Trier, Mainz und Worms haben sie im Gefolge der R&#246;mer Gemeinden gegr&#252;ndet. Ob die heute in den genannten St&#228;dten wohnenden Deutschen ebenso lange dort existieren, ist fraglich. Eher d&#252;rften sie, im Rahmen der V&#246;lkerwanderung, einer sehr fr&#252;hen Migrationsbewegung, h&#228;ngen geblieben sein. Sp&#228;ter sind j&#252;dische Zuwanderer nach Deutschland aus Spanien, Polen oder Russland zu verzeichnen. Fraglos hatten sich viele Juden, soweit man sie lie&#223;, in Deutschland integriert. Das ging bis zum &#8220;J&#252;dischen Frontk&#228;mpferbund&#8221;, einer stramm assimilierten deutschnationalen Vereinigung, die ihren Sitz am Berliner Kurf&#252;rstendamm hatte. Das sollte nach 1933 anders werden. Die Frage, ob die Juden f&#252;r die deutsche Volkswirtschaft von Nutzen waren, wird heute nicht gestellt. Obwohl das arisierte Verm&#246;gen deutscher Juden nachweislich bis heute zum Reichtum der Bundesrepublik beitr&#228;gt. Ob das n&#228;chste Sarrazin-Buch von den bis heute unbezahlten Fahrten j&#252;discher Fahrg&#228;ste mit der Deutschen Reichsbahn nach Auschwitz handeln wird, ist nicht bekannt.
</p>
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		<title>The Wilderness Downtown: Die Zukunft ist jetzt</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 15:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Holger Finn</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
	<category>Internetkultur</category>
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		<description><![CDATA[Das Land der Dichter und Denker, der Erfinder und Erbauer, so sieht sich Deutschland auch im ersten Jahrzehnt nach dem Jahrtausendwechsel. Dabei ist der letzte Beitrag zur Fortschreibung der Moderne, den ein Deutscher geliefert hat, auch schon wieder mehr als 20 Jahre her: Karlheinz Brandenburg, ein vollb&#228;rtiger Techno-Taliban, dachte sich damals das Musikkompressionsverfahren MP3 aus.
Seitdem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Land der Dichter und Denker, der Erfinder und Erbauer, so sieht sich Deutschland auch im ersten Jahrzehnt nach dem Jahrtausendwechsel. Dabei ist der letzte Beitrag zur Fortschreibung der Moderne, den ein Deutscher geliefert hat, auch schon wieder mehr als 20 Jahre her: Karlheinz Brandenburg, ein vollb&#228;rtiger Techno-Taliban, dachte sich damals das Musikkompressionsverfahren MP3 aus.</p>
<p>Seitdem kommt nichts mehr, seitdem schauen die besten Denker Deutschlands zu, wie anderswo die Leitplanken der Zukunft geplant und aufgestellt werden. Den ersten MP3-Player baute seinerzeit eine deutsche Firma, die anschlie&#223;end an ihrem Produkt bankrott ging. Deutsche bauen seitdem wieder Autos, wie schon hundert Jahre lang. W&#228;hrend sich andere um die Weiterentwicklung deutscher Ideen k&#252;mmern: Plasmafernseher aus Korea, MP3-Player aus China, Suchmaschinen aus Amerika, Hybridantriebe aus Japan.</p>
<p><strong>Die Deutschen, Erfinder der Weltraumrakete und des konventionellen Gasangriffs, stehen skeptisch dabei. Ob das wohl gut geht? </strong></p>
<p>Alles, was neu ist, wird abgelehnt, egal ob Street View oder Kreditkarte, GPS-Handy oder Facebook-Account. Seit dem ein Deutscher den Stapelstuhl erfunden hat, ist dem Deutschen jede Fortentwicklung suspekt. &#220;ber eine Chipkarte f&#252;r Kranke wird so lange diskutiert, bis eine Chipkarte so alt und unpraktisch ist wie ein DDR-SV-Buch, die Einf&#252;hrung von kommunaler Verwaltung &#252;ber das Internet dauert so andauernd, dass Wernher von Braun in derselben Zeit mit denselben Mitteln schon auf dem Mars gelandet w&#228;re.</p>
