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2. März 2010 von Holger Finn
Fast wäre er wirklich noch wie geplant in Vergessenheit geraten, der große Todesanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl. Die Sonderkommission aufgelöst, der zum Jahrestag des erschütternden Ereignisses heraufbeschrorene “Streit um die Ermittlungen” (dpa) beigelegt, der Täter über alle Berge - so sah es aus. Zuletzt hatte der seinerzeit kurz vorm Weihnachtsfest von einem gesichtstätowierten Rechtsextremisten oder Rechtsradikalen mit einem Lebkuchenmesser spurlos überfallene Mannichl eine Beschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Passau zurückgezogen, in der er sich gegen deren Behauptung verwahrte, er habe “in einigen wesentlichen Punkten” zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Darstellungen zum Tatablauf und zur Herkunft der Tatwaffe abgegeben.
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11. November 2009 von Holger Finn
Acht Wochen drehte sich die Republik wie im Hamsterrad, was Uniform trug, suchte nach einem Riesen mit grüner Gesichtstätowierung, die gute alte Erzwingungshaft wurde wiedereingeführt und ein bayerischer Innenminister entdeckte eine neue Qualität rechtsextremer Gewalt, wo noch gar kein Täter gefunden war.
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11. Juni 2009 von Holger Finn
So schnell geht es, dass aus ehrlicher Empörung und der Angst um den Weiterbestand des demokratischen Gemeinwesens, aus einer “neuen Qualität rechtsradikaler Gewalt” und einer der größten Sonderkommissionen aller Zeiten eine dpa-Meldung wird, die niemand mehr druckt. Der Fall Mannichl, hier bei PPQ schon in den ersten Stunden der lustigen Tragödie höchst amüsiert beklatscht, gilt den Staatsdichtern der einzig amtlichen deutschen Verkündigungsagentur sechs Monate danach nur als halbwegs taugliche Vorlage für “einen spannenden Fernsehkrimi” (dpa). Einen ohne Happy End allerdings, denn “während die TV-Verbrecherjagd regelmäßig mit einer Festnahme endet, ist bei dem Mordanschlag auf den ehemaligen Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl auch nach einem halben Jahr nichts klar”, schreibt der diensthabende Praktikant mit einer schönen Portion verdächtigen Täterwissens: Mordanschlag? Woher weiß der das?
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21. Mai 2009 von Holger Finn
Es war kalt in Deutschland, damals, kurz vor Weihnachten 2008, als der Passauer Polizeichef Alois Mannichl von einem riesenhaften, kahlgeschorenen und mit einer Schlange im Gesicht tätowierten Rechtsradikalen mit einem zufällig herumliegenden Lebkuchenmesser beinahe erstochen wurde.
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6. Mai 2009 von Holger Finn
Kommende Woche wird gefeiert bei der Sonderkommission Lebkuchenmesser, die dann seit genau fünf Monaten “in alle Richtungen” ermittelt haben wird, um den mutmaßlichen Mörder des Passauer Polizeichef Alois Mannichl zu ergreifen. Der Täter, nach Beschreibung seines Opfers ein “großer Glatzkopf mit Leberflecken oder Tätowierungen, nach Ansicht einer Nachbarin aber ein mit einer grünen Schlange tätowierter Kinderschreck, ist immer noch auf der Flucht.
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4. März 2009 von Holger Finn
Ein Mann geht seinen Weg, unbeirrt und unbelehrbar. Eben dachte das Publikum noch, es würde nie mehr etwas hören vom sagenhaften Nazi-Überfall auf den Passauer Polizeidirketor Alois Mannichl. “500 Spuren führen ins Nichts”, vermeldete die Heimatzeitung des engagierten Beamten Ende Februar - und das war die letzte Wasserstandsmeldung aus einem Verfahren, in dem “50 Beamte” der Sonderkommission Lebkuchenmesser seit nunmehr beinahe drei Monaten versuchen, einen 1,90 großen, glatzköpfigen Rechtsradikalen mit bayerischem oder österreichischem Dialekt zu finden, um mit seiner Hilfe die NPD zu verbieten.
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12. Februar 2009 von Holger Finn
Seit vier Wochen rekonstruierten Spezialisten des LKA den Stich, den ein Unbekannter Anfang Dezember letzten Jahres mit Hilfe eines Lebkuchenmessers ausführte, um den Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl feige zu ermorden. Aus der verheilten Wunde erhofften sich die 50 Fahnder der Sonderkommission Lebkuchenmesser “Rückschlüsse auf den Ablauf des Verbrechens und den Täter”. Wie jetzt bekannt wurde, konnten dennoch keine Fingerabdrücke im Fleisch gesichert werden, wie das im Fernsehen gelegentlich gelingt. Das Gutachten zu den vom Messer im Körper hinterlassenen Spuren widerspreche dem von Mannichl geschilderten Hergang aber nicht, erklärte der Leiter der Sonderkommission, Gerhard Zintl, allerdings bestätige es die Darstellung des Opfers genausowenig.
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7. Februar 2009 von Holger Finn
Langsam wird es eng für den “Beinahe”-Mörder des Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl. Nachdem es der 50-köpfigen Sonderkommission nch Angaben der SZ, die sie von der “tz” übernahm, die sie ihrerseits aus einer österreichischen Boulevardzeitung abgetippt hat, gelungen ist, über die Handydaten aller Verwandten und Bekannten des Opfers Bewegungsprofile zu erstellen, die die Anwesenheit von deren Mobiltelefonen am Tatort zum Tattag ausschließen, zieht sich die Schlinge um den mutmaßlichen Täter unaufhaltsam weiter zu.
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5. Februar 2009 von Holger Finn
Erst hatte er nur Sekundenbruchteile, die nicht einmal reichten, nach der “Schuhgröße des Täters” (Alois Mannichl) zu schauen. Dann fiel dem Passauer Polizeipräsidenten doch noch ein, dass er seinen Attentäter mit in der Brust steckendem Lebkuchenmesser bis auf die Straße hinaus verfolgt habe. Knapp zwei Monate nach dem Messeranschlag, der nach dem Willen von Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer eine “völlig neue Qualität rechtsextremistischer Gewalt” (Innenminister Hermann) markieren sollte, ist der Fall dennoch im Begriff, dem Vergessen anheimzufallen.
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22. Januar 2009 von Holger Finn
Der Schlangenmensch, der den Passauer Polizeichef Mannichl brutalstmöglich niederstach und Deutschland damit in ein dunkles Zeitalter einer “neuen Qualität rechter Gewalt” zurückkatapultierte, er ist der Polizei entkommen, er ist vom Haken, entwischt, durch die Lappen gegangen für alle Zeit.
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