Heute, vor einem Jahr - KW11/2009
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 9. - 15. März 2009
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 9. - 15. März 2009
Wir haben wegen unserer endlos chaotischen Geschichte sehr zaghafte Vorstellungen von Demokratie und Diktatur. Als z.B. der ehemalige Kreml-Herrscher Wladimir Putin öffentlich sagte: „Wir brauchen in Russland eine Diktatur des Gesetzes“, gab es in Deutschland einen anklagenden Aufschrei in den Medien, Putin bekenne sich öffentlich zur Diktatur. Dass die Diktatur des Gesetzes nichts anderes als ein Rechtsstaat sein kann, darauf kamen nicht einmal die rechtsstaatlich denkenden Politiker. Allein der Begriff „Diktatur“ verwirrte das rechtsbewusste deutsche Publikum auf der Bühne unserer Geschichte so sehr, dass uns unser ewiges Misstrauen gegenüber Russland wieder einmal mehr sehr begründet schien. Doch die schreckliche Wahrheit ist, dass wir nicht nur gegenüber den Russen misstrauisch sein müssen, sondern auch gegenüber uns selbst.
Eigentlich war die Teilnahme Georgiens am diesjährigen Eurovision Song Contest in Moskau gar nicht geplant. Wie ein Stein lagen die jüngsten Auseinandersetzungen mit Russland im Magen. Nun wird doch angetreten - und zwar mit Pauken und Trompeten. Stephane & 3G repräsentieren das multiethnische Stückchen Erde an der Nahtstelle Eurasiens.
Alle Jahre wieder: Wenn Wladimir Putin auf der Gas-Leitung steht, bekommt Europa Angst vor der Kälte. Plötzlich wird uns dann wieder bewusst wie abhängig unser Wohlstand vom Wohlwollen anderer Regierungen ist. Wir hängen am Gas Russlands, am Öl der Scheichs und am Uran Australiens wie ein Junkie an der Nadel.
Politik + Vermischtes + Internetkultur
Über 85.000 Unterschriften sind bereits im Internet gesammelt. In einer in sechs Sprachen verfassten Petition wollen Unterstützer eine zweifache Mutter aus der russischen Haft befreien, die hochschwanger ist und im Dezember zum dritten Mal ein Kind bekommen wird. Die Geschichte ist tragisch und aufwühlend. Sie zeigt, wie weit das neue mächtige Russland noch von demokratischen Standards entfernt ist.
Web & Technik + Internetkultur
Was Google kann, das kann Microsoft schon lange – so in etwa könnte die Reaktion aus Redmond auf den Punkt gebracht werden. Denn auf Konkurrenz reagiert der Konzern prompt: ebenfalls mit dem Ausbau seines Online-Dienstes. “Cloud Computing” heißt nun auch ihr Zauberwort der Stunde, das Ray Ozzie, Nachfolger von Bill Gates, während der Professional Developers Conference in Los Angeles verkündete. Die neue Plattform “Windows Azure” soll es richten. Helmut Martin-Jung von der Süddeutschen Zeitung hat mit dem Chief Software Architect über den Strategiewechsel gesprochen.
“Man kann sagen, Armut macht Schule“, tönt es zu Beginn dieser Woche und damit pünktlich zum Schulanfang auf der Readers Edition. Kollege Felix Kubach unterhielt sich mit Psychologe David Riha über die Benachteiligung und Armut von Kindern, die sie gerade in der Schule zu spüren bekommen würden. “Die hieraus resultierenden Einschränkungen hinsichtlich der in die Schule eingebrachten Lernfähigkeiten definieren das Aufgabenfeld der Institution Schule in Zukunft neu”, so der Experte im Interview. Wie sich diese Situation in anderen Ländern der Welt darstellt und welche weiteren spannenden Themen unsere Autorinnen und Autoren in dieser Woche bewegt haben, gibt es wie immer hier in unserer kleinen Rückschau.
Paris, Tallin und Vilnius und andere fordern von Merkel eine “härtere Gangart” gegenüber Moskau.
In der Weltgeschichte ist kleinen Staaten auf Grund ihrer Lage an den Grenzen des Einflussbereichs konkurrierender großer Mächte immer wieder die undankbare Aufgabe zugefallen, sich neutral zu verhalten und sich nicht in das Machtgefüge eines der miteinander um die Vormacht kämpfenden Großen in die Arme zu werfen. Kluge Strategen bei allen Beteiligten haben schon immer gewusst, dass Pufferstaaten sein müssen, wenn zwischen großen Mächten Ruhe herrschen soll.
Ach, du dickes (Überraschungs-) Ei: 34 Jahre lang haben Kinder vor höchster Lebensgefahr ihre Eltern an Supermarktkassen genervt, bis die Kleinen zwischen Hoffen und Bangen die Schokoladenhälften auseinander brachen, ihre Zähne in die gelbe Umhüllung bohrten und enttäuscht über einer Gebrauchsanweisung für ein kompliziertes Gebilde hockten, weil sich die ersehnten Figuren eben nur in jedem siebten Überraschungsei befinden.
Als einer der ersten legte Reitschuster bereits im April ein kompetentes Portrait des neuen russischen Präsidenten vor. Doch mit dem vorliegenden Buch erhält man mehr als eine Vorstellung des neuen Mann an Russlands Spitze – es ist gleichermaßen auch eine souveräne Beschreibung des gegenwärtigen Russlands.
Gerade rollt, skeptisch beäugt von einer, durch zahllose Doping-Vorfälle desillusionierten Öffentlichkeit, die Tour de France über die Straßen unseres westlichen Nachbarlandes. Da blitzt die Meldung aus Russland auf, dass man dort plane das “beste und größte Radteam der Welt” aufzubauen. Man ist es mittlerweile ja gewohnt, dass, nachdem die Oligarchen Russlands in der Politik nicht mehr mitspielen dürfen, sie sich verstärkt in sportlichen Gefilden austoben. Die dort ausgelebte Devise “klotzen statt kleckern” war bis dato jedoch vornehmlich dem internationalen Fußball vorbehalten. Nun kommt anscheinend noch der Radsport hinzu.
Nicht erst seit Medwedjew gibt es die Tradition im Kreml, dass vor wichtigen Besuchen im Ausland, Journalisten aus denjenigen Staaten, in die der Hausherr zu reisen gedenkt, exklusive Interviews gewährt werden. Nächste Woche beginnt in Japan der G8-Gipfel, und so empfing Dmitrij Medwedjew eine ausgesuchte Journalisten-Schar der beteiligten Länder. Der anstehende G8-Gipfel ist für den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew die erste Gelegenheit, außenpolitisch Akzente zu setzen.
In einer Zeit, in der der Staat eher in die russische Wirtschaft eindringt als sich aus ihr zurückzuziehen, verwundert das gegenwärtige Vorhaben der Privatisierung des Elekrizitätsmarkts doch ein wenig. Ab dem 1. Juli wird der quasimonopolistische Stromkonzern RAO UES endgültig Geschichte sein. Produktion und Stromübertragung sollen getrennt werden. Im nächsten Schritt sollen die Preise freigegeben werden.