<p>Die ehemalige Hightech-Nation <a href="http://netzwerkrecherche.wordpress.com/2010/09/01/gymnasiasten/">&#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221;</a> (Sarrazin) und braucht dazu nicht einmal physisches Aussterben. Auch aus dem Internet, urspr&#252;nglich eine europ&#228;ische Idee, haben sich deutsche Politik und Forschung verabschiedet. In der Arbeitsgruppe <a href="http://www.whatwg.org/">WHATWG,</a> die mit HTML5 den n&#228;chsten Standard f&#252;r multimediale Webinhalte erarbeitet, sitzen Mozilla Foundation, Google und Apple aus den USA, Opera aus Norwegen und zahlreiche andere Firmen. Deutsche sind nicht darunter.</p>
<p><strong>Dabei ist beeindruckend, was das urspr&#252;nglich &#8220;Web Applications 1.0&#8243; genannte Format durch erweiterbare Widgets m&#246;glich macht. </strong></p>
<p>Die kanadische Band Arcade Fire hat ihren Song “We Used to Wait” aus dem neuen Album &#8220;The Suburbs&#8221; f&#252;r das Projekt <a href="http://www.thewildernessdowntown.com/">“The Wilderness Downtown” </a>bereitgestellt, mit dem der Regisseur The Suburbs und Google versuchen, die Perspektiven von HTML5 zu verdeutlichen. Videos lassen sich mit dem Code &#8220;Modernizr.geolocation&#8221; mit Karten und Street-View-Ansichten verbinden, Videoteile laufen nebeneinander, Fenster ploppen auf und wieder zu, Perspektiven folgen nicht mehr nacheinander, sondern wie im Split-Screen-Hit &#8220;24&#8243; nebeneinander und &#252;bereinander.</p>
<p>Vor allem die Geolocation-Funktion, die Chris Milk einsetzt, um seinen Videohelden durch echte Kulissen zu jagen - und zwar auf Wunsch jedes einzelnen Zuschauers durch genau die, die jener sehen m&#246;chte - ist beeindruckend.</p>
<p>Dank der deutschen Politik der Zukunftsvermeidung zugunsten h&#246;herer Regulierung des Alltagslebens mangelt es der von PPQ mit Hilfe von Milk und Arcade Fire erstellten Version aus Halle <a href="http://www.youtube.com/watch?v=3U4odfAbtpk">in ihrer Ursprungsform</a> an den Street-View-Inhalten, mit denen andere Varianten des Videos etwa aus <a href="http://www.youtube.com/watch?v=cDGOPfmljcc">Tokio,</a> New York und Paris dem langen Lauf des Kapuzenjungen zu sich selbst noch eine weitere Dimension hinzuf&#252;gen k&#246;nnen. W&#228;hrend er vor&#252;berrennt, kann man die Zukunft f&#246;rmlich vorbeispurten sehen, an den Fassaden, die aus Sicherheitsgr&#252;nden kleine schwarze Fenster bleiben.</p>
<p>Dank der freundlichen Unterst&#252;tzung hallescher Hobbyfilmer ist es jedoch gelungen, die wegen ihres Alters in Sachen Datenschutzversto&#223; ohnehin fragw&#252;rdigen Aufnahmen der gigantischen Baugrube am halleschen Hallmarkt mit aktuellen Kamerafahrten zu erg&#228;nzen. PPQ hat die Zukunft nach Halle geholt - Zusatznutzen dieser ersten deutschen Version, auf die nun niemand mehr l&#228;nger warten muss: Das Original l&#228;uft am besten in Googles Chrome-Browser. Die PPQ-Variante aus dem Herzen Mitteldeutschlands auf allen Ger&#228;ten, mit allen Browsern.<br />
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Quelle: <a href="http://www.politplatschquatsch.com/2010/09/wilderness-downtown-zukunft-ist-jetzt.html">politplatschquatsch.com</a>
</p>
