Spagat zwischen Kunst und Kommerz
Leporello im Gespräch mit Christian Schuchart und Hermann Schneider über das Projekt “Frankenhalle”
Leporello im Gespräch mit Christian Schuchart und Hermann Schneider über das Projekt “Frankenhalle”
Befreiungsschlag im wochenlangen Streit um die geplante Vergleichsveranstaltung zu Geschichtsschreibung in der ehemaligen DDR-Gedenkstätte Roter Ochse in Halle. Die neugegründete Stiftung Diktaturentest hat im Auftrag von SPD-Innenstaatssekretär Rüdger Erben eine Studie erstellt, in der erstmals Stärken und Schwächen der so genannten “beiden deutschen Diktaturen” (Horst Köhler) verglichen werden. Die DDR schneidet dabei nach PPQ exklusiv vorliegenden Daten mit “gut” ab, das nationalsozialistische Deutschland erreicht ein “sehr gut”, eine Note, über die sich auch die einstige Sowjetunion freuen darf.
“Ich bin grau, Du bist grau, lass uns zusammen grausam sein”, sangen die jungen Musikanten in den staubigen Himmel. Morgens lag eine pelzige Schicht Sand auf dem Auto, die Fensterscheiben waren schmierig von chemischem Nebel, vor den Straßenlaternen schwebten Schleier aus Schmuddel und Schmand. Die Luft allein ernährte ihren Mann, zumindest in Merseburg und Halle, den beiden Herzkammern der karbidgetriebenen Hitlerschen Kriegswirtschaft, die vom deutschen Kommunismus im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens einfach weitergenutzt wurde.
Schon vor dem Anpfiff der erste Treffer: Markus Müller, zuletzt dreifacher Torschütze im Tiefkühlduell gegen Lübeck, zieht aus Nahdistanz ab, der Ball fliegt, die Dame vom Ordnungsdienst hat keine Chance. Eins zu Null in der Schneeballschlacht im halleschen Kurt-Wabbel-Stadion, das seinen letzten Rückrundenstart in alter Gestalt um zwei Wochen verspätet und als eine Art Eistanzveranstaltung erlebt: Null Grad, null Fans der Gäste aus Bremen-Oberneuland, fast null grüner Rasen.
In der Kunsthalle Schweinfurt bildet herman de vries die Natur als “primäre wirklichkeit”, als Basis seines Werkes ab
Heute startet das 36. Internationale Filmwochenende in Würzburg. Doch im Vergleich zum letzten Jahr hat sich einiges geändert. Nachdem das Corso als letztes klassisches Kino Würzburgs Ende Dezember seine Pforten schließen musste, gibt es in diesem Jahr nur noch zwei Spielorte. Neben dem Hauptspielort Cinemaxx finden einige Sonderveranstaltungen und Filmaufführungen im direkt benachbarten Bockshorn statt. Eine weitere Neuerung ist die verlängerte Dauer des Filmfestivals. So erwarten die mehreren tausend Besucher dieses Jahr erstmals ganze fünf Tage Filmspaß. Bis zum Sonntag stehen 42 Spielfilme, acht Dokumentarfilme und zwei Kurzfilmblöcke mit Produktionen aus 19 Ländern auf vier Kontinenten auf dem Programm.
Hier die Salzstadt an der Saale, der im Winter das Streusalz ausgeht, dort der Pleiteverein, der das Tabellenende der Premier League ziert: Während sich die PPQ-Serie “Wiedergeboren als…” in normalen Zeiten der Doppelexistenz prominenter Mitbürger widmet, geht es diesmal um die erstaunlichen Parallelen zwischen der mitteldeutschen Möchtegern-Metropole Halle und dem südenglischen Fußballverein FC Portsmouth.
Mit der Leseperformance “Schwarz-Rot-Gold. Arbeit am Symbol” von Helga Franke und Rudolf Sievers geht die eindrucksvolle Schau “20 Jahre Deutsche Einheit. Kunst im Schatten der Grenze” in der Schweinfurter Kunsthalle am 7. Januar zu Ende.
Zweieinhalb Jahre nach dem Verbot von so genannten Flatrate-Partys durch den Bund-Länder-Ausschuss haben sich Gastronomen aus der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt Magdeburg jetzt freiwillig bereit erklärt, auf Flatrate-Angebote zu verzichten, bei denen Gäste nach der Zahlung eines Pauschalbetrages unbegrenzt trinken dürfen.
Zwei Wochen Tag und Nacht getagt, Dattelkuchen gegessen und Temperaturkurven betrauert und das ist nun das Ergebnis der Kopenhagener Klimarettungszusammenkunft: Ernüchternde minus 15 Grad im halleschen Kurt-Wabbel-Stadion, in dem das Wetter an diesem letzten Tagungstag der Regionalliga Nord alles Klima vergessen lässt. Von wegen Erderwärmung - hundekalt ist es, verschneit und winterlich, wie das nach allen der Wissenschaft vorliegenden Zahlen gar nicht mehr vorkommen dürfte.
Kunsthalle Schweinfurt veranstaltet erste Triennale für zeitgenössische Kunst
Uli Hoeneß würde es das “Spiel der Spiele” genannt haben, Jürgen Klinsmann hätte vielleicht mal wieder vom “Schicksalsspiel” gesprochen. In Halle, wo der einheimische HFC seit zwei Jahren auf einer von altgedienten Fans nie mehr erwarteten Woge von Siegen in Richtung Aufstiegseuphorie getragen worden ist, begnügen sich die Verantwortlichen vorher mit Vokabeln wie “wichtig” und “wegweisend”, klar ist aber, dass ein Sieg des derzeitigen Tabellenzweiten gegen Spitzenreiter Babelsberg 03 den Saisonverlauf völlig verändern würde: Halle, im vergangenen Jahr spät und zur eigenen Überraschung aus der Position des Zweitplatzierten ins Aufstiegsrennen gestartet, würde diesmal von der Spitze weg spielen. Und eventuell mehr Glück haben als vorige Saison, als es am Ende im Duell mit Holstein Kiel doch nicht ganz reichte.
Kunstverein Schweinfurt zeigt Arbeiten von Menno Fahl in seinem SalonG
Anfang November 1989 kommt die Revolution auch ins beschaulich-verdreckte Halle an der Saale. Erich Honecker ist längst fort, der neue Partei- und Staatschef Egon Krenz hat die “Wende” ausgerufen, um seine Haut und das wackelnde Land zu retten. Im Chemiebezirk ruft Parteizuchtmeister Achim Böhme zum “Problemgespräch”, um sich gleich wieder an die Spitze der Bewegung zu stellen. Auf den Stufen des Rathauses steht ein Mikrophon, davor drängen sich 7.000 Einwohner, zum Teil empört, zum Teil staunend, weil die Mächtigen dort vorn so ohnmächtig wirken, wenn sie stammeln und an den Worten würgen, Besserung geloben und versuchen, in aller Gelenkigkeit doch prinzipienfest zu bleiben.