Heute, vor einem Jahr - KW11/2009
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 9. - 15. März 2009
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 9. - 15. März 2009
Der Clip ist gerade einmal acht Sekunden lang. Gezeigt wird der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari, Witwer der im Dezember 2007 durch ein Attentat getöteten Benazir Bhutto, vor einem bunten Strauß von Mikrofonen. Doch die Worte, die er in die Menge wirft, sind weiter weniger schillernd. Sie sorgen vielmehr nicht nur unter den Anwesenden für Wirbel, sondern mittlerweile in der gesamten Netzgemeinde.
Politik + Sport + Wissenschaft
Der Audimax der Universität der Bundeswehr in München ist gerappelt voll. Jeder Platz ist besetzt, einige Zuhörer nutzen die Behelfssitze, wieder andere sitzen auf dem Boden. Am 5.11.2008 sprach Peter Scholl-Latour, der “Kenner der Kontinente”, vor den studierenden Soldaten in der Laufbahn der Offiziere. Der ausgewiesene Islam-Experte nimmt kein Blatt vor den Mund: Er hält den Afghanistan-Einsatz für aussichtslos und befürwortet einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan.
Sechseinhalb Jahre sass Al - Jazeera - Kameramann Sami al-Haj in Guantanamo. Anklage wurde nie gegen ihn erhoben, geschweige denn der 38jährige je vor ein Gericht gestellt. Im Mai wurde er aus dem amerikanischen Straflager entlassen, heute versucht er, sein Leben neu aufzubauen.
“Acht Jahre sind genug!“, hat Barack Obama in Denver verlauten lassen. “Wir müssen aufstehen und sagen: Es reicht!” Vor mehr als 80.000 Menschen hat er jetzt die Präsidentschafts-Nominierung seiner Partei angenommen. “Was wird werden?”, kann nun gefragt werden. Ist er der Aufgabe, wenn es denn soweit kommt, wirklich gewachsen? Oder flüchtet sich seine Anhängerschar lediglich in einen schönen Traum, der nur allzu oft mit dem legendären Martin Luther King in Verbindung gebracht wird. Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt. Spekulationen sind hier nicht angeraten. Denn abgesehen von den bevorstehenden Wahlen in den USA haben sich die Autoren in den vergangenen Tagen mit manch anderem bewegenden Thema auseinandergesetzt.
Ob es wegen der Wirtschaftslage, politischen Dilemmas oder der traurigen Wirklichkeit einer hegemonischen Welt ist, gibt es Länder, die ihre unschuldigen Bürger in die Vereinigten Staaten übergebend, um daraus spätere Vorteile zu ziehen. Gefangen zwischen diesen auf Macht gegründeten Abkommen sind Familien von Männern und Frauen.
Wie der Pakistan Oberserver und andere Medien berichten, sollen in dem Dorf Lanjoo Saghari, das an der Grenze der pakistanischen Provinzen Sindh und Balochistan gelegen ist, Ende Mai dieses Jahres fünfzehn minderjährige Mädchen aus dem Stamm der Chakrani in den Stamm der Qalandari verheiratet worden sein, um eine acht Jahre alte Stammesfehde zu beenden. Die Fehde war ursprünglich entbrannt, weil ein Hund der Qalandari einen Esel gebissen hatte, der den Chakrani gehörte. Im Verlauf der Fehde waren seitdem elf Personen der Qalandari und zwei Personen der Chakrani zu Tode gekommen, darunter eine Frau. Die Übergabe der Mädchen war von führenden Vertretern beider Stämme auf einer gemeinsamen Beratung beschlossen worden.
Barack Obama ist nicht nur in den U.S.A. vielen Menschen das Symbol für einen Wechsel (Change!) zu einer ehrlichen und anständigen Politik. Wie schwer es ist, in der Politik keine “schmutzigen Hände” (Sartre) zu bekommen, zeigt er jetzt in der kritischen Phase des Vorwahlkampfs der Demokraten.
Nach Auszählung fast aller Wahlbezirke ist klar: Präsident Pervez Musharraf hat eine empfindliche Niederlage erlitten. Die beiden Oppositionsparteien hingegen liegen vorn. Dr. Christian Wagner, Südasienexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) bewertet die Lage in Pakistan im Interview positiv. Gleichzeitig jedoch sagt er: “Es wird sich nicht sehr viel ändern.”
Noch immer steckt nicht nur in Pakistan den Menschen der Schock über Benazir Bhuttos Ermordung in den Gliedern. Doch in knapp einem Monat sollen die Bürger an den Urnen über die Zukunft ihres Landes entscheiden. Verstärkte Anschläge von radikalen islamistischen Gruppierungen im Vorfeld werden erwartet. Dr. Christian Wagner, Südasienexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) spricht im Interview über den ungeklärten Tod Benazir Bhuttos, die Unbeliebtheit des Präsidenten Pervez Musharraf und seine Hoffnung auf eine Entspannung der Lage in dem für viele “gefährlichsten Land der Welt”.
Die letzten Rauchschwaden sind verklungen, die übrig gebliebenen Sektflaschen im Keller verschwunden und das traditionelle Equipment zum Bleigießen gut und sicher verstaut. Nun hat uns der Alltag wieder. Das alte Jahr wurde gebührend verabschiedet. Alle damit verbundenen “Nachwehen” sind hoffentlich ausgestanden und das neue Jahr 2008 steht in den Startlöchern, um uns willkommen zu heißen. Gespannt sind wir, was uns in den nächsten zwölf Monaten erwarten wird. Der Blick in die Zukunft ist optimistisch. Ebenso jedoch derjenige in die jüngste Vergangenheit. Denn auch rund um Silvester war es auf der Readers Edition alles andere als still.