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		<title>Schwierige Integration</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 12:41:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albert Albern</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Einer, der sich in seinem Leben mehrmals integrieren musste, der muss es auch wissen. Jede Integration ist verdammt schwierig. Und wie eine gelungene Integration aussieht, davon habe ich bis heute keine Ahnung. Daf&#252;r wei&#223; ich genau, dass ich nie und nimmer integriert werden will! Deswegen bin ich lieber zum Narren geworden, um den Milit&#228;rdienst in meiner Heimat, in dem damaligen kommunistischen Regime nicht leisten zu m&#252;ssen. Ich wusste, dass ich die Integrationshilfe nicht ertragen werde, die dort jedem Neuank&#246;mmling bereitwillig geleistet wurde. Ich will mich immer und &#252;berall selbst integrieren. Das erscheint mir als die vern&#252;nftigste L&#246;sung.Mit sechs Jahren in ein Kinderheim gesteckt, habe ich die Problematik der Integration bereits lernen d&#252;rfen, noch bevor ich das hoch intelligente aber auch h&#246;chst problematische Wort „Integration“ kennen gelernt habe. Und schon damals, mit sechs Jahren, habe ich instinktiv darauf geachtet, dass ich mich grunds&#228;tzlich selbst integrieren will und auf keinen Fall integrieren lasse! Es war aber kein Ergebnis einer fr&#252;hreifen Pers&#246;nlichkeit, sondern nur die Folge der autistischen Veranlagung, &#252;ber die damals kaum jemand etwas wusste, ich auch nicht. Seine Hoheit „Autist“ badet grunds&#228;tzlich alleine und l&#228;sst sich von niemandem den R&#252;cken schrubben.</p>
<p><strong>Die fremde Fremde</strong></p>
<p>Mit drei&#223;ig Jahren bin ich in ein Land emigriert, von dem ich annahm, das es mir am wenigsten fremd sein wird. Einige meiner Vorfahren stammten daher und einige wurden dorthin nach dem Zweiten Weltkrieg wieder abgeschoben. Nat&#252;rlich hatte ich keine Illusion davon, dass ich mich mit den Menschen dort gut verstehen werde. Erstens habe ich mich nur mir wenigen Verwandten eher ma&#223;voll und vornehmlich zur&#252;ckhaltend verstanden. Zweitens beherrschte ich die Sprache nicht.</p>
<p>Die Unkenntnis der Sprache der Einheimischen ist f&#252;r die meisten Globetrotter ein ernstzunehmendes Hindernis f&#252;r erfolgreiche Integration. Bei mir war es eher ein unsch&#228;tzbarer Vorteil. In dem ich mit meinem Gerede bei niemandem einecken konnte, erfuhr ich in der Anfangsphase meiner Integration deutlich mehr Toleranz, als etwas sp&#228;ter. Als ich im gebrochenen Deutsch endlich meine quirligen Gedanken &#228;u&#223;ern konnte, sank die Toleranz seitens der Einheimischen beachtlich. Und das ist auch gut so! Meine Gedanken sind nicht dazu da, um toleriert zu werden. Denn Toleranz ergibt keine ernsthafte Auseinandersetzung.</p>
<p><strong>Ein Ausl&#228;nder unter Gleichen</strong></p>
<p>Im Sprachkurs, am Studienkolleg und bei anderen Gelegenheiten, einschlie&#223;lich des Ausl&#228;nderamtes, konnte ich viele andere Ausl&#228;nder kennen lernen, mit denen ich nur diese eine aberwitzige Gemeinsamkeit hatte – Ausl&#228;nder zu sein. Es waren Ausl&#228;nder aus Osteuropa, aus islamischen L&#228;ndern, aus Afrika und Asien - eine bunte Mischung, die sich im gebrochenen Deutsch verst&#228;ndigte und um gegenseitiges Kennenlernen m&#252;hte. Es war ein intensives Erlebnis, aus dem die Erkenntnis herauskam, dass Ausl&#228;nder zu sein das gleiche ist wie Mensch zu sein. Aber man muss es halt erlebt haben.</p>
<p>Wir hatte alle ziemliche Probleme und Schwierigkeiten mit der Integration, &#252;ber die wir uns am meisten austauschten. Es war erleichternd, zu erfahren, dass unsere Probleme und Schwierigkeiten sehr &#228;hnelten, egal woher wir herkamen. Daher r&#252;hrte wohl auch das Gef&#252;hl, dass wir alle gleich seien, halt Menschen mit sehr gleichen Problemen und Schwierigkeiten. Und wir konnten dar&#252;ber sogar lachen. In einigen Kulturen wird es wom&#246;glich als unanst&#228;ndig angesehen, wenn jemand &#252;ber die vielen Probleme hier und da lacht. Weil in solchen Kulturen die Ernsthaftigkeit gegen&#252;ber Problemen viel angebrachter erscheint. Wir hatten jedoch den Vorteil, dass bei uns keine Kultur dominieren konnte. Also haben wir herzlich &#252;ber manche Probleme und auch &#252;ber uns selbst gelacht.</p>
