Heute, vor einem Jahr - KW36/2008
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 1. - 7. September 2008
Ein Blick durch mein Fenster, in der Woche vom 1. - 7. September 2008
Die Ereignisse um den Tod des legendären „King of Pop“, Michael Jackson, haben die Medien derzeit fest im Griff. Doch geriet dabei auch ein zentrales Thema der letzten Wochen aus dem Mittelpunkt der Öffentlichkeit: Das allseits für seine Drohgebärden bekannte Nordkorea. Grund genug also, die Geschehnisse der letzten Zeit auf der koreanischen Halbinsel einmal näher zu betrachten.
Südkorea hat vor kurzem die Hälfte alles bebaubaren Landes in Madagaskar gepachtet, wie die Financial Times berichtet. Das hat eine ziemliche Debatte in der Blogosphäre Madagaskars über die Souveränität des Landes und die ökonomische Entwicklung ausgelöst. Es steht noch nicht fest, ob der Pachtvertrag wirklich schon von beiden Seiten unterzeichnet wurde. In der Zwischenzeit diskutieren Blogger, ob ein solcher Vertrag als “Neokolonialismus” betrachtet werden müsse.
Haben Sie Ihre Klingel vorsorglich auch schon mal abgestellt, die Rolläden heruntergelassen und tun so als wären Sie gar nicht da? Oder aber brennen vor Ihrer Haustüre schon die ersten Lichter in diversen Kürbisköpfen, die Süßigkeiten stehen bereit und das Kostüm für die heutige Party erhält den letzten Schliff? Für welche Variante Sie sich auch entschieden haben mögen, seien Sie gewiss, vielleicht sogar beruhigt, dass “Trick or Treat” nicht das einzige Thema unserer heutigen Zusammenschau sein wird.
Seit Wochen ist Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Yong-il von der Bildfläche verschwunden. Mittlerweile sind an die zwei Monate vergangen, seit der über 60-jährige Regimeführer das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Gerüchte kursieren. Von schwerer Krankheit, einem Schlaganfall mit anschließender teilweisen Lähmung oder gar vom Tod des Diktators wird spekuliert. Davon will man in Pjoenjang gar nichts hören. Dem “geliebten Führer” ginge es bestens, entgegnet man seither standhaft. Zur Bestätigung veröffentlichte das Regime Fotos, die den Diktator lebend zeigen. Nichtsdestotrotz: Kim bleibt unauffindbar. Selbst ausländische Geheimdienste rätseln.
In südkoreanischen Kasernen dürfen keine internationalen Bestseller gelesen werden, die “staatsfeindlich”, “antikapitalistisch”, “antiamerikanisch” oder “nordkoreafreundlich” sind. Gegen diese Zensur ihres Arbeitgebers haben sieben Offiziere eine entsprechende Verfassungsklage angestrengt. Das Verteidigungsministerium will die Soldaten dafür belangen. Unterdessen haben betroffene Verlage das Verteidigungsministerium auf Schadensersatz verklagt.
“Der Staat weiß gar nicht mehr, wie er seine Bürger überhaupt gängelt”, schimpft Martin-Philipp Kaltenmaier, Besitzer der angesagten Tomsky-Bar in Berlin/Prenzlauer Berg am gestrigen Donnerstag. “Wenn das Rauchverbot in Einraumkneipen gestern nicht gekippt worden wäre, hätte das für mich schon sehr an die Substanz gehen können, sprich an die Existenz.” Viel Wirbel hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in dieser Woche ausgelöst. Das Rauchverbot wurde außer Kraft gesetzt. Befürworter und Gegner eines solchen Gesetzes lieferten sich wahrhafte Meinungsschlachten. Doch nicht nur der blaue Dunst bestimmte in dieser Woche das Geschehen auf der Readers Edition, wie sich nachfolgend eindrucksvoll beweisen lässt…
Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat eine Schwarzliste veröffentlicht, die den Rekruten die Lektüre von insgesamt 23 Titeln verbietet. Die Liste umfasst nationale wie internationale Bestseller. Ein Sprecher des Ministeriums rechtfertigte das Leseverbot damit, dass die Ausbildung der Soldaten dadurch Schaden nehmen könne.
Politik + Klimawandel + Nachhaltigkeit
Während weiter westlich noch über die olympische Luftverschmutzung gegrübelt wird, plant Tigerstaat Südkorea sein eigenes Großreinemachen. Das Land will seine Investitionen in erneuerbare Energien noch in diesem Jahr um 60 Prozent erhöhen.
Die Intendanten der großen Fernsehanstalten des Landes werden von der neuen Administration ausgetauscht und nach und nach mit „regierungsfreundlichem“ Personal ersetzt. Bei der Vollversammlung der Aktionäre des Nachrichtensenders YTN kam es vergangene Woche zu Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Bodyguards. Kritiker befürchten, dass die Fernsehsender von der Regierung in ihrem Sinne „gleichgeschaltet“ werden sollen. In der Regierung versteht man die ganze Aufregung nicht.
Politik + Social Media + Social Media Blog
Die seouler Staatsanwaltschaft hat ein Ausreiseverbot gegen rund 20 Netizen verhängt. Den Internetnutzern wird vorgeworfen, durch ihre Boykottaufrufe gegen bestimmte Großunternehmen immense Schäden verursacht zu haben. Des Weiteren wird ihnen „Bedrohung“ zur Last gelegt. Einem der betroffenen Netizen wurde die Ausreise am Flughafen bereits verwehrt. Er plant, juristische Schritte einzuleiten. Rechtsexperten sind alarmiert von den jüngsten Maßnahmen der Exekutive.
“The Games are over!” – Die Spiele sind vorbei: Seit vergangenen Montag herrscht wieder Ruhe auf deutschen Fanmeilen. Nur noch vereinzelt wehen kleine Flaggen an vorüberfahrenden Autos im Wind. Das bestimmende Thema der letzten Wochen wurde abgelöst und der Pluralität Platz gemacht. Auf der Readers Edition zeichnete sich ein ähnliches Bild. Den Nachbetrachtungen vom Anfang der Woche folgte nur noch ein Dahingeplätscher – zum Wochenende hin wurde sich vollends neuen Bereichen gewidmet.
Die Auseinandersetzungen um die neue Regierung unter Lee Myung-bak und den Rindfleischimport aus den USA geht in die nächste Runde. Die Regierungspartei und rechtskonservative Zeitungen werfen einem Polit-Magazin des Fernsehsenders MBC “Aufwiegelung” und “verfälschte Berichterstattung” vor, die schließlich zu den Lichterkettendemonstrationen seit Anfang Mai geführt haben sollen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln bereits gegen die Sendung. Juristen und Stimmen aus Politikerkreisen wie aus der Gesellschaft stehen der Vorgehensweise jedoch kritisch gegenüber.
Politik + Web & Technik + Social Media
Rund 20.000 Menschen demonstrierten am gestrigen Sonnabend zum 51. Mal gegen die Regierungsentscheidung, den Rindfleischimport aus den USA unter den vereinbarten Bedingungen wieder aufzunehmen. Ungefähr 30 Polizisten und ca. 400 Demonstranten wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. 53 Personen wurden festgenommen.
“Der multinationale Konzern Allianz kommt seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht nach und verhält sich falsch! Dagegen protestieren Bürgerinitiativen, Arbeiter und Wissenschaftler gemeinsam!”