Das Versagen der “Stimme für Kinder”, der Deutschen Kinderhilfe
Gibt es sie immer noch, die Deutsche Kinderhilfe in Berlin? Ein Verein, der in der ersten Zeile jedes Browsers behauptet “Die Stimme für Kinder” zu sein.
Gibt es sie immer noch, die Deutsche Kinderhilfe in Berlin? Ein Verein, der in der ersten Zeile jedes Browsers behauptet “Die Stimme für Kinder” zu sein.
“Ich rufe die beiden großen Kirchen in Deutschland, die katholische wie die evangelische, gegliedert in (Erz-)Diözesen und Landeskirchen, und ihre diakonisch tätigen Einrichtungen, die Caritas, die Ordensgemeinschaften und das Diakonische Werk mit ihren jeweiligen Untergliederungen auf, in einem öffentlichen Akt Buße zu tun”, so der evangelische Theologe Dierk Schäfer in einem öffentlichen Bußaufruf. Schäfer weiter: “Der Buß- und Bettag 2010 wäre ein sinnvolles Datum, aber auch der 28. Dezember 2010, der Tag der ‘Unschuldigen Kindlein’.”
Geschwätziges Papier: Die “Gemeinsame Erklärung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und des Diakonischen Werkes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers e.V. zu der Situation in Heimen der Jugendfürsorge in den 50er und 60er Jahren”
Schläge, Demütigungen und perverse Strafen - unzählige Kinder haben in der Nachkriegszeit in kirchlichen und staatlichen Heimen bis an die Grenze des Erträglichen gelitten. Damit beschäftigt sich nicht nur ein Runder Tisch des Deutschen Bundestages, damit beschäftigt sich auch ein Gesprächsarbeitskreis “Heimerziehung 1945 bis 1975″ im niedersächsischen Sozialministerium. Heute hat es erneut im Ministerium ein Treffen ehemaliger Heimkinder, der kommunalen Spitzenverbände, der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege, des Caritasverbandes Osnabrück, des Diakonischen Werkes, des Landesarchivs und des Landessozialamtes gegeben.
Es liest sich wie eine Zusammenfassung der kath. Sozialallehre und ist in einem ruhigen Ton gehalten, ausführlich, abgehoben und somit ermüdend.
Die Gürtel werden enger geschnallt. Das zweite Konjunkturpaket ist mittlerweile verabschiedet und allerorten schreit die Wirtschaft - wie zuletzt die Schaeffler AG - nach finanzieller Hilfe. Doch wie steht es um die, die diese nicht erst seit gestern brauchen? Denken wir in Zeiten, in denen es scheinbar uns an den Kragen geht, noch an Länder in der Dritten Welt? Ich befragte einige Vertreter von Hilfsorganisationen und das Resultat gleicht einer großen Überraschung.
Während die Kämpfe in Nord-Kivu - durch die 250.000 Menschen im Jahr 2008 vertrieben wurden - in letzter Zeit abgeflaut sind, gibt es jetzt Berichte über Massentötungen in einem anderen Teil Kongos. Die Widerstandsarmee des Herrn (Lord’s Resistance Army - LRA), eine ugandische Rebellengruppe, hat sich in der Region Haut-Uélé in der Nähe der Grenze zum Sudan ausgetobt. Die Angriffe kamen als Antwort auf Militäroperationen gegen LRA-Stützpunkte in der Umgebung des Garamba-Nationalparks, die ugandische, südsudanesische und kongolesische Truppen im Dezember begonnen hatten. Wie die Nichtregierungsorganisation Caritas berichtet [en] wurden seit dem 25. Dezember über 400 Menschen im Umkreis der Städte Faradje, Duru, Bangade, Gurba und Doruma getötet:
Nun ist sie wirklich ausgebrochen, die Weihnachtshektik. Um mich herum schwirrt es in den Straßen. Geradezu panisch wird hie und da ein kleiner Zettel hervor gekramt. Listen werden abgehakt, ergänzt, nochmal umgeschrieben, die Hälse weit in die Auslagen der umliegenden Geschäfte gereckt. Die Jagd nach den letzten Geschenken hat begonnen. “Alles außer Socken“, das Credo, das dieser Tage eine gleichnamige Internetseite ausruft, scheint Programm und wenn doch, dann bleibt immerhin noch die dort feilgebotene Online-Wichtelei. Nun vergessen wir aber für ein paar Minuten unsere “to-do-Listen”, lehnen uns zurück und genießen noch einmal einige Highlights der vergangenen Woche.