<p><strong>Ausnahmen gibt es immer</strong></p>
<p>Bei allen Freundschaften ist nicht nur mir bald aufgefallen, dass unsere moslemischen Freunde manche Probleme und Schwierigkeiten bew&#228;ltigen m&#252;ssen, die wir nicht verstanden haben. Die uns erst erkl&#228;rt werden mussten und die wir danach immer noch nicht verstanden haben. Wir konnten wenigstens verstehen, dass deren Probleme mit ihrer Ursprungskultur eng zusammenh&#228;ngen. Und wir konnten dabei erfahren, dass deren Kultur viel verbindlicher ist.</p>
<p>Sie hatten nicht die Freiheit, &#252;ber manche Probleme zu lachen, die wir &#252;brigen, aus allen Herren L&#228;ndern kommende Ausl&#228;nder oft l&#228;cherlich fanden. Auch fiel uns bald auf, dass die verbindliche islamische Kultur den Jungs mehr Freiheit gew&#228;hrte, an unseren gemeinsamen Aktivit&#228;ten (es ging meistens um Gelaber) teilzunehmen, als den aus der islamischen Kultur stammenden M&#228;dels. Und dabei sind doch die M&#228;dels beim Gelaber wahre Meisterinnen.</p>
<p>So oder so hatten wir bald das Gef&#252;hl, dass wir uns mit den muslimischen Frauen nicht so spontan unterhalten d&#252;rfen, wie es die Jungs aus den islamischen L&#228;ndern problemlos durften – egal woher die Frauen sonst kamen. Wir f&#252;hlten uns <strong>diskriminiert</strong>!</p>
<p>Wir waren nicht darauf aus, jemanden zu integrieren. Jeder von uns hatte mit der eigenen Integration genug Probleme. Wir konnten uns h&#246;chstens bei der einer oder anderen Sache helfen, und auch das nur dann, wenn die Hilfe gefragt wurde. Sie wurde gefragt, also hatten wir mit der eigenen Integration und mit dem gegenseitigen Helfen genug zu tun. Und es blieb uns nichts anderes &#252;brig, als die Tatsache zu tolerieren, dass wir seitens unserer Freunde aus der islamischen Kultur auch ein wenig diskriminiert werden.</p>
<p><strong>Die Wege gingen auseinander</strong></p>
<p>Die Zeit am Studienkolleg war vorbei und wir gingen langsam eigene Wege. Nur selten blieben die Freundschaften und Bekanntschaften erhalten, oft erst durch eine zuf&#228;llige Begegnung wieder erweckt. Die eigene Integration schritt fort, ich bekam immer mehr Probleme mit dem einen oder dem anderen Deutschen und f&#252;hlte mich deswegen immer mehr wie Zuhause.</p>
<p>Bis irgendwann, noch zur &#196;ra von Franz Josef Strau&#223;, die „Ausl&#228;nderfeindlichkeit“ aufkam. Obwohl sich f&#252;r mich nichts ver&#228;ndert hat, waren auf einmal alle Medien voll mit dem Thema Ausl&#228;nderfeindlichkeit. Und dann kamen wieder andere Probleme in den Medien auf die Reihe und ich konnte mich als Ausl&#228;nder wieder um meine eigenen Probleme k&#252;mmern, ohne mich von den Medien irgendwelche einreden zu lassen.</p>
<p>Doch der Frieden w&#228;hrte nicht lange. Immer &#246;fter wurde phasenweise &#252;ber Ausl&#228;nderfeindlichkeit gesprochen, geredet und geschrieben. Und schon damals hatte ich den Verdacht, dass dabei echte Probleme ignoriert und trotz allem Gerede verschwiegen werden. Wodurch mir das Gerede ziemlich leer vorkam.</p>
