Heute, vor einem Jahr - KW36/2008
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 1. - 7. September 2008
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 1. - 7. September 2008
Wer am Donnerstag (8. Mai) den #China-Twitter-Stream aufmerksam verfolgt haben, erwartete eine Überraschung: Isaac Mao begann per Twitter Hu Yong zu interviewen. Hu Yong ist Assistenzprofessor für Neue Medien an der Peking University und Autor mehrerer Bücher über Internettheorie und -kultur.
Der Literat Ren Yanfang, ein langgedientes Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas, hat sich online zum Schicksal einer Anthologie geäußert, die zum 110. Jahrestag der Gründung der Peking Universität im Geiste der Bewegung des Vierten Mai erscheinen hätte sollen. Die Vorbereitungen, an denen 188 hochkarätige Wissenschaftler und Funktionäre beteiligt waren, begannen bereits 2004. Ein Drittel des Buches fiel vor der Veröffentlichung 2008 der Zensur zum Opfer. Was vom Manuskript übergeblieben ist, liegt unveröffentlicht und kommentarlos bei der Peking University Press.
Untragbare Provokation von Hartz IV-Empfängern durch Waldemar Hartmann
“Acht Jahre sind genug!“, hat Barack Obama in Denver verlauten lassen. “Wir müssen aufstehen und sagen: Es reicht!” Vor mehr als 80.000 Menschen hat er jetzt die Präsidentschafts-Nominierung seiner Partei angenommen. “Was wird werden?”, kann nun gefragt werden. Ist er der Aufgabe, wenn es denn soweit kommt, wirklich gewachsen? Oder flüchtet sich seine Anhängerschar lediglich in einen schönen Traum, der nur allzu oft mit dem legendären Martin Luther King in Verbindung gebracht wird. Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt. Spekulationen sind hier nicht angeraten. Denn abgesehen von den bevorstehenden Wahlen in den USA haben sich die Autoren in den vergangenen Tagen mit manch anderem bewegenden Thema auseinandergesetzt.
Während der Olympischen Spiele war die Luft in Peking so sauber und der Himmel so klar wie seit 10 Jahren nicht mehr. Ich habe zwei Jahre zuvor die Stadt im Smog erlebt – die Sicht nicht weiter als 200 Meter. Doch als am letzten Sonntag die Marathonläufer durch die 10 Millionen-Metropole liefen, strahlte die Sonne, die Luft war klar und der Himmel blau. Bis weit in den Osten war die Silhouette der Westberge zu sehen. Was war geschehen?
Viel Wirbel im Vorfeld um Tibet-Krise und Menschenrechts- verletzungen, doch nun wurden die Sportler und Berichterstatter vor Ort wohl auch vom “China-Virus” infiziert. Mit kritischen Statements halten sich die Sportler jedenfalls zurück, so auch der ehemalige Kanute Stefan Pfannmöller (Olympia-Dritter in Athen 2004), Gründer der Initiative “Sports for Human Rights” im Kurzinterview. “Ein Sportler sollte seine Meinung ändern dürfen” sagte er im April.
Beeindruckend und atemberaubend - so kann man ohne schlechtes Gewissen die gelungene Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking nennen. Weder an Zeit, Geld und choreographischer Größe wollte China zu diesem sehr einmaligen Anlass sparen.
Was für eine “skandalöse These” (Passauer Zeitung), was für ein schlimmer, schlimmer, schlimmer Vergleich. Was, fragt das mediale Flachland einhellig mit offenstehendem Mund, hat sich Michael Vesper, Grüner und zudem Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes, dabei nur gedacht?
Dan Beekman von “Blogging Beijing” verschafft uns einen Überblick über Pekings Umweltprobleme. Er spricht mit NGOs und Studentenführern über “Green Olympics“, einer der drei Schwerpunkte der diesjährigen Spiele. Vor kurzem interviewte er auch Wu Dengming von ein Umwelt-Maschinenhaus aus Chongqing in Zentralchina.
In Tibet gingen die Lichter aus. China hat alle Journalisten und ausländischen Touristen ausgewiesen. Was wir jetzt noch hören vom Dach der Welt: Razzien, abgeriegelte Klöster, Verhaftungen, Gefängnis für Demonstranten und Folter, über 130 Tote und viel chinesische „Sicherheitskräfte“. Tränen über Tibet.
Im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele in Peking sorgt nicht nur der ungelöste Tibet-Konflikt für Diskussionsstoff. Auch die Frage, ob die Gesundheit von Athleten und Besuchern angesichts der dramatischen Luftverschmutzung in Chinas Kapitale gewährleistet ist, erregt weltweit die Gemüter. Weltklasse-Langstreckler Haile Gebrselassie hatte aus diesem Grund bereits seinen Startverzicht angekündigt. Nun wollen die Chinesen die Pekinger Luft durch drastische Maßnahmen reinigen und Vertrauen gewinnen.
Stefan Pfannmöller, Olympia-Dritter im Kanu in Athen 2004 und Gründer der Initiative “Sports for Human Rights” im Kurzinterview.
Meine liebe Schavan, hoffentlich spielen Ihre Gesprächspartner in China nicht den Roland Koch. Dann bekämen Sie zur Antwort: “China ist kein klassisches Einwanderungsland wie z. B. Kanada oder Australien. Wie in Deutschland treffen sich bei uns nicht viele Kulturen und bilden dann gemeinsam eine neue. Wer sich nicht an unsere Regeln hält, ist hier fehl am Platze. Er kann nicht erwarten, dass wir uns mit ihm irgendwo in der Mitte treffen.” Schon wären Sie mit dem, was sie laut “Bild am Sonntag” vom 13. April 2008 vorhaben, in Peking ins Wiesbadener Leere gelaufen.
Am 24. März 2008 teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in einer Presseerklärung mit, dass der Sportbund sich gegen einen Boykott und für eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen vom 8. bis 24. August 2008 in der chinesischen Hauptstadt Peking entschlossen hat. Der Sport sei nicht in der Lage Probleme zu lösen, die weder die Vereinten Nationen noch einzelne Regierungen in jahrzehntelangen Anstrengungen bewältigen konnten. Sport tauge nicht als politisches Druckmittel, sondern solle den Dialog und die Verständigung fördern. Allerdings bekannte sich der DOSB zum Prinzip des “mündigen Athleten”, dem es freigestellt sei, seine Meinung gemäß der Olympischen Charta “vor, während und nach den Olympischen Spielen frei zu äußern”.