Backe backe Kuchen, … wer hat da gerufen …!
Alles kommt viel weniger schlimm, - wenn man mit dem Schlechtesten rechnet!
Alles kommt viel weniger schlimm, - wenn man mit dem Schlechtesten rechnet!
Seit den Unruhen in Xinjiang am 5. Juli ist inzwischen mehr als ein Monat vergangen, aber die Mehrheit der chinesischen Internet-User wirft nach wie vor dem Westen und Rebiya Kadeer vor, die Separatistenbewegungen in Xinjiang zu unterstützen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Stimmen im chinesischen Internet, die die Ursache der Unruhen in Urumqi auf die lange Unterdrückung zurückführen. Eine davon ist dieser kurze Kommentar im BBS von people.com:
Die Entstehung von Internetzeitungen im Iran beweist den Willen der Bürger Irans und der Oppositionsgruppen, weiterhin Informationen auszutauschen, auch wenn die islamische Republik die Zensur verschärft, filtert und unterdrückt. Beim Lesen von Internetzeitungen wird klar, dass die iranische Protestbewegung so vielfältig ist wie die iranische Gesellschaft und ihre Blogosphäre.
Seit mehreren Tagen brodelt es in China, verfolgt man die Online-Presse, die zu seinem Westteil, Xinjiang schreibt. Vor mehr als einer Woche kam es in einer Spielzeugfabrik zu einer Massenschlägerei zwischen Hanchinesischen Arbeitern und türkischen Muslimen aus der Westprovinz Chinas Xinjiang. Dabei hatte eine chinesische Mitarbeiterin in den Aufenthaltsräumen der Uiguren sich tätlich angegiffen gefühlt. Daraufhin sind beide Gruppen spontan bewaffnet aufeinander zugegangen, zwei Tote, viele Verletzte.
Die große Frage dieser Tage ist ja eigentlich, ob man gezwungen ist, sich für die Vorgänge im Iran zu interessieren. Ob man für bare Münze nehmen muss, was einem von Leuten erzählt wird, die sich von anderen Leuten etwas haben erzählen lassen, ob man Scholl-Latour trauen soll, der wenigstens im Ungefähren bleibt, oder der “Bild”-Zeitung, die Bilder und Filme dokumentiert, aber hinzufügt, dass sie leider nicht prüfen könne, ob das Blut Blut oder vielleicht Erdbeermarmelade ist.
Wahltag in Halle und was für ein Sieg für die junge Demokratie in den neuen Bundesländern! Immerhin rund 9000 entscheiden sich für die rot-weiße Partei mit den drei Buchstaben und für einen Erlebnisnachmittag mit vier oder fünf Wenns und Abers. Wenn der HFC zum Saisonfinale zu Hause gegen den VFC Plauen siegt, ist er aufgestiegen. Wenn Holstein Kiel gleichzeitg gegen Lübeck über ein Remis nicht hinauskommt. Wenn das so kommt, wären die Vogtländer abgestiegen. Wenn Türkiemspor seinerseits gegen Hamburg Altona gewinnt.
“Ich freue mich und bin begeistert, dass so viele Bürger zeigen, dass sie mit der Symbolpolitik der Bundesregierung nicht einverstanden sind. Es gibt viele sinnvolle Maßnahmen, um gegen Kinderpornographie im Internet vorzugehen. Der Aufbau einer geheimen Zensurinfrastruktur gehört nicht dazu”, erklärt Franziska Heine, Initiatorin der Online-Petition “Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” zum heutigen Erfolg mehr als 50.000 Mitzeichner gefunden zu haben. Nun gilt es jedoch weitere Unterstützer einzubinden. Die Initiative der 29-Jährigen hat wieder einmal gezeigt: Das Internet ist lebendiger denn je. User schließen sich zusammen und können mit geballter Kraft mehr bewegen als der Einzelne sich je erträumen könnte. Ob Boris Becker mit seinem neuesten Coup “WebTV” ebenfalls eine solche Euphorie auslösen kann, sei dahin gestellt. Unsere Autoren haben sich in der vergangenen Woche jedenfalls drängenderen Themen als dem Privatleben eines alternden Tennisstars gewidment.
Ach, was waren die letzten Wochen wieder spannend: Gesine Schwan warnte vor sozialen Unruhen und wurde daraufhin von Kolleginnen und Kollegen aus der Politik verbal geohrfeigt, wohingegen sich Gewerkschaftler der Warnung anschlossen. Bundeskanzlerin Merkel “verbittet” sich solche Warnungen, schließlich verfüge Deutschland über einen “gefestigten Sozialstaat, der Verfassungsrang genieße und leistungsfähig ist”, ließ sie über den Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ausrichten. Es sei “völlig unverantwortlich, jetzt Panik zu verbreiten und Ängste zu schüren”, meinte die Kanzlerin weiter zu den Äußerungen über mögliche soziale Unruhen infolge der Krise.