<p>Erst nach langer Zeit schien sich die gesamtdeutsche Intelligenz daran geeinigt zu haben, dass es sich bei der sogenannten „Ausl&#228;nderfeindlichkeit“ vor allem um Probleme mit den „moslemischen Mitb&#252;rgern“ handelt. Die Debatte wurde zwar differenzierter aber genauso verworren wie vorher. Der verwirrende Begriff „Integration“ dominierte bald alle Medien und ich f&#252;hlte mich immer mehr beleidigt und entm&#252;ndigt, als die Integration zur Aufgabe der Politik wurde.</p>
<p>Weil in meinem Verst&#228;ndnis, entsprechend meinen Erfahrungen, die Integration die Aufgabe jedes Ausl&#228;nders ist, und die Politik k&#246;nnte bei der Integration weder Paris Hilton noch der russischen Ex-Pr&#228;sidenten Boris Jelzin besonders helfen, sollten sie in Deutschland die Sozialhilfe beantragen.</p>
<p><strong>Warum Selbstintegration?</strong></p>
<p>Seit meiner Kindheit finde ich es bl&#246;d, wenn mir jemand Vorschriften machen will, wie ich mich in der Schule oder in dem Kinderheim zu integrieren habe. Ich musste mich immer <strong>selbst</strong> irgendwie zurechtfinden, was durch die autistische Disposition zwar erschwert wurde, mich aber viel zufriedener machte, als wenn ich bei dem Zurechtfinden an der Hand gef&#252;hrt worden w&#228;re. Manche Menschen m&#246;gen es auch anders empfinden, manche m&#246;gen eine f&#252;hrende Hand, sozusagen einen F&#252;hrer gut gebrauchen. Solche Menschen k&#246;nnen sich dann aber in einer freien Welt schwer integrieren.</p>
<p>Nat&#252;rlich braucht jeder Mensch hier und da konkrete Hilfe. Die muss sich aber nach den Problemen richten, mit denen sich der Mensch nach eigenem Gutd&#252;nken herumschl&#228;gt. Und der Hilfsbed&#252;rftige muss die Hilfe auch gut finden. Sich aber in einer fremden Welt zurechtzufinden ist die Aufgabe des Fremden!</p>
<p>Ob ich in der fremden Welt akzeptiert werde oder wenigstens toleriert, h&#228;ngt vor allem davon ab, <strong>wie</strong> ich mich zurecht finde. Und l&#228;sst man mich in Ruhe, dann habe ich die erste Etappe schon geschafft, ich werde wenigstens toleriert. Ich kann aber keine „Toleranz“ verlangen, wenn ich auf einer Kreuzung herumirre, nur wie ich den Weg nach Hause nicht mehr finden kann. Und ich kann auch keine Toleranz verlangen, wenn ich auf dem Weg nach hause den Vorbeigehenden ein Bein stelle.</p>
<p>Zurechtzufinden bedeutet nicht nur f&#252;r jeden Menschen sondern f&#252;r jedes Lebewesen, den Umst&#228;nden unterordnet oder angepasst seinen eigenen egoistischen Zielen nachzugehen, ohne dabei schwer tolerierbare Probleme zu verursachen. Andere Lebewesen gehen an den Problemen meistens zugrunde. Wir Menschen m&#252;ssen uns mit den Problemen herumschleppen, so lange wir keine L&#246;sungen finden.</p>
<p>Die Integration bedeutet f&#252;r das Individuum immer das Zurechtfinden. Und in der Fremde ist die Notwendigkeit des Zurechtfindens viel deutlicher und daher auch erfahrbarer als Zuhause. Weil wir bei uns Zuhause eigentlich l&#228;ngst zurechtfanden. Wir kennen uns dort gut aus.</p>
<p><strong>Die Integration eines Ausl&#228;nders ist nichts anderes, als das Zurechtfinden in einer fremden Welt!</strong></p>
<p>Gute Nacht!
</p>
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		<title>Lyrieleison - Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 84</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 12:32:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Grunenberg</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
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		<description><![CDATA[Geliebter Reichtum
Wer sich als Ziel den Reichtum w&#228;hlt,
Der darf ihn auch verwalten
Und soll nicht jammern, dass er qu&#228;lt,
Er muss ihn nicht behalten.