Es ist noch gar nicht so lange her, da hat der Caritas-Verband meine Fragen zu Entschädigungen für ehemalige Heimkinder abgebügelt. So teilte mir die Pressestelle dieser Organisation am 13. Juni 2008 mit, dass Caritas-Präsident Peter Neher sich am 16. Februar 2006 in einem Artikel der “Tagespost” zwar für Akteneinsicht, Bescheinigungen für die Rentenversicherung und für Gespräche ausgesprochen habe, keinesfalls jedoch für Entschädigungen.
Schlendert man in Hannover über den Flohmarkt und wechselt die Straßenseite, steht man nach wenigen Schritten vor dem Gebäude der Caritas. Dort hängt an der Fassade ein Plakat, das einen Jugendlichen zeigt, darunter steht: “Er will sich nicht prügeln, obwohl er damit aufgewachsen ist.” Wie vor Jahrzehnten Kinder in kirchlichen Heimen, könnte der nächste Satz lauten, lautet er aber nicht, sondern: “So sehen Helden aus.”
Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Huber, ehrlich gesagt: Ich habe schon lange nicht mehr in die Bibel geschaut, aber bei der Ausgabe, die sich in meinem Bücherschrank befindet, dürfte es sich um eine längst überholte Übersetzung handeln.
“Ich möchte Ihnen auf Ihr Schreiben an den Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes antworten”, hat mir mit Schreiben vom 13. Juni 2008 die Pressesprecherin Claudia Beck endlich eine Antwort zum Schicksal ehemaliger Heimkinder zukommen lassen. E-Mails blieben bis dahin unbeantwortet, Nachhaken brachte nichts, aber genau verfolgt wurden meine Berichte, lässt Claudia Beck bereits im zweiten Satz ihres Briefes durchschimmern: “Dieses Einschreiben hatten Sie bereits in einem Text, der im Internet veröffentlicht wurde, angekündigt.”
Nun also ein Einschreiben per Rückschein: Dr. Peter Neher ist seit dem 14. Mai 2003 Präsident des Deutschen Caritas-Verbandes. Ehemalige Heimkinder horchten auf, als die katholische “Tagespost” am 16. Februar 2006 meldete: “Nach dem Zweiten Weltkrieg in kirchlichen Einrichtungen misshandelte Kinder können auf Unterstützung durch den Deutschen Caritasverband (DCV) hoffen.” Weiter hieß es, Neher habe sich für Entschuldigungen, Entschädigungen, Anerkennung von Rentenansprüchen und für die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ausgesprochen.
“Bis zum April 1954 besuchte er die Heimsonderschule. Nach der Schulentlassung wurde er im Rahmen der Beschäftigungstherapie zunächst in der Anstreicherei und dann in der Landwirtschaft unserer Einrichtung beschäftigt.” Das steht in einer Bescheinigung, die Bernd von Eicken am 26. Januar 1989 als ehemaliger “Pflegling” der evangelischen Bildungs- und Pflegeanstalt “Hephata” in Mönchengladbach bekommen hat.
Nach frontal 21 am Dienstag frontal 22 am Donnerstag: “In den damaligen Erziehungsheimen, in denen Jugendliche untergebracht waren, gab es eine Arbeitstherapie.” So zitierte das ZDF-Magazin in einem Beitrag über ehemalige Heimkinder die Sprachregelung der katholischen Kirche. Ein Interview wurde abgelehnt, die Bischofskonferenz war lediglich zu einer schriftlichen Stellungnahme zu bewegen. Die las sich auch nicht besser als die zwei Jahre alte “katholische Sprachregelung”. Man habe die Arbeitsbedingungen seinerzeit in den Heimen an die Realität angepasst, ließen die Bischöfe verlauten.