Noch vorige Woche hatte Gesine Schwan in ihrer ein Bißchen wie ein Aufruf wirkenden Warnung vor „Sozialen Unruhen“ darauf aufmerksam gemacht, dass die Stimmung „der Menschen“ angesichts dauerhafter Rezession und managerverschuldeter Finanzkrise in eine Art explosive Lynchmob-Laune umschlagen könnte. Die Polizeigewerkschaft fürchtet entsprechend die schwersten Krawalle seit Jahren – insbesondere in Berlin, wo Globalisierungskritiker, der DGB, linke und rechte Autonome, NPD und verfeindete griechische Basketballteams aufeinander treffen. Droht Deutschland morgen ein Bürgerkrieg? Wohl kaum.
Wie nach dem schändlichen Totschlag des Studenten Benno Ohnesorg in Berlin durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras am 2.6.1967, dem Auslöser der berühmten Revolte der 68er Jahre, hat die offenbar ebenso willkürliche Tötung des 15 jährigen Schülers Alexis Grigoropoulos in Athen durch einen schlecht ausgebildeten Polizisten die Jugend auf die Straßen getrieben.
Zerstörte Autos, Flammen, die aus den Geschäften schlagen, kaum zu bändigende Gewalt auf den Straßen: Unweigerlich wird der Zuschauer an Szenen erinnert, die sich vor fast genau drei Jahren in Frankreichs Vororten abspielten. Damals, im Oktober 2005 galt der Unfalltod zweier Jugendlicher als Auslöser furchtbarer Unruhen. Chaos regierte Paris und das Umland. Der Notstand wurde ausgerufen. Seit drei Tagen erreichen uns nun auch aus Griechenland Szenen, die den Atem rauben. Nachdem der erst 15-jährige Alexandros Grigoropoulos in Athen von einem Streifenpolizisten erschossen wurde, weitet sich die Gewalt jetzt auch auf andere Städte des Landes aus. Die Nachrichten hierzu überschlagen sich fast im Minutentakt. Erst heute Abend kam es erneut zu schweren Krawallen, denen die hiesige Polizei mit einem massiven Tränengaseinsatz beikam.
Alles Böse wird in Halle derzeit vor dem Stadion geparkt: Nach Unruhen und allerlei Unbotmäßigkeiten auf den Fantribünen verhängte der Regionalligist vor Wochen in höchster Not Stadionverbote gegen ein halbes Hundert seiner Fans. Die campieren seitdem bei jedem Heimspiel unter einem Banner “Saalefront - Ultras, Sektion Stadionverbot” auf ein paar Partybänken draußen vor dem Stadion.
“Die Fußball-EM in Österreich ist wie Skispringen in Namibia”, hat der deutsche Kabarettist und Schauspieler Alfred Dorfer, im Januar 2006 in “Ottis Schlachthof” im Bayerischen Fernsehen zum Besten gegeben. Ob der geneigte Leser dessen Meinung nun teilt oder nicht, ein merkliches Kribbeln ist mittlerweile fast allerorten zu spüren. Und so gilt in weiten Kreisen: “Es ist angezählt, die Spiele können beginnen!” Bevor sich jedoch vollends dem Rausch des Sommers hingegeben wird, hier wie gewohnt unsere Lesetipps der Woche.
Erstmals sagt der Dalai Lama ohne Wenn und Aber, “Tibet ist völkerrechtlich ein Teil Chinas”. In einem Interview mit dem Fernsehjournalisten Franz Alt in der ARD sagte das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter wörtlich: “Die indische Regierung hat von Anfang an gesagt, dass Tibet eine autonome Region innerhalb von China ist - und das ist richtig. Das ist eine ganz korrekte Bezeichnung. Juristisch stimmt das. Das ist völlig hieb- und stichfest.”
“Libanon steht kurz vor dem ‘point of no return’“, war diese Woche auf der Readers Edition zu lesen. Andreas Wischnat, Student an der American University of Beirut, gibt mit seiner Einschätzung wenig Anlass zur Hoffnung. Auch wenn sich die Lage mittlerweile wieder etwas beruhigt hat – Friede scheint noch lange nicht in Sicht. Seine bewegenden Schilderungen aus Beirut, die er uns am vergangenen Wochenende zukommen ließ, haben einen nachhaltigen Eindruck im fernen Deutschland hinterlassen. Denn während hierzulande nun wieder Grill und Würstchen ausgepackt werden, sieht es in anderen Teilen der Welt alles andere als rosig aus. Dass wir das jedoch nicht vergessen, dazu haben unsere engagierten Autoren in den letzten Tagen wieder eine ganze Menge beigetragen.