Zwei H&#228;user reichen (oder vier!),
Das sieht ein jeder ein,
Es langt f&#252;rs Leben und ein Bier
Wird auch noch m&#246;glich sein.
Zu reich sein, haben mehr als viel,
Ist auch nicht sehr gesund,
Da ist das Gl&#252;ck nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2010/09/sdfsdfdvf1111111111121111111111111111.jpg" /></dt>
<dd>Abtauchen in die Welt der Lyrik.</dd>
</dl>
<p><strong>Geliebter Reichtum</strong></p>
<p>Wer sich als Ziel den Reichtum w&#228;hlt,</p>
<p>Der darf ihn auch verwalten</p>
<p>Und soll nicht jammern, dass er qu&#228;lt,</p>
<p>Er muss ihn nicht behalten.</p>
<p>Zwei H&#228;user reichen (oder vier!),</p>
<p>Das sieht ein jeder ein,</p>
<p>Es langt f&#252;rs Leben und ein Bier</p>
<p>Wird auch noch m&#246;glich sein.</p>
<p>Zu reich sein, haben mehr als viel,</p>
<p>Ist auch nicht sehr gesund,</p>
<p>Da ist das Gl&#252;ck nicht mehr das Ziel,</p>
<p>Das Leben ist zu bunt.</p>
<p>Kannst du vom Reichtum, den du hast,</p>
<p>Die H&#228;lfte leicht abgeben,</p>
<p>Dann bist du ganz gewiss schon fast</p>
<p>In einem andern Leben.</p>
<p>Wer gerne reich ist und den Tag</p>
<p>Des Herrn nicht kann genie&#223;en,</p>
<p>Der mag es halten, wie er mag,</p>
<p>Soll mich nur nicht verdrie&#223;en.</p>
<p><em><strong>Klaus Grunenberg</p>
<p></strong></em></p>
<p><strong>Kritik</strong></p>
<p>Der Dichter hat hier wieder ein ganz zeitnahes Thema gew&#228;hlt, er spricht von beobachtetem oder erlebtem Zeitgeist, also von gew&#252;nschtem Reichtum, Ansehen und von Langeweile.</p>
<p>Mutlosigkeit und Langeweile als Gewinn unserer Gesellschaft nach dem Weltkrieg und dem Wiederaufbau, oft (begehrte) Eigent&#252;mlichkeit, wie man fast annehmen k&#246;nnte und dann noch die Legende von der schleichenden Depression, vielfach geh&#246;rt (und behandelbar).</p>
<p>Dabei gibt es ein einfaches Mittel: Teilen.</p>
<p>Teilen und daf&#252;r sorgen, dass es Menschen etwas besser geht, die nichts haben als z.B. ihre Arbeitskraft und ihre (eigene) Intelligenz. Ist das einfach? Sicher nicht (in Amerika schon, aber Obacht!) Es steht auch in der Bibel, diesem alten und immer wieder neuen Buch.</p>
<p><em><strong>Ed Moercke</strong></em></p>
<p>Oft schon habe ich mich gefragt, ob das Motto LYRIELEISON, unter dem hier Lyrik dargebracht wird, &#252;berhaupt einen Sinn hat. Wie k&#246;nnte man es &#252;bersetzen? Etwa mit: Lyrik - erbarme dich? Wom&#246;glich schon, aber ist das nicht frivol? Man denke nur an den kirchlichen Ruf: Kyrie eleison!<br />
Aber auch dieser Ruf ist &#228;lter als man denken m&#246;chte, er wurde im alten Griechenland dem Kaiser zugerufen, von dem man etwas erwartete. Auch ich erwarte als Kritiker, wie wir alle, dass Lyrik uns etwas bieten m&#246;chte und somit will ich es f&#252;r heute bei dem belassen, was ich hier &#228;u&#223;ere, w&#252;nsche weiterhin interessante Gedichte mit Struktur wie diesem hier &#252;ber den geliebten Reichtum.</p>
<p>Gelebter Reichtum w&#228;re besser.</p>
<p><em><strong>Mark Beil-Ritzi </strong></em></p>
<p><em>Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=99724&#038;mode=search">pixelio.de</a></em>
</p>
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